Co-Parenting-Vertrag?

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

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McDreamy
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Co-Parenting-Vertrag?

Beitrag von McDreamy » 26.08.19, 12:18

Hallo,

es geht um eine Frage des "neumodischen" Co-Parenting.

Person X (männlich) und Y (weiblich) möchten gerne Co-Parents werden, also Eltern mit Freundschaft statt Beziehung.
Dazu möchten Sie gerne bereits vor der Zeugung eine rechtlich sichere Übereinkunft treffen, dass das Thema Unterhalt, Sorgerecht etc. klärt:

X und Y sind sich einig, dass das Kind bei X leben soll und X als Vater zirka 95% die Erziehung übernehmen wird, da Y arbeiten möchte.
X soll hier auch das alleinige Sorgerecht bekommen.
Y besteht hierfür darauf, keinen Unterhalt oder sonstige finanzielle Verpflichtungen übernehmen zu müssen, sowie das Kind an 10 Wochenenden im Jahr zzgl 2 Wochen durchgehend im Sommer und 1 Woche durchgehend im Winter zu haben.

Ist soetwas rechtlich vor der Zeugung niederschreibbar, welches auch nach der Geburt noch für beide Paare bindend wäre?

windalf
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Re: Co-Parenting-Vertrag?

Beitrag von windalf » 26.08.19, 12:23

Ist soetwas rechtlich vor der Zeugung niederschreibbar, welches auch nach der Geburt noch für beide Paare bindend wäre?
Bindend im besten Falle wenn sich beide an die Vereinbarung halten...
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

Tastenspitz
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Re: Co-Parenting-Vertrag?

Beitrag von Tastenspitz » 26.08.19, 12:23

Das ist kein
McDreamy hat geschrieben:
26.08.19, 12:18
Co-Parenting.
bei
McDreamy hat geschrieben:
26.08.19, 12:18
X als Vater zirka 95% die Erziehung übernehmen
. Das ist eher eine Leihmutterschaft mit eingeschränktem Besuchsrecht. Welche Rechte soll den das Kind bekommen?
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McDreamy
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Re: Co-Parenting-Vertrag?

Beitrag von McDreamy » 26.08.19, 12:35

Eine Liehmutterschaft? Wenn keinerlei Geld fließt, beide befreudnet sind und sich das einfach so aufteilen wollen?

ratlose mama
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Re: Co-Parenting-Vertrag?

Beitrag von ratlose mama » 26.08.19, 13:18

Der eine Elternteil kann den anderen von den Unterhaltsleistungen im Innenverhältnis freistellen.

Sobald aber Sozialleistungen beantragt würden, wäre diese Vereinbarung nichtig und der Unterhalt fällig

Celestro
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Re: Co-Parenting-Vertrag?

Beitrag von Celestro » 26.08.19, 14:22

McDreamy hat geschrieben:
26.08.19, 12:18
sowie das Kind an 10 Wochenenden im Jahr zzgl 2 Wochen durchgehend im Sommer und 1 Woche durchgehend im Winter zu haben.
Wo soll denn da bitte eine vernünftige Bindung zur Mutter entstehen? Sorry, aber die "Eltern" sollten hier nochmal über die Bedürfnisse des Kindes nachdenken, BEVOR Sie das irgendeine Vereinbarung unterschreiben.

Tastenspitz
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Re: Co-Parenting-Vertrag?

Beitrag von Tastenspitz » 27.08.19, 08:41

McDreamy hat geschrieben:
26.08.19, 12:35
Eine Liehmutterschaft? Wenn keinerlei Geld fließt, beide befreudnet sind und sich das einfach so aufteilen wollen?
Nun. Fakt ist - die Mutter gebärt ein Kind und übergibt es dem Vater. Dann soll es einen Vertrag gebe, der der Mutter genau definierte Zugangsbedingungen diktiert.
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windalf
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Re: Co-Parenting-Vertrag?

