mehrfache Trennung Aktiengewinn Aufteilung?

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

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ohno18
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mehrfache Trennung Aktiengewinn Aufteilung?

Beitrag von ohno18 » 06.11.18, 08:28

Hallo zusammen, schön das es dieses Forum gibt!

Mich interessiert die Rechtslage bei folgendem fiktivem Fall:

1. Frau erbt Geld und kauft zusammen mit dem Mann ein Auto
2. Kurz danach heiraten Beide
3. Frau und Mann trennen sich
4. Auto wird verkauft und Frau sagt Geld wird geteilt - jeder bekommt die Hälfte
5. Man investiert das Geld (sagen wir mal 2000 Euro) in Aktien und lässt es seit dem so liegen
6. Mann und Frau kommen wieder zusammen (sind immernoch verheiratet)
7. Viele Jahre vergehen und die Aktien sind jetzt sehr viel mehr Geld Wert (sagen wir mal 20.000 Euro als Beispiel).
8. Jetzt trennen sich der Frau und der Mann wieder und planen die diesmal direkt die Scheidung
9. Das Konto von dem Mann und der Frau war die ganze Zeit über ein gemeinsames Konto und jeder hatte auf alles Zugriff. Das Konto wurde zwischenzeitlich auch mal gewechselt, aber trotzdem gemeinsames Konto.
10. Beide schaffen sich nun jeweils ein eigenes Konto an

Das Geld wovon der Mann die Aktien gekauft hat, war im Prinzip Geld was schon mal aufgeteilt wurde, an den Mann.

1. Frage: Muss der Gewinn der Aktien jetzt bei der Trennung ernaut aufgeteilt werden? Eigentlich wurde das Geld bei einer früheren Trennung ja schon geteilt. Obwohl der Gewinn ja vermutlich der Ehe zuzuschreiben ist und unter den Zugewinnausgleich fällt, oder?

Bei einer zukünftigen Scheidung würde es über den Zugewinnausgleich ja noch einmal eine Aufteilung geben (Ehevertrag oder so gibt es nicht)

2. Frage: Angemommen die Aktien werden verkauft und das Geld sofort geteilt. Müsste dann bei der Gerichtsverhandlung das Geld schon wieder geteilt werden? Wann erfolgt der Zugewinnausgleich? Wartet man 1-2 Jahre bis zur Scheidung bis man das Geld aufteilt oder zählt es auch wenn man es schon vorher macht? Weil gehen wir mal davon aus, dass die Frau Ihre neue Hälfte komplett ausgibt und der Mann seine hälfte behält. Rein denkbar könnte dann ja zum Scheidungstermin davon schon wieder die Hälfte fällig werden?

3. Frage: Wie verhält sich das mit dem Zugewinnausgleich? Wann findet der statt? Wenn sich das Paar direkt bei der Trennung schon einigt, wer was bekommt, ist dann alles damit erledigt, bis auf die Rentenansprüche? Oder passiert das erst beim Gerichtsverfahren?

Ich danke im Voraus für die Mühe mir eine Antwort zu schreiben.

SusanneBerlin
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Re: mehrfache Trennung Aktiengewinn Aufteilung?

