Unterhalt im Wechselmodell selbst berechnen

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

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Heiko66
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Re: Unterhalt im Wechselmodell selbst berechnen

Beitrag von Heiko66 »

Man kann sich die Frage ja vielleicht mal anders stellen. Was passiert mit dem Geld das der eine Partner dem anderen zur Verfügung stellt. Kommt dieses Geld beim Kind an?

a) Nehmen wir mal Ex-Partner 1 hat 3000 netto und Ex-Partner 2 5000 netto.

b) Ex-Partner 1 hat 1500 netto und Ex-Partner2 5000 netto

Im Fall b) kann man sich ja vielleicht darüber streiten, ob es zumindest subjektiv fair ist, dass nach der Quote des Einkommens Ex-Partner 2 Ex-Partner1 etwas zukommen lässt wovon dann der größere Teil auch beim Kind landet. Objektiv fair ist es schon deswegen nicht, weil dann aller Voraussicht nach Ex-Partner 1 nicht genauso wie Ex-Partner 2 zum Unterhalt des Kindes beiträgt.

Im Fall a) hingegen ist es einfach nur noch eine Bereicherung von Ex-Partner 1 zu Lasten von Ex-Partner 2.

Der Übergang mag da fließend sein aber es ist illusorisch zu glauben die Zahlungen würden zu 100 Prozent dem Kind zu Gute kommen. Fair wäre es dann, wenn beide dem Kind die gleichen Rahmenbedingungen mit ihrem Einkommen bieten. Je niedriger das Einkommen von dem Partner mit weniger Einkommen ist, desto größer wird die Zweckentfremdung werden.
Und das ist überall im Leben so. Bei den Bundesjugendspielen müssen Mädchen andere Werte schaffen als Jungen und 11jährige andere Zeiten als 14jährige.
Um das mal auf Bezahlung eines Jobs zu münzen. Die Bezahlung richtet sich nach der erbrachten Leistungen und nicht danach, ob derjenige genauso viel Prozent seiner Potenzials abruft wie der Kollege. Mein aktuell bestbezahlter Mitarbeiter ist übrigens eine Frau bevor man mir vorwirft ich hätte etwas gegen Frauen. SIe bekommt aber nicht deswegen mehr Geld, weil Sie eine Frau ist und es daher erstaunlich ist, dass sie trotz Ihres Geschlechtes so viel leistet wie ihre Kollegen. Sie bekommt einfach alleine deswegen mehr Geld weil Sie für mich als MItarbeiter wertvoller ist. Ob Sie dafür nur 1% ihre Potenzials abruft oder 100% um diese Leistung zu erbringen ist mir völlig egal.
Hertha1892
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Re: Unterhalt im Wechselmodell selbst berechnen

Beitrag von Hertha1892 »

Celestro hat geschrieben: 16.04.21, 17:32 Warum sollte "nach Quote des Einkommens" nicht objektiv die fairste Variante sein?
Ich finde das auch fair, wenn beide die gleiche Arbeitszeit dafür einsetzen. Aber für manche Menschen ist nur der gleiche Betrag fair und sie sehen nicht, dass 200 Euro verdammt viel Geld sind, wenn man nur 1400 Euro verdient und eine ganz andere Hausnummer, wenn es 4000 Euro Verdienst sind.

Grüße Hertha1892
Celestro
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Re: Unterhalt im Wechselmodell selbst berechnen

Beitrag von Celestro »

