Veruntreuung mit mehreren Folgefragen

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cw79
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Veruntreuung mit mehreren Folgefragen

Beitrag von cw79 »

Hallo zusammen,

der Kassenwart eines e.V. veruntreut über Jahre hinweg Vereinsgelder im fünfstelligen Bereich. Bei Kassenprüfungen ist das nie aufgefallen, da nie die Konten kontrolliert wurden, sondern nur die vom Kassenwart genannten Kontostände mit den Büchern verglichen wurden.

Die folgenden Fragen interessieren mich grundsätzlich allgemein. Ich habe auch schon einige Vereinskassen geprüft und mir wurde durch diesen Fall klar, dass ich viele Dinge rechtlich nicht einordnen kann.

1. Ist man als Kassenprüfer (grundsätzlich, bzw. in so einem Fall) haftbar? In kleinen Vereinen wird die Prüfung (ehrenamtlich) von Mitgliedern vorgenommen, die nicht zwingend dafür qualifiziert sind. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass die Nichtprüfung der Konten grob fahrlässig sein kann.

2. Wie sieht das mit der Haftung der übrigen Vorstandsmitglieder aus? Immerhin wurde die Kasse ja geprüft und der Vorstand über Jahre "entlastet".

3. Zur Vermeidung von "schlechter Presse" soll die Veruntreuung nicht zur Anzeige gebracht werden. Hier könnte doch trotzdem jedes Mitglied Anzeige erstatten, oder?

4. Inwieweit ist der Vorstand verpflichtet das Geld einzutreiben? Realistisch ist wohl auf bis auf minimale Rentenpfändungen nichts zu holen. Könnte der Vorstand (oder die Mitgliederversammlung) einen Verzicht beschließen?

5. Kann es in so einem Fall auch Ärger mit dem Finanzamt und dem Status als e.V. geben? Immerhin sind ja die veruntreuten Gelder nicht satzungsgemäß verwendet worden.

Ich freue mich auf eine allgemeine Betrachtung der Rechtslage und ggf. Literaturhinweise. Ich habe bereits folgendes gefunden: http://www.kanzlei-uffeln.de/ku/vr/Aufs ... reinen.pdf

Vielen Dank.
Gruß,
cw

ExDevil67
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Re: Veruntreuung mit mehreren Folgefragen

Beitrag von ExDevil67 »

cw79 hat geschrieben: 2. Wie sieht das mit der Haftung der übrigen Vorstandsmitglieder aus? Immerhin wurde die Kasse ja geprüft und der Vorstand über Jahre "entlastet".
Eine Entlastung gilt afair nur für die Tatsachen die auch in der Versammlung vorgetragen wurden. Da die Untreue nicht bekannt war, kann auch jetzt noch das Geld eingefordert werden. Frage wäre was steht in der Satzung zur Zuständigkeit und wie hat der Vorstand gearbeitet? Worstcase wäre das die übrigen Vorstände zahlen müssen.
cw79 hat geschrieben: 3. Zur Vermeidung von "schlechter Presse" soll die Veruntreuung nicht zur Anzeige gebracht werden. Hier könnte doch trotzdem jedes Mitglied Anzeige erstatten, oder?

Ja, und mit Pech ist ein Mitglied im Hauptberuf Polizist, und damit afaik verpflichtet die Anzeige zu schreiben.
cw79 hat geschrieben: 4. Inwieweit ist der Vorstand verpflichtet das Geld einzutreiben? Realistisch ist wohl auf bis auf minimale Rentenpfändungen nichts zu holen. Könnte der Vorstand (oder die Mitgliederversammlung) einen Verzicht beschließen?

5. Kann es in so einem Fall auch Ärger mit dem Finanzamt und dem Status als e.V. geben? Immerhin sind ja die veruntreuten Gelder nicht satzungsgemäß verwendet worden.
Zu 4 ja der Vorstand sollte versuchen das Geld einzutreiben, weil 5 ja.

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