Unterhaltsschulden von Erben einfordern?

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

Moderator: FDR-Team

Antworten
Saar_Sternchen
Topicstarter
FDR-Mitglied
Beiträge: 52
Registriert: 16.11.04, 12:11
Wohnort: Saarland

Unterhaltsschulden von Erben einfordern?

Beitrag von Saar_Sternchen »

Hallo an alle,

folgender "fiktiver" Fall:
Im März 2017 wurden Mutter A und Vater B geschieden, B hat auf das Sorgerecht für das gemeinsame Kind C verzichtet, den Unterhalt aber immer gem. der Düsseldorfer Tabelle bezahlt.

Im Jahr 2018 ist B an Krebs erkrankt und hat "unter Vortäuschung falscher Tatsachen" (angeblich Krankheitskosten) den Unterhalt erheblich reduziert. Die Anwälte sind dann überein gekommen, dass die Kürzung nicht rechtens war und B die Zahlungen Zug um Zug nachzahlen muss.

Im Dezember 2019 ist B gestorben, A hat im Namen von C die Erbschaft ausgeschlagen da bekannt war, dass er verschuldet war.

Nun stehen immer noch rund 1.000 € Unterhalts-Nachzahlungen aus. Die Mutter von B hat C erzählt, dass alles verkauft werden musste, um die Schulden zu bezahlen. Allerdings hatten A und B ein gemeinsames Haus und A hat B nach der Scheidung mit 60.000 Euro ausbezahlt.

Besteht die Möglichkeit herauszufinden, wer das Erbe übernommen hat und die Habseligkeiten verkauft hat? Kann ich von dieser Person die Zahlungen einfordern?


Danke schon mal für eure Meinungen
ktown
FDR-Moderator
Beiträge: 26798
Registriert: 31.01.05, 08:14
Wohnort: Auf diesem Planeten

Re: Unterhaltsschulden von Erben einfordern?

Beitrag von ktown »

Saar_Sternchen hat geschrieben: 04.01.22, 06:58 Die Mutter von B hat C erzählt, dass alles verkauft werden musste, um die Schulden zu bezahlen.
Na dann sollten die fehlenden Unterhaltszahlungen ja ausgeglichen werden können. Diese sind, meines Erachtens, ja auch Teil des Schuldenbergs.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe
Drittschuldner
FDR-Mitglied
Beiträge: 61
Registriert: 02.12.20, 17:21

Re: Unterhaltsschulden von Erben einfordern?

Beitrag von Drittschuldner »

Saar_Sternchen hat geschrieben: 04.01.22, 06:58 Kann ich von dieser Person die Zahlungen einfordern?
Das müssen Sie einen Rechtsanwalt Ihres Vertrauens fragen.
Hertha1892
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 868
Registriert: 24.08.15, 10:54

Re: Unterhaltsschulden von Erben einfordern?

Beitrag von Hertha1892 »

Unterhaltsrückstände müssen aus der Erbmasse geleistet werden. Das setzt aber m. E. voraus, dass der Unterhalt tituliert war und trotzdem niedriger geleistet. Oder dass der Rückstand in gesamter Höhe tituliert wurde. Ohne Titulierung ist die Meinung der Anwälte nicht werthaltiger als die vom Nachbarn.
Darüber hinaus müsste Verjährung geprüft werden. Die Verjährungsfrist für laufenden Unterhalt beträgt 3 Jahre. Heißt grob gesagt: Unterhaltsansprüche für 2018 sind mit Ablauf 31.12.21 verjährt.

Ich frage mich gerade nur, wer da so hochmotiviert ein überschuldetes Erbe angenommen hat.

Grüße Hertha1892
ktown
FDR-Moderator
Beiträge: 26798
Registriert: 31.01.05, 08:14
Wohnort: Auf diesem Planeten

Re: Unterhaltsschulden von Erben einfordern?

