Kann man einen Nebenjob verlangen?

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

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Lydi
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Kann man einen Nebenjob verlangen?

Beitrag von Lydi »

Hallo ihr,

ich habe mal eine Frage und dafür muß ich etwas ausholen.

Stieftocher (S) wird im Januar 21 Jahre alt und macht eine Ausbildung wo sie kein Ausbildungsgeld erhält, da es eine rein schulische Ausbildung zur Pharmazeutischen Assistentin ist. S wohnt seit zwei Monaten im Wohnheim auf dem Campus , vorher hat sie bei uns gelebt, der Schule, was monatlich 190 euro kostet, um Spritkosten zu sparen. Von zu Hause aus hätte sie einen Schulweg von 15 Km eine Seite. Wir überweisen ihr deas volle Kindergeld, bezahlen die monatlichen Schulgebühren von 150 euro, finanzieren ihr Auto komplett mit Steuern und Versicherung. TÜV und Reparaturkosten des Autos, sofern es ansteht, zahlen wir auch. Die Mutter von S zahlt keinen Unterhalt da sie angeblich zu wenig verdient. Einen Nebenjob leht die Mutter kategorisch ab. Verhältnis zw. meinem Mann und seiner Ex ist seit Jahrzenten fast schon kriegerisch.
Nun möchten wir das S sich einen 450 euro Job neben der Ausbildung sucht um a) das S Mitverantwortung übernimmt und b) einen finanziellen Eigenanteil leistet, wie tausende ander Lehrnende oder Studenten auch. , den S ebenfalls vehement ablehnt da S angeblich zu viel für die Schule lernen muß. S behauptet das ihr Vater komplett für sie aufkommen muß, da er Unterhaltspflichtig ist. Es ist ja nicht so, das wir nicht zahlen wollen. Sehen es aber auch nicht ein, das eine fast 21j. nicht auch ihren Beitrag leisetn kann/muß. Diesbezüglich gibt es momentan riesigen Streit.

Nun meine Frage.

Können wir von S verlangen das sie sich einen Nebenjob sucht?

Vielen Dank schonmal für die hilfreichen Antworten.
Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln:
erstens, durch Nachdenken, das ist der edelste,
zweitens, durch Nachahmen, das ist der leichteste,
und drittens, durch Erfahrung, das ist der bitterste.

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Beier
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Re: Kann man einen Nebenjob verlangen?

Beitrag von Beier »

Lydi hat geschrieben:Können wir von S verlangen das sie sich einen Nebenjob sucht?
Das ist doch keine rechtliche Fragestellung, oder...? :?

ktown
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Re: Kann man einen Nebenjob verlangen?

Beitrag von ktown »

Beier hat geschrieben:
Lydi hat geschrieben:Können wir von S verlangen das sie sich einen Nebenjob sucht?
Das ist doch keine rechtliche Fragestellung, oder...? :?
Wieso nicht?
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SusanneBerlin
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Re: Kann man einen Nebenjob verlangen?

Beitrag von SusanneBerlin »

Hallo,

von einem Auszubildenden kann nicht verlangt werden, dass er einen Nebenjob annimmt um seinen Unterhalt (mit) zu finanzieren. Andererseits besteht keine Notwendigkeit für ein Auto, wenn der Vater bereits eine Unterkunft am Ausbildungsort finanziert. Der Vater kann der Auszubildenden sagen, wenn sie das Auto behalten will, soll sie es selbst finanzieren. Die Auszubildende hat Anspruch auf 680€ Unterhalt für Miete und Lebenshaltungskosten plus die Schulgebühren.
Grüße, Susanne

ratlose mama
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Re: Kann man einen Nebenjob verlangen?

Beitrag von ratlose mama »

Naja, rein rechtlich betrachtet schulden Eltern den Kindern während der Erstausbildung Unterhalt.

Wenn ein ET dazu zu wenig verdient muss leider der andere diesen Unterhalt komplett übernehmen. Anders als bei minderjährigen Kindern gibt es keine Gest. Erwerbsobliegenheit, so dass kein ET "gezwungen" werden kann den Unterhalt zu erwirtschaften.

Das Kind hat die Pflicht die Ausbildung zügig zu absolvieren. Natürlich hat sie alle Dinge auszuschöpfen, die die Unterhaltspflichtigen entlastet. Dazu würde z.B. auch gehören, dass sie BaföG beantragt.

