Zugewinnausgleich bei eigener Immobilie

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

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matschfuss
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Zugewinnausgleich bei eigener Immobilie

Beitrag von matschfuss » 03.05.19, 11:15

Guten Tag, meine Frau möchte evtl. die Scheidung und hat sich von einem Anwalt vor Ort beraten lassen. Wir streben eine einvernehmliche Scheidung an. Die Ehe wurde Juli 2005 geschlossen. Meine Frau hat ein schuldenfreies Haus ( Erstellungskosen damals 200.00 Euro) vor der Ehe erbaut, in dem momentan ihr Sohn lebt. Ich selbst habe 2004 ein Haus erworben ( Kaufpreis 370.000 Euro) und incl. Nebenkosen ( Notar etc.) und Modernisierungsarbeiten insgesamt 530.OOO Euro investiert. Das Geld hierfür stammt aus früherer Erwerbstätigkeit,( bin seit 2005 im vorzeitigen Ruhestand), ist schuldenfrei und ich bin Alleineigentümer. Dieses Haus habe ich 2012 für 570.000 Euro verkauft und kurz darauf ein neues Haus 2012 erworben ( mit fast identischen Beträgen bzgl. Erwerb und Renovierung, wo momentan kein Gewinn zu erzielen wäre im Fall der Veräußerung). Ich bin davon ausgegangen, dass somit von dem erzielten Gewinn von 40.000 Euro meiner Frau die Hälfte als Zugewinn ( 20.000 Euro) zusteht. Ihr Anwalt hatte ihr vorgerechnet, dass man nur den Erwerb des Hauses mit demzufolge 370.000 Euro ansetzt und die aus meinem Vermögen zusätzlich aufgewendeten 160.000 Euro keine Rolle spielen würden. Es würde demzufolge der reine Kaufpreis von 370.000 Euro und der erzielte Erlös von 570.000 Euro berücksichtigt werden.Das sind 200.000 Euro und hiervon bekäme sie die Hälfte. Kann denn dieser hohe Zugewinn möglich sein, obwohl ich das komplette Haus ( 530.000 Euro) aus Eigenmittel bar vor der Heirat 2005 erworben habe?
Freundliche Grüße

SusanneBerlin
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Re: Zugewinnausgleich bei eigener Immobilie

Beitrag von SusanneBerlin » 03.05.19, 11:30

Für den Zugewinnausgleich sind 2 Stichtage ausschlaggebend: das Vermögen am Tag der Heirat und das Vermögen am Tag der Zustellung des Scheidungsantrags.

Was dazwischen passiert ist egal.

Es spielt also keine Rolle, ob die Wertsteigerung einer Immobilie ganz ohne Zutun des Eigentümers erfolgte, einfach dadurch weil die Grundstückpreise gestiegen sind oder ob der Eigentümer viel von seinem eigenen Geld reingesteckt hat. Ob das Geld zum Erwerb einer Immobilie aus dem Verkauf einer anderen Immobilie stammt, oder ob das Geld aus dem Arbeitseinkommen angespart wurde, spielt keine Rolle.

Der Zugewinnausgleich ist immer eine Gesamtschau auf alle Vermögenswerte. Das heißt, wenn man nur die Immobilienwerte hat, kann man gar nichts sagen. Man braucht auch die Werte der Sparguthaben, Aktien, eventuell ist ein hochpreisiges Fahrzeug vorhanden etc, das spielt alles mit rein.

Der Anwalt Ihrer Frau scheint es einfach zu versuchen, Ihnen weiszumachen, Sie müssten Ihrer Frau 100.000 € Ausgleich zahlen. Wie Ihnen auch bereits auf dem anderen Portal gesagt wurde, ist diese Forderung nicht nachvollziehbar. Entweder hat der Anwalt Ihrer Frau keine Ahnung oder er probiert es einfach. Sie sollten diese Scheidung nicht ohne eigenen Anwalt angehen, sonst zahlen Sie drauf.
Grüße, Susanne

ralph12345
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Re: Zugewinnausgleich bei eigener Immobilie

Beitrag von ralph12345 » 03.05.19, 14:26

Zuerst führt man da tunlichst ein Gespräch mit der Ehefrau. Eine einvernehmliche Scheidung ist prima, aber wenn man die will, geht man nicht allein erstmal vorab zum Anwalt und lässt den einseitig Partei ergreifen. Eine Rechtsberatung kann man auch gemeinsam wahrnehmen. Der Zug scheint nun abgefahren, aber vielleicht lässt sich die Ehefrau ja doch noch mal einfangen. In jedem Fall hilft es, sich selber so sachkundig zu machen wie möglich. Und wenn die Frau partout mit einem Anwalt auftraten will, sollte man sich selber auch einen nehmen. Wir halt teuer für beide Seiten, der Streitwert ist mit zwei Häusern ja mal nicht von schlechten Eltern. Auch das sollte man der Ehefrau mal klar machen.

