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recht.de • Thema anzeigen - Kindesunterhalt: Aktiengewinne
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 Betreff des Beitrags: Kindesunterhalt: Aktiengewinne
BeitragVerfasst: 01.12.17, 12:44 
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Hallo,
wie werden Aktiengewinne / ~verluste bei der Berechnung des Kindesunterhalts berücksichtigt? Es handelt sich hierbei nicht um ein stetiges Einkommen, sondern unterliegt unter Umständen starken Schwankungen.

Grüße
Vengo


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 Betreff des Beitrags: Re: Kindesunterhalt: Aktiengewinne
BeitragVerfasst: 01.12.17, 17:59 
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Beiträge: 11954
Solange die Aktien nicht verkauft werden, handelt es sich nicht um Einkommen, sondern Vermögen.

Das ist wie mit einer Immobilie: der Wert kann im Laufe der Jahre steigen oder sinken. Solange man die Immobilie aber nicht verkauft, merkt man nichts davon, dass die Immobilie jetzt mehr wert ist.

_________________
Grüße, Susanne


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 Betreff des Beitrags: Re: Kindesunterhalt: Aktiengewinne
BeitragVerfasst: 06.12.17, 00:18 
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Beiträge: 14

Themenstarter
@SusanneBerlin: Vielen Dank. Wie verhält es sich, wenn die Gewinne bzw. Verluste durch einen Verkauf realisiert werden?

Ich habe alle möglich Antworten gefunden, die von "Aktiengewinne (von Laien) haben Lotteriegewinncharakter (keine "kalkulierte Nachhaltigkeit") und sind daher unterhaltsrechtlich nicht relevant", über "werden als Einkünfte aus Kapitalvermögen berücksichtigt" bis hin zu "es wird ein Durchschnitt der letzten 3 Jahre ermittelt". In manchen Beiträgen steht auch, dass Verluste den Unterhalt nicht mindern.

Außerdem habe ich gelesen, dass auch ein fiktives Einkommen (z.B. i.H. des Zinssatzes für Tages- bzw. Festgeld) angenommen werden kann.

Hört sich alles nach individuellen Entscheidungen an. Gibt es denn keine einheitliche Regelung?

PS: Ich gehe davon aus, dass in Zeiten von Niedrigzinsen und Niedrigrenten, die Anlage in Aktien zum Zweck der Altersvorsorge nicht unbedingt selten ist.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kindesunterhalt: Aktiengewinne
BeitragVerfasst: 06.12.17, 00:31 
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Beiträge: 11954
Zitat:
@SusanneBerlin: Vielen Dank. Wie verhält es sich, wenn die Gewinne bzw. Verluste durch einen Verkauf realisiert werden?
Dann vermindert sich das Vermögen. :(

DerHöhe des Unterhalts hängt ab vom Einkommen. Der Unterhaltsbetrag könnte sich also nur dann ändern, wenn durch die verkauften Aktien das Einkommen durch die wegfallenden jährlichen Ausschüttungen wesentlich vermindert würde.

_________________
Grüße, Susanne


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 Betreff des Beitrags: Re: Kindesunterhalt: Aktiengewinne
BeitragVerfasst: 06.12.17, 01:01 
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Interessierter

Registriert: 16.06.05, 17:26
Beiträge: 14

Themenstarter
Eventuell habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Ich meine nicht Einkommen durch Dividendenzahlungen. Diese müssten meines Erachtens behandelt werden, wie Zinserträge... - sie erhöhen den Unterhalt.

Ich meine Gewinne/Verluste, die allein aus der Differenz von Ankaufspreis und Verkaufspreis resultieren.

Viele Grüße
Vengo


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 Betreff des Beitrags: Re: Kindesunterhalt: Aktiengewinne
BeitragVerfasst: 06.12.17, 08:16 
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Registriert: 05.11.12, 14:35
Beiträge: 11954
Zitat:
Ich meine Gewinne/Verluste, die allein aus der Differenz von Ankaufspreis und Verkaufspreis resultieren.
Ich meine, es kommt darauf an:

Ist ein normales Beschäftigungsverhältnis vorhanden und wird einmalig ein Gewinn aus Aktien realisiert, die länger als 10 Jahre gehalten wurden, dann wirkt es sich m.E. auf den KU nicht aus.

Oder bestreitet die Person ihren Lebensunterhalt größtenteils aus den Gewinnen beim Aktienhandel? Dann wird der Unterhalt m.W. aus dem durchschnittlichen Einkommen der letzten 3 Jahre berechnet, nachgewiesen durch die Steuerbescheide.

Verluste bei Aktien, wenn der Unterhaltsverpflichtete seinen Lebensunterhalt aus einem Beschätigungsverhältnis bestreitet, wirken sich mAn. nicht auf den KU aus, es kann nicht zu Lasten des Kindes gehen, dass man sich verzockt hat.

