Doppelte Staatsbürgerschaft AT/DE per Abstammung

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hutzenduddel
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Doppelte Staatsbürgerschaft AT/DE per Abstammung

Beitrag von hutzenduddel »

Hallo zusammen,

folgender fiktiver Fall:
Kind geboren Ende 70er Jahre in DE - Vater stammt aus AT, Mutter aus DE. Per Abstammung erhält das Kind neben der deutschen Staatsbürgerschaft zusätzlich die Staatsbürgerschaft AT.

Es gab mit Erreichen der Volljährigkeit des Kindes keine Aufforderung, weder von AT noch von DE, sich für eine der Staatsbürgerschaften zu entscheiden, demnach geht man davon aus, dass die besagte Person weiterhin über die doppelte Staatsbürgerschaft verfügt.
Recherchen im Web bekräftigen dies - doppelte Staatsbürgerschaften per Abstammung sind in DE gültig, sofern das zweite Land dem ebenfalls grundsätzlich zustimmt.
AT weist ausdrücklich daraufhin, dass eine doppelte Staatsbürgerschaft per Abstammung gültig ist und die Person sich NICHT mit Erreichen der Volljährigkeit für eine der beiden Staatsbürgerschaften entscheiden muss.

Wie ist die tatsächliche Rechtsgrundlage, auch im Hinblick auf das Geburtsjahr?

Vielen Dank für alle Beiträge.

Hutzi

Zafilutsche
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Re: Doppelte Staatsbürgerschaft AT/DE per Abstammung

Beitrag von Zafilutsche »

Hm.
Ende der 70 er Jahre gab es m.W. keine Doppelte Staatsbürgerschaft.
Wenn der Gerburtsort damals die Bundesrepublik Deutschland war, sollte der Sprössling beim Standesamt samt Geburtsurkunde angemeldet worden sein?
Mal doof gefragt, wieso der "Zauber" mit einer weiteren anderen oder doppelten "Staatsbürgerschaft"?
Bei manchen Staaten gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat. [Freiheit f. Assange]

hutzenduddel
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Re: Doppelte Staatsbürgerschaft AT/DE per Abstammung

Beitrag von hutzenduddel »

Zur Konkretisierung:
Die Eltern der Person haben nach Geburt einen Nachweis der österreichischen Staatsbürgerschaft erhalten.
Somit verfügte das Kind also über beide Staatsbürgerschaften per Abstammung.

Laut novelliertem österreichischen Gesetz 1985 behalten diese Kinder die österreichische Staatsbürgerschaft.

Unklar ist, ob dies dann automatisch auch für Kinder gilt, die VOR 1985 geboren sind, zum Zeitpunkt 1985 aber noch nicht volljährig waren.

lottchen
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Re: Doppelte Staatsbürgerschaft AT/DE per Abstammung

Beitrag von lottchen »

Mit welcher Staatsangehörigkeit ist "das Kind" denn jetzt bei der Meldebehörde gespeichert? Steht da nur D drinnen oder auch AT? Wenn nur D wird niemand das AT ohne irgendwelche Nachweise nachtragen.
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!

Zafilutsche
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Re: Doppelte Staatsbürgerschaft AT/DE per Abstammung

Beitrag von Zafilutsche »

hutzenduddel hat geschrieben:
18.05.20, 14:54
Die Eltern der Person haben nach Geburt einen Nachweis der österreichischen Staatsbürgerschaft erhalten.
Moment:
Vater war doch längst AT. Ok ein Nachweis kann das nochmal bestätigen.
Mutter war bis zur Geburt mit DE Perso/Meldung.
Scheinbar ist irgendwann später eine AT Einbürgerung der Mutter beantragt und dann (so verstehe ich den Sachverhalt) auch verliehen worden.
Das wird vermutlich auch Grundlage für den späteren Nachweis der österreichischen Staatsbürgerschaft gewesen sein.
hutzenduddel hat geschrieben:
18.05.20, 14:54
Somit verfügte das Kind also über beide Staatsbürgerschaften per Abstammung.
Ist das so?
Ich frage mich, was damals in Österreich von der Mutter genau beantragt worden ist, und was der Nachweis hergibt?
Ich denke wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, kann das heute Erwachsene Kind welches in Deutschland das Licht der Welt erblickt hatte ein Österreichische Staatsbürgerschaft auf Antrag erlangen.
Das ist so meine Laienhafte Vorstellung :oops:
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Evariste
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Re: Doppelte Staatsbürgerschaft AT/DE per Abstammung

Beitrag von Evariste »

(Für das Folgende gehe ich von einer ehelichen Geburt aus, wenn das Kind unehelich geboren wurde, könnte das u. U. anders aussehen.)

