Mutwillige Senkung d. Arbeitszeit Vermeidung Elternunterhalt

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

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windalf
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Re: Mutwillige Senkung d. Arbeitszeit Vermeidung Elternunter

Beitrag von windalf » 16.03.18, 22:45

Es ist aber auch unverfroren und unglaublich unfair, dass man bei entsprechender Leistungsfähigkeit für seine unmittelbaren Angehörigen aufkommen soll, insbesondere für solche, die einem selbst als Kind gegenüber genauso unterhaltspflichtig waren und einen versorgt haben.
Man könnte auch anders argumentieren. Es wird ständig von Chancengleichheit fabuliert. Wer aber aus einer weniger betuchten Familie kommt wird darin gebremst selbst durch Leistung Vermögen aufzubauen wohingegen derjenige der aus einer Familie kommt bei dem die Eltern Kohle habe nicht nur im Alter ordentlich erbt. Nein er wird auch nicht zur Kasse gebeten, wenn die Eltern pflegebedürftig werden... Warum das gerecht sein soll leuchtet mir nicht direkt ein.
...fleißig wie zwei Weißbrote
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

Evariste
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Re: Mutwillige Senkung d. Arbeitszeit Vermeidung Elternunter

Beitrag von Evariste » 17.03.18, 09:05

windalf hat geschrieben:
Es ist aber auch unverfroren und unglaublich unfair, dass man bei entsprechender Leistungsfähigkeit für seine unmittelbaren Angehörigen aufkommen soll, insbesondere für solche, die einem selbst als Kind gegenüber genauso unterhaltspflichtig waren und einen versorgt haben.
Man könnte auch anders argumentieren. Es wird ständig von Chancengleichheit fabuliert. Wer aber aus einer weniger betuchten Familie kommt wird darin gebremst selbst durch Leistung Vermögen aufzubauen wohingegen derjenige der aus einer Familie kommt bei dem die Eltern Kohle habe nicht nur im Alter ordentlich erbt. Nein er wird auch nicht zur Kasse gebeten, wenn die Eltern pflegebedürftig werden... Warum das gerecht sein soll leuchtet mir nicht direkt ein.
Das Problem ist halt, es ist eine grundlegend andere Situation als z. B. beim Kinderunterhalt. Das Kind ist auf die Eltern angewiesen und von ihnen abhängig. Bei Elternunterhalt "haftet" das Kind für die Eltern und deren Fehlentscheidungen und Unzulänglichkeiten.

Z. B. ging es in dem zitierten OLG-Urteil um eine Alkoholikerin, die immer wieder auch Behandlungen abgebrochen hat, das reichte aber nicht aus, um eine Unterhaltspflicht auszuschließen. Einerseits nachvollziehbar, wenn man die Unterhaltspflicht an sich betrachtet, anders führt das genau zu dem Effekt, den Windalf beschrieben hat.

Hertha1892
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Re: Mutwillige Senkung d. Arbeitszeit Vermeidung Elternunter

Beitrag von Hertha1892 » 17.03.18, 11:01

Grundsätzlich besteht aber nur für Kinder gesteigerte Erwerbsobliegenheit. Mir sind auch keine Fälle bekannt, in denen Kinder verpflichtet wurden, für den Elternunterhalt mehr zu arbeiten bzw einem Kind zu verbieten, weniger zu arbeiten.

Mal ungeachtet der moralischen Frage.

Grüße Hertha1892

Christian_1966
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Re: Mutwillige Senkung d. Arbeitszeit Vermeidung Elternunter

Beitrag von Christian_1966 » 17.03.18, 14:32

windalf hat geschrieben:
Man könnte auch anders argumentieren. Es wird ständig von Chancengleichheit fabuliert. Wer aber aus einer weniger betuchten Familie kommt wird darin gebremst selbst durch Leistung Vermögen aufzubauen wohingegen derjenige der aus einer Familie kommt bei dem die Eltern Kohle habe nicht nur im Alter ordentlich erbt. Nein er wird auch nicht zur Kasse gebeten, wenn die Eltern pflegebedürftig werden... Warum das gerecht sein soll leuchtet mir nicht direkt ein.