Heiko66 hat geschrieben: 16.04.21, 18:04 Im Fall b) kann man sich ja vielleicht darüber streiten, ob es zumindest subjektiv fair ist, dass nach der Quote des Einkommens Ex-Partner 2 Ex-Partner1 etwas zukommen lässt wovon dann der größere Teil auch beim Kind landet. Objektiv fair ist es schon deswegen nicht, weil dann aller Voraussicht nach Ex-Partner 1 nicht genauso wie Ex-Partner 2 zum Unterhalt des Kindes beiträgt.
Nehmen wir einen Verdienst bei A von 3000 Euro an und bei B von 6000 Euro. Unterhalt für das Kind sollen 900 Euro sein. Dann zahlt jeder nach Gehalt und somit 1/3 zu 2/3, also 300 Euro zu 600 Euro. Macht bezogen auf das Einkommen jeweils 10% und somit hat A genauso zum Unterhalt beigetragen, wie B. Natürlich nicht in Euro gleich, aber das muss ja auch nicht.
Heiko66 hat geschrieben: 16.04.21, 18:04Im Fall a) hingegen ist es einfach nur noch eine Bereicherung von Ex-Partner 1 zu Lasten von Ex-Partner 2.
Wie kommen Sie darauf? a) und b) verwechselt? Und selbst wenn ... wie kommen Sie zu diesen Aussagen?
Heiko66 hat geschrieben: 16.04.21, 18:04Der Übergang mag da fließend sein aber es ist illusorisch zu glauben die Zahlungen würden zu 100 Prozent dem Kind zu Gute kommen. Fair wäre es dann, wenn beide dem Kind die gleichen Rahmenbedingungen mit ihrem Einkommen bieten. Je niedriger das Einkommen von dem Partner mit weniger Einkommen ist, desto größer wird die Zweckentfremdung werden.
Haben Sie das Unterhaltsrecht überhaupt verstanden? Gibt es bei einem Paar das Residenzmodell, so steigt der zu zahlende Betrag, wenn das Einkommen steigt. Das Kind soll nämlich an dem Verdienst des anderen Elternteils teilhaben.
Heiko66 hat geschrieben: 16.04.21, 18:04Die Bezahlung richtet sich nach der erbrachten Leistungen und nicht danach, ob derjenige genauso viel Prozent seiner Potenzials abruft wie der Kollege. Mein aktuell bestbezahlter Mitarbeiter ist übrigens eine Frau bevor man mir vorwirft ich hätte etwas gegen Frauen. SIe bekommt aber nicht deswegen mehr Geld, weil Sie eine Frau ist und es daher erstaunlich ist, dass sie trotz Ihres Geschlechtes so viel leistet wie ihre Kollegen. Sie bekommt einfach alleine deswegen mehr Geld weil Sie für mich als MItarbeiter wertvoller ist. Ob Sie dafür nur 1% ihre Potenzials abruft oder 100% um diese Leistung zu erbringen ist mir völlig egal.
Dann sollten Sie mal aus Ihrem Schneckenhaus herauskommen und in die Realität blicken. In vielen Betrieben wird nach Tarif bezahlt. Wenn man dort ausgelernt hat, steigen alle mit dem gleichen Gehalt ein. Ja ... ggf. kann sich die Bezahlung dann später mehr nach der Leistung richten. In der Realität ist es aber so, das meistens nicht die "guten" Mitarbeiter befördert werden, sondern die Schleimer / Arschkriecher / Duckmäuser. Da bringen dann auch Leistungsbewertungen nichts, weil es nicht immer sinnvolle Leistungsnachweise gibt (wie z.B. eine Stückzahl nach Accordlohn) und es somit unter anderem auch nach Symphatie des Bewertenden gegenüber dem Bewerteten geht.

Das mag jetzt in Ihrer Firma mal anders sein (ich habe Zweifel). Aber selbst wenn ... wäre das die rühmliche Ausnahme und keinesfalls die Regel.
Heiko66
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Re: Unterhalt im Wechselmodell selbst berechnen

Beitrag von Heiko66 »

Macht bezogen auf das Einkommen jeweils 10% und somit hat A genauso zum Unterhalt beigetragen, wie B. Natürlich nicht in Euro gleich
Bei einem Wechselmodell erbingen beide die gleiche Betreuungsleistung. Warum sollten nicht auch beide den gleichen Unterhalt zahlen. Beide haben sich für das Kind entschieden also sollten doch auch beide das gleiche zum Unterhalt beitragen. (Wenn es natürlich vorher eine andere Absprache gegeben haben sollte, würde ich das anders sehen)
Wie kommen Sie darauf? a) und b) verwechselt? Und selbst wenn ... wie kommen Sie zu diesen Aussagen?
Nein keine Verwechslung. Die Aussage war je mehr der weniger verdienende Ex-Partner verdient, desto weniger kommt von einer Unterhaltszahlung beim Kind an (und landet damit nur beim Ex-Partner). Es besteht ja irgendwann keine Notwendigkeit mehr Geld für das Kind auszugeben, wenn man schon alles hat.
Haben Sie das Unterhaltsrecht überhaupt verstanden?
Es ging in der Diskussion nicht darum was im Unterhaltsrecht aktuell geregelt ist, sondern darum was vermeintlich fair ist. Mehr oder weniger genau das hat der Threadersteller gefragt und vom Prinzip her hat er die aktuelle Regelung auch in Frage gestellt und gefragt ob das jemand anders auch so sieht. Ich sehe das auch so. Auch zu Corona-Zeiten darf ich dazu noch eine eigene Meinung haben und die deckt sich mit der des Threaderstellers
uwedd hat geschrieben: Ich halte Unterhaltszahlungen im 50/50 Wechselmodell ohnehin für absoluten Blödsinn

