Kind (11Jahre) will zum Vater

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

Moderator: FDR-Team

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knollox
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Kind (11Jahre) will zum Vater

Beitrag von knollox »

Liebe Gemeinde,

folgender angenommener Fall:
Kind 11, Eltern Geschieden seit einem Jahr, Beide Sorgerecht, Kind wohnt bei KM im gleichen Ort wie KV

KM zieht mit Kind zu Ihrem neuen Freund etwa 120km entfernt. Kind muss deshalb mitten im Schuljahr die Schule wechseln (G9 auf G8)
Dort gibt es nun ständig Stress zwischen dem Freund der Mutter und Ihr. Das Kind wird zum Teil dafür von der KM verantwortlich gemacht. Die Betreuung der Kindes dort eher Mangelhaft. Kind wird vom Freund beleidigt. Kind hat kein Kinderzimmer, schläft auf Klappbett im Wohnzimmer.

Das Kind möchte bei seinem Vater, in der alten Heimat wohnen. Dort hat er alle sozialen Kontakt, ein eigenes Kinderzimmer in einem eigenen Haus. Sonst auch wesentlich bessere Bedingungen als bei der KM. Er ruft täglich bei KV an und bittet ihn etwas zu unternehmen. Er hält dieses Chaos nicht mehr lange aus.

KV wendet sich an das Jugendamt am neuen Wohnort der Kindes. Die nehmen die Sache auf, sehen das aber recht entspannt.

Wie ist den die Rechtslage? Gibt es gute Möglichkeiten, dass das Kind zum Vater kann? Was muss der KV tun, um dem Wunsch und dem Wohl des Kindes gerecht zu werden? KV hat das Gefühl, dass das Jugendamt eher dazu tendiert, ein Kind in dem Alter soll bei der Mutter bleiben.

Danke für jeden Tipp und viele Grüße
knollox

Old Piper
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Re: Kind (11Jahre) will zum Vater

Beitrag von Old Piper »

knollox hat geschrieben:Wie ist den die Rechtslage? Gibt es gute Möglichkeiten, dass das Kind zum Vater kann? Was muss der KV tun, um dem Wunsch und dem Wohl des Kindes gerecht zu werden? KV hat das Gefühl, dass das Jugendamt eher dazu tendiert, ein Kind in dem Alter soll bei der Mutter bleiben.
Der Vater kann, wenn eine Einigung der Eltern außergerichtlich nicht möglich ist, einen Antrag stellen, dass ihm das Aufenthaltsbestimmungsrecht für das Kind (als Teilbereich des Sorgerechts) allein übertragen wird.
Bei den geschilderten Umständen und wenn er in der Lage ist, sich um das Kind zu kümmern (Wohnsituation, Arbeitszeiten usw.) sollten die Chancen eigentlich gar nicht mal so schlecht stehen.

Wie steht die Mutter denn zu dem Wunsch des Kindes?
MfG
Old Piper
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Behörden- und Gerichtsentscheidungen sind zwar oft recht mäßig, aber meistens rechtmäßig.

knollox
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Re: Kind (11Jahre) will zum Vater

Beitrag von knollox »

Die Mutter sagt, dass das Kind bei Ihr bleibt. Der Vater soll ruhig klagen. Setzt das Kind sogar unter Druck, dass wenn er zum Vater zieht, Sie auch nicht mehr besuchen braucht. Die Sozialdaten des Vaters sind bestens.

Gruß
Knollox

knollox
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Re: Kind (11Jahre) will zum Vater

Beitrag von knollox »

Hallo Gemeinde,

Gerichtstermin mit Antrag auf Übertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechts steht nun an. Die Dame vom Jugendamt meinte, es ist nicht nötig, einen Anwalt zu beauftragen. Alle Bteiligten sollen an einen Tisch und der Richter muss entscheiden. Ist das so o.k., oder wäre es besser, wenn der KV einen Anwalt dabei hat?

Danke und Grüße

Knollox

Old Piper
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Re: Kind (11Jahre) will zum Vater

Beitrag von Old Piper »

Das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Wenn der KV ein eher impulsiver Typ ist, der sich gerne mal provozieren und zu unbedachten Äußerungen hinreißen lässt, dann wäre es evtl. besser, einen Anwalt reden zu lassen. Ist er jedoch eher ein besonnener Typ, der sich nicht einschüchtern lässt und weiß was er will und das auch sachlich kommunizieren kann, dann kann er sich auch selbst vertreten.

P.S.: Ich selber zähle mich eher zu der 2. Kategorie. Dennoch habe ich mich in einem Umgangsverfahren vom Anwalt meiner holden LING zu der Äußerung: "Flatulenzen riechen nicht besser, nur weil sie von einem Anwalt kommen!" provozieren lassen. Damit habe ich mir einen zwar amüsierten aber dennoch bestimmten Ordnungsruf der Richterin eingefangen. Wenn man sich durch sowas nicht aus der Ruhe bringen lässt, kann man auf einen Anwalt gut verzichten.
MfG
Old Piper
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Kotelette
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Re: Kind (11Jahre) will zum Vater

Beitrag von Kotelette »

Elf Jahre ist doch schon ein gutes Alter. Wird der Richter dem Wunsch des Kinds Rechnung tragen?

Anders gefragt: Gibt es Vorgaben, nach denen Familienrichter je nach Alter der betroffenen Kinder deren Wünsche ignorieren oder berücksichtigen? Eignung beider Elternteile mal vorausgesetzt. Dass der Kindeswunsch nur ein Teilaspekt ist, ist mir klar.

Old Piper
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Re: Kind (11Jahre) will zum Vater

Beitrag von Old Piper »

Kotelette hat geschrieben:Elf Jahre ist doch schon ein gutes Alter. Wird der Richter dem Wunsch des Kinds Rechnung tragen?

Anders gefragt: Gibt es Vorgaben, nach denen Familienrichter je nach Alter der betroffenen Kinder deren Wünsche ignorieren oder berücksichtigen? Eignung beider Elternteile mal vorausgesetzt. Dass der Kindeswunsch nur ein Teilaspekt ist, ist mir klar.
Der Richter hat die undankbare Aufgabe herauszufinden, was dem vielzitierten "Kindeswohl" am besten dient. Das muss nicht unbedingt das sein, was das Kind gerne hätte.
Außerdem kann der Richter wohl davon ausgehen, dass die Aussage des Kindes ihm ggü. ganz oder teilweise von einem der Eltern eingeimpft wurde. Diesen "Impfanteil" zu erkennen und herauszufiltern dürfte der schwierigste Teil seiner Aufgabe sein.

Vorgaben gibt es da keine. Der Kindeswille ist lediglich "angemessen" zu berücksichtigen. Was "angemessen" ist, entscheidet der Richter.
MfG
Old Piper
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