Ab wann Gütertrennung vereinbaren?

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

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simplici
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Ab wann Gütertrennung vereinbaren?

Beitrag von simplici » 02.05.19, 13:14

Hallo,
angenommen Herr B heiratet zum zweiten Mal, möchte sein Erreichtes für sich sichern, bedeutet also ein Ehevertrag mit Gütertrennung,
muss diese vor der Ehe vereinbart werden oder kann man das auch nach Eheschließung tun?

SusanneBerlin
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Re: Ab wann Gütertrennung vereinbaren?

Beitrag von SusanneBerlin » 02.05.19, 13:16

Jederzeit.

Nach der Heirat gibt es aber wenig Druckmittel dafür, die Partnerin zur Unterschrift zu bewegen.
Grüße, Susanne

Froggel
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Re: Ab wann Gütertrennung vereinbaren?

Beitrag von Froggel » 02.05.19, 15:03

Herr B hat aber anscheinend keine Ahnung, was der Stand der Gütertrennung überhaupt bedeutet.
Nicht umsonst heißt der Normalfall Zugewinngemeinschaft. D.h. während der Ehe sind die Güter der Ehepartner eh getrennt zu sehen, ein Partner muss z.B. auch nicht für Schulden des anderen Partners aufkommen (abgesehen von den Dingen des täglichen Lebensbedarfs), ebenso wie jeder Partner mit seinem eigenen Geld haushalten kann (nicht muss). Alles, was mit in die Ehe gebracht wurde, gehört weiterhin demjenigen, der das hineingebracht hat. Wird die Ehe irgendwann geschieden, wird nur der Zugewinn geteilt, d.h. der Mehrwert, der während der Ehe zustande gekommen ist, nicht jedoch das, was die einzelnen Partner mit hineingebracht haben. Sinnvoll ist dann natürlich, eine Aufstellung der Vermögenswerte vor der Ehe zu haben.
Das Ganze wäre bei einer Gütertrennung allerdings ausgeschlossen. Beide Partner müssten definitiv ihre eigene Kasse führen, damit nach Ende der Ehe nichts miteinander vermengt wird, woran der andere Partner nicht mitverdient hat. Hier findet kein Vermögensausgleich am Ende der Ehe statt, was für denjenigen, der weniger Geld als der Partner hat, oftmals eine Härte darstellt. Außerdem hat diese Form der Ehe noch einen weiteren Nachteil: Zwar ist man weiterhin Erbe des Partners, wenn dieser verstirbt, aber die steuerliche Vergünstigung, ein Viertel des Vermögens des verstorbenen Ehepartners steuerfrei zu erhalten, fällt weg.
Ich bin kein Jurist.
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SusanneBerlin
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Re: Ab wann Gütertrennung vereinbaren?

Beitrag von SusanneBerlin » 02.05.19, 15:14

Froggel hat geschrieben:Zwar ist man weiterhin Erbe des Partners, wenn dieser verstirbt, aber die steuerliche Vergünstigung, ein Viertel des Vermögens des verstorbenen Ehepartners steuerfrei zu erhalten, fällt weg.
Äh, nein. Da haben Sie jetzt was falsch verstanden oder verwechselt.

Der Güterstand hat keine Auswirkung auf steuerliche Belange. Der Erbschaftsteuerfreibetrag ist in allen Güterständen derselbe, nämlich 500.000 €. Und diese 500.000 € sind unabhängig davon, ob die Ehefrau zu 1/2 oder 1/4 erbt oder ob sie Alleinerbin ihres Gatten ist. (§ 16 ErbStG)

Allerdings ist die Erbquote der Ehefrau bei Gütertrennung geringer, wenn der Ehemann kein Testament macht und weitere gesetzliche Erben erster oder zweiter Ordnung vorhanden sind (§ 1371 i.V. mit § 1931 BGB).
Grüße, Susanne

Froggel
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Re: Ab wann Gütertrennung vereinbaren?

Beitrag von Froggel » 02.05.19, 18:37

Zumindest sprechen viele Seiten im Netz eine andere Sprache:
Wer sind die Erben im Todesfall?
Im Fall von Gütertrennung findet § 1931 Absatz 4 BGB Anwendung:
"Bestand beim Erbfall Gütertrennung und sind als gesetzliche Erben neben dem überlebenden Ehegatten ein oder zwei Kinder des Erblassers berufen, so erben der überlebende Ehegatte und jedes Kind zu gleichen Teilen."

Hat der Erblasser ein Kind, teilen sich der überlebende Ehegatte und das Kind das Erbe zur Hälfte. Bei zwei Kindern, erben die Kinder und der Ehegatte zu je einem Drittel. Bei drei oder mehr Kindern, erbt der Ehegatte ein Viertel des Vermögens. Der Rest wird unter den Kindern zu gleichen Teilen aufgeteilt.

Sind nur Verwandte zweiter Ordnung vorhanden, hat der überlebende Ehepartner Anspruch auf die Hälfte des Erbes. Sind weder Kinder noch Verwandte zweiter Ordnung noch Großeltern vorhanden, erbt der verbleibende Ehegatte das gesamte Vermögen (§ 1931 Absatz 2 BGB).