Beitrag von ktown »

Hertha1892 hat geschrieben: 04.01.22, 07:47 Ich frage mich gerade nur, wer da so hochmotiviert ein überschuldetes Erbe angenommen hat.
Vermutlich niemand. Die Frage war ja auch:
Saar_Sternchen hat geschrieben: 04.01.22, 06:58 Besteht die Möglichkeit herauszufinden, wer das Erbe übernommen hat und die Habseligkeiten verkauft hat?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe
ExDevil67
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 6816
Registriert: 17.01.14, 09:25

Re: Unterhaltsschulden von Erben einfordern?

Beitrag von ExDevil67 »

ktown hat geschrieben: 04.01.22, 08:03
Hertha1892 hat geschrieben: 04.01.22, 07:47 Ich frage mich gerade nur, wer da so hochmotiviert ein überschuldetes Erbe angenommen hat.
Vermutlich niemand.
Oder jemand der keinen Überblick über die Finanzen des Verstorbenen (bekommen) hatte und /oder nix von der der Vererbbarkeit von Schulden weiß.

Wobei wenn die Mutter des Verstorbenen weiß das alles verkauft werden musste um die Schulden tilgen zu können, wird die doch auch wissen wer verkauft hat. Den das kann doch nur ein Erbe tun, oder?
Hertha1892
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 868
Registriert: 24.08.15, 10:54

Re: Unterhaltsschulden von Erben einfordern?

Beitrag von Hertha1892 »

ktown hat geschrieben: 04.01.22, 08:03
Hertha1892 hat geschrieben: 04.01.22, 07:47 Ich frage mich gerade nur, wer da so hochmotiviert ein überschuldetes Erbe angenommen hat.
Vermutlich niemand. Die Frage war ja auch:
Saar_Sternchen hat geschrieben: 04.01.22, 06:58 Besteht die Möglichkeit herauszufinden, wer das Erbe übernommen hat und die Habseligkeiten verkauft hat?
Naja, das heißt ja nicht, dass es niemand getan hat, sondern nur, dass der fragestellenden Person nicht bekannt ist, wer. Denn das Haus kann nur der Erbe verkaufen. Hätte jeder das Erbe ausgeschlagen, wären sowohl die Schulden als auch das Haus an den Staat gefallen.

Grüße Hertha1892
Drittschuldner
FDR-Mitglied
Beiträge: 61
Registriert: 02.12.20, 17:21

Re: Unterhaltsschulden von Erben einfordern?

Beitrag von Drittschuldner »

Hertha1892 hat geschrieben: 04.01.22, 07:47
Darüber hinaus müsste Verjährung geprüft werden. Die Verjährungsfrist für laufenden Unterhalt beträgt 3 Jahre. Heißt grob gesagt: Unterhaltsansprüche für 2018 sind mit Ablauf 31.12.21 verjährt.

Grüße Hertha1892
Gilt das auch für titulierten Unterhalt?
Saar_Sternchen
Topicstarter
FDR-Mitglied
Beiträge: 52
Registriert: 16.11.04, 12:11
Wohnort: Saarland

Re: Unterhaltsschulden von Erben einfordern?

Beitrag von Saar_Sternchen »

Hertha1892 hat geschrieben: 05.01.22, 19:34
ktown hat geschrieben: 04.01.22, 08:03
Hertha1892 hat geschrieben: 04.01.22, 07:47 Ich frage mich gerade nur, wer da so hochmotiviert ein überschuldetes Erbe angenommen hat.
Vermutlich niemand. Die Frage war ja auch:
Saar_Sternchen hat geschrieben: 04.01.22, 06:58 Besteht die Möglichkeit herauszufinden, wer das Erbe übernommen hat und die Habseligkeiten verkauft hat?
Naja, das heißt ja nicht, dass es niemand getan hat, sondern nur, dass der fragestellenden Person nicht bekannt ist, wer. Denn das Haus kann nur der Erbe verkaufen. Hätte jeder das Erbe ausgeschlagen, wären sowohl die Schulden als auch das Haus an den Staat gefallen.

Grüße Hertha1892
Das Haus hatte nichts mit dem Erbe zu tun. Vor der Scheidung waren beide im Grundbuch eingetragen. Im Rahmen einer Scheidungsfolgevereinbarung beim Notar ging es in den alleinigen Besitz von A über, B hat dafür 60.000 Euro von A erhalten.

