Unterhalt bei Kindern in der Ausbildung

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

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FrageFrage
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Unterhalt bei Kindern in der Ausbildung

Beitrag von FrageFrage »

Hallo liebe Forengemeinde,

ich benötige Hilfe bei einer Verständnisfrage und googeln hat mich leider nicht weitergebracht.

Das "Kind" ist 19 Jahre und hat im Sommer die Schule mit dem Abi beendet, würde gerne Medizin studieren und begnügt sich nun - umd die Wartesemester zu verkürzen- mit einem Ausbildungsplatz in der Krankenpflege.

Die Eltern sind seit Jahren getrennt, Unterhalt wird vom Vater nach Düsseldorfer Tabelle bezahlt.

Nun entsteht folgende Unklarheit.

Mal angenommen das Kind verfügt nun über ein Netto-Einkommen von 650 Euro. Kindergeld wird ausbezahlt an die Mutter und der Vater zahlt 450€ monatlichen Kindesunterhalt.
Da nun das Einkommen des Kindes, den Zahlbetrag des Vaters überschreitet, glaubt dieser, nun keinen Unterhalt mehr zahlen zu müssen.

Ist das so richtig? Dann läge die volle Belastung doch nun alleinig bei der Mutter?

Vielen Dank für Licht ins Dunkle bringen...

edy
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Re: Unterhalt bei Kindern in der Ausbildung

Beitrag von edy »

Hallo FrageFrage,

Hat die Mutter auch Einkommen?

Wenn das Einkommen des Kindes höher ist als sein Bedarf, dann hat der Vater recht.

Ist das so richtig? Dann läge die volle Belastung doch nun alleinig bei der Mutter?
Warum?

Die Mutter kann doch von der Tochter einen Betrag für Kost und Logis verlangen.

Azubi-Geld ist kein Taschengeld der Tochter.

lg
edy
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FrageFrage
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Re: Unterhalt bei Kindern in der Ausbildung

Beitrag von FrageFrage »

Nun, um das ganz normale Leben so für das Kind weiterzuerhalten, wäre schon fast der Betrag den der Vater zahlt, als Kostgeld dann vom Kind zu nehmen.

Das erscheint der Mutter recht viel. Nähme die Mutter aber zum Beispiel nur die Hälfte den Betrages, den der Vater zahlt, müssten Mutter und Tochter zwingend umziehen.
Mutter verdient, ist selbstständig und verdient deutlich weniger als der Vater.

Zudem dachte die Tochter, sie könne einen Großteil für das folgende Medizinstudium sparen... nun sieht es damit natürlich schlecht aus.
Wäre der Vater denn, wenn sich das Studium an die Ausbildung anschließt dann wieder unterhaltspflichtig?

edy
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Re: Unterhalt bei Kindern in der Ausbildung

Beitrag von edy »

Hallo,

Unterhalt ist bis zur ersten abgeschlossenen Ausbildung geschuldet.

Wenn die Kranenpflege aber zwingend als Grundlage für das Medizinstudium

nötig ist, dann erhält sie beim Studium evtl.wieder Unterhalt.
edy hat geschrieben: sie könne einen Großteil für das folgende Medizinstudium sparen..
Da sollte man sich mal mit Bafög befassen.

Der Student/-in darf max. 5200€ Vermögen haben.

lg
edy
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rettich
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Re: Unterhalt bei Kindern in der Ausbildung

Beitrag von rettich »

Der Unterhalt, der dem in Ausbildung befindlichen Kind gezahlt wird, dient dem Lebensunterhalt, nicht der Bildung von Ersparnissen. Deswegen muss das Kind sein eigenes Einkommen selbstverständlich für den Lebensunterhalt einsetzen. Nur wenn der Bedarf (für ein bei einem Elternteil lebendes Kind: 4. Altersstufe der Düsseldorfer Tabelle) nicht aus eigenen Mitteln gedeckt werden kann, sind beide Eltern im Verhältnis ihrer Einkommen (nach Abzug des Selbstbehaltes) barunterhaltspflichtig. (Disclaimer: Das Kindergeld fließt dann auch noch in die Berechnung ein.)

http://www.unterhalt.net/kindesunterhal ... ehrig.html

Mal anders betrachtet: Wenn der Vater jetzt trotz des Einkommens des Kindes weiter Unterhalt zahlen müsste, damit das Kind Ersparnisse für ein späteres Studium bilden kann, dann würde er ja durch die Hintertür zur Finanzierung einer Zweitausbildung herangezogen, für die er evtl. gar nicht unterhaltspflichtig wäre.

Allerdings könnte es sein, dass der Vater trotz der abgeschlossenen Krankenpflegeausbildung auch für das Medizinstudium unterhaltspflichtig ist. Wenn zwischer (erste) Berufsausbildung und folgendem Studium ein enger inhaltlicher Zusammenhang besteht, gehen die Gerichte anscheinend auch von einer Unterhaltspflicht für das Studium aus. Das dürfte bei der beschrieben Kombination der Fall sein. Dieser Unterhalt ist natürlich erst dann zu zahlen, wenn das Studium auch angetreten wird. Wenn das Kind jetzt durch eigenes Einkommen und ggf. Kindergeld nicht bedürftig ist, entfällt der Unterhaltsanspruch für diese Zeit.