matschfuss
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Re: Zugewinnausgleich bei eigener Immobilie

Beitrag von matschfuss » 03.05.19, 17:37

Hallo ralph,
"Streitwert ist mit zwei Häusern ja mal nicht von schlechten Eltern"- es dreht sich ja eigentlich nur um die Höhe des Zugewinnes, die Veräußerung der Immobilie 2012 erzielte einen Gewinn von 40.000 Euro. Zugewinn also 20.000 Euro. Der Streitwert bezieht sich ja meiner bescheidenen juristischen Kenntnisse auf den seinerzeit vorhandenen Gesamtpreis von 530.000 Euro. Es wird ja nicht um die Immobilie als solche gestritten ( werden).

SusanneBerlin
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Re: Zugewinnausgleich bei eigener Immobilie

Beitrag von SusanneBerlin » 03.05.19, 18:07

Sie verstehen offenbar nicht. Es ist völlig egal, was eine Immobilie im Jahr 2012 eingebracht hat. Für den Zugewinnausgleich ist derjenige Vermögensstand ausschlaggebend, der bei der Scheidung vorliegt. Was 2012 war ist egal.
Der Streitwert bezieht sich ja meiner bescheidenen juristischen Kenntnisse
Vergessen Sie alles was Sie an juristischen Kenntnissen zu haben glauben. Was Sie bisher vorgetragen haben hat überhaupt nichts mit Zugewinn zu tun, das ist Schwachsinn wie Sie rechnen.
Grüße, Susanne

matschfuss
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Re: Zugewinnausgleich bei eigener Immobilie

Beitrag von matschfuss » 04.05.19, 16:39

Hallo Susanne,
"das ist Schwachsinn wie Sie rechnen."-wie Sie sicherlich wissen, bin ich Moderator im Partnerforum. Ich beantworte alle Fragen, selbst bei Fragen, die sich immer um das selbe Thema handeln, antworte ich geduldig. Dabei würde ich nie aber jemanden beleidigen. Letztlich -ich gebe zu, es war zu umständlich erklärt, dachte aber, es würde den Sachverhalt etwas erhellen- wollte ich lediglich eine Bestätigung, dass zum Anfangsvermögen am Tag der Heirat meine Immobilie mit 530.000 Euro angesetzt wird und nicht mit 370.000 Euro. Dass im Scheidungsfall das Gesamtvermögen dann herangezogen wird und auch noch indexiert wird, ist mir schon klar.

SusanneBerlin
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Re: Zugewinnausgleich bei eigener Immobilie

Beitrag von SusanneBerlin » 04.05.19, 16:56

wollte ich lediglich eine Bestätigung, dass zum Anfangsvermögen am Tag der Heirat meine Immobilie mit 530.000 Euro angesetzt wird und nicht mit 370.000 Euro.
Wie soll jemand aus der Ferne, der das Haus nie gesehen hat, bestätigen welchen Wert das Haus im Jahr 2005 hatte und Ihnen die Garantie geben, dass Sie diesen Wert im gerichtlichen Verfahren anerkannt bekommen? Da erwarten Sie einfach zu viel von einem Internetforum.
Grüße, Susanne

kuddelmuddel123
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Re: Zugewinnausgleich bei eigener Immobilie

Beitrag von kuddelmuddel123 » 04.05.19, 17:03

Hallo,
war die Modernisierung des 2004 erworbenen Hauses denn bei der Eheschließung abgeschlossen?
Eheanfangsvermögen der Frau = Haus für 200.00€
Eheanfangsvermögen des Mannes = Haus für 370.000€ und 160.000€ Vermögen oder Haus für 530.000€ (wobei die Rechnung Kaufpreis + Investitionen in Renovierung = neuer Wert nicht stimmen muss)

Vermögen des Mannes jetzt = Haus für 570.000€
Vermögen der Frau jetzt = ? Haus für ehemals 200.000€, hypothetisch heute 240.000€ (bei einer unterstellten Wertsteigerung des Hauses)

Zugewinn Frau: 240.000€ - 200.000€ = 40.000€
Zugewinn Mann: 570.000€ - 530.000€ = 40.000€
--> dann wäre kein Ausgleich zu zahlen