Zitat:
Hört sich alles nach individuellen Entscheidungen an. Gibt es denn keine einheitliche Regelung?
Im Gesetz steht nur, wer wem unterhaltspflichtig ist, aber nicht wie man den Unterhalt berechnet.
BGB hat geschrieben:
§ 1601 Unterhaltsverpflichtete
Verwandte in gerader Linie sind verpflichtet, einander Unterhalt zu gewähren.
und die folgenden Paragraphen.

Die Regelungen, wie sich die Höhe des Unterhalts berechnet, hat sich durch die Rechtssprechung herausgebildet.

_________________
Grüße, Susanne


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 Betreff des Beitrags: Re: Kindesunterhalt: Aktiengewinne
BeitragVerfasst: 06.12.17, 21:16 
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Interessierter

Registriert: 16.06.05, 17:26
Beiträge: 14

Themenstarter
Wow, vielen Dank für die ausführliche Antwort.

Vereinfacht könnte dies für einen Privatanleger bedeuten:

1. Einkommen aus dem Vermögen (z.B. Dividenden oder Zinsen) werden bei der Berechnung des zu zahlenden Unterhalts berücksichtigt.
2. Gewinne / Verluste, die aus der Differenz von Ankaufspreis und Verkaufspreis resultieren, ändern nicht die Höhe des Unterhalts, ändern aber das Vermögen.
3. Sofern das vorhandene Vermögen nicht entsprechend "einkommenserzeugend" angelegt wird, könnte ein fiktives Einkommen (z.B. i.H. des Zinssatzes für Tages- bzw. Festgeld) angerechnet werden.


Viele Grüße
Vengo


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 Betreff des Beitrags: Re: Kindesunterhalt: Aktiengewinne
BeitragVerfasst: 06.12.17, 21:34 
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Registriert: 24.08.15, 10:54
Beiträge: 327
Aktiengewinne stellen Einkünfte aus Kapitalvermögen dar und erhöhen nach Abzug der Werbungskosten das unterhaltsrelevante Einkommen.

So sehen es die gängigen Leitlinien der Oberlandesgerichte (zB Düsseldorf, Hamm).

Grüße Hertha1892


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 Betreff des Beitrags: Re: Kindesunterhalt: Aktiengewinne
BeitragVerfasst: 06.12.17, 21:50 
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Registriert: 21.08.14, 16:57
Beiträge: 8096
vengo hat geschrieben:
...
2. Gewinne / Verluste, die aus der Differenz von Ankaufspreis und Verkaufspreis resultieren, ändern nicht die Höhe des Unterhalts, ändern aber das Vermögen.
...



Hm,

das OLG Stgt. hat sich dazu Gedanken gemacht, sein Beschluss wird zu dem Thema zitiert:

OLG Stuttgart, 27.06.2001 - 17 WF 232/01
http://www.ra-kotz.de/auskunftsanspruch1.htm
Zitat:
Ein solcher Sonderfall liegt hier vor, weil der Vater neben seinem Einkommen als Arbeitnehmer in erheblichem Umfang Aktien besitzt und insoweit offenbar auch Spekulationsgeschäfte vornimmt, ... Dies dürfte innerhalb dieser Einkunftsart zu stark schwankenden Einkünften führen, so daß es nahe liegt, im Rahmen der Auskunft ähnlich wie bei der Ermittlung des Einkommens eines Selbständigen einen repräsentativen Querschnitt von etwa 3 Jahren zu erfassen. ... Für die grundsätzliche Verpflichtung zur Erteilung der Auskunft hierüber genügt, daß der Unterhaltsverpflichtete grundsätzlich alle Einkünfte und damit auch alle Vermögenserträge zum Unterhalt heranzuziehen hat, zu denen auch die Spekulationsgewinne zählen.

Für den Anspruch auf Vorlage von Belegen nach § 1605 Abs. 1 S. 2 BGB ist allerdings von Bedeutung, daß Veräußerungsgeschäfte bei Wertpapieren (Spekulationsgewinne) nach Maßgabe der §§ 22 Nr. 2, 23 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 EStG der Einkommensteuer unterliegen, so daß sie aus den Einkommensteuererklärungen des Antragsgegners ersichtlich sind. Deshalb erstreckt sich derBeleganspruch nach § 1615 Abs. 1 S. 2 BGB – wie bei einem Nichtselbständigen üblich – nur auf die Vorlage der Einkommensteuerbescheide und -erklärungen, ...


Seit 2009 mit Einführung der Abgeltungssteuer sind ja alle Spekulationsgewinne steuerrelvant. Und was Einkommenssteuerrelevant ist, ist grundsätzlch auch für die Höhe des Unterhalts relevant.

Einfach den repräsentativen Querschnitt der letzten drei Jahre wird man aber nicht immer schematisch bilden können, bzw. nur, wenn einem nichts fallbezogen adäquates einfällt.


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