gemeinsames Sorgerecht bei Ausfall eines Partners

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

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Sascha_1975
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gemeinsames Sorgerecht bei Ausfall eines Partners

Beitrag von Sascha_1975 »

Hallo,

folgendes fiktives Szenario:

ExExEx-Freundin und Mann haben eine behinderte Tochter, die 12 Jahre alt ist. Beide haben das gemeinsame Sorgerecht.
Behindert ist die kleine durch eine Frühgeburt.

Nun ist die damalige Lebensgefährtin von ihrem neuen langjährigen Freund schwanger. Aufgrund der damaligen Frühgeburt ergeben sich erneut Probleme in der Schwangerschaft.
Der Vater des 12j. Kindes wohnt 150km entfernt, sieht seine Tochter in der Regel alle 14 Tage am WE, geht Vollzeit arbeiten und zahlt Unterhalt. Er selbst hat gerade eine Trennung hinter sich, ist psychisch nicht wirklich belastbar und hat auch schon eine Abmahnung seines Arbeitsgebers bekommen, weil ihm der Job derzeit schwer fällt und er wiederkehrend Fehler macht.
Anfang / Mitte August kann er ggf. eine Psychotherapie beginnen.

Nun ruft die Kindesmutter den Vater an, dass sie vorzeitige Wehen hat und der Vater das Kind betreuen soll. Der Vater fragt sich nun, warum nicht der Partner der Mutter dann auf das Kind aufpasst, weil er das auch von seiner eigenen Beziehung her kannte und für die Tochter seiner ehemaligen mit "verantwortlich" war.

Der Vater schafft es weder, mal eben die 150km zu fahren und die Arbeit abzubrechen, noch kurzfristig Urlaub zu bekommen. Mit etwas Sarkasmus stellt er fest, dass es ein "hausgemachtes" Problem der Mutter ist und er nicht die ganze Schwangerschaft über Gewehr bei Fuß auf Abruf stehen kann.

Ist dem so? Muss der Kindesvater das Kind nehmen, wenn die Mutter nicht kann? Bzw. kann der Vater gegenüber dem Arbeitgeber irgendwie - OHNE den Job durch die vorausgegangene Abmahnung zu riskieren - argumentieren, dass er nicht arbeiten kann? Und was ist, wenn der Kindesvater derzeit aufgrund seiner eigenen Trennung psychisch nicht in der Lage ist, sich um das Kind zu kümmern?

Liebe Grüße und Danke für Input
Dummerchen
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Re: gemeinsames Sorgerecht bei Ausfall eines Partners

Beitrag von Dummerchen »

Wer hat denn das Sorgerecht?
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Chavah
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Re: gemeinsames Sorgerecht bei Ausfall eines Partners

Beitrag von Chavah »

Dummerchen, schreibt er doch. Sie haben das gemeinsame Sorgerecht.
Froggel
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Re: gemeinsames Sorgerecht bei Ausfall eines Partners

Beitrag von Froggel »

Sascha_1975 hat geschrieben: 19.07.22, 12:40Nun ruft die Kindesmutter den Vater an, dass sie vorzeitige Wehen hat und der Vater das Kind betreuen soll. Der Vater fragt sich nun, warum nicht der Partner der Mutter dann auf das Kind aufpasst, weil er das auch von seiner eigenen Beziehung her kannte und für die Tochter seiner ehemaligen mit "verantwortlich" war.
Selbst wenn er das in seiner eigenen Beziehung so gehandhabt hat, ist das Kind für den Partner der Mutter ein fremdes Kind, für das er keinerlei Rechte geltend machen kann und in dem Sinne auch keine Pflichten bezüglich des Kindes hat.
Sascha_1975 hat geschrieben: 19.07.22, 12:40Ist dem so? Muss der Kindesvater das Kind nehmen, wenn die Mutter nicht kann?
Nein. Muss er nicht. Aber er sollte sich zumindest mit der Mutter zusammensetzen und eine Lösung finden, denn nach § 1626 BGB ist er zumindest genauso in der Pflicht, für das minderjährige Kind zu sorgen, wie die Mutter. Das kann zum Beispiel auch beinhalten, dass das Kind beim Vater lebt und dieser, wenn er sich selbst nicht kümmern kann, jemanden einstellt, der das zeitweise übernimmt.
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -
Hertha1892
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Re: gemeinsames Sorgerecht bei Ausfall eines Partners

Beitrag von Hertha1892 »

Nein, muss er nicht. In der klassischen Konstellation ist es Sache des Betreuungselternteils, wie es die Betreuung sicher stellt.

Es wäre sicherlich nett, wenn der andere Elternteil einspringt, aber gerade in der Konstellation mit der Entfernung sicher auch nicht mal eben so einzufordern.

Grüße Hertha1892
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