Scheidung bei Rentnern+Finanzen

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

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Violettagrande
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Scheidung bei Rentnern+Finanzen

Beitrag von Violettagrande »

Hallo, wir sind 68 und 70 Jahre alt. Es gibt keinen Ehevertrag, alles wurde gemeinsam genutzt und gemeinsam unterhalten. Stimmt es, dass alles zu 50 % aufgeteilt wird?

Wenn eine Erbschaft während der Ehe gemacht wurde, wird auch diese zu 50 % aufgeteilt?

Eine Antwort ist mir sehr wichtig und ich bedanke mich im voraus dafür.
Violettagrande

edy
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Re: Scheidung bei Rentnern+Finanzen

Beitrag von edy »

Hallo Violettagrande,

Ihr lebt in einer Zugewinngemeinschaft.
Stimmt es, dass alles zu 50 % aufgeteilt wird?
nein.

Ihr müsst für jeden extra rechnen.

Was hat jeder jetzt ? /evtl. gemeinsames Haus).

Was hatte jeder am Tag der Eheschließung?

lg
edy
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Violettagrande
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Re: Scheidung bei Rentnern+Finanzen

Beitrag von Violettagrande »

Also, wir sind seit 48 Jahren verheiratet. Am Tag der Eheschliessung hatten wir nix. Waren noch in der Ausbildung. Danach wurde alles gemeinsam gemacht. Gemeinsame Konten, gemeinsame Immobilie.So ist es bis heute. Mein Mann hat während unserer Ehe 120.000 DM geerbt. Meine Rente ist wesentlich geringer als seine. Gibt das ein wenig Aufschluss?

Danke Violettagrande

hws
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Re: Scheidung bei Rentnern+Finanzen

Beitrag von hws »

Violettagrande hat geschrieben:...Stimmt es, dass alles zu 50 % aufgeteilt wird?
Da denken sie vermutlich an Zugewinn - der aber nur bei Verheitateten auftritt.Und selbst dann ...
Violettagrande hat geschrieben:Wenn eine Erbschaft während der Ehe gemacht wurde, wird auch diese zu 50 % aufgeteilt?
...behält derjenige die Erbschaft, der sie gemacht hat.
Worum geht es denn? Haus und Grundbesitz in Millionenhöhe oder der aktuelle Haushalt (Aussteuer der Braut von vor 70 Jahren.)?
Falls nicht verheiratet, "Gehören" die Sachen weiterhin dem, der sie gekauft/bezahlt hat. Viel Spaß für die Erben, die sich dann drum kloppen, wem die Meißner Tasse gehört. (obwohl die inzwischen einigen Wert haben könnte)
Ansonsten machen sie doch ein gegenseitiges Testament. Als nicht verheiratet haben sie allerdings nur geringe Freibeträge bei der Erbschaftssteuer. 20.000€ statt 600.000€ bei Kindern. Außer Kindern und evtl Enkelkindern (da kommt es wieder drauf an, ob Kinder des Mannes oder der Frau) gibt es vermutlich keine Eltern mehr und Geschwister, Onkel, Tante, Neffen, Nichten sowie der nichteheliche Lebensgefährte sind nicht pflichtteilberechtigt. Letzterem kann man allerdings sein Erbe per Testament "vermachen".
Gibt es denn noch Kinder oder jemand anders, der evtl sein Pflichtteil verlangen könnte (und würde)
Violettagrande hat geschrieben:Eine Antwort ist mir sehr wichtig und ich bedanke mich im voraus dafür.
Je nach Wert des Erbes wäre ein Testament mit vorheriger Beratung durch einen Rechtsanwalt angesagt. Ohne Grundbesitz dürften die Notarkosten in ähnlicher Höhe liegen wie der Erbschein, den man braucht, wenn es kein notarielles Testament gibt. Vereinfacht die Sache jedoch ungemein.

