Zeit zwischen Erbfall und Testamentseröffnung

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spsln
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Zeit zwischen Erbfall und Testamentseröffnung

Beitrag von spsln »

Hallo zusammen,

folgender fiktiver Fall:

Großvater G verstirbt, nach gesetzlicher Erbfolge wären seine Erben seine überlebende Ehefrau F und sein Enkel E (sein Sohn ist bereits vor G verstorben). Es gibt ein Testament von G, der Inhalt ist völlig unbekannt. Es liegt dem zuständigen Nachlassgericht vor. Wegen Überlastung ist ein Eröffnungstermin jedoch nicht absehbar, auch Monate nach dem Erbfall. In der Zwischenzeit hat Ehefrau F bereits Teile des Nachlasses ohne Wissen und Absprache mit Enkel E veräußert und bedient sich mithilfe der in Besitz gebrachten EC-Karte an dem Konto des G.

Was könnte E in einem solchen Fall unternehmen, um den Nachlass zu sichern, insbesondere die ggf. unberechtigte Verfügung der F über den Nachlass zu verhindern? F lässt sich durch einen Rechtsanwalt vertreten der angibt, vor Testamentseröffnung hätte Enkel E keinerlei Anspruch oder Handhabe.

Vielen Dank!
ExDevil67
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Re: Zeit zwischen Erbfall und Testamentseröffnung

Beitrag von ExDevil67 »

Wie sieht das eigentlich mit einem Erbschein in diesem Fall aus? Gäbe es da eine Möglichkeit sich eine Art vorläufigen Erbschein zu holen und damit bei der Bank zumindest den Zugriff der Oma auf die Konten zu blockieren? Denn ohne Erbschein dürfte die Bank sich ja kaum im Streit der Erben von einer Seite für seine Zwecke einspannen lassen. Mit fällt aber so spontan auch keine andere Möglichkeit ein mögliche eigene Ansprüche vorläufig zu sichern.
matthias.
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Re: Zeit zwischen Erbfall und Testamentseröffnung

Beitrag von matthias. »

Man kann die Bank informieren vom Erbfall, dann sperren sie üblicherweise die Konten des Verstorbenen.
lottchen
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Re: Zeit zwischen Erbfall und Testamentseröffnung

Beitrag von lottchen »

Auch wenn Mann und Frau gemeinsam Kontoinhaber sind?
Woher weiß der Enkel eigentlich, dass "sein Erbe" verprasst wird? Vielleicht gehört das Geld was sie ausgibt ja auch der Frau.
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!
spsln
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Re: Zeit zwischen Erbfall und Testamentseröffnung

Beitrag von spsln »

Es geht nicht um ein Gemeinschaftskonto sondern um ein Konto das nur auf den Erblasser lief und von dem die Witwe nun mithilfe der EC Karte des G abhebt.

Dass das Guthaben auf einem Gemeinschaftskonto in so einem Fall hoffnungslos verloren wäre ist schon klar aber darum geht es eben nicht.
hambre
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Re: Zeit zwischen Erbfall und Testamentseröffnung

Beitrag von hambre »

Es geht nicht um ein Gemeinschaftskonto sondern um ein Konto das nur auf den Erblasser lief und von dem die Witwe nun mithilfe der EC Karte des G abhebt.
Das kann E ganz leicht dadurch unterbinden, dass er die Bank über den Tod von G informiert und die Vollmacht für F widerruft, sowie die EC-Karte sperren lässt.
Altbauer
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Re: Zeit zwischen Erbfall und Testamentseröffnung

Beitrag von Altbauer »

hambre hat geschrieben: 16.03.21, 16:59 Das kann E ganz leicht dadurch unterbinden, dass er die Bank über den Tod von G informiert
dann wird die Bank mal schauen, ob es eine "Vollmacht über den Tod hinaus" ist.
hambre hat geschrieben: 16.03.21, 16:59 und die Vollmacht für F widerruft, sowie die EC-Karte sperren lässt.
Kann er das denn, wo doch gar nicht bekannt ist, was im Testament steht bzw.
ob er Erbe wird/ist ?
(Der gesetzliche Erbe könnte nämlich enterbt worden sein, so dass er ggf. nur einen
Pflichtteil fordern kann)
FM
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Re: Zeit zwischen Erbfall und Testamentseröffnung

Beitrag von FM »

Sollte jemand ohne hinreichenden Grund Geld vom Konto entwendet haben, kann man es auch später noch zurück verlangen. Hinreichend wären vielleicht Bestattungskosten oder ähnliches.