Nach deutschem Recht spricht nichts gegen eine doppelte Staatsangehörigkeit aufgrund der Abstammung (@Zafilutsche: Das war auch damals schon so). Wenn das Kind Ende der 70er Jahre geboren wurde, dann hat es auch bei der Geburt automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit erworben. Vor 1975 war das anders:
Sind Sie vor dem 1.1.1975 geboren, haben Sie, sofern Ihre Eltern verheiratet waren, die deutsche Staatsangehörigkeit nur erworben, wenn Ihr Vater zum Zeitpunkt der Geburt Deutscher war oder Ihre Eltern bis zum 31.12.1977 eine Erklärung abgegeben haben, dass sie für ihr Kind die deutsche Staatsangehörigkeit wünschen.
(Quelle: Auswärtiges Amt)

Für die Rechtslage nach österreichischem Recht sind wir das falsche Forum, ein kurzer Blick in das Staatsangehörigkeitsrecht 1965 (gibt es im Internet) bestätigt aber meine Vermutung, dass das Kind durch die (eheliche) Geburt die österreichische Staatsangehörigkeit des Vaters erwirbt und auch behält.
hutzenduddel hat geschrieben:
18.05.20, 14:33
doppelte Staatsbürgerschaften per Abstammung sind in DE gültig, sofern das zweite Land dem ebenfalls grundsätzlich zustimmt.
Der Satz ist irgendwie komisch formuliert. Entscheidend ist, ob die Person nach dem Recht des zweiten Landes die zweite Staatsangehörigkeit erworben hat bzw. sie weiterhin besitzt. Z. B. kann es sein, dass das andere Land eine Regelung hat, nach der sich das Kind irgendwann entscheiden muss (in D gibt es sowas nicht, jedenfalls nicht bei Erwerb durch Abstammung). Eine "Zustimmung" ist aber nicht erforderlich.

Z. B. können Kinder von deutscher Staatsangehörigen die mit ihren Kindern in die USA ausgewandert sind und dort zusammen mit ihren Kindern die amerikanische Staatsbürgerschaft erworben haben, in der Regel problemlos einen deutschen Pass beantragen, weil sie aufgrund ihrer Abstimmung Deutsche sind und diese Eigenschaft auch nicht durch die EInbürgerung verloren haben. Eine Zustimmung der amerikanischen Behörden ist dafür nicht erforderlich, sie würde auch nicht erteilt.
Zafilutsche hat geschrieben:
19.05.20, 08:55
Ich denke wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, kann das heute Erwachsene Kind welches in Deutschland das Licht der Welt erblickt hatte ein Österreichische Staatsbürgerschaft auf Antrag erlangen.
Man muss 2 Fälle unterscheiden:
1. Das Kind hat bei der Geburt die österreichische Staatsangehörigkeit erworben. Dann wird nur die Feststellung der Staatsangehörigkeit bzw. die Ausstellung eines österreichischen Passes beantragt. Die Staatsangehörigkeit liegt aber schon vor.
2. Das KInd hat die österreischische Staatsangehörigkeit nicht, erfüllt aber die Voraussetzungen für den Erwerb. Dann führt erst der Antrag dazu, dass das Kind Österreicher wird.
Wenn es um Österreich geht, sind beide Fälle unproblematisch weil ein Antrag auf den Erwerb der zweiten Staatsangehörigkeit eines EU-Staats nicht dazu führt, dass man die deutsche Staatsangehörigkeit verliert (das ist bei Drittstaaten anders, z. B. Türkei). Aufgrund des Sachverhalts trifft aber sowieso 1. zu.

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