Wechselmodell einklagen?

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

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Möhre
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Wechselmodell einklagen?

Beitrag von Möhre » 09.03.19, 00:10

Hallo zusammen,

kurz zu mir:
Alleinerziehende Mutter einer 8-jährigen Tochter; gemeinsames Sorgerecht mit dem Kindsvater; in Teilzeit berufstätig; finanziell unabhängig; Verhältnis zum Ex-Partner sehr problematisch, nicht vertrauensvoll

Problem:
Ex-Partner droht, das Wechselmodell einzuklagen.
Gemeinsame Tochter aktuell jedes 2te Wochenende beim Vater, Ferienzeit hälftig geteilt.

Kann er das so einfach, wenn ich (Mutter) damit nicht einverstanden bin?
Für meine Tochter wäre das Wechselmodell (aus meiner Sicht) eine Katastrophe, da:
- Engere Bindung zur Mutter als zum Vater
- Stetigkeit fehlt
- Tochter sehr sensibles Wesen, braucht ihre täglichen Rituale und Routinen

Über präzise und sinnhafte Antworten bin ich dankbar!

Freundlichst
Möhre

windalf
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Re: Wechselmodell einklagen?

Beitrag von windalf » 09.03.19, 00:22

Ex-Partner droht, das Wechselmodell einzuklagen
Man wird ihn wohl nicht davon abhalten können es zu versuchen (es sei denn man hat etwas anzubieten was ihn davon abhält).

Wer dann vor Gericht gewinnt erwürfelt dann ein(e) Richter(in). Was genau meint den drohen? Warum wird das nicht einfach getan? Drohen tut man, wenn man etwas nicht bekommt was man haben möchte. Was wird denn gefordert, damit keine Klage erhoben wird?
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

Celestro
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Re: Wechselmodell einklagen?

Beitrag von Celestro » 09.03.19, 01:38

windalf hat geschrieben:Was wird denn gefordert, damit keine Klage erhoben wird?
Ich würde sagen: "Das Sie dem Wechselmodell ohne Klage zustimmt." :wink:

winterspaziergang
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Re: Wechselmodell einklagen?

Beitrag von winterspaziergang » 09.03.19, 08:49

ohne die näheren Umstände zu kennen, allgemein zum allgemein hier genannten
Möhre hat geschrieben: Problem:
Ex-Partner droht, das Wechselmodell einzuklagen.
Gemeinsame Tochter aktuell jedes 2te Wochenende beim Vater, Ferienzeit hälftig geteilt.

Kann er das so einfach, wenn ich (Mutter) damit nicht einverstanden bin?
das dürfte der Sinn einer Klage sein. Wenn die Mutter einverstanden ist, benötigt man die naturgemäß nicht. Der Ex-Partner ist der Ex der Mutter. Er ist kein Ex-Vater und darf seine Rechte nutzen. Und dass das Verhältnis der beiden Ex-Partner untereinander nicht vertrauensvoll ist, sagt noch nichts über das Verhältnis zwischen Vater und Kind aus.
Möhre hat geschrieben:Für meine Tochter wäre das Wechselmodell (aus meiner Sicht) eine Katastrophe, da:
- Engere Bindung zur Mutter als zum Vater
Dass die Beziehung zu einem Elternteil viel enger ist, als zum anderen, kommt häufiger vor und auch in intakten Familien. Es spricht eher für das Wechselmodell, dass die Beziehung des Kindes zum anderen Elternteil verbessert wird

Zudem dürfte sich jemand, der das familienrechtlich zu beurteilen hat, fragen:
was genau ist daran eine Katastrophe?
wie kriegt das Kind es am Besuchswochenende und den Ferien hin, mit der Katastrophe zu leben?
- Stetigkeit fehlt
:?: das heißt?
- Tochter sehr sensibles Wesen, braucht ihre täglichen Rituale und Routinen
und die sind im Wechselmodell nicht gegeben, weil?
oder
welche Rituale und Routinen? ALLGEMEIN: Unter Umständen hat das Kind viel zu festgefahrene Gewohnheiten, die nicht gut sind, sich z.B. im Sozialverhalten mit Gleichaltrigen ungültig auswirken könnten und der Vater, der nicht so "eng" in der Bindung ist, sieht das und kann das Kind eher darin unterstützen, etwas lockerer zu werden
Über präzise und sinnhafte Antworten bin ich dankbar!
in Bezug auf die Frage hier, ob der Vater das einklagen kann? Ja, kann er, muss er auch, wenn die Mutter nicht mitmacht.