Ich würde mal rechnen. Dem Kind stehen (da nicht mehr zuhause lebend) 735 € plus Schulgeld zu. Davon abzuziehen, das weitergeleitete Kindergeld.

Ein Auto muss man nicht unbedingt finanzieren. Ich würde das Kind auffordern BaföG zu beantragen oder eine andere Ausbildungsförderung (BAB).

Je nachdem, ob die derzeitigen Zahlungen (ohne Schulgeld) mehr oder weniger als 541 € betragen würde ich überlegen ihr diese zu überweisen und sie dafür aufzufordern ,dass sie ab Januar alle Kosten für das Auto selber trägt und es auf sich anmeldet.

Aber eine Pflicht zu Nebenjob gibt es nicht

Beier
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Re: Kann man einen Nebenjob verlangen?

Beitrag von Beier »

ktown hat geschrieben:Wieso nicht?
Gesetzlich geregelt könnte doch eher sein, ob jemand verpflichtet ist, in dieser oder jener Situation einen Nebenjob auszuüben, aber nicht, ob Mama und Papa etwas vom Sprössling verlangen dürfen. Wenn A etwas von B verlangt, löst dies doch nicht automatisch einen gesetzlich verankerten Zwang oder eine tatsächliche Pflicht für A aus.
Zuletzt geändert von Beier am 02.12.17, 16:37, insgesamt 1-mal geändert.

Evariste
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Re: Kann man einen Nebenjob verlangen?

Beitrag von Evariste »

ratlose mama hat geschrieben: Ich würde mal rechnen. Dem Kind stehen (da nicht mehr zuhause lebend) 735 € plus Schulgeld zu. Davon abzuziehen, das weitergeleitete Kindergeld.
Wo kommen denn diese Zahlen her? Auch bei Volljährigen bemisst sich der Unterhaltsbedarf nach der Düsseldorfer Tabelle. Das können je nach Einkommen des Unterhaltsverpflichteten und in Abhängigkeit von seinen sonstigen Verpflichtungen weniger oder mehr sein - oder noch weniger, wenn der Selbstbehalt greift.
Zuletzt geändert von Evariste am 02.12.17, 16:40, insgesamt 2-mal geändert.

Hertha1892
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Re: Kann man einen Nebenjob verlangen?

Beitrag von Hertha1892 »

Genau von dort. Das ist der pauschale Unterhaltsanspruch für ein nicht mehr bei den Eltern lebendes Kind in Ausbildung bzw. während des Studiums.

Grüße Hertha1892

Evariste
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Re: Kann man einen Nebenjob verlangen?

Beitrag von Evariste »

Eine Ausbildung zum PTA ist aber kein Studium. Ein Schulweg von 15km wäre auch zumutbar, die Tochter könnte bei den Eltern leben, somit reduziert sich der geschuldete Barunterhalt.

FM
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Re: Kann man einen Nebenjob verlangen?

Beitrag von FM »

ratlose mama hat geschrieben:
Das Kind hat die Pflicht die Ausbildung zügig zu absolvieren. Natürlich hat sie alle Dinge auszuschöpfen, die die Unterhaltspflichtigen entlastet. Dazu würde z.B. auch gehören, dass sie BaföG beantragt.
BAföG ist eine Fürsorgeleistung für den Fall, dass der Unterhaltsanspruch augrund geringen Einkommens der Eltern nicht ausreicht. Die Einkommensanrechnung ist zwar nicht genau gleich wie im Unterhaltsrecht, aber im Prinzip gilt: wenn die Eltern Unterhalt zahlen können, gibt es kein BAföG. Wenn sie es zwar könnten aber nicht tun, gibt es zwat BAföG, die Behörde verklagt aber die Eltern zum Regress.

karli
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Re: Kann man einen Nebenjob verlangen?

Beitrag von karli »

Lydi hat geschrieben:Die Mutter von S zahlt keinen Unterhalt da sie angeblich zu wenig verdient.
Hat das mal jemand überprüft, ob die Mutter leistungsfähig ist?
Lydi hat geschrieben:Stieftocher (S) wird im Januar 21 Jahre alt und macht eine Ausbildung
Handelt es sich um die Erstausbildung und wurde sie zeitnah nach dem jeweiligen Schulabschluß begonnen?
Lydi hat geschrieben:Können wir von S verlangen das sie sich einen Nebenjob sucht?
Nein.
Sie müssen der Stieftochter allerdings auch nicht mehr geben, als ihr zusteht.
In diesem Zusammenhang würde ich mal meinen Selbstbehalt errechnen.
Wenn du kritisiert wirst, dann mußt du irgend etwas richtig machen, denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat. (Bruce Lee)
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ktown
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Re: Kann man einen Nebenjob verlangen?