LG
1973marion
ktown
FDR-Moderator
Beiträge: 26798
Registriert: 31.01.05, 08:14
Wohnort: Auf diesem Planeten

Re: Unterhaltsschulden von Erben einfordern?

Beitrag von ktown »

Hertha1892 hat geschrieben: 05.01.22, 19:34
ktown hat geschrieben: 04.01.22, 08:03
Hertha1892 hat geschrieben: 04.01.22, 07:47 Ich frage mich gerade nur, wer da so hochmotiviert ein überschuldetes Erbe angenommen hat.
Vermutlich niemand. Die Frage war ja auch:
Saar_Sternchen hat geschrieben: 04.01.22, 06:58 Besteht die Möglichkeit herauszufinden, wer das Erbe übernommen hat und die Habseligkeiten verkauft hat?
Naja, das heißt ja nicht, dass es niemand getan hat, sondern nur, dass der fragestellenden Person nicht bekannt ist, wer. Denn das Haus kann nur der Erbe verkaufen. Hätte jeder das Erbe ausgeschlagen, wären sowohl die Schulden als auch das Haus an den Staat gefallen.

Grüße Hertha1892
und der verkauft nicht?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe
alana4
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 476
Registriert: 01.02.13, 18:31

Re: Unterhaltsschulden von Erben einfordern?

Beitrag von alana4 »

ktown hat geschrieben: 06.01.22, 07:14
Hertha1892 hat geschrieben: 05.01.22, 19:34
ktown hat geschrieben: 04.01.22, 08:03 Vermutlich niemand. Die Frage war ja auch:
Naja, das heißt ja nicht, dass es niemand getan hat, sondern nur, dass der fragestellenden Person nicht bekannt ist, wer. Denn das Haus kann nur der Erbe verkaufen. Hätte jeder das Erbe ausgeschlagen, wären sowohl die Schulden als auch das Haus an den Staat gefallen.

Grüße Hertha1892
und der verkauft nicht?
kann er ja, und wird er auch.
Aber:
Muss der Fiskus als Erbe Nachlassverbindlichkeiten begleichen?
Ja, der Staat erbt Schulden. Ist er gesetzlicher Erbe, darf er die Erbschaft nicht ausschlagen. Er haftet für die Schulden aber nur mit dem Nachlassvermögen. Nachlassverbindlichkeiten, die über den Wert des Nachlasses hinausgehen, muss der Staat nicht begleichen. Sonst würde das den Staat und damit die Steuerzahler übermäßig belasten.
z.Bsp. HIER gefunden.
Saar_Sternchen
Topicstarter
FDR-Mitglied
Beiträge: 52
Registriert: 16.11.04, 12:11
Wohnort: Saarland

Re: Unterhaltsschulden von Erben einfordern?

Beitrag von Saar_Sternchen »

Es geht NICHT um das Haus sondern um Unterhaltsschulden!
ktown
FDR-Moderator
Beiträge: 26798
Registriert: 31.01.05, 08:14
Wohnort: Auf diesem Planeten

Re: Unterhaltsschulden von Erben einfordern?

Beitrag von ktown »

@alana4: Hab ich je was anderes behauptet?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe
alana4
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 476
Registriert: 01.02.13, 18:31

Re: Unterhaltsschulden von Erben einfordern?

Beitrag von alana4 »

ktown hat geschrieben: 07.01.22, 09:18 @alana4: Hab ich je was anderes behauptet?
nein, hast du nicht. Habe ich ja auch nicht behauptet. :wink:
Hertha1892
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 868
Registriert: 24.08.15, 10:54

Re: Unterhaltsschulden von Erben einfordern?

Beitrag von Hertha1892 »

Wenn die 60.000 noch da wären, hätte doch der Erblasser keine Schulden hinterlassen? Oder anders, wenn trotz der 60.000 immer noch Schulden da wären, müssen die Schulden ja noch höher gewesen sein.

Und noch mal der Hinweis, dass für Unterhaltsrückstände aus 2018 Verjährung eingetreten ist.

Grüße Hertha1892
Antworten