Jahresbeiträge, aktuelle Formerfordernis?

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hanro
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Jahresbeiträge, aktuelle Formerfordernis?

Beitrag von hanro » 21.12.17, 09:29

Es geht um einen kleinen Verein mit 11 Mitgliedern.

Zwischen einer Reihenhauszeile und einem größeren Wohnhaus mit Eigentumswohnungen ist eine große Grünfläche, an der sie zu einem bestimmten Prozentsatz beteiligt sind (Reihenhäuser zusammen knapp 60%)
Damit sich alles leichter handlen lässt, haben die Reihenhauseigentümer einen Verein gegründet, der Entscheidungen trifft und mit der Hausverwaltung des Wohnhauses dann alles abspricht, sodass nicht für jede Kleinigkeit alle Reihgenhuseigentümer mit der Hausverwaltung zusammenkommen und entscheiden müssen.

Der Verein hat eine Jahresgebühr, damit Sachen wie Pflege der Grünanlage, Instandhaltung des Spielplatzes, etc. einfach bezahlt werden können. Die Jahresgebühr wird auf einer der zwei halbjährlichen Mitgliederversammlungen beschlossen und ist seit vielen Jahren gleich.

Das Protokoll und etwaige Dokumente wie die Neuaufteilung der Stellplätze (PDFs) werden per E-Mail versandt. Diese E-Mail ist eine E-Mail an alle Mitglieder, jeweils BCC versandt.
Die Jahresbeitragsforderungen werden auch jeweils per E-Mail, aber persönlich an jeden separat versandt. Es ist ein PDF erstellt aus einem perönlichen Privatbrief in Word, ohne Unterschrift, sondern mit freundlichen Grüßen und der Name des Vereinsvorstands.

Bei der letzten Sitzung erzählte nun ein Mitglied, ihre Tochter, Jurastudentin, meinte, das würde nicht den juristischen Erfordernissen genügen.

Deshalb die Frage, was erfüllt heute in Deutschland juristisch die Form, damit der Verein nicht geleistete Jahresbeiträge zur Not auch sicher auf dem Rechtsweg bekommen könnte?

1. Briefzustellung mit handschriftlicher Unterschrift ist sicher einwandfrei, aber geht in der heutigen Zeit nicht auch anders?
2. Vielleicht per PDF an eine E-Mail angehängt mit gez. Name des Vorstands mit dem Hinweis "Dieses Schreiben wurde maschinell erstellt und ist auch ohne Unterschrift gültig"
3. PDf, in das die Unterschrift eingescannt ist?
4. Oder doch wie bisher?

Die Vereinsmitglieder waren sich vor ca. 3 Jahren einig, dass alles per E-Mail gesandt wird. Das steht auch im entsprechenden Protokoll.
In den Reihenhäusern wohnen bis auf drei nicht die Eigentümer.

Vielen Dank im Voraus für das auf den aktuellen Stand bringen.

hawethie
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Re: Jahresbeiträge, aktuelle Formerfordernis?

Beitrag von hawethie » 21.12.17, 09:52

ihre Tochter, Jurastudentin
DAS sind in allen Ämtern und Behörden die Liebsten, vor allem die Erstsemester.
Der Vereinsbeitrag ist eine Bringschuld - d.h. der Verein bräuchte noch nicht einmal anzuschreiben, dass der Beitrag fällig ist.
dass alles per E-Mail gesandt wird. Das steht auch im entsprechenden Protokoll
wenn die Satzung keine anderen Vorschriften macht.... mE reicht das.
Zur Sicherheit kann die Satzung angepasst werden - entweder durch ausdrückliche Festlegung auf die Mail oder durch "über Art und Weise entscheidet die MV"...

Gruß
HaWeThie
Was du nicht willst, das man dir will, das will auch nicht -
was willst denn du.

hanro
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Re: Jahresbeiträge, aktuelle Formerfordernis?

Beitrag von hanro » 21.12.17, 10:41

Herzlichen Dank für Ihre Hinweise. Dann passt ja alles.
hawethie hat geschrieben:DAS sind in allen Ämtern und Behörden die Liebsten, vor allem die Erstsemester.
*lach* Das kann ich verstehen, aber auf der anderen Seite denke ich, dass nicht wenige hier auch Jurastudenten waren oder sind und anfangs, wenn man noch voller Begeisterung ist, auch nicht immer alles richtig gemacht hat.

Selbst als nichtjuristisch angehauchter Mensch bekommt man immer wieder mit, dass sich das Recht, wenn es um formale Sachen geht, wohl etwas schwer tut, moderne Technik rechtssicher einzubinden, z. B. digitale Signatur. Interessant finde ich auch, dass es im Zivilrecht Paragraphen aus der Entstehungszeit gibt, die heute noch gültig sind. Kurz, knapp und immer noch passend. Neue oder geänderte Paragraphen erkennt man auch daran, dass sie lang sind, teilweise unendlich lang mit ganz vielen Absätzen. ;-)

Oder ein anderes Beispiel, das unsere Familie immer besonders amüsiert:
Beim Grundbuchamt meiner Eltern können sie vorher digital einen Termin ausmachen, wenn man etwas Bestimmtes braucht, das auch gleich angeben und die dortige Beamtin dann die gewünschten Auskünfte oder Unterlagen von Ihrem Rechner aus aufrufen und ausdrucken. Man geht zum Termin hin, legitimiert sich, zahlt und bekommt die Unterlagen.
Hier, selbes Bundesland, ist das Grundbuch zwar auch digitalisiert, aber es wird etwas ganz anderes darunter verstanden. Termin gibt es nicht, also teilweise warten. Wenn man dann einen Grundbuchauszug haben will, kann die Beamtin in vielen Fällen das Dokument nicht digital vom Rechner aus aufrufen, sondern nur sehen, wo es gelagert wird. Die Beamtin begibt sich dann wie schon das Jahrhundert davor in die Tiefen des Gerichtsgebäudes, um mit dem Akt aufzutauchen und die Seiten zu kopieren.
Wenn man dann weiß, dass u. a. der Vater, heute pensionierter Rechtspfleger, Start Ende der 80er Jahre in dem Bundesland einige Jahre abgeordnet war, mit einer großen IT-Firma zusammen die Grundbücher des Bundeslandes damals zu digitalisieren und bei der erforderlichen Software inhaltlich für die Funktionen, die die Grundbuchämter benötigten, beratend tätig zu sein, dann ist das besonders lustig.

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