Zugewinngemeinschaft auch rückwärts?

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

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Mark Herzog
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Zugewinngemeinschaft auch rückwärts?

Beitrag von Mark Herzog »

Ich kenne die Bedeutung des Begriffs "Zugewinngemeinschaft". Wenn ich es richtig verstanden habe, bezeichnet er den Vorgang bzw. das Prinzip, dass jede Wertsteigerung von Kapital und Wertgegegenständen (z.B. Immobilen) der im Laufe einer Ehe erworben wird, zwischen den Partnern im Fall einer Scheidung geteilt wird.

Wie werden Verluste in diesem Zusammenhang gehandelt? Angenommen, es gibt erheblichen Wertpapierbesitz bei Eheschließung. Während der Ehe verlieren diese Papiere nun drastisch an Wert, so dass zum Zeitpunkt der Scheidung nur noch die Hälfte da ist. Darf der verlust als Negativbetrag auf z.B. die Wertsteigerung einer Immobilie angerechnet werden?


Was wäre, wenn es insgesamt nur Wertverluste gab? Muss dann auch der Verlust zwischen den geschiedenen Eheleuten aufgeteilt werden?

Old Piper
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Re: Zugewinngemeinschaft auch rückwärts?

Beitrag von Old Piper »

Mark Herzog hat geschrieben:
19.03.20, 09:09
Darf der verlust als Negativbetrag auf z.B. die Wertsteigerung einer Immobilie angerechnet werden?
Was wäre, wenn es insgesamt nur Wertverluste gab? Muss dann auch der Verlust zwischen den geschiedenen Eheleuten aufgeteilt werden?
Ja, bei unterschiedlichen Vermögenswerten wird saldiert. Einen negativen Zugewinn (nach der Saldierung) gibt es allerdings nicht, dann beträgt der Zugewinn bei dem einen Ehepartner halt 0,- €
MfG
Old Piper
_____________________
Behörden- und Gerichtsentscheidungen sind zwar oft recht mäßig, aber meistens rechtmäßig.

GLu
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Re: Zugewinngemeinschaft auch rückwärts?

Beitrag von GLu »

Mark Herzog hat geschrieben:
19.03.20, 09:09
... das Prinzip, dass jede Wertsteigerung von Kapital und Wertgegegenständen (z.B. Immobilen)
der im Laufe einer Ehe erworben wird, zwischen den Partnern im Fall einer Scheidung geteilt wird.

Wie werden Verluste in diesem Zusammenhang gehandelt? Angenommen, es gibt erheblichen
Wertpapierbesitz bei Eheschließung. Während der Ehe verlieren diese Papiere nun drastisch an
Wert, so dass zum Zeitpunkt der Scheidung nur noch die Hälfte da ist.
Als Laie für den Laien:

"zum Zeitpunkt der Scheidung" nicht, sondern zum Stichtag = Eingang des Scheidungsantrags !

Das mit dem Zugewinn ist relativ einfach. Erstellen Sie eine Exceltabelle mit den Wertgegen-
ständen, Wertpapieren und Immobilien. Links Partner A, rechts Partner B. Obere Hälfte: Werte
am "Tag der Hochzeit", untere Hälfte Werte am "Tag des Eingangs des Scheidungsantrags"

Relevant sind die tatsächlichen Werte an diesen Tagen. Das kann man mit Kontoauszügen und
sonstigen Hilfsmitteln halbwegs eindeutig belegen. Was in der oberen Hälfte steht, haben die
Partner in die Ehe mit eingebracht ! Was in der unteren Hälfte steht, ist aktuell an Besitz noch
vorhanden.
Egal wieviele Positionen der oberen Hälfte schon verkauft sind, egal wann neue Positionen der
unteren Hälfte zwischen den beiden Stichtagen angeschafft wurden. Es zählt nur der Wert an
diesem Tag. Und es spielt nicht die geringste Rolle wer was von welchem Konto bezahlt hat
(wenn keine Gütertrennung vereinbart war), oder welche Aktie (was sich über z. B. Onvista
fast Tag-genau feststellen läßt) wieviel an Wert verloren hat.

Daraus läßt sich einigermaßen sicher ein ziemlich genauer Vermögenswert/-unterschied beider
Partner feststellen, und daraus ein Zugewinn errechnen lassen.

Mögen Juristen mich korrigieren !

GLu
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Re: Zugewinngemeinschaft auch rückwärts?

Beitrag von GLu »

Ich darf noch ergänzen, daß der errechnete Zugewinn um den Inflationsfaktor korrigiert
werden muß. Basisjahr = Hochzeitstag ... Stichtag = Eingang des Scheidungsantrags.

Berechnung z.B. über https://www.finanz-tools.de/inflationsr ... steigerung
Das zeigt als Beispiel für den Zeitraum 2010 bis 2020 einen Inflationsfaktor von 1,1411 %
Die Auswirkung der Inflation auf den Betrag des auszugleichenden Zugewinns sind enorm.

GLu
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Re: Zugewinngemeinschaft auch rückwärts?

Beitrag von GLu »

Was mir noch einfiel:

Hier https://www.familienrecht-allgaeu.de/de ... n.html#III
ist eine sehr präzise Beschreibung der Sachlage und des zeitlichen Ablaufs.

Auch für Laien gut erklärt.

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