Beitrag von ktown »

Beier hat geschrieben:
ktown hat geschrieben:Wieso nicht?
Gesetzlich geregelt könnte doch eher sein, ob jemand verpflichtet ist, in dieser oder jener Situation einen Nebenjob auszuüben, aber nicht, ob Mama und Papa etwas vom Sprössling verlangen dürfen. Wenn A etwas von B verlangt, löst dies doch nicht automatisch einen gesetzlich verankerten Zwang oder eine tatsächliche Pflicht für A aus.
Ich habe ja auch nicht behauptet, dass es gesetzlich geregelt ist. Aber trotzdem kann man doch nach der Rechtslage fragen. Oder?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Lydi
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Re: Kann man einen Nebenjob verlangen?

Beitrag von Lydi »

Hallo ihr,

erst einmal vielen lieben Dank für die vielen Antworten.

Ich möchte nun auf einige Fragen eingehen und habe zu der Einen oder Anderen Antwort selbst eine Frage.

Die Mutter von S verweigert Auskunft über Einkommen, verweigert ihrer Tochter eine finanzielle Unterstützung, auch wenn es nur 20€ wären. Die Mutter von S. händigt auch keine Unterlagen von Nachweisen aus die die Stieftochter für Anträge braucht. Deswegen haben wir am Montag einen Anwaltstermin um die Mutter zur Offenlegung bzw Herausgabe zu zwingen. Nur wird durch die Verweigerung die Stieftochter keine Anträge stellen können, so ist meine Befürchtung.

Bafög wurde schon einmal beantragt und abgelehnt. Da aber die Tochter jetzt ausgezogen ist und die Zuständigkeit nicht mehr in NRW sondern in NS liegt, will sie einen neuen Versuch starten.
Dazu habe ich mal eine Frage. Warum muß ich als nichtleibliche Mutter auch mein Gehalt beim Bafög Antrag angeben? Ich bin doch eigentlich nicht Sorgeberechtigt. Und warum wollen die "nur" mein Gehalt wissen und nicht welche Ausgaben ich habe. Ich habe auch noch ein Schulpflichtiges Kind im Haus, die auch nicht die leibliche Tochter meines Mannes ist.

Zum Thema Nebenjob, ging es uns primär S zu mehr Selbstverantwortung und Selbständigkeit zu verhelfen, da S schon ein wenig, naja sagen wir es mal so, gemütlich ist. Die Sache mit dem Auto, haben wir auch so gesagt das es dann abgemeldet werden muß was zu heftigsten Streit und Beschimpfungen von S gegen uns endete. Da S einkaufen muß, die Schule liegt im Kern der Stadt, sie 40 Km zu ihrem Freund hat der noch keinen Führerschein besitzt, sie Arzttermine wahrnehmen muss und und und. Aber einen Nebenjob sie aufgrund des schulischen Stresses und der Doppelbelastung sie nicht machen kann.

Deshalb meine Fragestellung.

Danke
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Hertha1892
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Re: Kann man einen Nebenjob verlangen?

Beitrag von Hertha1892 »

Der Anwaltstermin macht keinen Sinn. Der Vater hat keinen Auskunftsanspruch seiner Ex gegenüber.

Grüße Hertha1892

SusanneBerlin
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Re: Kann man einen Nebenjob verlangen?

Beitrag von SusanneBerlin »

Lydi hat geschrieben:Warum muß ich als nichtleibliche Mutter auch mein Gehalt beim Bafög Antrag angeben?
Was ist denn eine "nichtleibliche Mutter"? Haben Sie das Mädchen adoptiert?
Oder ist im Antrag nach dem Gehalt der Eltern und deren Ehepartnern gefragt?
Bafög wurde schon einmal beantragt und abgelehnt. Da aber die Tochter jetzt ausgezogen ist und die Zuständigkeit nicht mehr in NRW sondern in NS liegt, will sie einen neuen Versuch starten.
Das BaföG ist eun Bundesgesetz, es wird also in NS nicht anders ausgelegt als in NRW. Es könnte jedoch sein, dass jetzt ein Anspruch besteht, weil ein Auszubildender mit eigener Wohnung einen höheren Bedarf hat sls ein Auszubildender, der bei den Eltern wohnt.
Grüße, Susanne

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