Edit: wie komm ich nur auf nichteheliche Lebensgemeinschaft ... :roll:
Klar kommt Zugewinnausgleich in Frage. Aber nicht 50% von allem. Da sie mit Null angefangen sind, wird allerdings lediglich die Erbschaft nicht geteilt. Aber der Überlebende behält erstmal die 50%, die ihm sowieso gehören plus 50% des "Erbes des anderen" plus der gemeinsame Hausrat.
Bei vorhandenen Werten (Haus, Aktien, Kiloweise Gold) würde ich auch jetzt einen Rechtsanwalt bemühen.
Freibeträge bei Eheleuten sind übrigens 500.000€ - falls sie damit Probleme haben, brauchen sie eh einen Anwalt :lol:

hws

Newbie2007
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Re: Scheidung bei Rentnern+Finanzen

Beitrag von Newbie2007 »

hws hat geschrieben: Edit: wie komm ich nur auf nichteheliche Lebensgemeinschaft ... :roll
Nicht nur das, außerdem schreiben Sie immer was von gemeinsamem Testament und Freibeträgen. Die beiden wollen sich aber scheiden lassen. 8)

hws
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Re: Scheidung bei Rentnern+Finanzen

Beitrag von hws »

Newbie2007 hat geschrieben:... gemeinsamem Testament und Freibeträgen. Die beiden wollen sich aber scheiden lassen. 8)
Wenn verheiratet, ist ein gemeinsames Testament (oder 2 getrennte) angesagt und bei der Erbschaftssteuer gibt es Freibeträge.

hws

Violettagrande
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Re: Scheidung bei Rentnern+Finanzen

Beitrag von Violettagrande »

Hallo edy,

um es noch einmal differenzierter für mich klar zu bekommen: ich will mich auf diese neue finanzielle Situation einstellen. Zur Zeit haben wir alles gemeinsam. Nur jeder für sich hat während der Ehe eine Erbschaft gemacht. (Wenn ich es richtig verstanden habe, geht diese Erbschaft voll auf den jeweiligen Erben. Richtig?) So, wenn aber ansonsten alles gemeinsam ist, also gemeinsam gehandhabt wird, ist doch die Aufteilung 50%.?
Renten: 1.300,-- und 450,--. Ihr seht, da ist jeder Cent wichtig. 1 gemeinsame IMMOBILIE.

Bitte noch einmal Aufklärung oder Bestätigung, dass ich richtig verstanden habe. Die Situation ist, wie man sich vorstellen kann, eh ziemlich stressig.

Grüße
Violettagrande

Oktavia
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Re: Scheidung bei Rentnern+Finanzen

Beitrag von Oktavia »

So genau wird man die Fragen hier nicht beantworten können :? Als Infoquelle finde ich diese Broschüre ganz nett: Klick

Es gibt auch Beratungsstellen an die man sich wenden kann. Ggf bei der kommunalen Geleichstellungsbeauftragten zu erfragen.
Und ein ganz heisser Tip, je mehr man sich Einig ist, desto günstiger wird die Scheidung.

@hws: die Antwort auf alle Fragen ist?:
"Alte Leute sind gefährlich; sie haben keine Angst vor der Zukunft."
George Bernard Shaw

#WIRSINDMEHR

SusanneBerlin
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Re: Scheidung bei Rentnern+Finanzen

Beitrag von SusanneBerlin »

Hallo Violettagrande,

zu Ihrem besseren Verständnis:
Bei einer Scheidung erfolgt die Aufteilung des Vermögens/Besitztümer in mehreren Phasen.

(1) Die erste Phase ist die räumliche Trennung. Man teilt die Möbel, Auto(s), wer bleibt im Haus/Wohnung und wer zieht aus? Falls einer der beiden zuwenig Einkommen hat, muss der, der mehr Einkommen hat, Trennungsunterhalt bezahlen, solange bis die Scheidung durch ist. Ab der Scheidung wird der Unterhalt neu berechnet.