Der Nachteil einer Gütertrennung ist im Erbfall, dass das Erbe voll versteuert wird (Erbschaftssteuer).
Quelle
Wurde Gütertrennung vereinbart, gilt das im Fall des Todes eines Partners auch bei einer Erbschaft. Das bedeute: Die steuerliche Vergünstigung, ein Viertel des Vermögens des verstorbenen Ehepartners steuerfrei zu erhalten, fällt weg. Der Partner wird dann wie alle übrigen Angehörigen behandelt und muss eine höhere Erbschaftsteuer zahlen als im Fall einer Zugewinngemeinschaft.
Quelle
... und es gibt noch mehr solche Seiten, die genau das behaupten. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die alle im Unrecht sind.
Sicherlich kommt das erst dann zum Tragen, wenn die Freibetragsgrenze von 500.000 Euro erreicht ist, aber das kann durchaus vorkommen, gerade wenn man vom Ehegatten zum Alleinerben bestimmt wurde und ein gewisses Vermögen vorhanden ist. Aber auch wenn andere Erben vorhanden sind, ist man in einer Zugewinngemeinschaft im Erbfall besser gestellt.

Abgesehen von der Frage, ob nun Gütertrennung oder nicht, wäre es für den TE vielleicht sinnvoll, sich über eine modifizierte Zugewinngemeinschaft Gedanken zu machen. Man könnte nämlich auch in diesem Güterstand einen Ehevertrag machen, in dem z.B. nur im Scheidungsfall die Gütertrennung vereinbart, im Todesfall aber die Zugewinngemeinschaft weiterhin ihre Gültigkeit behält. Auskunft erteilt hier gern der Notar.
Ich bin kein Jurist.
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simplici
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Re: Ab wann Gütertrennung vereinbaren?

Beitrag von simplici » 02.05.19, 19:35

Wie hoch wäre denn bei Gütertrennung der gesetzliche Erbanteil der Ehefrau und könnte man den per Testament verringern?

SusanneBerlin
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Re: Ab wann Gütertrennung vereinbaren?

Beitrag von SusanneBerlin » 02.05.19, 21:54

simplici hat geschrieben:Wie hoch wäre denn bei Gütertrennung der gesetzliche Erbanteil der Ehefrau
Es kommt darauf an, welche anderen gesetzlichen Erben beim Tod des Ehemanns noch vorhanden sind. https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1931.html
und könnte man den per Testament verringern?
Sicher, man kann jeden enterben, auch die eigene Ehefrau. Die Ehefrau hat dann nur Anspruch auf den Pflichtteil, das ist die Hälfte des gesetzlichen Erbteils als Bargeldauszahlung.
Grüße, Susanne

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Re: Ab wann Gütertrennung vereinbaren?

Beitrag von simplici » 03.05.19, 11:39

Also mal mit einfachen Worten ausgedrückt würde das bedeuten, das auch mit Gütertrennung die Ehefrau im Todesfalle des Ehemannes ein Viertel des Vermögens des Ehemannes als Pflichtteil erben würde?

SusanneBerlin
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Re: Ab wann Gütertrennung vereinbaren?

Beitrag von SusanneBerlin » 03.05.19, 11:57

Der Pflichtteil der Ehefrau im Güterstand der Gütertrennung ist entweder 12,5%, 16,66%, 25% oder 50%. Je nachdem, welche weiteren gesetzlichen Erben des Ehemanns im Todesfall vorhanden sind.
Grüße, Susanne

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Re: Ab wann Gütertrennung vereinbaren?

Beitrag von Froggel » 03.05.19, 15:10

Bei diesen ganzen Fragen, die der TE stellt, frage ich mich, warum Herr B überhaupt heiraten möchte. Im Grunde hat er keinerlei der aufkommenden vermögenstechnischen Probleme, die eine Eheschließung mit sich bringt, wenn er mit der Dame einfach nur in wilder Ehe lebt. Dann ist sein Vermögen geschützt, sie erbt nichts und auch im Falle einer Scheidung geht sie leer aus. Für mich sieht das nach der einfachsten Lösung aus.
Ich bin kein Jurist.
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Re: Ab wann Gütertrennung vereinbaren?

Beitrag von simplici » 04.05.19, 21:07

Also also Herr B hätte noch 3 leibliche Kinder. Diese sollten vorrangig erben zudem hätte die Frau von Herrn B selber Vermögen, mit 12 % Erbanteil könnte Herr B leben

SusanneBerlin
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Re: Ab wann Gütertrennung vereinbaren?

Beitrag von SusanneBerlin » 04.05.19, 21:42

Die Vereinbarung von Gütertrennung führt aber nicht automatisch dazu, dass die Ehefrau nur den Pflichtteil von 12,5% erhält. Herr B muss noch ein Testament schreiben und seine Frau enterben. Ohne Testament wird die Ehefrau Erbin mit 25%.
Grüße, Susanne

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Re: Ab wann Gütertrennung vereinbaren?

Beitrag von GLu » 05.05.19, 16:33

Froggel hat geschrieben:Bei diesen ganzen Fragen, die der TE stellt, frage ich mich, warum Herr B überhaupt heiraten möchte.
Das frage ich mich mittlerweile, nach der dritten Ehe,
nicht nur bei Herrn B, sondern bei jeder Eheschließung.

Merke:

"Es gibt kein Glück auf dieser Erde,
und sei es noch so vollkommen,
das eine Frau auf Dauer erträgt !"


(70jähriger Philosoph)

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Re: Ab wann Gütertrennung vereinbaren?

Beitrag von simplici » 05.05.19, 19:45

Könnte Herr B nicht einfach Geldvermögen an seine Kinder übergeben, dann wäre nichts mehr zu erben?

simplici
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Re: Ab wann Gütertrennung vereinbaren?

Beitrag von simplici » 05.05.19, 20:10

Könnte Herr B nicht einfach Geldvermögen an seine Kinder übergeben, dann wäre nichts mehr zu erben?

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