Dann sollten Sie mal aus Ihrem Schneckenhaus herauskommen und in die Realität blicken.
Beruflich bedingt habe ich mit diversen Kunden zu tun. Es mag sein, dass im Niedriglohnbereich durch Tarife eine andere Kultur herrscht aber auch hier gilt eigentlich wer mehr leistet tut das zwar tarifbedingt ggf. erstmal für das gleiche Geld erhöht aber seine Chancen das es zeitnah mehr wird. Und auch diverse Tarife erlauben es Mitarbeitern Leistungszulagen zu gewähren, so diese besonders performen. Tarif meint nur vermeintlich sind alle gleich (und das unabhängig von ihrer tatsächlich Arbeitsleistung). In der Realität wird der Performer der das fordert immer besser bezahlt auch im Tarif oder er sucht sich jemanden der ihn adäquat entlohnt.
In der Realität ist es aber so, das meistens nicht die "guten" Mitarbeiter befördert werden, sondern die Schleimer / Arschkriecher / Duckmäuser.
Meiner Erfahrung nach weniger die, sondern die mit dem besseren Netzwerk. Vom Prinzip her schaffen die es aber auch nur eine Stufe weiter als deren Potenzial erlaubt. Danach ist üblicher Weise auch Ende (im besten Falle verharren auf der Stufe) oder aber man erledigt sich diesem Mitarbeiter indem man Geld in die Hand nimmt.
Da bringen dann auch Leistungsbewertungen nichts, weil es nicht immer sinnvolle Leistungsnachweise gibt (wie z.B. eine Stückzahl nach Accordlohn) und es somit unter anderem auch nach Symphatie des Bewertenden gegenüber dem Bewerteten geht.
Das mag in Konzernen gelten. Bei kleineren Firmen wird da nicht irgend ein Zettel mit Kreuzen ausgefüllt und der mit der höchsten Punktzahl gewinnt. Da entscheidet der Chef selbst wer mehr oder weniger bekommt und das macht der nicht danach wer besser schleimt...
Das mag jetzt in Ihrer Firma mal anders sein (ich habe Zweifel). Aber selbst wenn ... wäre das die rühmliche Ausnahme und keinesfalls die Regel.
Inhabergeführte Firmen arbeiten fast alle so oder verschwinden ziemlich schnell vom Markt.
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Re: Unterhalt im Wechselmodell selbst berechnen

Beitrag von uwedd »

Über die Sinnhaftigkeit von Unterhalt im Wechselmodell kann man sich wunderbar streiten. Da sowohl meine Ex-Frau als auch ich ausreichend finanzielle Mittel haben um unseren Lebensunterhalt zu bestreiten und um unsere Kinder zu versorgen besteht rein praktisch keine Notwendigkeit Unterhalt zu zahlen. Das Beispiel ist jetzt sehr plakativ: Ganz praktisch ist es leider auch so, dass ich mit meiner Unterhaltszahlung u.a. die zweite Urlaubsreise im Jahr für meine Ex-Frau mitfinanziere (den Sie in ihrer Kinder freien Zeit macht). Mein Kind hat von dem Geld rein gar nichts. Wenn das anders wäre, wäre ich schon motivierter meine Zahlung zu leisten.