Beitrag von SusanneBerlin » 06.11.18, 12:03

1. Frage: Muss der Gewinn der Aktien jetzt bei der Trennung ernaut aufgeteilt werden? Eigentlich wurde das Geld bei einer früheren Trennung ja schon geteilt. Obwohl der Gewinn ja vermutlich der Ehe zuzuschreiben ist und unter den Zugewinnausgleich fällt, oder?
Die Aktien liegen in einem Depot, das auf beider Namen (Mann + Frau) läuft, richtig?
Um die Finanzen zu trennen, bietet sich an, die Aktien zu verkaufen und das Geld zu teilen. Man kann es natürlich auch anders machen, der Mann und die Frau müssen sich auf irgendwas einigen, was mit dem Aktiendepot geschehen soll.
2. Frage: Angemommen die Aktien werden verkauft und das Geld sofort geteilt. Müsste dann bei der Gerichtsverhandlung das Geld schon wieder geteilt werden?
Man hat also das Geld aus dem Aktienverkauf jeweils zur Hälfte auf das Konto des Mannes und auf das Konto der Frau überwiesen. Dann IST doch das Geld schon verteilt, das gemeinsame Konto ist aufgelöst und kann nicht ein zweites mal verteilt werden, weil nichts mehr zu verteilen da ist.
Wann erfolgt der Zugewinnausgleich? Wartet man 1-2 Jahre bis zur Scheidung bis man das Geld aufteilt oder zählt es auch wenn man es schon vorher macht?
Der Zugewinnausgleich wird entweder mit dem gerichtlichen Scheidungsverfahren durchgeführt oder in einem späteren, gesonderten Verfahren. Solange kein Scheidungsantrag gestellt ist, gibt es keinen Anspruch auf den Zugewinnausgleich, und 3 Jahre nach der Scheidung, am Ende des Jahres ist der Anspruch auf Zugewinnausgleich verjährt.
Weil gehen wir mal davon aus, dass die Frau Ihre neue Hälfte komplett ausgibt und der Mann seine hälfte behält. Rein denkbar könnte dann ja zum Scheidungstermin davon schon wieder die Hälfte fällig werden?
Vor dem Scheidungstermin wird gar nichts fällig. Der Stichtag für die Bestimmung des jeweiligen Endvermögens ist der Tag, an dem der Scheidungantrag der Gegenpartei zugestellt wird. Es zählt, wieviel Vermögen man an diesem Tag hat. Wann der Antrag auf Zugewinnausgleich gestellt wird, spielt nicht so eine Rolle, man sollte nur die Verjährungsfrist beachten.
3. Frage: Wie verhält sich das mit dem Zugewinnausgleich? Wann findet der statt? Wenn sich das Paar direkt bei der Trennung schon einigt, wer was bekommt, ist dann alles damit erledigt, bis auf die Rentenansprüche? Oder passiert das erst beim Gerichtsverfahren?
Die Aufteilung des Vermögens das sich auf gemeinsamen Konten befindet und sonstigen Gegenständen die beiden gemeinsam gehören (z.B. Möbel, Auto) ist das eine, der Zugewinnausgleich ist das andere. Die Aufteilung gemeinsamer Konten und der Zugewinnausgleich sind zwei völlig unterschiedliche Aktionen. Sie dachten anscheinend, die Aufteilung dss gemeinsamen Aktiendepots stellt den Zugewinnausgleich dar, das ist aber falsch, darauf beruht Ihr Missverständnis.

Das Feststellen eines Zugewinnausgleichs vor Gericht findet nur statt, wenn eine der Parteien einen Antrag stellt, das Aufteilen des gemeinsamen Eigentums per Gerichtsbeschluss muss ebenfalls klageweise beantragt werden (und verteuert die Gerichts- und die Anwaltskosten). Den Ausgleich der Rentenansprüche (=Versorgungsausgleich) führt das Gericht (bzw. die Rentenkasse) während des Scheidungsverfahrens automatisch aus.

Üer die Aufteilung des gemeinsamen Konten und gemeinsam gekaufter Gegenstände kann sich das Noch-Ehepaar bereits vor der Scheidung einigen, für den Zugewinnausgleich sollte zumindest der Scheidungsantrag eungereicht sein, damit man den Stichtag zur Bestimmung des Endvermögens hat.

Man könnte die Zugewinngemeinschaft auch vor der Scheidung beenden, den Zugewinnausgleich durchführen und sich erst Jahre später scheiden lassen. Damit diese Änderung des ehelichen Güterstands wirksam ist, muss sie notariell beurkundet werden.

Was ein Zugewinngemeinschaft ist (und was sie nicht ist, was nur immer viele glauben) kann man z. B. hier nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Zugewinngemeinschaft

Und was ein Zugewinn ist und und den -ausgleich berechnet hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Zugewinn
Grüße, Susanne

ohno18
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Re: mehrfache Trennung Aktiengewinn Aufteilung?

