Gemeinsames Haus nach Trennung - wer trägt die laufenden Kosten?

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

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oddmom
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Gemeinsames Haus nach Trennung - wer trägt die laufenden Kosten?

Beitrag von oddmom »

Hallo zusammen,

Folgender Fall: Herr und Frau A haben zusammen ein Haus finanziert. Nach 10 Jahren trennt sich Frau A und zieht mit den gemeinsamen Kindern aus dem Haus aus in eine eigene Wohnung. Frau A ist/war der Kinder wegen nicht berufstätig, ist auf Jobsuche und lebt derweil vom Unterhalt des alleinverdienenden Herrn A. Herr A bleibt im gemeinsamen Haus wohnen, sucht aber auch eine Wohnung, da das Haus verkauft werden soll. Herr A trägt weiter wie vorher die Finanzierung und Nebenkosten für das Haus.

Nun kommt es aber so, dass Herr A ein halbes Jahr nach der Trennung seine Arbeit verliert und langanhaltend erkrankt. Herr A ist nun längerfristig nicht mehr in der Lage, sich einen neuen Job zu suchen oder eine eigene Wohnung, um das Haus für den Verkauf zu räumen. Ohne Arbeit bekommt er auch schwer Wohnung. Das Arbeitslosengeld/Krankengeld ist zu gering, um davon Hauskosten und Unterhalt für Frau und Kind zu zahlen. Frau A kann sich an den Kosten für das Haus nicht beteiligen, da sie selbst arbeitssuchend ist und ihre letzten Ersparnisse nun braucht, um mangels Unterhalt die eigenen Lebenskosten für sich und die Kinder zu finanzieren. Geld vom Amt steht ihr nicht zu, da das Haus verkauft werden soll und einen Marktwert hat, der ca. 200.000€ über dem damaligen Kaufpreis liegt. An dieses Geld kommt Frau A aber nicht heran, solange Herr A das Haus bewohnt und nicht zum Verkauf freigibt. Herr A erwartet nun dass Frau A sich auch an den Hauskosten beteiligt, obwohl er es allein bewohnt. Frau A ist der Meinung, Herr A muss die Kosten allein tragen, da er ja dort auch allein wohnt und der Nichtverkauf damit durch ihn bedingt wird.

Wie sieht in so einem Fall die Lage aus? Hat Frau A einen Anspruch darauf, dass Herr A zeitnah das Haus für den Verkauf räumt? Und wenn er dies nicht tun kann oder will, wer muss für die Hauskosten aufkommen? Im Vertrag / Grundbuch stehen beide Parteien. Wie lang darf ein getrennter Ehepartner das gemeinsame Haus besetzt lassen, ohne den anderen Partner auszuzahlen?

Ich weiß nicht, ob die Frage in diesem Forum richtig ist, ansonsten bitte verschieben. Danke.

Old Piper
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Re: Gemeinsames Haus nach Trennung - wer trägt die laufenden Kosten?

Beitrag von Old Piper »

oddmom hat geschrieben:
31.07.19, 06:14
Herr A erwartet nun dass Frau A sich auch an den Hauskosten beteiligt, obwohl er es allein bewohnt.
Das tut er vollkommen zu Recht - zumindest was den Schuldendienst und sonstige Kosten angeht, die ein Mieter in einem gemieteten Haus ebenfalls nicht zahlen müsste. Verbrauchskosten (Strom/Gas/Wasser etc.) zahlt natürlich der alleine, der's verbraucht.
Allerdings schuldet Herr A seiner Frau nun auch "Miete" für ihre Hälfte des Hauses. Das kann man miteinander verrechnen, wenn sich beide über die jeweilige Höhe einig sind.
oddmom hat geschrieben:
31.07.19, 06:14
Hat Frau A einen Anspruch darauf, dass Herr A zeitnah das Haus für den Verkauf räumt?
Nein
oddmom hat geschrieben:
31.07.19, 06:14
Wie lang darf ein getrennter Ehepartner das gemeinsame Haus besetzt lassen, ohne den anderen Partner auszuzahlen?
So lange wie er mag. Die Frau könnte natürlich versuchen, das Haus ohne seine Zustimmung verkaufen zu lassen ("Teilungsversteigerung" heißt das), allerdings ist das vor der Scheidung nicht so ohne weiteres möglich.
MfG
Old Piper
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Behörden- und Gerichtsentscheidungen sind zwar oft recht mäßig, aber meistens rechtmäßig.

winterspaziergang
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Re: Gemeinsames Haus nach Trennung - wer trägt die laufenden Kosten?

Beitrag von winterspaziergang »

oddmom hat geschrieben:
31.07.19, 06:14
Wie sieht in so einem Fall die Lage aus?
Frau und Herr A sollten ihre Angelegenheiten regeln und hierzu werden sie ohne Anwalt nicht auskommen.
Es geht doch um mehr als das Haus.
Herr A schuldet Unterhalt für die Kinder, Trennungsunterhalt für sie, einen Nutzungsausgleich für das Haus.
Frau A müsste sich wiederum an den Kosten wie Abzahlung beteiligen. Was verrechnet werden kann und was vermutlich weniger ist, als o.g.
Frau könnte Unterhaltsvorschuss beantragen, eventuell ALG-II als Darlehen.
Alles weitere wird ohne Anwalt nicht zu regeln sein.
Wie lang darf ein getrennter Ehepartner das gemeinsame Haus besetzt lassen, ohne den anderen Partner auszuzahlen?
bis man im Rahmen einer wirksamen Trennungs-/Scheidungsvereinbarung alles geklärt hat.

windalf
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Re: Gemeinsames Haus nach Trennung - wer trägt die laufenden Kosten?

Beitrag von windalf »

Allerdings schuldet Herr A seiner Frau nun auch "Miete" für ihre Hälfte des Hauses. Das kann man miteinander verrechnen, wenn sich beide über die jeweilige Höhe einig sind.
Bei all der Diskussion über die Abwicklung im Innenverhältnis sollte man ggf. nicht unerwähnt lassen, dass es der finanierenden Bank total egal ist auf was beide sich geeinigt haben. Die sucht sich aus (so beide den Kreditvertrag unterschrieben haben), wenn die zur Ader lässt. Im Innenverhältnis kann man das dann entsprechend ausgleichen wie man möchte. Nicht zahlen führt ggf. dazu, dass die Bank die Zwangsversteigerung einleitet...
...fleißig wie zwei Weißbrote
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

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