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Verein in Gründung: einige Fragen (Insolvenz, Haftung,..)

Verfasst: 28.02.19, 09:49
von Florentina
Hallo,

es wird beabsichtigt einen gemeinnützigen Verein zu gründen.
Folgende Fragestellungen konnten bisher nicht geklärt werden:

- Ein Mitglied, das im Vorstand sein soll, befindet sich in Privatinsolvenz. Hat das eine Relevanz?

- Die 7 geplanten Vorstandsmitglieder haben Bedenken, dass sie mit ihrem Privatvermögen haften müssen. Kann man das durch Abschluss einer Vereinsversicherung ausschließen?

- Der Verein beschäftigt sich mit der gesundheitlichen Prävention Krebserkrankter Menschen. Die Fragestellung, ob dies "mildtätig" oder "gemeinnützig" ist, konnte bisher nicht geklärt werden, aber auch nicht, wofür diese Unterscheidung überhaupt Relevanz hätte.

Es wäre schön, wenn jemand Infos zu den einzelnen Punkten hätte :)

Liebe Grüße und vielen Dank
Florentina

Re: Verein in Gründung: einige Fragen (Insolvenz, Haftung,..

Verfasst: 28.02.19, 11:55
von Zafilutsche
Florentina hat geschrieben:
Ein Mitglied, das im Vorstand sein soll, befindet sich in Privatinsolvenz. Hat das eine Relevanz?
Es wird ein 1. Vorsitzende(r) gewählt werden. (gem. der geplanten Satzung).
Wenn ausgerechnet die in der Privatinsolvenz befindliche Person zum 1. Vorsitzende(n) gewählt wird, könnte es bei der Jährlich stattfindenden
Jahreshauptversammlung dann eine Überraschung geben, wenn der Vorstand nicht "Entlastet" würde und der "Verein" zwischenzeitlich Verbindlichkeiten
an der Backe hat, dessen Bonität nicht gegeben ist. Dann darf einer mit dem Hut alle Vereinsmitglieder abklappern. :wink:
Oder im Vorfeld gibt die Vereinssatzung schon etwas her, wie in solchen schieflagen agiert werden soll.
Versichern kann man sich gegen fast allem. Alles eine Frage der Prämien!
Der beste Schutz: Umsichtiges und wirtschaftliches handeln. Risiken möglichst klein halten. Geeignete Vorkehrungen treffen. Immer ein Plan "B" haben!

Re: Verein in Gründung: einige Fragen (Insolvenz, Haftung,..

Verfasst: 01.03.19, 09:42
von Florentina
Florentina hat geschrieben:Wenn ausgerechnet die in der Privatinsolvenz befindliche Person zum 1. Vorsitzende(n) gewählt wird, könnte es bei der Jährlich stattfindenden
Jahreshauptversammlung dann eine Überraschung geben, wenn der Vorstand nicht "Entlastet" würde und der "Verein" zwischenzeitlich Verbindlichkeiten
Ganz lieben Dank für die Antwort.

Den zitierten Satz verstehe ich nicht. Oder wird dabei der in Privatinsolvenz befindlichen Person unterstellt, sich mutwillig an dem Vereinsvermögen bereichern zu wollen?

Re: Verein in Gründung: einige Fragen (Insolvenz, Haftung,..

Verfasst: 01.03.19, 10:20
von Zafilutsche
Verbindlichkeiten können durch ganz unterschiedliche Dinge entstehen. Das sind Forderungen Dritter gegen den Verein.
Als Beispiel sind Kosten für die Anschaffung von notwendigen Räumlichkeiten Miete Pacht Versicherungsprämien Notarkosten Anschaffung von Papier,PC Rechner/Server Webdesign Vereinskonto uvm.
Die Aufzählung könnte man beliebig fortsetzen.
Wegen der bereits heute voll automatisierten abmahnerei,
sollten die im Netz eingestellten Informationen mit bedacht und datensparsam eingestellt werden.
Spannend wird's wenn Veranstaltungen vom Verein geplant und durchgeführt werden wollen.
Kurz: Ich hatte weniger einen Vorsatz im Kopf gehabt, sondern eher ein fahrlässiges Handeln des 1. Vorsitzenden.

Re: Verein in Gründung: einige Fragen (Insolvenz, Haftung,..

Verfasst: 01.03.19, 10:59
von Zafilutsche
Florentina hat geschrieben: Der Verein beschäftigt sich mit der gesundheitlichen Prävention Krebserkrankter Menschen. Die Fragestellung, ob dies "mildtätig" oder "gemeinnützig" ist, konnte bisher nicht geklärt werden, aber auch nicht, wofür diese Unterscheidung überhaupt Relevanz hätte.
Wenn eine Gemeinnützigkeit vom Finanzamt anerkannt wird, können z.B. für die Mitgliedsbeiträge entsprechende Bescheinigungen ausgestellt werden. Diese wiederum werden vom Finanzamt
den Spendern steuermindernd berücksichtigt.
Maßgeblich sind zweck des Vereins. Hierzu werden Unterlagen benötigt wie u.a. die Vereinssatzung, Eröffnungsprotokoll, Teilnehmernachweise ...
Ich persönlich würde mit einem Beratungsgespräch beim Notar starten wollen (was natürlich nicht kostenfrei sein wird, aber bestimmt effektiver als mühsam (vielleicht noch unrichtige/veraltete) Informationen
über das Internet zusammen zu suchen.