Daher komme ich zu der Aussage, dass ich den Unterhalt in meinem konkreten Fall nicht für in Ordnung halte. Ich bessere damit nur das Haushaltseinkommen meiner Ex-Frau auf, ohne das mein Kind tatsächlich etwas davon hat oder das Geld wirklich notwendig wäre. Der freue ich mich auf den Tag, wenn mein Kind 18 Jahre alt wird und ich den Unterhalt dann nach dem tatsächlichen Bedarf und nicht nach pauschalen Tabellen an mein Kind direkt richte.

Meine Frage, die ich ursprünglich hatte, ist beantwortet. Vielen Dank.
Celestro
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Re: Unterhalt im Wechselmodell selbst berechnen

Beitrag von Celestro »

Heiko66 hat geschrieben: 18.04.21, 17:48 Bei einem Wechselmodell erbingen beide die gleiche Betreuungsleistung. Warum sollten nicht auch beide den gleichen Unterhalt zahlen. Beide haben sich für das Kind entschieden also sollten doch auch beide das gleiche zum Unterhalt beitragen.
Weil Sie in der Beziehung vorher sicher auch nicht 50:50 die Sachen bezahlt haben.
Heiko66 hat geschrieben: 18.04.21, 17:48 Nein keine Verwechslung. Die Aussage war je mehr der weniger verdienende Ex-Partner verdient, desto weniger kommt von einer Unterhaltszahlung beim Kind an (und landet damit nur beim Ex-Partner). Es besteht ja irgendwann keine Notwendigkeit mehr Geld für das Kind auszugeben, wenn man schon alles hat.
Das Unterhaltsrecht sieht keinen Punkt vor "an dem man alles hat". Das sind monatliche Zahlungen, die einen gemittelten Bedarf ergeben.
Heiko66 hat geschrieben: 18.04.21, 17:48Es ging in der Diskussion nicht darum was im Unterhaltsrecht aktuell geregelt ist, sondern darum was vermeintlich fair ist.


Meine Frage zielte auch nicht darauf, was derzeit geregelt ist, sondern ob Sie den Sinn dahinter verstanden haben. Das bezweifel ich nämlich angesichts Ihrer Äußerungen hier.
Heiko66 hat geschrieben: 18.04.21, 17:48Mehr oder weniger genau das hat der Threadersteller gefragt und vom Prinzip her hat er die aktuelle Regelung auch in Frage gestellt und gefragt ob das jemand anders auch so sieht. Ich sehe das auch so. Auch zu Corona-Zeiten darf ich dazu noch eine eigene Meinung haben und die deckt sich mit der des Threaderstellers

uwedd hat geschrieben: Ich halte Unterhaltszahlungen im 50/50 Wechselmodell ohnehin für absoluten Blödsinn


Lassen Sie relevante Zusatzinfos generell weg?
Heiko66 hat geschrieben: 18.04.21, 17:48Ich halte Unterhaltszahlungen im 50/50 Wechselmodell ohnehin für absoluten Blödsinn, wenn der Lebensstandard in beiden Haushalten wenigstens ähnlich ist und dem Kind es an nichts fehlt.
Heiko66 hat geschrieben: 18.04.21, 17:48Beruflich bedingt habe ich mit diversen Kunden zu tun. Es mag sein, dass im Niedriglohnbereich durch Tarife eine andere Kultur herrscht aber auch hier gilt eigentlich wer mehr leistet tut das zwar tarifbedingt ggf. erstmal für das gleiche Geld erhöht aber seine Chancen das es zeitnah mehr wird. Und auch diverse Tarife erlauben es Mitarbeitern Leistungszulagen zu gewähren, so diese besonders performen. Tarif meint nur vermeintlich sind alle gleich (und das unabhängig von ihrer tatsächlich Arbeitsleistung). In der Realität wird der Performer der das fordert immer besser bezahlt auch im Tarif oder er sucht sich jemanden der ihn adäquat entlohnt.

Meiner Erfahrung nach weniger die, sondern die mit dem besseren Netzwerk. Vom Prinzip her schaffen die es aber auch nur eine Stufe weiter als deren Potenzial erlaubt. Danach ist üblicher Weise auch Ende (im besten Falle verharren auf der Stufe) oder aber man erledigt sich diesem Mitarbeiter indem man Geld in die Hand nimmt.

