Immobilie nach Scheidung

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

Moderator: FDR-Team

was_guckst_du
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Re: Immobilie nach Scheidung

Beitrag von was_guckst_du »

...so, wie ich das bisher verstehe, haben die Eltern von B das Haus finanziert (Kaufsumme zu 100% vorgestreckt) und im Grundbuch sind als Eigentümer A (28%) und B 72 % eingetragen...weiter Eintragungen im Grundbuch existieren nicht, weil Rückzahlung der vorfinanzierten Summe "privat" geregelt worden ist..

...wer wem was bisher zurückgezahlt hat, dürfte für die Eigentumsverhältnisse uninteressant sein...A gehören 28 % vom Wert des Hauses...dann kommt es darauf an, ob das Haus vor oder nach Eheschließung gekauft wurde und ob ggfls. ein Ehevertrag besteht...

...bei Kauf vor Eheschließung bzw. wenn ein Ehevertrag besteht, der den gemeinschaftlichen Zugewinn ausschließt, bleibt es bei 28 % vom heutigen Wert...

...wenn kein Ehevertrag besteht, dürfte es wohl anders ausssehen...m. E. gehören A dann 28 % vom Kaufwert zuzüglich 50 % vom Zugewinn...

..dies meine Einschätzung zur "rechtlichen" Situation...die moralich vertretbare Situation muss jeder für sich selbst ausmachen...

Etienne777
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Re: Immobilie nach Scheidung

Beitrag von Etienne777 »

Die Eigentumsverhältnisse ergeben sich aus dem Grundbuch. Ist dort einer der Eigentümer mit 28% eingetragen, so gehören ihm 28% des Ganzen. Völlig unerheblich ist es, wie der Eigentümer der 28% diese 28% erworben hat, ob durch eigene Ersparnisse gekauft, durch einen Kredit, eine Schenkung - wurscht.

Jedenfalls würde bei einer Auseinandersetzung des bisher gemeinschaftlichen Gegenstands "Immobilie" stets nur interessieren, daß der Person 28% des aktuellen Wertes / Verkaufspreises zustehen. Das wäre sogar dann der Fall, wenn er einst keinen einzigen Cent für den Erwerb der Immobilie aufgebracht hätte, aber zu 28% als (Mit-)Eigentümer im Grundbuch steht. Ein rechtsgeschäftlicher Erwerb muß nicht zwingend heißen, daß man eine Gegenleistung erbracht hat. Anderenfalls wäre ein Erwerb beispielsweise durch Schenkung nicht möglich. Isser aber.
Aus technischen Gründen befindet sich die Signatur
auf der Rückseite dieses Beitrags.

SusanneBerlin
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Re: Immobilie nach Scheidung

Beitrag von SusanneBerlin »

Etienne777 hat geschrieben:Jedenfalls würde bei einer Auseinandersetzung des bisher gemeinschaftlichen Gegenstands "Immobilie" stets nur interessieren, daß der Person 28% des aktuellen Wertes / Verkaufspreises zustehen. Das wäre sogar dann der Fall, wenn er einst keinen einzigen Cent für den Erwerb der Immobilie aufgebracht hätte, aber zu 28% als (Mit-)Eigentümer im Grundbuch steht.
Das ist Unsinn. Bei einem freihändigen Verkauf obliegt es den bisherigen gemeinschaftlichen Eigentümern, wie sie den Verkaufspreis unter sich aufteilen, und dabei kann man natürlich die Tatsache berückksichtigen, dass eine Person beim Abtrag des Darlehens weniger beigesteuert hat als die andere und eine Aufteilung des Verkaufspreises abweichend von den Eigentumsquoten im Grundbuch vereinbaren.
Das gleiche gilt für einen Verkauf des 28%-Anteils von einem Miteigentümer an den anderen Miteigentümer, der Preis für den Anteil ist frei verhandelbar.

Kommt es zu keiner Einigung zwischen den Eigentümern, dann gibt es eben keinen Verkauf. Man kann niemanden zwingen, den Übertragungsvertrag zu unterschreiben.
Grüße, Susanne

ralph12345
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Re: Immobilie nach Scheidung

Beitrag von ralph12345 »

Die Immobilie ist ein Tel, die eheliche Zugewinngemeinschaft ein anderer. Beide lassen sich nur zusammen lösen und hier fehlen noch ziemlich wichtige Infos, um das zu bewerten.

Auch wenn A 0% und B 100% der Immobilie im Grundbuch hat, so fällt der Zugewinn während der Ehe an beide, es sei denn, das ist mit der Eheschließung vertraglich anders geregelt. Es ist irrelevant, wer den Kredit abbezahlt, es sei denn die Zugewinngemeinschaft wurde ausgeschlossen. Wenn die Eltern von B die Immobilie bezahlt haben, wie ist das vertraglich geregelt? Kreditvertrag? Dann haben die Eheleute gemeinsam einen Kredit getilgt und gemeinsam Wert geschaffen, der wird 50:50 aufgeteilt. Wenn die beiden zusammen 72%+9% also 81% abbezahlt haben, dann ist der gemeinsam geschaffene Wert 81% des Kaufpreises plus Wertsteigerung. Behält B die Immobilie, dann Wird sie A mit 40,5% plus 50% der Wertsteigerung ausbezahlen müssen und die restlichen Schulden übernehmen.

Wenn man sich an den 28:72% festhalten möchte, dann gehört A 9% (28% abzüglich 19% Restschulden), B gehört 72%, das sind 63% mehr als A, diese 63% werden halbiert und 31,5% an A als Zugewinnausgleich abgetreten. Ergebnis: A hat 40,5%, B hat 40,5%. Gleiches Resultat wie oben.


Also: gibt es einen Ehevertrag??

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