Rücklagenbildung und -verwendung bei einer UG

Recht der Unternehmen und Einzelfirmen, Handelsvertreterrecht, Provisionsrecht, Franchiserecht

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MichaMK
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Rücklagenbildung und -verwendung bei einer UG

Beitrag von MichaMK » 29.06.16, 10:58

Hallo Community

ich habe eine Frage in Bezug auf eine UG.

Laut Gesetz muss die UG Rücklagen bilden und zwar so lange bis das Stammkapital von 25.000,00 EUR erreicht ist. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann sind die Rücklagen auch dann noch zu bilden, wenn die Rücklage bereits mehr wie 25.000 EUR aufweist, die UG jedoch noch nicht in eine GmbH umgewandelt wurde.

Soweit ist alles klar.

Doch wie wäre eigentlich die Rechtslage in so einem Fall?

Nehmen wir an. UG A wurde 2015 gegründet und hat am Jahresende einen Gewinn von 200.000,00 EUR verbuchen können. Somit sind 50.000,00 EUR in die gesetzliche Rücklage einzustellen. Theoretisch könnte man nun die UG in eine GmbH umwandeln, doch Gesellschafter entscheiden sich dagegen und wollen die Gesellschaftsform UG beibehalten. Gesellschafter der UG beschließen vom Jahresüberschuss in Höhe von 200.000,00 EUR ein Viertel, also 50.000,00 EUR in die gesetzliche Rücklage einzustellen und den Rest - 150.000,00 EUR auszuschütten.

Frage 1: Darf nun die UG mit der gebildeten gesetzlichen Rücklage von 50.000,00 EUR wirtschaften, also diese für Wareneinkauf und Dienstleistungen verwenden, um den Geschäftsbetrieb zu erweitern oder muss das Geld/die Rücklage in Form von Barmitteln auf beispielsweise einem Konto verbleiben?

Frage 2: Wenn die UG im Jahr 2016 wieder einen gewinn von 200.000,00 EUR macht, müssen auch dann Rücklagen gemeldet werden? Nach meinem Kenntnissstand "ja". Bitte um bestätigung der Rechtslage.

Vielen Dank.

VG Michael

Vaughn
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Re: Rücklagenbildung und -verwendung bei einer UG

Beitrag von Vaughn » 13.07.16, 13:09

Laut Gesetz muss die UG Rücklagen bilden und zwar so lange bis das Stammkapital von 25.000,00 EUR erreicht ist. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann sind die Rücklagen auch dann noch zu bilden, wenn die Rücklage bereits mehr wie 25.000 EUR aufweist, die UG jedoch noch nicht in eine GmbH umgewandelt wurde.

Soweit ist alles klar.
Nö. Der zweite Satz ist m. E. falsch.
Wenn bei Gründung der Gesellschaft das Stammkapital 25 T€ unterschreitet, müssen aus den Jahresüberschüssen Rücklagen gebildet werden.
Diese werden jedoch nicht "automatisch" dem Stammkapital zugeschlagen, sondern bleiben zunächst einmal Rücklagen.
Sofern sie nach § 5a Abs. 3 Satz 2 Ziff. 1 GmbHG i. V. m. § 57 c GmbHG für eine Stammkapitalerhöhung genutzt werden sollen, bedarf es einer Änderung des Gesellschaftsvertrages (notarielle Form).

zu Frage 1:
Die Gesellschaft kann mit dem Geld genauso arbeiten wie mit der Stammeinlage.
Auch die bleibt ja nicht auf irgendeinem Konto gesperrt.
Bei Gründung steht ja z. B. in der Eröffnungsbilanz auch der Passivposition "gezeichnetes Kapital" eine entsprechende Aktivposition gegenüber, z. B. "Bankguthaben".
Wenn dieses Bankguthaben nun für Wareneinkauf verwendet wird, ändert sich lediglich die Aktivposition.
Die Sammelposition Eigenkapital ergibt sich ja lediglich aus der Differenz des Vermögens und der Schulden.

zu Frage 2:
Ja, siehe Umkehrschluss aus § 5a Abs. 5 GmbHG.
Erst wenn die Gesellschaft ihr Stammkapital auf den Mindestbetrag gemäß § 5 Abs. 1 GmbHG erhöht, entfällt die Pflicht aus § 5a Abs. 3.

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