Das mag in Konzernen gelten. Bei kleineren Firmen wird da nicht irgend ein Zettel mit Kreuzen ausgefüllt und der mit der höchsten Punktzahl gewinnt. Da entscheidet der Chef selbst wer mehr oder weniger bekommt und das macht der nicht danach wer besser schleimt...

Inhabergeführte Firmen arbeiten fast alle so oder verschwinden ziemlich schnell vom Markt.
Persönlich habe ich mit diversen Menschen zu tun und (leider) arbeiten diese alle in kleineren / mittleren / größeren Firmen (aber immer mehr als 5 MA). Und überall ist es so, das die Menschen "in der Regel" nach Nasenfaktor und nicht nach Qualifikation oder Leistung (im Gehalt) aufsteigen. Ob da jetzt welche "inhabergeführt" sind, kann ich nicht sagen. Dafür habe ich mich nicht genug interessiert.
Heiko66
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Re: Unterhalt im Wechselmodell selbst berechnen

Beitrag von Heiko66 »

Weil Sie in der Beziehung vorher sicher auch nicht 50:50 die Sachen bezahlt haben.
Das dürfte vorher sicher auch nicht 50:50 für die Betreuungsleistung gegolten haben.
Das Unterhaltsrecht sieht keinen Punkt vor "an dem man alles hat". Das sind monatliche Zahlungen, die einen gemittelten Bedarf ergeben.
Ich habe ja auch nicht gesagt, dass es anders geregelt ist sondern Kritik an dieser Regelung geäußert.
Lassen Sie relevante Zusatzinfos generell weg?
Nein denn diese Zusatzbemerkung bezog sich ja gerade auf die von mir geäußerte Kritik. Meine Kritik geht allerdings darüber hinaus. Ich behaupte das Problem besteht nicht nur, wenn der Lebensstandard in beiden Haushalten ähnlich ist sondern es besteht zusätzlich auch, wenn der Lebensstandard in beiden Bereichen hinreichend hoch ist. Auf ähnlichen Lebensstandard (wobei man sich darüber streitne kann ob der Lebensstandard wirklich höher ist, wenn man sich 10 statt einen Porsche vor die Tür stellt) kommt es in manchen Bereichen überhaupt nicht an, ob die Zahlung dem Kind zu Gute kommt oder nicht.
sunghost
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Re: Unterhalt im Wechselmodell selbst berechnen

Beitrag von sunghost »

Ich sehe es ähnlich wie Heiko66.

Abgesehen von der persönlichen Situation in der ich erst vor kurzem und auf eine Miese Art nach 21 Jahren mit 2 Kindern, wegen einem neuen Typen in ihrem Leben, geworfen wurde. habe ich immer für uns gearbeitet, habe alles für die Familie getan und das Geld kam uns allen zu gute. Sie fuhr wegen der Anzahl der Tage der Ferien und Fortbildungstage der Lehrer sogar alleine mit den Kids in den Urlaub, anders hätten wir es nicht wuppen können. Ich habe z.T. 60h die Woche gearbeitet, sie 20h, teilweise auch 3 Jahre als selbständige Fotografin am Wochenende, wo ich die Kids alleine betreute und gerne die Familie unterstützte. Ich habe immer ihren Rücken gestärkt, egal ob Haushalt als auch bei einem kompletten Weg in die Selbständigkeit als Fotografin, hinter ihr gestanden. Ich hatte ihr auch angeboten kürzer zu treten, sodass sie Vollzeit arbeiten und sich verwirklichen kann, aber sie wollte nicht.... ok ... Sie sprach auch mal davon gar nicht zu arbeiten, weil Nachmittags rumzufahren toll ist....

Nun wo die Trennung da ist, sie eine eigene Wohnung hat, wir die Kinder im Wechselmodel betreuen, will sie nicht mehr als 20h arbeiten. Warum auch, ab 12 Uhr hat sie Freizeit, Geld bekommt sie von mir genug, dazu 2x das Kindergeld und was von nebenbei "schwarz" arbeiten habe ich auch schon mitbekommen, also nochmal 300-400€. Ob sie Kindergeld- und Wohnzuschlag bekommt weiß ich nicht, aber möglich könnte es sein.

