Unterhalt bei Selbstständigkeit

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

Moderator: FDR-Team

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Swtydan
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Unterhalt bei Selbstständigkeit

Beitrag von Swtydan »

Hallo,

Ich bin als selbständiger im Außendienst Unterhaltsverpflichtet. Allerdings kenne ich die Richtlinien zur Berechnung nicht.

Im Internet gibt es viele Informationen aber ich werde daraus nicht schlau.

Bspw. Zu versteuerndes Einkommen im Jahr 1 25.000 Euro , Jahr 2 40.000, Jahr 3 45.000

Wird hiervon dann das Mittel schätze ich gezogen. Welche Posten sind dann noch Abzugsfähig? Weitere Unterhaltspflichtige Kinder? Krankenkasse? Steuer? Wird im Gegenzug Leasingkosten oder andere Posten wieder dazu gezählt?

Bei etwa der oben genannten Zahlen wurden mir 8. Kat. 188% von der Anwältin meiner Frau zugeordnet.
Allerdings zahle ich noch 400 Euro Kindesunterhalt für das 1. Kind, und Krankenkasse 700 Euro.

Ich blicke da nicht durch. Zudem bediene ich weiter die Raten für das gemeinsame Haus in dem ich nicht mehr wohne statt Ehegattenunterhalt.

Vielleicht hat jemand mir gute Links oder Informationen die mir weiter helfen.
Hertha1892
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Re: Unterhalt bei Selbstständigkeit

Beitrag von Hertha1892 »

Mit dem durchschnittlichen Gewinn der letzten drei Jahre liegst du schon mal gut. Abzugsfähig sind vor allem Krankenversicherung und Altersvorsorge.

Wer wieviel Unterhalt bekommt bestimmt sich dann am unterhaltsrelevanten Netto und der Rangfolge:

1. Rang: alle minderjährigen und privilegierten volljährigen Kinder (unter 21, in allgemeiner Schulausbildung, leben bei einem Elternteil).

2. Rang: (Ex-) Ehegatten/Partner, die wegen Kinderbetreuung bedürftig sind

3. Rang: andere bedürftige (Ex-)Ehegatten/Partner

4. Rang: volljährige Kinder in Ausbildung.

Die Anzahl der Unterhaltsverpflichtungen und das Alter der Kinder beeinflussen noch die Einstufung in der Düsseldorfer Tabelle.

Grüße Hertha1892
ExDevil67
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Re: Unterhalt bei Selbstständigkeit

Beitrag von ExDevil67 »

Swtydan hat geschrieben: 09.03.21, 18:06 Bei etwa der oben genannten Zahlen wurden mir 8. Kat. 188% von der Anwältin meiner Frau zugeordnet.
Hervorhebung von mir.
Ein Anwalt ist immer im Auftrag einer Person unterwegs, wird also im Zweifel alles im Sinne seines Mandanten auslegen.
Hertha1892
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Re: Unterhalt bei Selbstständigkeit

Beitrag von Hertha1892 »

Stufe 8 passt nicht mal, wenn man den Gewinn des letzten Jahres unbereinigt nimmt.

Mal "optimal" gerechnet: bei einem durchschnittlichen Gewinn von 36.666 Euro. Macht
3055 Euro im Monat. Minus 700 KV bleiben roundabout 2355 Euro. Wenn man zwei Kindern und der Ex zu Unterhalt verpflichtet wäre, kann noch eine Stufe in der DDT herab gestuft werden. Dann ist man in Stufe 2 der DDT. Je nach Altersstufe bei 304/365/445 Euro Unterhalt.

Tun wir mal so, dass K1 15 Jahre und K2 4 Jahre alt ist. Dann werden von 2355 Euro 445 und 304 Euro abgezogen. Dann bleiben 1606 Euro übrig. Davon kann man dann vermutlich eher keine Hausratengröße als Trennungsunterhalt zahlen.

Grüße Hertha1892
FM
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Re: Unterhalt bei Selbstständigkeit

Beitrag von FM »

Wenn die Rechnerei als Ergebnis ergibt, dass von einer selbständigen Arbeit nahezu kein verwertbares Einkommen übrig bleibt, könnte das Familiengericht sagen: dann muss er eben stattdessen eine Tätigkeit als Arbeitnehmer suchen und aufnehmen.

Details hängen vom Einzelfall ab.
Hertha1892
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Re: Unterhalt bei Selbstständigkeit

Beitrag von Hertha1892 »

Wenn kein Mangelfall für die Kinder vorliegt, gibt es dafür keinen Spielraum. Es gibt keine Pflicht, ein Maximum zu erwirtschaften. Für Stufe 1 muss es reichen. Der Rest ist Zugabe.