Beim Berechnen des Zugewinns müssen nicht nur die Häuser sondern auch ggfs andere vorhandenen Wertgegenstände / Geldanlagen / Vermögen,... berücksichtigt werden.
Also zu den von mir genannten Zahlen dazu addieren.

matschfuss
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Re: Zugewinnausgleich bei eigener Immobilie

Beitrag von matschfuss » 05.05.19, 09:42

Hallo kuddelmuddel,
vielen Dank für den konstruktiven Beitrag.
ja, mein Haus war bereits vor der Eheschließung ( Juli 2005) von mir incl. Kaufpreis und anschließender Modernisierung ( komplett 530.000 Euro) in die Ehe 2005 eingebracht worden. Gleiches gilt für meine Ehefrau und ihrer Immobilie. Folglich beträgt mein Anfangsvermögen ( ohne andere Wertgegenstände momentan zu berücksichtigen) bzgl. des Hauses 530.000 Euro. .

kuddelmuddel123
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Re: Zugewinnausgleich bei eigener Immobilie

Beitrag von kuddelmuddel123 » 05.05.19, 15:44

Hallo,

relevant ist der Wert des Hauses zum Termin der Eheschließung.
Das ist nach einer Modernisierung eher nicht der ehemalige Anschaffungswert, muss jedoch auch nicht der Kaufpreis + Kosten der Renovierung sein. Ich würde was dazwischen vermuten.

Wir haben bspw. eine Dachgaube aufs Haus gesetzt und dadurch 3qm Wohnfläche gewonnen.
Der Wert unseres Hauses hat sich dadurch um den Betrag erhöht, den eine 3qm größere Wohnfläche wert ist.
Die Kosten dafür waren jedoch höher als bei einem Verkauf diese zusätzlichen qm bringen würden.

VG, Kuddelmuddel

ralph12345
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Re: Zugewinnausgleich bei eigener Immobilie

Beitrag von ralph12345 » 06.05.19, 09:24

Bezüglich des Streitwertes, da habe ich die Erfahrung machen müssen, dass Anwälte den offenbar sehr willkürlich festlegen können. Das sollte man tunlichst vorher schriftlich fixieren, bevor es da Überraschungen gibt. Einfach mal drauf zu bauen, dass man nur über die Zugewinnbeiträge streitet, ist naiv.

CDS
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Re: Zugewinnausgleich bei eigener Immobilie

Beitrag von CDS » 28.05.19, 10:36

Hallo!

Es zählt der Wert des Hauses vor der Eheschließung. Der Kaufpreis + Investitionen KANN ein Indikator dafür sein, muss es aber nicht. Abweichungen sind in beide Richtungen durchaus möglich.
(Mal so als Beispiel: Nur weil jemand die Fassade mit Blatgold belegen lässt bedeutet das nicht automatisch das der Wert des Hauses = der Erzielbare Verkaufspreis auch entsprechend der Vergoldungskosten steigt.)

GLu
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Re: Zugewinnausgleich bei eigener Immobilie

Beitrag von GLu » 28.05.19, 21:14

CDS hat geschrieben:
28.05.19, 10:36
Nur weil jemand die Fassade mit Blattgold belegen lässt, bedeutet das nicht
automatisch, daß der Wert des Hauses = der erzielbare Verkaufspreis = auch
entsprechend der Vergoldungskosten steigt.
"Der aktuelle Blattgoldpreis liegt bei rund 200 Euro pro Quadratmeter", das wird
den Wert einer Immobilie kaum steigern ...

https://autohub.de/news/blattgold-affae ... -vergolden

CDS
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Re: Zugewinnausgleich bei eigener Immobilie

Beitrag von CDS » 29.05.19, 09:27

.. nur das sie bei der rauen Oberfläche einer Wand kaum mit einer Schicht auskommen werden.

Davon abgesehen unterschätzen Sie die Außenfläche eines Hauses.
Nehmen wir mal 3 Geschosse, dann sind wir bei ca. 9m Höhe, dann habe das Haus eine Grundfläche von 10x10m.
Dann sind wir bei 4x90qm, also 360qm. Das sind dann schon 72000€ für die ganze Fassade - und da sind die Anbringungskosten noch nicht mit drin .....

GLu
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Re: Zugewinnausgleich bei eigener Immobilie

Beitrag von GLu » 29.05.19, 09:38

CDS hat geschrieben:
29.05.19, 09:27
Das sind dann schon 72000€ für die ganze Fassade
Sie vergessen die Wertminderung ! Dieses Haus dürfte damit unverkäuflich sein;
außer der Besitzer heißt Christo oder Beuys ... :wink:

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