Vollzeit-Tätigkeit zumutbar?

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

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oddmom
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Vollzeit-Tätigkeit zumutbar?

Beitrag von oddmom » 07.05.19, 14:11

Hallo zusammen,

folgenden Fall angenommen:

Ehepaar trennt sich nach 10 Jahren Ehe und über 20 Jahren Beziehung. Zwei gemeinsame Kinder, 10 und 13 Jahre, leben nach der Trennung bei der Mutter. Die Mutter ist seit Geburt des 1. Kindes nicht mehr berufstätig gewesen, Vater war Alleinverdiener und -versorger. Während die Mutter mit dem 2. Kind in Elternzeit war, hat der Vater eine selbstfinanzierte Fortbildung gemacht, die ihm einen großen auch finanziellen Karrieresprung ermöglicht hat, welcher jedoch auch dazu führte, dass die Kinderbetreuung nur durch die Mutter gewährleistet werden konnte, da der Vater beruflich zu eingespannt war. Die Mutter ist vor der Geburt des 1. Kinders auch schon jahrelang nur Teilzeit arbeiten gegangen, da sie seit einem Unfall körperlich dauerhaft eingeschränkt ist (Rückenleiden). Außerdem bekommt die Mutter auch noch eine Teilrente, die entsprechend gekürzt wird, wenn sie mehr als ca. 850€ verdient. Eine Ganztags-Kinderbetreuung ist durch die Schule nicht gegeben.

Nun gibt es Unstimmigkeiten zwischen beiden Parteien, was den Trennungs- bzw. Ehegattenunterhalt betrifft. Der Vater erwartet, dass die Mutter sich schnellstmöglich eine Vollzeitstelle sucht, damit er für sie nichts bezahlen muss. Die Mutter möchte sich aber zunächst nur eine Teilzeitstelle suchen wegen Ihrer Krankengeschichte und weil beide Kinder, die die ständige Betreuung durch die Mutter gewohnt sind, dadurch noch sehr unselbständig sind. Darüber hinaus streiten die Kinder ständig miteinander und das sehr laut und aggressiv, sodass die Mutter Angst hat, sie täglich mehrere Stunden allein miteinander sich selbst zu überlassen. Hier wäre schon eine Aufsichtspflichtverletzung zu unterstellen, da die Kinder sich auch prügeln und verletzen, Inventar beschädigen usw. wenn man sie nicht trennt. Der Vater gibt zu, dass er selbst nicht die Betreuung der Kinder mit einer Vollzeitstelle gewährleisten könnte, erwartet aber andersherum, dass die Mutter dies in Vollzeitbeschäftigung schafft.

Wie sieht hier die Rechtslage aus? Muss die Mutter sich unter den gegebenen Umständen eine Vollzeitstelle suchen oder reicht auch eine Teilzeitstelle, um der Eigenverantwortung unter den beschriebenen Umständen nachzukommen? Da durch die Kürzung der Teilrente bei Vollbeschäftigung sich die finanzielle Lage eh nicht bemerkenswert verbessern würde, ist auch die Sinnhaftigkeit des Ansinnens fraglich, und ob das nicht eher Schikane ist, um der Mutter, von der die Trennung ausging, Steine in den Trennungsweg zu legen.

Vielen Dank für Ihre Meinungen!

FM
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Re: Vollzeit-Tätigkeit zumutbar?

Beitrag von FM » 07.05.19, 14:58

Falls mit Teilrente eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung gemeint ist, wurde doch bereits nachgewiesen, dass sie nur zwischen 3 und 6 Stunden am Tag arbeiten kann.

ExDevil67
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Re: Vollzeit-Tätigkeit zumutbar?

Beitrag von ExDevil67 » 08.05.19, 07:21

Ich meine für dem Umfang einer zumutbaren Berufstätigkeit neben der Kinderbetreuung gibt es entsprechende Richtlinien die definieren bei welchem Alter welcher Stundenumfang als zumutbar gilt. Die Suchmaschine des geringsten Misstrauens dürfte da helfen.