In Bezug auf die Argumente, auch wenn die Mutter das vermutlich nicht als sinnhaft auffassen könnte, die reichen nicht aus und klingen für den Unbeteiligten eher nach Suche nach Argumenten gegen das Wechselmodell. Oben steht, welche Fragen sich ein neutraler Unbeteiligter, der das zu beurteilen hätte, stellen könnte.
Wie gesagt, auf Basis des hier genannte. Nähere Umstände sind ja nicht bekannt und müssen auch nicht hier genannt werden.

Pittil
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Re: Wechselmodell einklagen?

Beitrag von Pittil » 09.03.19, 10:34

Möhre hat geschrieben:... Für meine Tochter wäre das Wechselmodell (aus meiner Sicht) eine Katastrophe, da: ...
Auch wenn ich jetzt nicht auf der Rechtsebene antworte: aus eigenem Erleben, kann ich sagen, das ein Wechselmodell (in meiner Familie wöchentlicher Wechsel des Kindes zwischen Mutter und Vater) für das anfangs 7-jährige Kind und bald auch für die geschiedenen Eltern ein sehr positives Modell war (und ich bin hier "nur" in der Rolle des Stiefvaters). Das setzt natürlich voraus, dass das Model "technisch" funktionieren kann (z.B. Wohnort beider Eltern ist in Schulnähe, ...) und dass beide Eltern zum Wohle des Kindes Streitigkeiten zurückzustellen (letzteres kann auch mittelfristig wieder zu einem gewissen Vertrauensverhältnis zwischen allen Beteiligten führen) und sich gegenüber dem Kind gemeinsam als Eltern positionieren. Das ist sicher nicht immer leicht, aber es geht - eventuell nach einer gemeinsamen Familienberatung. Rechtsanwälte schaden da eher und die sollte man deshalb nach Möglichkeit raushalten.

windalf
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Re: Wechselmodell einklagen?

Beitrag von windalf » 10.03.19, 00:41

was genau ist daran eine Katastrophe?
Vermutlich dass dann das hier
in Teilzeit berufstätig; finanziell unabhängig;
den Bach runter geht bzw. der Gürtel deutlich enger geschnallt werden muss...
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

Celestro
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Re: Wechselmodell einklagen?

Beitrag von Celestro » 11.03.19, 10:49

windalf hat geschrieben:
was genau ist daran eine Katastrophe?
Vermutlich dass dann das hier
in Teilzeit berufstätig; finanziell unabhängig;
den Bach runter geht bzw. der Gürtel deutlich enger geschnallt werden muss...
Wie wäre es, wenn man einfach nimmt, was geschrieben steht und nicht irgendetwas umzudichten:
Möhre hat geschrieben: Für meine Tochter wäre das Wechselmodell (aus meiner Sicht) eine Katastrophe, da:
- Engere Bindung zur Mutter als zum Vater
- Stetigkeit fehlt
- Tochter sehr sensibles Wesen, braucht ihre täglichen Rituale und Routinen
Danke !

P.S. Das Wechselmodell gegen den Willen eines Elternteils durchzusetzen dürfte kaum funktionieren. Ob ein Wechselmodell aber aus den genannten Gründen zur Katastrophe führen würde, ist meiner Meinung nach überhaupt nicht gesagt. Wie schon anklang, könnte der Wechsel vielleicht sogar besser für das Kind sein. Das sollte aber nur jemand beurteilen, der im Thema stärker eingearbeitet ist und eine neutrale Position einnehmen kann. Also ein Verfahrenspfleger oder ein Gutachter z.B.

zimtrecht
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Re: Wechselmodell einklagen?

Beitrag von zimtrecht » 11.03.19, 12:04

Möhre hat geschrieben: Gemeinsame Tochter aktuell jedes 2te Wochenende beim Vater, Ferienzeit hälftig geteilt.
...
Für meine Tochter wäre das Wechselmodell (aus meiner Sicht) eine Katastrophe, da:
- Engere Bindung zur Mutter als zum Vater
- Stetigkeit fehlt
Man sollte halt nicht Ursache und Wirkung verwechseln.... Wie soll die Bindung denn auch besser werden zum Vater, wenn das Kind ihn nur für 2 Tage sieht in 2 Wochen? Insofern wäre es ja gerade empfehlenswert, eine stärkere Einbindung des Vaters in den Alltag des Kindes zu haben. Rein persönliche Meinung eines Fast-Wechselmodellierenden Vater ;-) (~35% Betreuungsanteil)

windalf
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Re: Wechselmodell einklagen?

