Paket und Empfängerproblem

Transportrecht, Speditionsrecht, Gefahrgut-Transportrecht, Versandrecht

Moderator: FDR-Team

Antworten
Zafilutsche
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 5859
Registriert: 24.07.07, 09:47
Wohnort: Rhein/Ruhrgebiet

Paket und Empfängerproblem

Beitrag von Zafilutsche » 24.01.18, 13:13

A Schickt ein versichertes Paket zu Herrn Mustermann - Auf der Wiese 1 in PLZ 001007.
An der besagten Adresse "Auf der Wiese 1 in PLZ 001007" gibt es aber gar kein Herr Mustermann, sondern nur ein Herr Zack.
Der Paketbote händigt an der Adresse sehr wahrscheinlich dem Herrn Zack das Paket aus und dieser Unterschreibt (lt Aussage des Paketdienstes) mit
Mustermann.
A bittet den Paketdienst die Unterschrift des Herrn Mustermann zu zeigen. Der Paketdienst verweigert dieses und
gibt auf Nachfragen und langem hin und her zu, dass das Paket nicht ordnungsgemäß zugestellt worden ist.
Gleichzeitig erhält A ein Antragsformular zur Erstattung des Wertes vom verloren gegangenen Paketes.
Dieser wurde umgehend ausgefüllt und zurück gesendet. Seit dem ruht der See. Auf weitere Nachfragen reagiert das Versandunternehmen nicht mehr.
Welche Möglichkeit gibt es für "A" das sein Schaden (Verlust seiner Ware) ersetzt werden könnte?

Hanomag
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 2276
Registriert: 18.07.08, 10:43

Re: Paket und Empfängerproblem

Beitrag von Hanomag » 28.01.18, 11:28

Zafilutsche hat geschrieben:Welche Möglichkeit gibt es für "A" das sein Schaden (Verlust seiner Ware) ersetzt werden könnte?
Da bleibt sicher nur der Klageweg.

FM
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 16843
Registriert: 05.12.04, 16:06

Re: Paket und Empfängerproblem

Beitrag von FM » 28.01.18, 12:37

Ergänzende Frage:

nach meiner Erfahrung verlangen Paketdienste zwar bei der Abholung in der Filiale immer den Personalausweis. Bei der Zustellung an der Wohnungstüre habe ich das aber noch nie erlebt. Gibt es für diese Unterscheidung eine Grundlage?

SusanneBerlin
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 16146
Registriert: 05.11.12, 13:35

Re: Paket und Empfängerproblem

Beitrag von SusanneBerlin » 28.01.18, 13:12

FM hat geschrieben:nach meiner Erfahrung verlangen Paketdienste zwar bei der Abholung in der Filiale immer den Personalausweis. Bei der Zustellung an der Wohnungstüre habe ich das aber noch nie erlebt. Gibt es für diese Unterscheidung eine Grundlage?
Wenn der Postbote Briefe in den Briefkasten steckt, hat er auch keinen Personalausweis gesehen. Analog gilt für Sendungen, die nicht in den Briefkasten passen und deshalb an der Wohnungstüre übergeben werden: Wenn der Briefkasten mit dem Namen des Paketempfängers beschriftet ist, gelangt das Paket in den Machtbereich des Empfängers, indem es einer Person übergeben wird die sich in der Wohnung aufhält. Sonderfälle wie der zufällig anwesende Einbrecher nimmt das Paket an oder derjenige, der das Paket in der Wohnung des Empfängers annimmt, behält es für sich selbst ohne es dem eigentlichen Empfänger auszuhändigen müssen den Paketdienstleister nicht interessieren.
Grüße, Susanne

Hanomag
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 2276
Registriert: 18.07.08, 10:43

Re: Paket und Empfängerproblem

Beitrag von Hanomag » 28.01.18, 19:52

FM hat geschrieben:nach meiner Erfahrung verlangen Paketdienste zwar bei der Abholung in der Filiale immer den Personalausweis. Bei der Zustellung an der Wohnungstüre habe ich das aber noch nie erlebt. Gibt es für diese Unterscheidung eine Grundlage?
Nach meiner Erfahrung bestätigen manche Paketboten bei Abwesenheit des Empfängers den Empfang auch mal selbst und deponieren das Paket irgendwo ums Haus herum.

