Trennung vom Narzissten - in welcher Reihenfolge

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

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Alice1986
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Trennung vom Narzissten - in welcher Reihenfolge

Beitrag von Alice1986 »

Hallo zusammen,

nehmen wir mal an, A (Mutter) und B (Vater) sind verheiratet und haben zwei Töchter (2 und 6 Jahre). B stellt sich als Narzisst heraus und tyrannisiert zunehmend die Familie.

A möchte sich trennen. Meine Fragen:

1. Lohnt sich eine Rechtsschutzversicherung, die auch Scheidung abdeckt? Gibt es ohne Wartezeit. Hat jemand Erfahrung?
2. Was ist zuerst zu tun? A teilt B den Trennungswunsch mit und lässt sich das schriftlich bestätigen?
3. Was macht A, wenn B nicht auszieht?

Natürlich ein rein fiktiver Fall. Könnte ja so passieren...

Vielen Dank!
Froggel
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Re: Trennung vom Narzissten - in welcher Reihenfolge

Beitrag von Froggel »

Es gibt keine Schuldfrage bei deutschem Scheidungsrecht, insofern ist es irrelevant, ob eine Person ein Narzisst, ein Trinker, Schläger oder Fremdgeher ist. Das ist allenfalls für das Sorgerecht relevant, aber auch da sollte man die Behauptungen beweisen können. Gerade Narzissten wissen es, Leute für sich einzunehmen und den anderen dumm dastehen zu lassen.
Eine Rechtsschutzversicherung, die auch Familienrecht mit einschließt, übernimmt meist nur die Kosten der Erstberatung (>190 € + MwSt) – weil die auch wissen, wie teuer das werden kann. Alle weiteren Kosten trägt man selbst. Eine Rechtsschutzversicherung ohne Wartezeit gibt es nicht.
Was zuerst zu tun ist, ist der Gang zum Anwalt. Der wird einen auch beraten, welche Möglichkeiten es gibt, die Wohnsituation zu verändern. Einfach B aus der ehelichen Wohnung zu verweisen wird ohne besonderen Anlass sicherlich nicht funktionieren.
Klick mich!
Ich bin kein Jurist.
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ralph12345
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Re: Trennung vom Narzissten - in welcher Reihenfolge

Beitrag von ralph12345 »

Einen Trennungswunsch braucht man nicht zu verschriftlichen. Wozu auch?
Für eine Scheidung bzw. das Trennungsjahr ist der Zeitpunkt der Trennung maßgeblich, das orientiert sich in der Regel am Auszug, ein anderes Datum ist schwer nachweisbar im Streitfall.
B muss nicht ausziehen, warum auch. Wenn A sich trennen will, muss A ausziehen. Was man mit den Kindern macht, bespricht man am besten gemeinsam. Vielleicht mit einer Mediation.
FM
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Re: Trennung vom Narzissten - in welcher Reihenfolge

Beitrag von FM »

Naja, das kann in sehr vielen Fällen schon etwas komplizierter sein. Mal schnell ausziehen geht ja auch nicht von heute auf morgen, und die Frage wäre dann auch wer soll ausziehen.

Es gibt auch Rechtsschutzversicherungen ohne Wartezeit, aber auch da sind die Bedingungen im Detail kompliziert. Da muss man eben nachsehen, welche Versicherungsgesellschaft was genau anbietet.
lottchen
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Re: Trennung vom Narzissten - in welcher Reihenfolge

Beitrag von lottchen »

Im Link von Froggel steht dazu folgendes:
Eine Rechtsschutzversicherung ohne Wartezeit ist bei einer Scheidung nicht möglich....Der Versicherungsnehmer muss drei Jahre lang warten, bis eine Kostenübernahme nicht nur für die Erstberatung, sondern auch für die Gerichts- und Anwaltskosten durch die Rechtsschutzversicherung erfolgt.

