Eintragung in Handelsrolle - "Chiptuning"

Recht der Unternehmen und Einzelfirmen, Handelsvertreterrecht, Provisionsrecht, Franchiserecht

Moderator: FDR-Team

Antworten
raumi20
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 10
Registriert: 25.02.15, 17:35

Eintragung in Handelsrolle - "Chiptuning"

Beitrag von raumi20 » 25.02.15, 18:06

Hallo, meine Frage bezieht sich auf folgenden fiktiven Sachverhalt und ich würde mich freuen euere Meinungen dazu zu lesen:

Die HWK ist der Auffassung das "Chiptuning" eine Meisterpflicht voraussetzt "Kraftfahrzeugtechniker".

Nun gibt es für Chiptuning keine fixe Definition was das eigentlich ist.

Das kann sein:

- reine Softwareentwicklung für (Kfz-)Steuergeräte (innerhalb 3 Monaten erlernbar)
- das bloße anschließen des Notebooks an das Fahrzeug und aufspielen der Software (innerhalb 30 Minuten erlernbar)
- das herauslösen und wiedereinsetzen eines im Steuergerät befindlichen Bauteils (ebenfalls innerhalb 3 Monaten erlernbar)

Unter "www.hwk-saarland.de/web/adb/output/asset/805" beschreibt die HWK das "programmieren von elektronischen Steuerungen" sei zulassungsfrei.

Hat die davon betroffene Person ein Recht auf Definition von "Chiptuning" seitens der HWK? Was wenn die HWK keine Definition abgeben möchte und den Betrieb weiter ohne ausführliche Begründung untersagt, weil sie dies der Tätigkeit dem Kraftfahrzeugtechniker zuschreibt und selbst garnicht weiß, was Chiptuning eigentlich ist? Welche Ausnahmegenehmigungen gibt es, die ein fortführen der Tätigkeit erlauben? In wie weit macht die Person sich strafbar, wenn sie die geringfügige Ausübung von Chiptuning gegenüber der HWK zugiebt?

raffaell0
noch neu hier
Beiträge: 1
Registriert: 05.08.16, 13:39

Re: Eintragung in Handelsrolle - "Chiptuning"

Beitrag von raffaell0 » 05.08.16, 13:46

Hallo,
hast was rausgefunden?
Bin auch auf die suche.
Mein fall wäre raum stuttgart.
Gruß

FelixSt
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1977
Registriert: 07.08.14, 18:05

Re: Eintragung in Handelsrolle - "Chiptuning"

Beitrag von FelixSt » 05.08.16, 15:18

Es handelt sich beim Chiptuning doch ganz eindeutig um Eingriffe in die Motortechnologie mit dem Ziel einer Leistungssteigerung, woraus Risiken und Gewährleistungsansprüche erwachsen. Deshalb ist es meiner Ansicht nach völlig richtig, hier den sog. großen Befähigungsnachweis (Meisterbrief im KFZ-Handwerk) als Voraussetzung für eine Zulassung des Betriebes zu fordern. Wenn jeder Computer-Nerd, der sich für sachkundig hält, weil ihm bei seiner eigenen Proletenkarre ein bislang problemloses Chiptuning gelungen ist, ein Gewerbe anmelden und den Leuten die Autos umprogrammieren darf, dann wären die HWKn aber reichlich naiv.

gzs
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 148
Registriert: 20.04.05, 06:52

Re: Eintragung in Handelsrolle - "Chiptuning"

Beitrag von gzs » 06.08.16, 07:11

Sicher kann man in 3 Monaten lernen wie man eine Motorsoftware umprogrammiert, das kann ein mittel begabter 13-Jähriger machen. Der Knackpunkt ist die Sicherheit des Fahrzeugs nach der Modifikation. Die Beurteilung ob ein Motor nach dem Eingriff noch gefahrlos zu betreiben ist, ob Bremsanlage und Fahrwerk noch ausreichen und vor allem welche Auswirkungen das Tuning auf den Rest der Fahrzeugelektronik hat, ist definitiv nicht in 3 Monaten erlernbar. Da studieren andere viele Jahre für und spezialisieren sich danach auf einen Teilbereich ...

Ich spreche da aus Erfahrung, bin nämlich in einem Betrieb tätig der auf KFZ-Elektronik spezialisiert ist (KEIN Tuning). Und bei uns schlagen immer wieder Leute auf mit abstrusesten Elektronikfehlern, verursacht durch jemanden der mal eben in 3 Monaten "gelernt" hat, wie man irgendwas irgendwie umprogrammiert.

Die HWK ist da also durchaus der richtigen Auffassung. Chiptuning sollte allenfalls eine Zusatzqualifikation für einen KFZ-Meister sein, alles andere ist nicht nur hirnrissig sondern auch gefährlich.

Rabenwiese
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 454
Registriert: 15.03.16, 08:56

Re: Eintragung in Handelsrolle - "Chiptuning"

Beitrag von Rabenwiese » 06.08.16, 08:40

Der Meister ist Voraussetzung.

Zu Umgehen evtl über den Weg Chips zu programmieren und diese zu verkaufen ( soweit möglich )

Oder ganze Steuergeräte einkaufen, Programmieren und wieder verkaufen mit dem Hinweis keine Zulassung im öffentlichen Straßenverkehr.

Es muss ja schließlich sichergestellt sein das die Sicherheit erhalten bleibt. Meiner Meinung nach ist der Meister sogar noch zu wenig. Ich persönlich denke da muss ein Ingenieur an die Sache. Bremsberechnung, Verwindungssteifigkeit und Abgasverhalten seien nur 3 Stichworte.
Wer so etwas ordentlich machen will, möchte seine Leistungssteigerung ja auch eintragungsfähig verkaufen können denke ich.

Ronny1958
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 20562
Registriert: 19.08.05, 13:20
Wohnort: Zwischen Flensburg und Sonthofen

Re: Eintragung in Handelsrolle - "Chiptuning"

Beitrag von Ronny1958 » 06.08.16, 09:29

Der letzte Chip-Tuner ohne Meisterbrief, der mir über den Weg lief, hatte eine fünfstellige Geldbuße zu zahlen.

Das Gericht hat sie allerdings halbiert, weil es zugunsten des Tuners noch von einer fahrlässigen Begehung ausging.

Der junge Mann war wirklich gut (er machte aus diesem Spielzeugauto des großen Stern-Konzerns eine Rakete und das mit TÜV-Segen) allerdings half ihm das nichts gegen den Meisterzwang. Er hat dann einen Betriebsleiter eingestellt.
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

Antworten