Dt. Kind soll Schulden von tschech. Opa zahlen

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antonsittinger
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Dt. Kind soll Schulden von tschech. Opa zahlen

Beitrag von antonsittinger » 09.02.19, 08:43

Guten Tag

A ist 1989 aus der damaligen CZ geflüchtet, mittlerweile seit > 10 Jahren dt. Staatsbürgerin. Die tschechische S. wurde abgelegt.

Aus einer nichtehelichen Beziehung mit einem dt. Staatsbürger existiert ein Kind B (13 Jahre), geboren in DE und ebenfalls dt. Staatsbürger.

B lebt mit A zusammen.
A hat 100% Sorgerecht.

Der Vater von Kind B ist bekannt, spielt aber keine Rolle im Leben von A und B.

Jetzt ist kürzlich der Vater von A (Opa von B (13)) in der tschechischen Rep. verstorben und die Behörden dort, suchen nun nach einen Erben, der in Summa ganz oder teilweise
die Schulden des Verstorbenen übernimmt.

A lehnt für sich selbst schriftlich ab.

Ca. 4 Wochen später beginnt ein schriftlicher- und Email-Spam seitens der tschechischen Behörden (5 Schreiben innerhalb 8 Wochen).
Im Visir ist nun B mit 13 Jahren (Deutscher!). Als direkter Nachkomme soll B nun einen Teil der Schulden erben.
A als sein Vormund soll nun diverse Nachweise und Urkunden vorweisen, ins tschechische übersetzt und beglaubigt (Kosten trägt A),
wer der Vater sei, ob eheliche Beziehungen zu Vater bestehen oder bestanden, wann die dt. Staatsbürgerschafgt erworben wurde,
ob A wieder (!) verheiratet ist usw.. Danach könnten diese Behörden entscheiden, ob B als Erbe in Frage kommt oder nicht.

A hat zu Beginn der Aktionen Auszug aus dem dt. Standesamt nach Tschechien geschickt, übersetzt und beglaubigt, über Familienstand (ledig).
+ Staatsbürgerschaft (beglaubigte Kopie).

1. Wie ist die Rechtslage?
1.1 Gibt es eine Mitwirkungspflicht für A und/oder B?
2. Ist das Jugendamt vsl. ein geeigneter AP, der sich für A um das "Wohl des Kindes" gegen den Angriff der tschechischen Behörde wehren soll?

Dank vorab!

Beste Grüße,

SusanneBerlin
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Re: Dt. Kind soll Schulden von tschech. Opa zahlen

Beitrag von SusanneBerlin » 09.02.19, 09:17

Hallo,

ich kenne das tschechische Erbrecht nicht im Detail, aber höchstwahrscheinlich ist es auch in Tschechien so, dass Abkömmlinge in gerader Linie von ihren Eltern und Großeltern erben .

Mit dem Ausschlagen des Erbes von A rückt B in der Erbfolge nach.

Eine amtliche Mitwirkungspflicht hat man vermutlich nicht. Jedoch wenn man das jetzt nicht klärt und die Erbausschlagung von B nicht mit allen dafür nötigen Dokumenten durchzieht, dann erbt B eben die Schulden vom tschechischen Opa und es werden eventuell irgendwann die Forderungen der Gläubiger auf B zukommen.

In Deutschland ist es so, dass beide Sorgeberechtigte des minderjährigen Kindes die Erbschaft für das Kind ausschlagen müssen. Ist nur ein Elternteil sorgeberechtigt, muss nur der Sorgeberechtigte ausschlagen.
Auf die Nationalitäten von Erblasser und Erben kommt es nicht an.

In der Korrespondenz mit dem tschechischen Nachlassgericht wird es jetzt vermutlich darum gehen, nachzuweisen, dass A die alleinige Sorge hat, damit A ohne die Mitwirkung von B's Vater die Erbschaft für B ausschlagen kann.

Es gibt bei diesem Vorgang Fristen, bis wann man die Möglichkeit zur Ausschlagung hat. Verpasst man die Frist, dann müssen die Gläubiger die Ausschlagung nicht akzeptieren und können von B die Begleichung der Schulden des Opas verlangen. Wie lange die Frist nach tschechischen Recht beträgt, ist mir nicht bekannt.
Grüße, Susanne

winterspaziergang
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Re: Dt. Kind soll Schulden von tschech. Opa zahlen

Beitrag von winterspaziergang » 09.02.19, 09:31

antonsittinger hat geschrieben: Ca. 4 Wochen später beginnt ein schriftlicher- und Email-Spam seitens der tschechischen Behörden (5 Schreiben innerhalb 8 Wochen).
zur erfragten Rechtslage: Wenn es Anlass gibt zu korrespondieren, ist das Korrespondenz und kein SPAM und wenn man mehrere Schreiben innerhalb von 2 Monaten verschicken muss, dann ist das ebenfalls kein SPAM
antonsittinger hat geschrieben:Im Visir ist nun B mit 13 Jahren (Deutscher!). Als direkter Nachkomme soll B nun einen Teil der Schulden erben.
Man muss nicht zig mal erwähnen und betonen, dass das Kind nun Deutscher ist, denn das spielt im Erbrecht allgemeine erstmal keine Rolle, wie man beim sprichwörtlichen "unbekannten Onkel aus Amerika", von dem irgendwer mal überraschend erbt, sehen kann.
:arrow: so lange A nicht von wem anders adoptiert wurde und somit kein Nachkomme des tschechischen Opas mehr ist, spielt die Staatsbürgerschaft von A und B keine Rolle.
1. Wie ist die Rechtslage?
1.1 Gibt es eine Mitwirkungspflicht für A und/oder B?
kommt drauf an, was man unter Pflicht versteht. Es erfolgt keine Sanktion, wenn man das nicht macht, aber es dürfte vermutlich im Interesse von A und B liegen, mitzuwirken, um - wie schon ausgeführt- das überschuldete Erbe auszuschlagen
2. Ist das Jugendamt vsl. ein geeigneter AP, der sich für A um das "Wohl des Kindes" gegen den Angriff der tschechischen Behörde wehren soll?
Sachlichkeit führt meist weiter und da hier nach der Rechtslage gefragt wird, gehören folgende Ausführungen auch dazu:
Nur, weil es eine tschechische Behörde ist und das Kind "Deutscher (!)" ist kein "Angriff" zu erkennen und eine e-mail mit berechtigtem Anliegen ist auch kein Spam, sondern ein formal völlig normaler amtlicher Akt, der sich bei dem deutschen Kind auch in Deutschland genauso abspielen würde, mit dem Unterschied, dass man hier leichter die sorgeberechtigten Eltern nachweisen könnte.

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