(Jetzt mal unjuristisch aus Sicht eines potentiellen Unterhaltszahlers: 450 Euro Unterhalt, 650 Euro Nettoeinkommen und 184 Euro Kindergeld ergäben ein verfügbares Einkommen von fast 1300 Euro. Wenn man es für angemessen hält, dass der Vater durch seine Zahlungen zu so einem Einkommen beitragen soll, fehlen wohl die Maßstäbe.)
Nun, um das ganz normale Leben so für das Kind weiterzuerhalten, wäre schon fast der Betrag den der Vater zahlt, als Kostgeld dann vom Kind zu nehmen.
Wo läge denn das Problem? Dann blieben immer noch 200 Euro vom Einkommen des Kindes für über das normale Leben hinausgehende Bedürfnisse.

Fridolinchen
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Re: Unterhalt bei Kindern in der Ausbildung

Beitrag von Fridolinchen »

Hallo,

der Vater soll Unterhalt zahlen damit Sparvermögen gebildet und eine offensichtlich zu teure Wohnung gehalten werden kann, das ist dreist!

Falls das Kind ein Studium beginnen sollte, wäre die Finanzierung der Wohnung wohl auch gefährdet.

Gruß
Frido

ExDevil67
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Re: Unterhalt bei Kindern in der Ausbildung

Beitrag von ExDevil67 »

rettich hat geschrieben: Allerdings könnte es sein, dass der Vater trotz der abgeschlossenen Krankenpflegeausbildung auch für das Medizinstudium unterhaltspflichtig ist. Wenn zwischer (erste) Berufsausbildung und folgendem Studium ein enger inhaltlicher Zusammenhang besteht, gehen die Gerichte anscheinend auch von einer Unterhaltspflicht für das Studium aus.
Wie eng / weit wird da auch ein zeitlicher Zusammenhang gefordert? Grade bei Medizin können sich ja, je nach eigenem Abi, auch (deutlich) mehr als 3 Jahre Wartezeit ergeben bis der ersehnte Studienplatz da ist. Unstreitbar wird man aber ja vom Kind nach bestandenem Examen verlangen können das es im erlernten Beruf arbeitet und damit die Unterhaltspflicht entfällt.

nero070
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Re: Unterhalt bei Kindern in der Ausbildung

Beitrag von nero070 »

Guten Morgen!

Als Ergänzung zu meinen Vorschreibern möchte ich anregen, dass sich der/die TS mit den unterhaltsrechtlichen Leitlinien des zuständigen OLG vertraut macht.

Dort findet man, aber auch Frau, unter Punkt 13.2 Formulierungen, ähnlich wie diese...
OLG Hamm hat geschrieben:13.2 Einkommen des Kindes, auch BAföG-Darlehn und Ausbildungsbeihilfen, wird – gekürzt um ausbildungsbedingte Aufwendungen (vgl. Nr.10.2.3) – in voller Höhe auf den Bedarf angerechnet.
Im hier liegenden Fall, könnte der KV die Unterhaltszahlungen wohl komplett einstellen.

LG nero

Fridolinchen
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Re: Unterhalt bei Kindern in der Ausbildung

Beitrag von Fridolinchen »

Hallo,
ExDevil67 hat geschrieben:Wie eng / weit wird da auch ein zeitlicher Zusammenhang gefordert?
m.W. dürfen da ruhig einige Jahre Abstand sein, es macht ja ggf. auch Sinn eine Weile im erlernten Beruf zu arbeiten, Erfahrungen zu sammeln und Geld anzusparen.

Gruß
Frido

barbara müller
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Re: Unterhalt bei Kindern in der Ausbildung

Beitrag von barbara müller »

edy hat geschrieben:Hallo,

Unterhalt ist bis zur ersten abgeschlossenen Ausbildung geschuldet.

Wenn die Kranenpflege aber zwingend als Grundlage für das Medizinstudium

nötig ist, dann erhält sie beim Studium evtl.wieder Unterhalt.
edy hat geschrieben: sie könne einen Großteil für das folgende Medizinstudium sparen..
Da sollte man sich mal mit Bafög befassen.

Der Student/-in darf max. 5200€ Vermögen haben.

Die Krankenpflege muss NICHT zwingend als Grundlage für das Medizinstudiumnötig sein!
Es ist vielmehr so, dass das Kind bei einem Studium (nicht nur Medizin) welches auf seine Berufsausbildung aufbaut, weiterhin unterhaltspflichtig ist, sofern das Studium in einem angemessenen Zeitrahmen nach der Berufsausbildung aufgenommen wird.
http://www.familienrecht-professionell. ... usbildung/
Der Unterhaltsbetrag liegt bei 670.-€ einschl. Kindergeld.
MfG b.m.

lg
edy

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Re: Unterhalt bei Kindern in der Ausbildung

Beitrag von edy »

Hallo barbara Müller,

Deine Antwort hier zum Thema sieht aus, als wenn es sich nur um

ein Zitat von mir handeln würde.

Ist es aber nicht.

Also "Zitat". "Zitat" sein lassen und die Antwort nicht in das Zitat einfügen.

lg
edy
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