Re: Verein in Gründung: einige Fragen (Insolvenz, Haftung,..

Verfasst: 01.03.19, 12:09
von lottchen
Zafilutsche hat geschrieben:
Florentina hat geschrieben: Wenn eine Gemeinnützigkeit vom Finanzamt anerkannt wird, können z.B. für die Mitgliedsbeiträge entsprechende Bescheinigungen ausgestellt werden. Diese wiederum werden vom Finanzamt den Spendern steuermindernd berücksichtigt.
Das ist schlicht und einfach falsch. Mitgliedsbeiträge sind Mitgliedsbeiträge und KEINE Spenden. Somit gibt es dafür auch keine Spendenbescheinigungen und steuerlich geltend machen kann man das dann auch nicht.

Re: Verein in Gründung: einige Fragen (Insolvenz, Haftung,..

Verfasst: 01.03.19, 12:18
von Zafilutsche
Meines Wissens können Mitgliedsbeiträge als Sonderausgaben abzugsfähig sein, wenn die Gelder einem förderungswürdigen Zweck dienen. Der Mitgliedsbeitrag kann in solchen Fällen wie eine Spende zum Abzug gebracht werden. Im Zweifel befragt man einen Steuerberater.

Re: Verein in Gründung: einige Fragen (Insolvenz, Haftung,..

Verfasst: 04.03.19, 23:13
von hawethie
Bei uns teilt das FA bei der vorläufigen Anerkennung der Gemeinnützigkeit mit, ob der Beitrag abgesetzt werden kann. Und das ist nur bei wenigen Vereinen der Fall

Re: Verein in Gründung: einige Fragen (Insolvenz, Haftung,..

Verfasst: 05.03.19, 11:04
von Zafilutsche
hawethie hat geschrieben:Bei uns teilt das FA bei der vorläufigen Anerkennung der Gemeinnützigkeit mit, ob der Beitrag abgesetzt werden kann. Und das ist nur bei wenigen Vereinen der Fall
Jup. Der Bescheid wäre wichtig, weil ansonsten auch eine "Steuerpflicht" im Raum steht. Wobei ich jetzt nicht weiss, wie das bei der eigentlichen "Gründung" genau aussieht.
Hier befragt man sicherheitshalber einen Steuerexperten (wobei man bei richtiger Fragestellung) manchmal auch gute Hinweise bekommen kann. Grundsätzlich kann ich immer nur empfehlen:
Notare, Anwälte, IHK's, Volkshochschulen und Erfahrungsaustausche sind wertvolle Hilfen, wenn es darum geht "gefährliche" Eisberge zu umschiffen.

Re: Verein in Gründung: einige Fragen (Insolvenz, Haftung,..

Verfasst: 05.03.19, 12:42
von hawethie
warum immer so kompliziert.
Man nimmt sich eine Satzung eines Gemeinnützigen Vereins und modifiziert diese für die eigenen Zwecke.
Evtl. gibt es ja Dachverbände, Fachverbände oder Vereine mit ähnlichem Zweck.
Diese kann man dann vorher an das FA schicken, mit der Bitte, mal drüberzuschauen.
Nach der Vereinsgründung kann man dann die (evtl. geänderte) Satzung zwecks vorläufiger Anerkennung nochmal an das FA schicken - von dort bekommt man dann eine entsprechende Bescheinigung, die aber nur vorläufig gilt.
nach drei Jahren muss man dann eine Steuererklärung an das FA schicken, das dann prüft, ob der Verein sich wirklich gemeinnützig verhalten hat.
Wenn ja, bekommt man rückwirkend die Gemeinnützigkeit anerkannt.
Das geht dann alle drei Jahre von neuem so.

Re: Verein in Gründung: einige Fragen (Insolvenz, Haftung,..

Verfasst: 05.03.19, 13:12
von Zafilutsche
hawethie hat geschrieben: warum immer so kompliziert.
Das Frage ich mich auch immer. Zumindest immer dann, wenn eine Rechtsvorschrift durch eine neue oder andere ersetzt wird.
Genauso die stetigen Änderungen in den Rechtsprechungen/Beschlüsse die man so hin und wieder ließt.
Neben der Problematik dass man die Satzung anderer Vereine nimmt die vielleicht nicht so passen oder geeignet sind, können diese genauso "Fallstricken" enthalten oder sich an einer ältere Rechtslage orientieren.
Es ist auch eine Gradwanderung, wie detailliert die Satzung ist. Je detaillierter und umfangreicher je häufiger sind "Satzungsänderungen" erforderlich. Diese müssten dann jedes Mal vom Notar beurkundet werden.
Das ist alles kompliziert! Genauso wie das Steuerrecht, Vereinsrecht, Urheberrecht und Datenschutzrecht.
hawethie hat geschrieben:... Wenn ja, bekommt man rückwirkend die Gemeinnützigkeit anerkannt.
Das geht dann alle drei Jahre von neuem so.
Wenn nachträglich aberkannt wird, wäre aber auch doof weil dann Nachzahlungen im Raum stehen. Dann sind wir wieder bei dem Thema "Verbindlichkeiten"

Re: Verein in Gründung: einige Fragen (Insolvenz, Haftung,..

Verfasst: 06.03.19, 13:20
von hawethie
da die Anerkennung immer nur nachträglich erfolgt, ist ein "nachträgliches Aberkennen" nicht möglich.
Das soll die Vorstände dazu anhalten, sich ordnungsgemäß zu verhalten.