Ich hingegen kann unsere noch abzuzahlende Eigentumswohnung kaum halten (wäre die Altersvorsorge, sonst habe ich keine), sehe die Kids 50% der Woche, darf gar nicht weniger arbeiten, weil ich ja während der Ehe immer so gearbeitet und verdient habe und frage mich wozu ich mir den Stress machen muss? Sie kauft den Kids ständig was neues, geht hier und dort hin, während ich bis 17 -18 Uhr arbeiten muss. Ja ich freue mich für die Kids das sie da ist, aber als fair "empfinde" ich das nicht. Soll sie doch auch Vollzeit arbeiten gehen und ja wir sind verschieden und ja wir verdienen unterschiedlich, aber ich denke nach einer Trennung muss auch gut sein oder warum brauchen Kinder 700-1000€ im Monat? Und da schließe ich mich Heiko66 an, das Geld kommt nicht dort an wo es soll und warum muss die Frau oder der Mann nach der Trennung genauso gut wie vorher oder gleich dem Getrennten dastehen? Es sind doch getrennte Leben und den Kids geht es doch gut, solange ein bestimmter Satz eingehalten wird, muss man da auch noch die letzten Hundert Euro vom Zahlenden nehmen? Warum nicht den Deckel bei 500€ als Beispiel ziehen und was darüber von wem auch immer verdient wird, bleibt dort. Warum kann man nicht auf 30h die Woche runter gehen, weniger verdienen, dafür aber mehr für seine Gesundheit tun, wenn es den Kids nicht schlechter geht?

Ok da ist bestimm viel persönliches drin, aber ich denke die die Zahlen müssen, wissen wie es ist und was auch die Realität angeht. Auf dem Zettel sieht es immer gut aus, aber im richtigen Leben ist es dann doch anders, wie ich finde. Und der Empfänger will immer das was ihm zusteht und mehr ....
Celestro
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Re: Unterhalt im Wechselmodell selbst berechnen

Beitrag von Celestro »

sunghost hat geschrieben: 20.04.21, 09:54 dazu 2x das Kindergeld
das Ihr beide letztlich hälftig erhaltet.
sunghost hat geschrieben: 20.04.21, 09:54und was von nebenbei "schwarz" arbeiten habe ich auch schon mitbekommen, also nochmal 300-400€.
es ist allerdings nicht sinnvoll, Gesetzesverstöße in so eine Diskussion zu integrieren. Wenn Sie das wirklich macht, so tut sie etwas verbotenes. Es kann wohl kaum angehen, das man wegen der Möglichkeit, das einer von beiden den Stast betrügt, für alle anderen die Unterhaltssätze gekürzt werden.
sunghost hat geschrieben: 20.04.21, 09:54Ob sie Kindergeld- und Wohnzuschlag bekommt weiß ich nicht, aber möglich könnte es sein.
Der Entlastungsbeitrag für Alleinerziehende würde Dir ggf. auch zustehen.
sunghost hat geschrieben: 20.04.21, 09:54aber ich denke nach einer Trennung muss auch gut sein oder warum brauchen Kinder 700-1000€ im Monat?
Woher kommt diese enorme Spanne? Und ist das "pro Kind" oder für beide zusammen? Das wäre ja selbst beim Residenzmodell schon "viel" Geld ... das wird sich beim Wechselmodell ja unterscheiden.
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Re: Unterhalt im Wechselmodell selbst berechnen

Beitrag von sunghost »

Hi,
also sie erhält das Kindergeld komplett, also 2x. Ich habe mir extra eine Anwältin genommen, genauer gesagt schon die 2. da die 1. sowas von unfreundlich und nicht wirklich beratend war - egal. Jedenfalls hat die Anwältin verschiedene Berechnungen angestellt, bzw. das "hoch" komplizierte Programm und dabei kam heraus, dass wenn meine EF 2x KG bekommt, mein Unterhalt geringer ausfällt, da das dann auf ihr netto angerechnet wird und somit einkommenssteigern sich auswirkt. Im Detail, ich habe eben mal nachgesehen sind es ca. 2.300 netto (bereinigt) abzgl. ca. 420 Kindesunterhalt, abzgl. ca. 300€ Trennungsunterhalt. Ich habe somit im Monat ca. 1600€, sie mit einem Einkommen von ca. 1.200€ + 420€ + 300€ + 2x 219€ = ca. 2.300€ netto. Geht dann auch nach der 3/7 Berechnung.

