Kosten Bestatter ohne Beauftragung unsererseits

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ExDevil67
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Re: Kosten Bestatter ohne Beauftragung unsererseits

Beitrag von ExDevil67 »

KiterHH hat geschrieben: 16.04.21, 11:10 Rein darum, dass man anscheinend automatisch und gegen den Wunsch der Angehörigen vor Ort einen Vertragsbestatter der Polizei beauftragt hat und die dadurch entstandenen zusätzlichen Kosten zu tragen sind.
Der Bestatter der Angehörigen hätte wohl sämtliche Dienstleistungen ebenfalls erbracht und erbringen können(dies ist im Bestattungsauftrag der angehörigen auch enthalten). Auch vor dem Hintergrund, dass das Erbe nicht angetreten wird ( falls dies eine Rolle spielt)
Das die Polizei im Rahmen ihrer Aufgaben ihren Vertragsbestatter beauftragt da wird man als Angehöriger nichts gegen machen können. Da wird sich die Polizei wohl auch kaum auf Diskussionen einlassen, weil vermutlich im Rahmen der entsprechenden Ausschreibung Dinge wie ordnungsgemäße Lagerung, Zutrittsrechte etc geprüft werden und damit die Polizei sich darauf verlassen kann das bei "ihrem" Bestatter die Leichen sicher verwahrt werden.
Nicht das der Familienbestatter eingeweiht ist und zulässt das man still und heimlich die Leiche einäschert um einen Mord zu verschleiern.

Wenn der Vertragsbestatter schon gefragt wurde, hat er auch begründet warum die Angehörigen ihn bezahlen müssten?
KiterHH
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Re: Kosten Bestatter ohne Beauftragung unsererseits

Beitrag von KiterHH »

ExDevil67 hat geschrieben: 16.04.21, 12:02Wenn der Vertragsbestatter schon gefragt wurde, hat er auch begründet warum die Angehörigen ihn bezahlen müssten?
KiterHH hat geschrieben: 16.04.21, 10:55Die Antwort kam promt, da bereits am Anfang gefragt wurde : Die Rechnung stellt er immer den Nachkommen, da diese letztendlich die Kosten tragen müssen für die Dienstleistung.
ExDevil67
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Re: Kosten Bestatter ohne Beauftragung unsererseits

Beitrag von ExDevil67 »

KiterHH hat geschrieben: 16.04.21, 12:14 Die Antwort kam promt, da bereits am Anfang gefragt wurde : Die Rechnung stellt er immer den Nachkommen, da diese letztendlich die Kosten tragen müssen für die Dienstleistung.
Das beantwortet aber die Frage nicht. Hat der Bestatter diese Aussage "das müssten so oder so die Angehörigen zahlen" auch begründet im Sinne von "die Pflicht der Angehörigen den Auftrag den die Polizei mir erteilt hat zu bezahlen ergibt sich aus ...." oder hat er das einfach nur so pauschal in den Raum gestellt weil er z.B. keine Lust hat zu warten bis die Polizei jemanden gefunden hat der bereit ist das aus seinem Etat zu bezahlen.
KiterHH
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Re: Kosten Bestatter ohne Beauftragung unsererseits

Beitrag von KiterHH »

ExDevil67 hat geschrieben: 16.04.21, 13:04
KiterHH hat geschrieben: 16.04.21, 12:14 Die Antwort kam promt, da bereits am Anfang gefragt wurde : Die Rechnung stellt er immer den Nachkommen, da diese letztendlich die Kosten tragen müssen für die Dienstleistung.
Das beantwortet aber die Frage nicht. Hat der Bestatter diese Aussage "das müssten so oder so die Angehörigen zahlen" auch begründet im Sinne von "die Pflicht der Angehörigen den Auftrag den die Polizei mir erteilt hat zu bezahlen ergibt sich aus ...." oder hat er das einfach nur so pauschal in den Raum gestellt weil er z.B. keine Lust hat zu warten bis die Polizei jemanden gefunden hat der bereit ist das aus seinem Etat zu bezahlen.
Es gab nicht mehr begründung seitens des Bestatters...
ktown
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Re: Kosten Bestatter ohne Beauftragung unsererseits

Beitrag von ktown »

Also hat er nichts begründet.
Wenn ich mal die Aussage des Bestatters in simple Worte umwandeln darf: "Das hab ich schon immer so gemacht."
ist aber nicht automatisch gleichzusetzen, dass es auch berechtigt ist.

Formal korrekt müsste er seine Kosten dem öffentlichen Träger in Rechnung stellen (dieser ist ja sein Vertragspartner) und der könnte, wenn es eine Rechtsgrundlage dafür gibt, per Kostenbescheid dieses vom Bestattungspflichtigen zurück fordern.