Grüße Hertha1892
Swtydan
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Re: Unterhalt bei Selbstständigkeit

Beitrag von Swtydan »

Hallo zusammen,

Das Problem sehe ich derzeit darin, dass die Anwältin schreibt, dass wenn ich damit nicht einverstanden bin das Gericht den Unterhalt berechnet. Ist sie denn nicht verpflichtet mir eine Rechnung zukommen zu lassen? Bzw. Wenn ich ablehne, muss ich die Gerichtskosten tragen bzw. Benötige ich dann ebenso einen Anwalt?
hambre
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Re: Unterhalt bei Selbstständigkeit

Beitrag von hambre »

Bei etwa der oben genannten Zahlen wurden mir 8. Kat. 188% von der Anwältin meiner Frau zugeordnet.
Da wird man wohl einen eigenen Anwalt einschalten müssen, der das mal nachrechnet.

Dass Anwälte bei der Berechnung von Unterhalt manchmal die Grundrechenarten nicht beherrschen und sich dabei aber "rein zufällig" immer zu Gunsten ihres Mandanten verrechnen ist nicht Ungewöhnliches. Wenn man dann noch weiß, dass sich das Honorar des Anwaltes nach der Höhe des geforderten Unterhaltes richtet, dann ist man schnell beim Spruch:"Ein Schelm, wer böses dabei denkt."
Hertha1892 hat geschrieben:Mal "optimal" gerechnet: bei einem durchschnittlichen Gewinn von 36.666 Euro. Macht
3055 Euro im Monat. Minus 700 KV bleiben roundabout 2355 Euro.
So würde wohl der eigene Anwalt rechnen und dabei "ganz aus Versehen" nicht bemerken, dass beim zu versteuernden Einkommen die Krankenversicherung schon berücksichtigt ist. Ich würde daher vermuten, dass man in Stufe 4, mit Glück in Stufe 3 landet.
Hertha1892
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Re: Unterhalt bei Selbstständigkeit

Beitrag von Hertha1892 »

Nee, hier hat Anwältin 1892 den GEWINN zugrunde gelegt und nicht das zu versteuernde Einkommen. Das zu versteuernde Einkommen hat nämlich Positionen in Abzug, die unterhaltsrechtlich nicht relevant sind, außergewöhnliche Belastungen zum Beispiel. Deshalb ist es richtig, vom Gewinn noch die PKV in Abzug zu bringen, weil die im Gewinn nicht berücksichtigt ist. :D
Mit dem zvE rechnet man nie den Unterhalt aus.

Grüße Hertha1892
Hertha1892
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Re: Unterhalt bei Selbstständigkeit

Beitrag von Hertha1892 »

Swtydan hat geschrieben: 09.03.21, 21:09 Hallo zusammen,

Das Problem sehe ich derzeit darin, dass die Anwältin schreibt, dass wenn ich damit nicht einverstanden bin das Gericht den Unterhalt berechnet. Ist sie denn nicht verpflichtet mir eine Rechnung zukommen zu lassen? Bzw. Wenn ich ablehne, muss ich die Gerichtskosten tragen bzw. Benötige ich dann ebenso einen Anwalt?
Vor Gericht besteht in Unterhaltsdingen Anwaltszwang. Die gegnerische Anwältin kann eine Fantastillion Unterhalt berechnen oder keinen, ihre Berechnung hat soviel zwingende Relevanz wie die vom Bäcker oder meine: keine. Und sie muss für dich überhaupt nichts berechnen, da du die Gegenseite bist. Sie kann auch einfach schreiben "Meine Mandantin will 800 BAT, ansonsten klagt sie!"

Schau dir die Leitlinien deines zuständigen OLG an, rechne selbst oder folge dem Link in deinen PN. Dann unterbreitest du ihr eine Gegenrechnung, die du akzeptieren würdest. Entweder ihr einigt euch dann außergerichtlich oder es landet vor Gericht.

Grüße Hertha1892
Old Piper
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Re: Unterhalt bei Selbstständigkeit

Beitrag von Old Piper »

Swtydan hat geschrieben: 09.03.21, 21:09Das Problem sehe ich derzeit darin, dass die Anwältin schreibt, dass wenn ich damit nicht einverstanden bin das Gericht den Unterhalt berechnet.
Und wo ist da das Problem? Meine Vorredner haben doch schon dargelegt, dass das Gericht mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen geringeren Zahlbetrag kommen wird.
Swtydan hat geschrieben: 09.03.21, 21:09Ist sie denn nicht verpflichtet mir eine Rechnung zukommen zu lassen?
Sie ist verpflichtet, für ihre Mandantin das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.
Swtydan hat geschrieben: 09.03.21, 21:09Bzw. Wenn ich ablehne, muss ich die Gerichtskosten tragen bzw. Benötige ich dann ebenso einen Anwalt?
Für Unterhaltsverfahren besteht Anwaltspflicht - also brauchen Sie spätestens dann einen. Wer die Gerichts- und ggf. Anwaltskosten bezahlt, wird dann am Ende des Verfahrens entschieden.

