Verjährung

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

Moderator: FDR-Team

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jörg Alexander
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Verjährung

Beitrag von jörg Alexander »

Ich habe von einem Freund gehört, der sein Trennungstrauma in Form eines Buches verarbeiten möchte.
Dieses Buch will er für seine noch nicht geborenen Enkel verfassen.
Dieses Buch würden sie nach seinem Ableben bzw. zu ihrem 18. Lebensjahr bekommen.

Nun würde sich dieses Buch ungeschminkt an die Fakten halten.
Das Ganze wird mit Fotos und Dokumenten minutiös belegt.

Dies beinhaltet auch Fehler die mein Freund begangen hat.

Zu den Fehlern gehören möglicherweise begangene Straftaten die bis dato ungeahndet sein mögen.

Zum Beispiel bekam dieser Freund vor der Trennung von einem der nahen Verwandten, ein mit deren Hand auf ein kariertes Blatt geschriebenes Passwort für den Zugang zu einem Sozialnetworkkonto.
Dieses mit Kugelschreiber beschriebene karierte Blatt soll Bestandteil des Buches werden.
Auch nach der Trennung wurde dieses Passwort von dem volljährigen Verwandten für dieses Sozialnetworkkonto nicht gewechselt.
Jahrelang.
Im Gegenteil – über dieses Sozialnetworkkonto bekam der Freund an ihn gerichtete „Nachrichten“ wie „Ich vermisse dich“ etc.
Alle Email und Accounts dieses Verwandten hatten immer das gleiche Passwort.
Der Freund hatte so einige Jahre Zugang um diverse Privatkonten mitzulesen.
Der Freund hat dort aber nie etwas verändert.

Andere Beteiligte hatten auch dieses Passwort und dort mehrfach sogar selber Mails oder in Sozialennetzwerken geschrieben, wie zum Beispiel in einem Fall: „Hallo ich bin die Kunigunde und suche den Nutzer dieses Sozialnetworkkontos“ etc..

Durch das mitlesen dieses privaten Post gelangte der Freund jedoch mehrfach in Kenntnis unteranderem gegen ihn geplanter und begangener Straftaten, beispielweise eines gegen ihn geplanten Kreditbetruges, der deswegen vereitelt werden konnte.
Wäre die Frage, woher der Freund schon im Vorfeld von dem geplanten Kreditbetrug Kenntnis erlangte vor Gericht aufgekommen, hätte er es nicht verschwiegen.
Wegen einer anderen Straftat kam es übrigens vor zwei Jahren zu der Verurteilung von Komplizen.

Inwieweit es durch die Nutzung des persönlich handschriftlich ausgehändigten Passwortes, wirklich zu einer Straftat kam und vor allem mit welcher Gewichtung, mag sicherlich strittig sein.
Darum geht es in der Frage die sich hier stellt aber nicht.

Gehen wir von dem schlichten schlimmsten Fall aus.

Wann verjährt die Verletzung eines Postgeheimnisses.
Wann verjährt das mitlesen der privaten Post durch Nutzung eines Passwortes.
Insbesondere wenn dieses Wissen dann zu einer Strafanzeige führt.
Wann kann der Freund das Buch den Enkeln zugänglich machen ohne dass man ihn dafür noch belangen kann.

Da kein Kontakt zum Großvater besteht aber sicher eines Tages die Frage nach dem "Woher kommen wir" aufkommt.
Noch gibt es keine Enkel und vor dem 16 oder 18 Lebensjahr wäre ein aushändigen eh nicht geplant.
edy
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Re: Verjährung

Beitrag von edy »

Ein freundliches "Hallo" setzt sich auch in Foren
immer mehr durch.
jörg Alexander
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Re: Verjährung

Beitrag von jörg Alexander »

Hallo edy.
;-)

Danke für die Antwort.
Hochinteressante Sichtweise.
Ich gebe zu ich bin überrascht.

Man muss dazu sagen, dass der Verwandte meines Freundes, zu einem bestimmten Stichtag, das Passwort dann änderte und es seit dem von Seiten des Freundes, keinen Zugriff (und auch keinen Bedarf mehr dafür) gibt.

Eine Sache geht mir aber gerade durch den Kopf.

Wenn mein Freund diese private Korrespondenz den Enkeln aushändigt – ist das nicht dann, an und für sich, eine eigene Straftat?

Das mit dem A und B ist eine gute Idee.
Nennen wir den Freund A und den Verwandten B.