Ansonsten könnte es zumindest nach der Scheidung auch ohne Vollzeittätigkeit nix mit Unterhalt werden. Die Zeiten von einmal Chefarztgattin immer Chefarztgattin sind, zumindest gesetzlich, vorbei. Und da die eingeschränkte Erwerbsfähigkeit von ihr schon scheinbar vor der Hochzeit bestand, dürfte sie sich beim Unterhalt hinterher auch nicht darauf berufen können um mehr zu fordern.

cherokee
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Re: Vollzeit-Tätigkeit zumutbar?

Beitrag von cherokee » 08.05.19, 07:32

Die Kinder als Grund vorzuschieben nicht voll arbeiten gehen zu wollen ist schon merkwürdig. Gibt es denn keine Betreuungseinrichtung in der Umgebung? Die Kosten dafür müssten die Eltern sich wahrscheinlich nach Einkommen teilen.

Celestro
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Re: Vollzeit-Tätigkeit zumutbar?

Beitrag von Celestro » 08.05.19, 09:00

oddmom hat geschrieben:Hier wäre schon eine Aufsichtspflichtverletzung zu unterstellen, da die Kinder sich auch prügeln und verletzen, Inventar beschädigen usw. wenn man sie nicht trennt.
Das denke ich eher nicht (Aufsichtspflichtverletzung). Bin allerdings auch nur Laie.

Ich würde sagen, die Kinder können sich weitaus besser aus dem Weg gehen, als die Mutter dies vermutet. Ansonsten sollte man die beiden mal zu einer Psychotherapie schleifen. Dann hören Sie aufgrund der Zeit, die dafür drauf geht entweder ganz schnell damit auf, oder man ist zurecht dort und dann kann ein Profi helfen.

Hertha1892
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Re: Vollzeit-Tätigkeit zumutbar?

Beitrag von Hertha1892 » 08.05.19, 16:42

Das starre Altersmodell gibt es nicht mehr. Früher galt, ab 8 Jahren kann Teilzeit, ab 15 Vollzeitarbeit erwartet werden.

Hier wird es von der Laune des Richters abhängig sein.

Grüße Hertha1892

CDS
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Re: Vollzeit-Tätigkeit zumutbar?

Beitrag von CDS » 28.05.19, 10:41

Hallo!
"Die Kinder sind es gewohnt" reicht für einen UH-Anspruch nicht aus. Insbesondere gibt ja die Zeit zwischen Trennung und Scheidung nebst Trennungsunterhalt genug Raum diese "Gewohnheit" entsprechend zu ändern.

Sollte die Ehefrau gesundheitlich nicht in der Lage sein eine Vollzeittätigkeit auszuüben, so gibt es darüber ja mit Sicherheit ein ärztliches Gutachten.

SusanneBerlin
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Re: Vollzeit-Tätigkeit zumutbar?

Beitrag von SusanneBerlin » 28.05.19, 11:05

Darüber hinaus streiten die Kinder ständig miteinander und das sehr laut und aggressiv, sodass die Mutter Angst hat, sie täglich mehrere Stunden allein miteinander sich selbst zu überlassen. Hier wäre schon eine Aufsichtspflichtverletzung zu unterstellen, da die Kinder sich auch prügeln und verletzen, Inventar beschädigen usw. wenn man sie nicht trennt.
Dann wäre es doch ohnehin besser, die Kinder gingen getrennten Aktivitäten nach (Sportverein, oder getrennte Nachmittagsbetreuung) und dort die überschüssige Energie loswerden, statt dass sie gemeinsam in der Wohnung von der Mutter beaufsichtigt werden wo sie vor Langeweile anfangen sich gegenseitig zu verprügeln.

Das fördert die Entwicklung der Selbständigkeit der Kinder, sie sind mit anderen Kindern ihres Alters zusammen (3 Jahre Unterschied ist in diesem Alter immens), sie lernen sich sinnvoll zu beschäftigen und mit Gleichaltrigen sozial zu interagieren statt streiten und prügeln, das kann für das spätere Leben ein entscheidender Unterschied sein ob man ein ädiquates Sozialverhalten im Repertoir hat oder nicht.
Grüße, Susanne

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