Beitrag von ohno18 » 06.11.18, 13:04

Vielen lieben Dank für die Antwort. Das hat mir schon mal weitergeholfen, obwohl ich es glaube ich immer noch nicht wirklich verstanden habe.

Wenn ich das richtig verstanden habe, kann in diesem Fall die Frau trotz dessen, dass Sie bereits direkt nach der Trennung vom Mann die Hälfte des verkauften Aktiengeldes erhalten hat, später noch einmal über den Zugewinnausgleich wieder die Hälfte kassieren, sofern der Mann seinen Teil nicht ausgibt und die Frau alles verbraucht, oder?

Angenommen der Mann ist sehr sparsam und die Frau gibt alles immer sofort aus, wäre dann doch 1-2 Jahre später, bei der Gerichtsverhandlung zu Scheidung, wieder die Hälfte abzugeben, damit das Vermögen gerecht geteilt wird, obwohl das bereits geschehen ist.

Außer man geht zum Notar und zahlt Geld und lässt den Zugewinnausgleich direkt durchführen?

Oder habe ich da was falsch verstanden?

SusanneBerlin
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Re: mehrfache Trennung Aktiengewinn Aufteilung?

Beitrag von SusanneBerlin » 06.11.18, 14:30

Zugewinnausgleich heißt NICHT, dass am Ende jeder genausoviel Geld hat.

Sondern: man schaut, was jeder am Tag der Heirat hatte. Das ist das Anfangsvermögen. Die Frau hat ein eigenes Anfangsvermögen und der Mann hat ein eigenes Anfangsvermögen.


Dann schaut man auf den Tag der Zustellung des Scheidungsabtrags an die andere Partei. Das, was man an diesem Tag an Vermögen hat, ist das Endvermögen. Der Mann hat ein eigenes Endvermögen und die Frau hat ein eigenes Endvermögen.

Dann schaut man wieviel Zugewinn jeder gemacht hat. Der Zugewinn ist Endvermögen minus Anfangsvermögen. Der Mann hat einen Zugewinn und die Frau hat einen Zugewinn.

Man addiert die beiden Zugewinne und dann teilt man durch 2.
Jeder soll die Hälfte des gemeinsamen Zugewinns bekommen.

Wer mehr Zugewinn gemacht hat, d.h. er/ sie hat während der Ehe sein Vermögen mehr vermehrt als der andere, der soll dem anderen was abgeben.


Beispiel: F hat am Tag der Heirat 20.000 €, M hat null. Am Scheidungsstichtag hat jeder jeweils 10.000 Euro.

F hat am Ende weniger als am Anfang, ein negativer Zugewinn wird mit null angesetzt.
M hat am Ende 10.000 €, also 10.000€ Zugewinn. der gemeinsame Zugewinn ist ebenfalls 10.000 €.

Der Zugewinnausgleich, den M an F zahlen muss, beträgt 5.000 €. Das bedeutet also, nach dem Zugewinnausgleich hat F 15.000 € und M hat 5.000 €.
Grüße, Susanne

ralph12345
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Re: mehrfache Trennung Aktiengewinn Aufteilung?

Beitrag von ralph12345 » 12.11.18, 10:48

Sofern während der Ehe keine wirksame durch Notar beurkundete Vereinbarung zur Beendigung der Zugewinngemeinschaft getroffen wurde, gilt die weiter, bis zum Eintreffen des Scheidungsantrages.
Die Wertsteigerung der Aktien fand wären der Ehe statt, ganz egal, auf wessen Konto sie lagen und was man da vorher schon hin und her getrennt hat. Die 18.000€ Zugewinn sind ausgleichspflichtig. Hätte man, als man das Auto verkauft hat und das Geld aufgeteilt hat, die wirschaftliche Verpflechtung lösen wollen, hätte man sich scheiden lassen müssen oder die Zugewinngemeinschaft beenden müssen.

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