Eins vorneweg: Dass sie grundsätzlich Ihren Kindern ggü. Unterhalt zu zahlen haben, ist Ihnen klar, oder? Es geht "nur" um die Höhe.
Es gibt 3 Möglichkeiten, auf so ein Schreiben zu reagieren:
  1. (die aufwändigste): Sie lesen sich in die Unterhaltsleitlinien des für Ihren Wohnsitz zuständigen OLG (Oberlandesgericht) ein, berechnen selbst den Unterhalt, den Sie meinen zahlen zu müssen und machen der Anwältin einen entsprechenden Gegenvorschlag.
  • (vermutlich die teuerste): Sie zahlen einfach das was verlangt wird.
  • (vermutlich die sinnvollste): Sie übergeben die Sache gleich einem Anwalt Ihres Vertrauens und der kümmert sich dann darum.
MfG
Old Piper
_____________________
Behörden- und Gerichtsentscheidungen sind zwar oft recht mäßig, aber meistens rechtmäßig.
Swtydan
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Re: Unterhalt bei Selbstständigkeit

Beitrag von Swtydan »

Hallo Hertha,

Du scheinst in diesen Dingen viel Ahnung ist haben. Leider habe ich keine PN erhalten.

Würdest Du mir bitte nochmal schicken, was Du schicken wolltest?
Chavah
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Re: Unterhalt bei Selbstständigkeit

Beitrag von Chavah »

Man muss sich eines klar machen. Die gegnerische Anwältin ist Interessenvertreterin. Sie wird bei der Berechnung von Unterhalt gerade bei einer etwas unklaren Sachlage (selbstständig) immer, ausnahmslos immer etwas über das hinaus gehen, was ein Gericht wohl zusprechen wird. Denn nichts ist schlimmer, als wenn beim Juristenstammtisch der Familienrichter fröhlich fragt, warum man denn nur den Betrag xy beantragt habe, er hätte auch 50€ mehr im Monat zugesprochen. Und auch für einen möglichen Vergleich sollte Puffer da sein.

Unter dem Gesichtspunkt der Waffengleichheit sollte der Fragesteller auch einen Anwalt einschalten. Dann kann vernünftig gegengerechnet werden. Und dann sieht man weiter.

Chavah
hambre
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Re: Unterhalt bei Selbstständigkeit

Beitrag von hambre »

Hertha1892 hat geschrieben:Nee, hier hat Anwältin 1892 den GEWINN zugrunde gelegt und nicht das zu versteuernde Einkommen.
Das mag sein und würde auch erklären, wie sie auf Stufe 8 der DDT kommt. Jedoch beziehen sich die Angaben des Fragestellers in der Ausgangsfrage auf das zu versteuernde Einkommen und nicht auf den Gewinn.
Hertha1892 hat geschrieben:Deshalb ist es richtig, vom Gewinn noch die PKV in Abzug zu bringen, weil die im Gewinn nicht berücksichtigt ist.
Dem stimme ich zu, jedoch hast Du in der Berechnung in Deiner zweiten Antwort die Krankenversicherung vom zu versteuernden Einkommen abgezogen und das wäre dann eine doppelte Berücksichtigung der Beiträge zur Krankenversicherung.
Hertha1892 hat geschrieben:Es gibt 3 Möglichkeiten, auf so ein Schreiben zu reagieren:
Es gibt noch eine 4. Möglichkeit:
Man geht zum Jugendamt und lässt dort freiwillig den Unterhalt titulieren, den man meint zahlen zu müssen. Das verschiebt dann das Prozesskostenrisiko ganz erheblich auf die Seite der Frau.
Chavah hat geschrieben:Sie wird bei der Berechnung von Unterhalt gerade bei einer etwas unklaren Sachlage (selbstständig) immer, ausnahmslos immer etwas über das hinaus gehen, was ein Gericht wohl zusprechen wird.
Das ist aber noch höflich ausgedrückt. Es gibt auch Anwälte, die durch vorsätzlich falsche Berechnungen weit über die tatsächlichen Ansprüche hinausgehen. Das dürfte auch hier der Fall sein. Die Forderung nach einer Eingruppierung in die Stufe 8, obwohl bei einer grob überschlägigen Berechnung maximal die Stufe 4 herauskommen dürfte, ist nicht mehr dadurch zu erklären, dass unklare Sachlagen zu Gunsten der eigenen Mandantin ausgelegt werden.
Hertha1892
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Re: Unterhalt bei Selbstständigkeit

Beitrag von Hertha1892 »

Ups, ich habe mich im Eingangsbeitrag verlesen und bin von dem Gewinn 25.000/40.000/45.000 ausgegangen. Da hast du natürlich absolut Recht.

Grüße Hertha1892
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