Ach und im Gegensatz, wenn ich das Kindergeld 2x erhalte, dann müsste ich alleine für die Kinder ca. 1.300€ zahlen ... ?! Ach und wenn beide jeweils 1x Kindergeld bekommen, dann müsste ich im Gegensatz dazu, wenn sie beides bekommt, ca. 40€ mehr zahlen, macht also auch keinen Sinn. Ja alles irgendwie unverständlich, aber dadurch dass meine EF wohl nur 20h arbeitet und ich die 40€ mit entsprechendem Gehalt, ist der Unterschied so groß, dass ich entsprechend zahlen muss.

Ja mit schwarz arbeiten hast du Recht, ging auch nur um das was dann im Leben wirklich stattfindet .... nun gut ... ist halt auch ein emotionales Thema.

Was die Zuschläge angeht, so ist es wohl so, ich vermute bzw. habe Online beim Amt im Rechner nachrechnen lassen, dass mein netto zu hoch ist, während ihres so niedrig, dass es passen würde. Das Amt schreibt aber auch, man soll einreichen und prüfen lassen...
Old Piper
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Re: Unterhalt im Wechselmodell selbst berechnen

Beitrag von Old Piper »

sunghost hat geschrieben: 20.04.21, 16:39 also sie erhält das Kindergeld komplett,
Klar, das Kindergeld kriegt immer der, bei dem das Kind überwiegend lebt bzw. gemeldet ist.
Aber der Kindesunterhalt wird um das halbe Kindergeld verringert. In der D'dorfer Tabelle gibt es am Anfang die dem Kind zustehenden Unterhaltsbeträge und ziemlich am Ende gibt es eine Tabelle der Zahlbeträge. Die Differenz der Beträge dieser beiden Tabellen ist das halbe Kindergeld. Rechnerisch erhalten Sie also das Kindergeld zur Hälfte.
MfG
Old Piper
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Behörden- und Gerichtsentscheidungen sind zwar oft recht mäßig, aber meistens rechtmäßig.
Celestro
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Re: Unterhalt im Wechselmodell selbst berechnen

Beitrag von Celestro »

uwedd hat geschrieben: 15.04.21, 13:14 Meine Ex-Frau heiratet in einem Monat ebenfalls neu. Sie hat allerdings keine eigenen neuen Kinder.
Dazu ein Hinweis:

https://www.scheidung-siegen.de/familie ... index.html


uwedd hat geschrieben: 15.04.21, 13:14 Worauf allerdings nicht eingegangen wird, ist die Tatsache, dass ich als Vater neu verheiratet bin und (bald) statt einem nun zwei zusätzliche neue Kinder habe. Wie wird das berücksichtigt?
Dazu:

https://www.scheidung-online.de/unterha ... n-kindern/


sunghost hat geschrieben: 20.04.21, 16:39 Ich habe mir extra eine Anwältin genommen, genauer gesagt schon die 2. da die 1. sowas von unfreundlich und nicht wirklich beratend war - egal. Jedenfalls hat die Anwältin verschiedene Berechnungen angestellt, bzw. das "hoch" komplizierte Programm und dabei kam heraus, dass wenn meine EF 2x KG bekommt, mein Unterhalt geringer ausfällt, da das dann auf ihr netto angerechnet wird und somit einkommenssteigern sich auswirkt. Im Detail, ich habe eben mal nachgesehen sind es ca. 2.300 netto (bereinigt) abzgl. ca. 420 Kindesunterhalt, abzgl. ca. 300€ Trennungsunterhalt. Ich habe somit im Monat ca. 1600€, sie mit einem Einkommen von ca. 1.200€ + 420€ + 300€ + 2x 219€ = ca. 2.300€ netto. Geht dann auch nach der 3/7 Berechnung.
ist das eine Fachanwältin für Familienrecht?
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