A schreibt also seine Memoiren für seine Enkel.
Darin Belegt A das B eine Straftat plante, beging, damit in der Privatkorrespondenz prahlte und es zur Verurteilung von Komplizen kam.
Diese Memoiren von A werden den Enkeln, sagen wir in 20 Jahren, ausgehändigt.
Die Folge kann sein, das das bekannt werden dieser Straftat für B rechtliche Konsequenzen hat.
Laut Aussage eines Fachanwalts kann sich B dahingehend nie mehr seiner Sache sicher sein.

Wie dem auch sei.

Kann man A für das Veröffentlichen solcher mitgelesener Privatkorrespondenz dann rechtlich belangen?
Hier würde ja eine Verjährung erst mit dem Aushändigen der vertraulichen Informationen zu laufen beginnen.
jörg Alexander
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Re: Verjährung

Beitrag von jörg Alexander »

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§ 202a
Ausspähen von Daten
(1) Wer unbefugt sich oder einem anderen Zugang zu Daten, die nicht für ihn bestimmt und die gegen unberechtigten Zugang besonders gesichert sind, unter Überwindung der Zugangssicherung verschafft, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
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Wenn A das von B persönlich und handschriftlich ausgehändigte Passwort verwendet hat, hat er nicht die, in dem Gesetz angesprochene Zugangssicherung überwunden?
Die Befugnis erlöscht somit erst, wenn B das Passwort ändert?

Es fällt mir schwer das zu glauben.
nero070
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Re: Verjährung

Beitrag von nero070 »

Hallo,

wenn B das Passwort an A ausgehändigt hat, erklärt sich B damit einverstanden, dass A dieses Passwort auch nutzt. Demnach leigt kein Verstoß vor, wenn A Einsicht in die Informationen nimmt, welche durch das Passwort geschützt sind.

Ändert B das Passwort, ist davon auszugehen, dass das passiert, um A nicht länger Zugriff auf die Daten gewähren.

Und was soll das mit den Niederschriften für die Enkel? Was ist denn, wenn B gar keine Kinder bekommt?

Schon bißchen kindisch das Ganze, oder?

LG nero
jörg Alexander
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Re: Verjährung

Beitrag von jörg Alexander »

Die Aufzeichnungen meines Großvaters Väterlicherseits habe ich mit Interesse gelesen.
Er war Eisenbahner und als solches gar nicht an der Front.
Leider verstarb er kurz vor Kriegsende da seine Bahn bombardiert wurde.

Die Aufzeichnungen meines Urgroßvaters Mütterlicherseits waren ebenfalls hoch interessant.
Er war Künstler, Schausteller und Theaterintendant.
Hier gab es auf die eigene Biographie hochinteressante Rückschlüsse.
Also was das Verständnis und den Umgang mit der Tatsache, das ich selber laufend vor der Kamera stehe, Schreibe, Musik mache, Video und Bildinstallationen schaffe und schlussendlich beruflich kreativ bin, betraf.

Die Frage, woher man kommt ist elementar.

Und wenn man in Form eines Buches ein Thema abschließen kann, ist das ein hervorragendes Mittel sich unbelastet zu neuen Ufern zu begeben.
Die kreativsten Dinge werden sowieso nicht aus kommerziellen Beweggründen geschaffen.
Kreativität ist eher wie ein Zwang – Der Begriff Schaffensdrang ist nicht weit hergeholt.
Durch das Bedienen dieses Schaffensdranges verschafft der Künstler sich zuvorderst selber Erleichterung.
Wenn ich etwas schreibe habe ich einen Ansprechpartner im Kopf.
Ob, und bei wem diese Botschaft schlussendlich dann ankommt oder als gefällig empfunden wird, ist dabei nebensächlich.
Mit anderen Worten – was kümmert es den Künstler ob das später ein anderer hört, liest oder ansieht.
Wenn der Text, das Lied, der Film oder das Bild fertig ist, habe ich längst das Interesse daran verloren und bin schon bei drei neuen Projekten.
Wenn mich aber ein Projekt (und sei es aus rechtlichen Zwängen) blockiert steht es neuem im Weg.

Die Informationen hier waren jedenfalls sehr aufschlussreich und positiver als ich es zu hoffen wagte.
Vielen Dank.
nero070
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Re: Verjährung

Beitrag von nero070 »

Guten Abend!

Da hast jetzt aber vor dem Verfassen des letzten Posts was geraucht,oder?

So wie es sich mir darstellt, willst Du für die eventuellen Enkel nur etwas aufschrauben, um dann ggf. nach der Lektüre in einem anderen Licht darzustellen, als es eventuell den Enkeln von dessen Elternteil aufgezeigt wurde.

LG nero
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