Wechselmodell/Unterhalt selber Wohnsitz?

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

Moderator: FDR-Team

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Rafa
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Wechselmodell/Unterhalt selber Wohnsitz?

Beitrag von Rafa »

Guten Tag,
folgender Fall trägt sich gerade in meinem Freundeskreis zu:
A und B haben ein gemeinsames (Klein-)kind. Nachdem A sich von B getrennt hat, hat B wenige Wochen später angekündigt, dass er eine neue Wohnung hat und ist binnen kurzer Zeit ausgezogen. A hat seitdem die bis dato gemeinsam gezahlte Miete alleine aufgebracht und erhält auch keinen Unterhalt für das gemeinsame Kind. Das Jugendamt sagt, es könne keinen Unterhalt "vorstrecken", dazu benötige es erst die gesetzliche Ummeldung von B. B meldet sich aber nicht um (mittlerweile seit 8 Monaten nicht), A hat aufgrund der Coronakrise ihren Job verloren und bezieht seitdem HartzIV. Nach seinem Auszug hat B A vorgeschlagen, zumindest "auf dem Papier" das Wechselmodell zu vereinbaren, da er dann "keinen Unterhalt zahlen muss", dem hat A jedoch nicht zugestimmt. B ist daraufhin mit einer Wechselmodellklage vor Gericht gezogen, das Verfahren wurde vertagt, es ist nach wie vor offen, da es vor Gericht zu keiner Einigung kam.
Ich frage mich, wie es überhaupt möglich ist, ein Wechselmodell einzuklagen, wenn A und B (+Kind) offiziell noch zusammen wohnen? Und ob es eine Möglichkeit gibt, dass A dennoch Unterhalt beziehen kann, auch wenn B sich nicht ummeldet? (A möchte keine gerichtlichen Schritte einleiten, damit die Fronten sich nicht noch weiter verhärten, B dagegen ist sehr an gerichtlichen Auseinandersetzungen interessiert, an einer außergerichtlichen Einigung hat B leider kein Interesse.)
Danke vorab :)

lottchen
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Re: Wechselmodell/Unterhalt selber Wohnsitz?

Beitrag von lottchen »

Da B gegen das Bundesmeldegesetz verstößt könnte A der Meldenehörde mitteilen, dass A dort vor 8 Monaten ausgezogen ist und die neue Adresse von A mitteilen (so bekannt). Dann wäre zumindest 1 Problem geklärt.
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!

Old Piper
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Re: Wechselmodell/Unterhalt selber Wohnsitz?

Beitrag von Old Piper »

Rafa hat geschrieben:
13.08.20, 12:08
Ich frage mich, wie es überhaupt möglich ist, ein Wechselmodell einzuklagen, wenn A und B (+Kind) offiziell noch zusammen wohnen?
Das Familiengericht interessiert sich nicht dafür, wer wo gemeldet ist. Zumindest bei den Gerichten, die ich kenne, kommt es auf die tatsächlichen Gegebenheiten an.
Rafa hat geschrieben:
13.08.20, 12:08
Und ob es eine Möglichkeit gibt, dass A dennoch Unterhalt beziehen kann, auch wenn B sich nicht ummeldet?
Ehegatten sind sich auch dann gegenseitig zum Unterhalt verpflichtet, wenn sie zusammen leben - und Kindern gegenüber sowieso.
(A möchte keine gerichtlichen Schritte einleiten, damit die Fronten sich nicht noch weiter verhärten, B dagegen ist sehr an gerichtlichen Auseinandersetzungen interessiert, an einer außergerichtlichen Einigung hat B leider kein Interesse.)
Bei derartigen Konstellationen geht's nicht ohne Gericht. A sollte sich einen Anwalt suchen - in Unterhlatsverfahren besteht eh Anwaltszwang
MfG
Old Piper
_____________________
Behörden- und Gerichtsentscheidungen sind zwar oft recht mäßig, aber meistens rechtmäßig.

Celestro
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Re: Wechselmodell/Unterhalt selber Wohnsitz?

Beitrag von Celestro »

und A sollte mal langsam "in die Puschen" kommen. Denn Unterhalt bekommt man ab dem Moment, wo man ihn einfordert. Sprich für die letzten 8 Monate hatte A zwar Anspruch darauf, darf den aber vermutlich abschreiben. Und wenn A jetzt noch länger wartet, gibt es bis dahin weiterhin nichts.

P.S. Warum will A das nicht vor Gericht klären, wenn B doch so "versessen" auf Gerichte ist? Also klar, wegen der Fronten. Aber wieso sollten sich die Fronten noch mehr verhärten? Mehr als "B dagegen ist sehr an gerichtlichen Auseinandersetzungen interessiert, an einer außergerichtlichen Einigung hat B leider kein Interesse" geht doch gar nicht, oder?

Chavah
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Re: Wechselmodell/Unterhalt selber Wohnsitz?

Beitrag von Chavah »

Das mit dem "in die Puschen kommen," das kann man nur unterstreichen. Offensichtlich hat A überhaupt kein Konzept. Gut, wenn man selbst keines hat und deshalb irgendwann unter der Brücke landet, dann hat man das zu vertreten. Aber hier, das ist doch völlig verantwortungslos, es so schluren zu lassen. Da ist immer hin ein Kleinkind da, und dann ist so ein Verhalten doch völlig verantwortungslos. Welchen Sinn soll denn ein nicht praktiziertes Wechselmodell haben? Wer soll denn bitteschön das Kind finanzieren? Was wird denn hier den Behörden erzählt? So geht das doch gar nicht.

EMA mitteilen, dass B nicht mehr dort wohnt. Keine Post für ihn mehr annehmen. So, dann mit dieser Mitteilung die Unterhaltsfrage Kind regeln. Entweder direkt mit der Unterhaltsvorschußkasse oder aber über einen Rechtsanwalt. Denn irgendwann macht auch das Job-Center diesen Zirkus nicht mehr mit. Und dann fällt der Mutter diese Schlurerei gewaltig auf die Füße.

Chavah

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