Ist irgendwie auch verständlich. Da die Kosten hier ausufern können will keine Versicherung jemanden versichern wo völlig klar ist dass sie definitiv auch in Anspruch genommen wird und zwar zeitnah.
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!
Chaosprinzessin
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Re: Trennung vom Narzissten - in welcher Reihenfolge

Beitrag von Chaosprinzessin »

Wenn sich der Angetraute zum Familientyrann entwickelt hat, wäre eine Rechtsschutzversicherung meine geringste Sorge. Psychische Gewalt ist Gewalt, und kann durchaus ernste Auswirkungen auf die Gesundheit von A und den Kindern haben wenn sie fortbesteht. Darüberhinaus entwickelt sich psychische Gewalt oft zu körperlicher Gewalt. Das heißt, dass jetzt schon eine mehr oder weniger latente Kindswohlgefährdung im Raum steht. Hier empfiehlt es sich, frühzeitig einen guten Kontakt zum jeweiligen Jugendamt aufzubauen - aber bitte nicht blindlings und ohne Plan zum Amt rennen. Das Stichwort "Narzisst" impliziert, dass es sich bei B möglicherweise um eine Person handelt, die soziale Regeln undeventuell auch Gesetze bestenfalls als unverbindliche Empfehlung ansieht. Ob B zu einem sachlichen Gespräch über Trennungsabsichten fähig ist, dürfte zumindest zweifelhaft sein. Die Frage ist jetzt, wie gefählich schätzt A ihren Gatten ein? Wird er aus allen Wolken fallend offen wüten, wird er Vernichtungsphantasien bekommen und im Hintergrund alles Erdenkliche unternehmen, um B zu schaden? Oder wird er erleichert A um den Hals fallen, und sie mit den Kindern ihrer Wege ziehen lassen? Letzteres eher nicht. Wenn er deutliche narzisstische Züge hat, wird er alles darin setzen, die Kinder in seinen Einflussbereich zu bekommen, und er wird verdammt gut darin sein, Jugendamtsmitarbeiter, Anwälte, Gutachter und Richter in seinem Sinne zu manipulieren. Im Erfolgsfalle wird er wahrscheinlich fest stellen, dass er mit so kleinen Kindern nichts anfangen kann,. Spätestens jetzt stehen die Kinder mit anderthalb Beinen in vollstationären Einrichtungen. Ein Trennungsjahr kann unter diesen Umständen quälend lang werden. Beide Eltern haben Umgangsrechte mit den Kindern. Wenn A die Nerven verliert, mit den Kindern einfach irgendwohin verschwindet, hat B das Recht auf seiner Seite: Kindesentzug ist eine Straftat (wisst Ihr bestimmt besser als ich).

Das Sicherste, was A tun kann, wäre erst einmal keine Trennungsabsichten zu äußern, und Kontakte zu éinschlägigen Beratungsstellen für Gewaltopfer zu suchen. Manche Beratungsstellen haben auch Anwälte, die ehrenamtlich Sprechzeiten haben und erste Auskünfte geben können. In Abstimmung mit den Beratungsstellen wäre dann die weitere Vorgehensweise zu planen, gegebenenfalls auch ein Aufenthalt in einem Frauenhaus. Mit dem Rückhalt durch eine geeignete Beratungsstelle sollte sich die Kontaktaufnahme zum Jugendamt unproblematisch gestalten.

Bitte seht mir nach, dass ich so viel geschieben habe. Es ist kein rein juristisches Problem, sondern untrennbar auch ein psychosoziales. Natürlich kann A versuchen, sich und den Kindern die Wohnung gerichtlich zuweisen zu lassen. Leider lässt sich psychische Gewalt schlecht beweisen, und selbst wenn A erfolgreich ist, vergeht bis zur Entscheidung etwas Zeit, nicht viel, aber wenn es B darauf anlegt genug um z. B. die Räumlichkeiten unbewohnbar zu machen.
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