Mich würde nicht wundern, wenn der Bestatter zweigleisig fährt. :wink:
Ausnahme: Wenn es im Bestattungsgesetz von Niedersachsen so geregelt ist.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe
lottchen
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Re: Kosten Bestatter ohne Beauftragung unsererseits

Beitrag von lottchen »

Man könnte dem Bestatter einfach sagen, er möge doch seine Rechnung an seinen Auftraggeber stellen. Die Angehörigen haben kein Vertragsverhältnis mit ihm und müssen ihm gar nichts bezahlen. Und dann wartet man auf den Gebührenbescheid der Stadt / des Landes. Da wird ja dann hoffentlich drauf stehen aus welchem Paragrafen aus welchem Gesetz sich die Zahlungspflicht und die Höhe der Zahlung ergibt. Das kann man dann prüfen und dann entscheiden, ob man bezahlt oder dagegen vorgeht.
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!
hambre
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Re: Kosten Bestatter ohne Beauftragung unsererseits

Beitrag von hambre »

Wahrscheinlich glaubt der Bestatter oder die Polizei, dass eine Kostentragungspflicht auf Basis des NPOG besteht. Die Leiche wurde im Rahmen der Gefahrenabwehr abtransportiert. Das wäre jedenfalls dann zulässig, wenn kein Angehöriger greifbar ist. In so einem Fall bestünde auch eine Kostentragungspflicht.

Allerdings hat die Polzei in diesem Fall den § 5 Abs. 2 Satz 2 NPOG nicht beachtet, so dass die Polizei wohl auf den Kosten sitzen bleiben wird.
karli
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Re: Kosten Bestatter ohne Beauftragung unsererseits

Beitrag von karli »

lottchen hat geschrieben: 16.04.21, 15:31 Man könnte dem Bestatter einfach sagen, er möge doch seine Rechnung an seinen Auftraggeber stellen. Die Angehörigen haben kein Vertragsverhältnis mit ihm und müssen ihm gar nichts bezahlen.
hambre hat geschrieben: 16.04.21, 16:36Das wäre jedenfalls dann zulässig, wenn kein Angehöriger greifbar ist. In so einem Fall bestünde auch eine Kostentragungspflicht.
Möglicherweise gehen Polizei und Bestatter auch von einer Geschäftsführung ohne Auftrag , gemäß § 677 ff BGB aus, weil das bisher auch gut funktioniert hat. :wink:
Ist halt hinfällig, denn
KiterHH hat geschrieben: 15.04.21, 11:13 Vor Ort haben wir bereits darauf verwiesen, dass wir einen anderen Bestattet haben der die Leiche auch direkt abholen kann.
Wenn du kritisiert wirst, dann mußt du irgend etwas richtig machen, denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat. (Bruce Lee)
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KiterHH
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Re: Kosten Bestatter ohne Beauftragung unsererseits

Beitrag von KiterHH »

Vielen Dank Euch, anscheinend schätzt ihr denn Fall also gleich ein.

Dann werden die angehörigen mal schauen, wie der Bestatter reagiert... Wenn es weitere Infos gibt, kann ich Sie gerne weitergeben
ExDevil67
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Re: Kosten Bestatter ohne Beauftragung unsererseits

Beitrag von ExDevil67 »

Wobei ich hier weder eine Maßnahme im Rahmen der Gefahrenabwehr noch eine Geschäftsführung ohne Auftrag sehe.
Laut Sachverhalt wurde die Leiche erst nach "Freigabe" an den Bestatter der Familie übergeben, was in meinen Augen dafür spricht das vor Ort nicht sicher eine natürliche Todesursache bestätigt werden konnte, es also formal von Seiten der Polizei ein Verfahren eingeleitet und bis zur Klärung der Todesursache die Leiche beschlagnahmt wurde. Und dann wären in meinen Augen die Kosten des Vertragsbestatters von Polizei als Kosten des Ermittlungsverfahrens zu tragen.
Heiko66
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Re: Kosten Bestatter ohne Beauftragung unsererseits

Beitrag von Heiko66 »

Da wird sich die Polizei wohl auch kaum auf Diskussionen einlassen, weil vermutlich im Rahmen der entsprechenden Ausschreibung Dinge wie ordnungsgemäße Lagerung, Zutrittsrechte etc geprüft werden und damit die Polizei sich darauf verlassen kann das bei "ihrem" Bestatter die Leichen sicher verwahrt werden.
Es deutet sich, wie das öfter bei Ausschreibungen dieser Art ist, an, dass dies eher ein frommer Wunsch ist und in der Bewertungsmatrix am Ende eher der günstigere als der qualitativ Hochwertige gewinnt.

Beispiel:
https://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenbu ... er-Polizei
Torsten Lange kennt die Vorwürfe und Strafanzeigen. Er spricht von einem strukturellen Problem, weil die Polizei nur nach wirtschaftlichen Kriterien ihre Vertragspartner auswähle. „Wir beobachten, dass die Bestatter beim Land ihre Leistungen für einen sehr, sehr günstigen Preis anbieten – damit die Angehörigen auf sie aufmerksam werden und möglichst bei ihnen verbleiben“, so Lange. Damit würden die Unternehmen dann ihr Geld verdienen. Doch: Angehörige dürfen den Bestatter frei auswählen, müssen nicht den Vertragspartner der Polizei oder der Staatsanwaltschaft nehmen.
Ich kenne das Spiel nur von einem Kunden aus Berlin. Genau das gleiche Geschäftsmodell. Bestattung ist ein hart umkämpfter Markt mit vielen kleinen Familienbetrieben. Selbst die größeren Bestatter vereinen nur relativ kleine Marktanteile auf sich. Hier gibt es tatsächlich noch einen Markt und kein Monopol. Allerdings gibt es da auch einen großen Schwarzmarkt. Handgelder sind da eher keine Seltenheit.
Mich würde nicht wundern, wenn der Bestatter zweigleisig fährt.
Mich auch nicht. :zuprost
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