(2) Dann ordnet man das Vermögen

Zunächst gilt der Grundsatz, dass auch in einer Ehe (wenn keine Gütergemeinschaft vorliegt, und die liegt bei Ihnen nicht vor) jeder sein Eigentum behält. Also jedem gehören die Erbschaften, die er gemacht hat. Und jedem gehört das Geld auf seinem Konto, und das was er von seinem Geld gekauft hat.
Wenn natürlich alles auf einem Konto liegt, auch die Erbschaften, die jeder gemacht hat, muss man erst mal sehen. Ist das Geld überhaupt noch da, oder ist es ausgegeben? Normalerweise würde das Geld auf dem gemeinsamen Konto 50:50 geteilt.

Eine gemeisame Immobilie gehört jedem wertmäßig, wie es im Grundbuch steht, also meistens 50:50


(3) Zugewinnausgleich
Wenn man dann auseinandersortiert hat, was wem gehört, erfolgt der Zugewinnausgleich.
Man bildet die Differenz zwischen "am Tag der Eheschließung" und "am Tag des Scheidungsantrags".
Das was dazugekommen ist, ist der Zugewinn, und dieser wird geteilt.
Man berechnet den Zugewinn für jeden einzeln, und derjenige der mehr Zugewinn hat, muss von dem Mehr an Zugewinn die Hälfte an den anderen abgeben.
Wobei Erbschaften zum Anfangsvermögen gezählt werden, man tut also so, als wäre die Erbschaft bereits am Tag der Eheschließung im Vermögen gewesen.

(4) Versorgungsausgleich
Dabei geht es um die Aufteilung der Rentenansprüche.
Wenn nach der Aufteilung der Rentenansprüche einer immer noch zu wenig Einkommen hat, um davon leben zu können, muss man noch nachehelichen Unterhalt festlegen lassen.


Das war jetzt eine grobe Aufzählung, hoffe es trägt erstmal zum Verständnis bei.



Grüße, Susanne
Grüße, Susanne

edy
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Re: Scheidung bei Rentnern+Finanzen

Beitrag von edy »

Hallo Violettagrande,

Geteilt werden kann natürlich nur das noch vorhandene.

Hattet ihr vorher beide nichts, so bekommt jeder erstmal den Wert des gerbten, vom Rest die Hälfte.

Bei den Renten wird ein Versorgungsausgleich durchgeführt.

Die Rentenpunkte die während der Ehezeit erwirtschaftet wurden, werden jeweils mit dem andren Partner geteilt.

Dürfte bei 48 Jahren ziemlich die Hälfte sein.

die von Oktavia verlinkte Broschüre dürfte einiges erklären.

Bei einer Scheidung wird zu mindest ein Fachanwalt für Familienrecht benötigt, dort sollte man sich

im Vorfeld bei einem Beratungsgespräch informieren.

lg
edy
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Newbie2007
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Re: Scheidung bei Rentnern+Finanzen

Beitrag von Newbie2007 »

hws hat geschrieben:
Newbie2007 hat geschrieben:... gemeinsamem Testament und Freibeträgen. Die beiden wollen sich aber scheiden lassen. 8)
Wenn verheiratet, ist ein gemeinsames Testament (oder 2 getrennte) angesagt und bei der Erbschaftssteuer gibt es Freibeträge.
Ja, aber inwiefern ist diese Information für ein Ehepaar relevant, das im Begriff ist, sich scheiden zu lassen? Einer von uns beiden steht auf der Leitung...

Violettagrande
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Re: Scheidung bei Rentnern+Finanzen

Beitrag von Violettagrande »

Hallo und danke für die Informationen. Damit kann ich viel anfangen.
Einen schönen Sonntag euch
herzliche Grüße
Violettagrande

SusanneBerlin
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Re: Scheidung bei Rentnern+Finanzen

Beitrag von SusanneBerlin »

hws hat geschrieben:Wenn verheiratet, ist ein gemeinsames Testament (oder 2 getrennte) angesagt und bei der Erbschaftssteuer gibt es Freibeträge.
@hws
Lesen Sie den threadtitel und beachten Sie, in welchem Unterforum wir uns befinden! Wir sind im "Familien- und Scheidungsrecht" (F&S), nicht bei Erb- und Schenkungsrecht" (E&S)
Grüße, Susanne

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