Genau das ist der Knackpunkt! Wenn die Eltern ein Leben lang gut verdient haben, dann reicht auch die Rente (fast) fürs Pflegeheim. Kommt man aus einer "armen" oder "normalen" Familie (wo die Eltern 1.300-1.750 Euro (was weit verbreitet ist) verdienen, wird man bei der derzeitigen Rechtslage für die Eltern später mit haften, wenn man selbst mehr verdient.

Es macht also praktisch gar keinen Sinn "Strom" (Thema Gas ist out!) zu geben, wenn man aus einer "armen oder normalen" Familie stammt... und das finde ich schade und vermessen!

Evariste
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Re: Mutwillige Senkung d. Arbeitszeit Vermeidung Elternunter

Beitrag von Evariste » 17.03.18, 15:36

Hertha1892 hat geschrieben:Grundsätzlich besteht aber nur für Kinder gesteigerte Erwerbsobliegenheit. Mir sind auch keine Fälle bekannt, in denen Kinder verpflichtet wurden, für den Elternunterhalt mehr zu arbeiten bzw einem Kind zu verbieten, weniger zu arbeiten.
Doch. Lesen Sie das zitierte OLG-Urteil. Natürlich wird genaugenommen dem Kind nicht verboten, weniger zu arbeiten, aber der Unterhalt wird so berechnet, als ob das Kind wie vorher gearbeitet hätte (fiktives Einkommen).

Anders kann das sein, wenn es bereits vorher eine entsprechende Lebensplanung gab, z. B. man hatte geplant, vorzeitig in Rente zu gehen, dann muss das akzeptiert werden. Wobei ich mich frage, wie man das nachweisen will...

CDS
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Re: Mutwillige Senkung d. Arbeitszeit Vermeidung Elternunter

Beitrag von CDS » 06.04.18, 15:06

Hallo!
[quote="locarno"]
-Unter­haltspflichtige mit Immobilienbesitz haben durch die ersparte Miete [b]bei der Berechnung ihrer Unter­halts­zahlung ein fiktives Einkommen[/b] auf der Habenseite.
[/quote]

Und das ist in dem ganzen Konzept die abstruseste Regelung überhaupt.
Es ist ja nun in vielen Fällen nicht so, das besagte Immobilie irgendwie vom Himmel gefallen ist.
ICH halte es für ein Unding wenn jemand, der recht früh das Risiko eingegangen ist als "normalverdiener" eine Immobilie zur Eigennutzung zu Bauen und erwerben, dafür dann für seine Weitsicht später bestraft wird, und nun das Konstrukt der "Mietersparniss" eingeführt wird, ohne dabei zu berücksichtigen das er diese aktuelle "Ersparniss" durch erhöhte Auswendungen in der Vergangenheit erkauft hat.
Warum steht also jemand, der sein Gehalt immer für wilde Parties auf den Kopf gehauen hat besser da als jemand der sparsam gelebt hat?
Wenn schon, dann sollte man dieses Konzept doch konsequent durchziehen, und für den potentiell UH-Pflichtigen das bisherige Lebenseinkommen berechnen und dann "angemessene Lebensunterhaltskosten" ansetzen. Die Differenz muss dann (fiktives) Vermögen sein - aus dem man gefälligst auch fiktives Einkommen anzusetzen hat.

Oder aber man ist so konsequent und fürt auch Sachen wie "Taxiersparniss" ein, welchem jedem UH-Pflichtigen als Einkommen zugerechnet wird der ein eigenes KFZ hat.
Oder eine "Heimwerkerersparniss", denen all den handwerklich begabten zugeschlagen wird, welche Reparaturen an Haus und Hof selber ausführen anstelle einen Handwerker zu beauftragen.

Aber leider ist es faktisch so: Gerade beim Thema Elternunterhalt sollte jeder, der potentiell mal in die Lage kommt diesen zahlen zu müssen tunlichst schauen das er konstant langfristige Schulden hat - denn diese müssen bislang (anders als bei KU) berücksichtigt werden.

Eine Gesellschaft bzw. dessen Regierung muss sich überlegen ob es wirklich das Ziel ist, das der "mündige Bürger" derartige Lösungen benötigt.

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