Sollte dieses Verlangen erfolglos bleiben weil derjenige zahlungsunfähig ist, könnte man über eine Amtspflichtverletzung des Nachlassgerichts nachdenken, falls unangemessen lange Verzögerungen der Grund waren. Bringt aber nichts, wenn das Konto sehr schnell leergeräumt wurde.

Es gibt aber auch im Erbrecht Möglichkeiten, so etwas zu vermeiden, siehe z.B.: https://dejure.org/gesetze/BGB/1960.html Irgendjemand muss dem Gericht aber schon sagen, dass da überhaupt Bedarf besteht und wo sich das Vermögen befindet; das wissen die nicht von sich aus.
hambre
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Re: Zeit zwischen Erbfall und Testamentseröffnung

Beitrag von hambre »

dann wird die Bank mal schauen, ob es eine "Vollmacht über den Tod hinaus" ist.
Warum sollte sie das nachschauen? Wenn es keine Vollmacht über den Tod hinaus war, dann müsste ja gar nichts widerrufen werden und die Bank hat den Kontozugriff zu Unrecht erlaubt.
Kann er das denn, wo doch gar nicht bekannt ist, was im Testament steht bzw.
ob er Erbe wird/ist ?
Die Bank wird nicht das Risiko eingehen wollen, dass F doch Erbe ist.
Sollte sich herausstellen, dass E Erbe ist und die Bank hat trotz Aufforderung durch E das Konto und die EC-Karte nicht gesperrt, dann hat die Bank ein Problem.

Allenfalls ist denkbar, dass G eine Schenkung von Todes wegen zugunsten von F gemacht hat und aus diesem Grund der Zugriff von F zu Recht erfolgt.
Jdepp
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Re: Zeit zwischen Erbfall und Testamentseröffnung

Beitrag von Jdepp »

FM hat geschrieben: 16.03.21, 21:10
Es gibt aber auch im Erbrecht Möglichkeiten, so etwas zu vermeiden, siehe z.B.: https://dejure.org/gesetze/BGB/1960.html Irgendjemand muss dem Gericht aber schon sagen, dass da überhaupt Bedarf besteht und wo sich das Vermögen befindet; das wissen die nicht von sich aus.
Dafür müsste aber genau das Gericht/der Sachbearbeiter tätig werden, das/der es schon nicht schafft zeitig ein Testament zu eröffnen, was im Übrigen deutlich schneller geht als eine Nachlasspflegschaft einzurichten.
Altbauer
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Re: Zeit zwischen Erbfall und Testamentseröffnung

Beitrag von Altbauer »

hambre hat geschrieben: 17.03.21, 00:08 Warum sollte sie das nachschauen? Wenn es keine Vollmacht über den Tod hinaus war, dann müsste ja gar nichts widerrufen werden und die Bank hat den Kontozugriff zu Unrecht erlaubt.
Ganz recht, dann dürfte die Information über den Tod des Inhabers schon genügen.
hambre hat geschrieben: 17.03.21, 00:08 Die Bank wird nicht das Risiko eingehen wollen, dass F doch Erbe ist.
Sollte sich herausstellen, dass E Erbe ist und die Bank hat trotz Aufforderung durch E das Konto und die EC-Karte nicht gesperrt, dann hat die Bank ein Problem.
Und wenn die Bank das Konto sperrt, obwohl eine Vollmacht über den Tod hinaus besteht, dann macht sie
sich ein Problem, da dann der Vollmachtinhaberin ein Schaden entstehen könnte.

Es bleibt also m.E.:
- Bank über den Tod informieren.
- Dann die Nerven behalten und warten, bis das Testament eröffnet ist.
matthias.
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Re: Zeit zwischen Erbfall und Testamentseröffnung

Beitrag von matthias. »

Zum Thema Vollmacht über den Tod hinaus widerrufen:

https://rechtsanwalt-roettgen.de/erbrec ... vollmacht/
hambre
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Re: Zeit zwischen Erbfall und Testamentseröffnung

Beitrag von hambre »

Und wenn die Bank das Konto sperrt, obwohl eine Vollmacht über den Tod hinaus besteht, dann macht sie
sich ein Problem, da dann der Vollmachtinhaberin ein Schaden entstehen könnte.
Da aufgrund des Widerrufs durch E berechtigte Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Vollmacht für F bestehen, macht sich die Bank nicht schadenersatzpflichtig.
Altbauer
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Re: Zeit zwischen Erbfall und Testamentseröffnung

Beitrag von Altbauer »

hambre hat geschrieben: 17.03.21, 12:44 Widerrufs durch E
Ich wiederhole mich ungern:
E kann eine Vollmacht, die noch gilt widerrufen sofern er Erbe ist.
Eben dies steht ja nicht fest, da das Testament nicht eröffnet ist.
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