Beitrag von windalf » 27.08.19, 09:09

Tastenspitz hat geschrieben:
27.08.19, 08:41
McDreamy hat geschrieben:
26.08.19, 12:35
Eine Liehmutterschaft? Wenn keinerlei Geld fließt, beide befreudnet sind und sich das einfach so aufteilen wollen?
Nun. Fakt ist - die Mutter gebärt ein Kind und übergibt es dem Vater. Dann soll es einen Vertrag gebe, der der Mutter genau definierte Zugangsbedingungen diktiert.
An der Stelle fangen die Unabwägbarkeiten doch schon an. Angenommen Mama möchte sich auf einmal nicht daran halten das Kind dem Vater zu übergeben und es lieber selbst großziehen. Da hilft dem Vater der tollste Vertrag nicht. Den Gerichtsvollzieher will ich sehen, der der Mutter das Kind dann im Krankhaus entwendet...

Selbst wenn man in dem Vertrag eine entsprechende Pönale vereinbaren würde, die es der Mutter eigentlich unmöglich macht das Kind nicht zu übergeben, wäre diese garantiert nicht durchsetzbar.
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

ExDevil67
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Re: Co-Parenting-Vertrag?

Beitrag von ExDevil67 » 27.08.19, 09:23

ratlose mama hat geschrieben:
26.08.19, 13:18
Der eine Elternteil kann den anderen von den Unterhaltsleistungen im Innenverhältnis freistellen.

Sobald aber Sozialleistungen beantragt würden, wäre diese Vereinbarung nichtig und der Unterhalt fällig
Oder wenn das Kind 18 ist und selbst Unterhalt von seinen Eltern einfordert.

Chavah
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Re: Co-Parenting-Vertrag?

Beitrag von Chavah » 27.08.19, 14:05

Der Denkfehler ist doch, dass man so Verträge (soweit sie überhaupt wirksam sind) auch kündigen kann, und zwar von beiden Elternteilen aus. Die Bedürfnisse ändern sich, die der Eltern aber auch die der Kinder. Und was ist, wenn so ein Kind z.B. behindert ist, wenn ein Elternteil in tiefe Armut verfällt, wenn es Kindeswohl und Mutter entspricht, wenn ein anderes Umgangsmodell sinnvoller wäre?

Hier soll doch ein Vertrag zu Lasten einer dritten Person, des Kindes geschlossen werden, so etwas ist doch gar nicht wirksam. Und dann noch, wenn das "Objekt" noch nicht mal gezeugt ist? Wir haben im Erbrecht eine sehr sinnvolle Regelung. Erben kann nur ein Kind, was bereits gezeugt ist. Irgendwelche wüste Pläne für die Zukunft, auch in einem Testament, sind nichtig.

Chavah

windalf
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Re: Co-Parenting-Vertrag?

Beitrag von windalf » 28.08.19, 07:26

Der Denkfehler ist doch, dass man so Verträge (soweit sie überhaupt wirksam sind) auch kündigen kann, und zwar von beiden Elternteilen aus. Die Bedürfnisse ändern sich, die der Eltern aber auch die der Kinder.
Das gilt für ein Bauspardarlehn genauso. Trotzdem kann man das nicht einfach mal so kündigen (ohne eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen zu müssen)...
Und was ist, wenn so ein Kind z.B. behindert ist, wenn ein Elternteil in tiefe Armut verfällt, wenn es Kindeswohl und Mutter entspricht, wenn ein anderes Umgangsmodell sinnvoller wäre?
Es spricht ja grundsätzlich nichts dagegen sich vertraglich detaillierter Festzulegen was wann genau gelten soll...

Hier soll doch ein Vertrag zu Lasten einer dritten Person, des Kindes geschlossen werden, so etwas ist doch gar nicht wirksam.
Wenn sich irgendeine Frau überlegt Sie möchte ein Kind aber keinen Vater dazu, dann kann Sie das doch auch problemlos umsetzen (Sogar auf Steuerzahlerkosten indem Sie dann angibt den Vater nicht zu kennen und dabei Unterhaltsvorschuss zu kassieren). Wenn nun auch aktuell solche komische Modelle möglich sind warum dann nicht allen die Möglichkeit einräumen entsprechende "Lebensmodelle" zu konstruieren...
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

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