Zafilutsche
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 5859
Registriert: 24.07.07, 09:47
Wohnort: Rhein/Ruhrgebiet

Re: Paket und Empfängerproblem

Beitrag von Zafilutsche » 29.01.18, 00:38

Wer trägt denn nun das Verlustrisiko?

SusanneBerlin
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 16146
Registriert: 05.11.12, 13:35

Re: Paket und Empfängerproblem

Beitrag von SusanneBerlin » 29.01.18, 01:03

Zafilutsche hat geschrieben:Wer trägt denn nun das Verlustrisiko?
Sofern es keine gesetzliche Regelung für den Fall gibt, so wie zwischen Herrn A und Herrn Mustermann vereinbart.

Gesetzlich geregelt ist der Verbrauchsgüterkauf. Wenn A ein gewerblicher Händler ist und Herr Mustermann ein Verbraucher, liegt das Versandrisiko beim Händler. Herr Mystermann muss nur Ware vezahlen, die er erhalten hat.

Hat Herr Mustermann keinen rechtlichen Anspruch auf das Paket, weil es z.B. ein Geschenk von A ist, dann liegt das Versandrisiko ebenfalks beu A.

Handelt es sich um einen Kauf zwischen Privatleuten, dann liegt das Versendungsrisiko beim Käufer. Der Käufer kann aber die Entschädigungsleistung (versichter Versand) des Versandunternehmens in Anspruch behmen.
Grüße, Susanne

Zafilutsche
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 5859
Registriert: 24.07.07, 09:47
Wohnort: Rhein/Ruhrgebiet

Re: Paket und Empfängerproblem

Beitrag von Zafilutsche » 29.01.18, 10:34

Der Käufer kann aber die Entschädigungsleistung (versicherter Versand) des Versandunternehmens in Anspruch nehmen.
Es war ein "Privat kauf". A hat auch Anzeige "gegen unbekannt" erstattet und Herrn "Zack" der ganz offenbar Zugriff auf den Account von Herrn Mustermann hat/hatte als Zeuge benannt.
Das Versandunternehmen wurde gebeten den Wert des verlustig gegangenen Paketes zu erstatten. Es passiert einfach nix. :evil:
Die Frage ist: Verklagt man Herr Mustermann/Herrn Zack oder das Versandunternehmen? Vielleicht auch gleich alle drei gemeinschaftlich?
Von A's aufgegebener Anzeige gibt's von der Polizei nur eine Bestätigungszettel für Versicherungen. Aber da hängt es ja.

freemont
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 8317
Registriert: 21.08.14, 15:57

Re: Paket und Empfängerproblem

Beitrag von freemont » 29.01.18, 10:44

Zafilutsche hat geschrieben:
Der Käufer kann aber die Entschädigungsleistung (versicherter Versand) des Versandunternehmens in Anspruch nehmen.
Es war ein "Privat kauf". A hat auch Anzeige "gegen unbekannt" erstattet und Herrn "Zack" der ganz offenbar Zugriff auf den Account von Herrn Mustermann hat/hatte als Zeuge benannt.
Das Versandunternehmen wurde gebeten den Wert des verlustig gegangenen Paketes zu erstatten. Es passiert einfach nix. :evil:
Die Frage ist: Verklagt man Herr Mustermann/Herrn Zack oder das Versandunternehmen? Vielleicht auch gleich alle drei gemeinschaftlich?
Von A's aufgegebener Anzeige gibt's von der Polizei nur eine Bestätigungszettel für Versicherungen. Aber da hängt es ja.
Ist Ihnen denn die Gefahrtragungsregel des § 447 BGB nicht bekannt?

§ 421 HBG gibt dem Käufer als Empfänger der Sendung einen eigenen Anspruch gegen den Paketdienst. Er braucht den Verkäufer eigentlich nicht, der muss ihm aber ggf. helfen den Anspruch durchzusetzen.

Alternativ kann natürlich auch der Versender als Vertragspartner des Paketdienstes den Schaden für den Käufer geltend machen.