Beitrag von windalf » 11.03.19, 12:20

Wie wäre es, wenn man einfach nimmt, was geschrieben steht und nicht irgendetwas umzudichten:
Wiso umdichten? Fakt ist doch, dass wenn auf Wechselmodell gewechselt werden sollte sich die Unterhaltsnummer deutlich ändert. Wenn nicht hohes Vermögen oder extrem hoher Arbeitslohn verhanden sein sollte, dann dürfte mit der im Text beschriebenen Teilzeitnummer das Geld dann im Ergebnis deutlich knapper werden. Dichten tut wohl eher der, der diese Beschreibung außer acht lässt...
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

lottchen
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Re: Wechselmodell einklagen?

Beitrag von lottchen » 11.03.19, 13:09

Celestro hat geschrieben: Das Wechselmodell gegen den Willen eines Elternteils durchzusetzen dürfte kaum funktionieren.
Da sagt die Anwältin einer Freundin, die gerade in dieser Situation ist, was anderes. Dort sind die Kinder schon etwas älter und wollten auch den Vater weiterhin regelmäßig sehen. Die Mutter hätte liebend gern auf das Wechselmodell verzichtet, aber da der Vater es unbedingt wollte (auch weil er dann Unterhalt für die Kinder bekommt) kam sie nicht drumrum. Sie hat allerdings auch kein Gericht entscheiden lassen sondern dem auf Anraten der Anwältin freiwillig zugestimmt.
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!

Celestro
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Re: Wechselmodell einklagen?

Beitrag von Celestro » 11.03.19, 13:26

windalf hat geschrieben:Wiso umdichten? Fakt ist doch, dass wenn auf Wechselmodell gewechselt werden sollte sich die Unterhaltsnummer deutlich ändert. Wenn nicht hohes Vermögen oder extrem hoher Arbeitslohn verhanden sein sollte, dann dürfte mit der im Text beschriebenen Teilzeitnummer das Geld dann im Ergebnis deutlich knapper werden. Dichten tut wohl eher der, der diese Beschreibung außer acht lässt...
Weil die Gründe benannt sind. Hier andere Gründe herbei zu spekulieren ist eben genau das benannte "umdichten". Wenn man selbst schon das Wort "vermutlich" benutzt, sollte das jedem halbwegs intelligenten Menschen auch klar werden. Nur Ihnen natürlich nicht. Wundert mich angesichts Ihrer Vielzahl an immer gleichen Diskussionsmustern aber auch nicht wirklich.

windalf
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Re: Wechselmodell einklagen?

Beitrag von windalf » 12.03.19, 11:28

Weil die Gründe benannt sind.
Lies doch nur einmal richtig. Es sind nicht nur "Gründe benannt" sondern auch der status quo beschrieben
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

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Re: Wechselmodell einklagen?

Beitrag von Celestro » 12.03.19, 14:04

ICH lese richtig ....
Möhre hat geschrieben:Für meine Tochter wäre das Wechselmodell (aus meiner Sicht) eine Katastrophe, da:
und dann kommt:
Möhre hat geschrieben: - Engere Bindung zur Mutter als zum Vater
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- Tochter sehr sensibles Wesen, braucht ihre täglichen Rituale und Routinen
und wer da etwas anderes draus macht, der dichtet es um. :roll:

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Re: Wechselmodell einklagen?

Beitrag von windalf » 12.03.19, 17:59

Celestro hat geschrieben:ICH lese richtig ....
Möhre hat geschrieben:Für meine Tochter wäre das Wechselmodell (aus meiner Sicht) eine Katastrophe, da:
und dann kommt:
Möhre hat geschrieben: - Engere Bindung zur Mutter als zum Vater
- Stetigkeit fehlt
- Tochter sehr sensibles Wesen, braucht ihre täglichen Rituale und Routinen
und wer da etwas anderes draus macht, der dichtet es um. :roll:
Umdichten tut, wer nur den halben Sachverhalt liest/würdigt...
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

Celestro
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Re: Wechselmodell einklagen?

Beitrag von Celestro » 12.03.19, 19:32

windalf hat geschrieben:Umdichten tut, wer nur den halben Sachverhalt liest/würdigt...
Was für ein Unsinn ... aber das wissen Sie vermutlich selbst sehr gut.

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