Zafilutsche
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 5859
Registriert: 24.07.07, 09:47
Wohnort: Rhein/Ruhrgebiet

Re: Paket und Empfängerproblem

Beitrag von Zafilutsche » 29.01.18, 11:01

Der Käufer bat den Verkäufer "A" die Ware mit Versanddienstleister "H" zu versenden. Das hat A auch getan. Nur konnte "A" zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschätzen, wie groß und wie schwer das tatsächliche Gesamtgewicht werden wird. Daher hat A alles zusammengepackt und ist zum Versanddienstleister, hat das Paket aufgegeben und die Versandkosten nach entsprechenden Tarif bezahlt. Nur der Käufer meldet sich nicht mehr. Ergo zahlt auch dieser nicht. Versanddienstleister sagt: Ware ist ausgeliefert, nur bekommt A kein Auslieferungsnachweis und keinen Schaden ersetzt oder das Paket zurück.
Bei meiner Post erlebe ich es, das Briefe zurück kommen weil ein Empfänger nicht ermittelbar ist oder nicht zugestellt werden kann. Gibt es das bei Paketen nicht?
Zuletzt geändert von Zafilutsche am 29.01.18, 11:24, insgesamt 1-mal geändert.

freemont
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 8317
Registriert: 21.08.14, 15:57

Re: Paket und Empfängerproblem

Beitrag von freemont » 29.01.18, 11:10

Zafilutsche hat geschrieben:Der Käufer bat den A die Ware mit Versanddienstleister Höhe zu versenden. Das hat A ja auch getan. Nur konnte A zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschätzen wie groß und wie schwer das tatsächliche Gesamtgewicht werden wird. Daher hat A alles zusammengepackt und ist zum Versanddienstleister hat das Paket aufgegeben und die Versandkosten nach entsprechenden Tarif bezahlt. Nur der Käufer meldet sich nicht mehr. Ergo zahlt auch dieser nicht. Versanddienstleister sagt: Ware ist ausgeliefert, nur bekommt A kein Auslieferungsnachweis und keinen Schaden ersetzt oder das Paket zurück.
Bei meiner Post erlebe ich schon als, das Briefe nicht Zusteller sind weil Empfänger nicht ermittelbar. Gibt es das bei Paketen nicht?
Ich kann das ja schlecht vorlesen, Erfüllungsort ist der Wohnsitz des Verkäufers:
Gefahrübergang beim Versendungskauf

(1) Versendet der Verkäufer auf Verlangen des Käufers die verkaufte Sache nach einem anderen Ort als dem Erfüllungsort, so geht die Gefahr auf den Käufer über, sobald der Verkäufer die Sache dem Spediteur, dem Frachtführer oder der sonst zur Ausführung der Versendung bestimmten Person oder Anstalt ausgeliefert hat.

(2) Hat der Käufer eine besondere Anweisung über die Art der Versendung erteilt und weicht der Verkäufer ohne dringenden Grund von der Anweisung ab, so ist der Verkäufer dem Käufer für den daraus entstehenden Schaden verantwortlich.

Zafilutsche
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 5859
Registriert: 24.07.07, 09:47
Wohnort: Rhein/Ruhrgebiet

Re: Paket und Empfängerproblem

Beitrag von Zafilutsche » 01.02.18, 13:37

Das Finale wird gerade eingeläutet :D . Ende August letzten Jahres war das Paket versendet worden. Jetzt im Februar kommt die Ankündigung, dass der Paketdienstleister jetzt beabsichtigt
den Wert des Paketes erstatten zu wollen. Ich hoffe mal das es nicht einfach nur eine Ankündigung ist, sondern das Taten folgen werden. Aber schon mal Danke an alle hier im Forum!!!!

Zafilutsche
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 5859
Registriert: 24.07.07, 09:47
Wohnort: Rhein/Ruhrgebiet

Re: Paket und Empfängerproblem

Beitrag von Zafilutsche » 07.02.18, 16:10

Update 2018: Nach zahlreichen Anfragen, hat "A" den Wert des Paketes vom Versandunternehmen ersetzt bekommen. A hat damit einen kleinen überschaubaren Schaden davon getragen. :arrow:

freemont
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 8317
Registriert: 21.08.14, 15:57

Re: Paket und Empfängerproblem

Beitrag von freemont » 07.02.18, 16:26

Zafilutsche hat geschrieben:Update 2018: Nach zahlreichen Anfragen, hat "A" den Wert des Paketes vom Versandunternehmen ersetzt bekommen. A hat damit einen kleinen überschaubaren Schaden davon getragen. :arrow:

Der Witz an den Gefahrtragungsregeln bei einem Privatverkauf ist, dass das Geld Herrn Mustermann zusteht, wenn er den Kaufpreis bezahlt hat.

Der Privatverkäufer trägt das Transportrisiko nicht. Dass er deswegen einen Schaden erleidet ist ausgeschlossen.

Antworten