Paket kaputt - keine Erstattung

Recht der Unternehmen und Einzelfirmen, Handelsvertreterrecht, Provisionsrecht, Franchiserecht

Moderator: FDR-Team

Antworten
PetrOs
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 110
Registriert: 02.06.09, 09:55

Paket kaputt - keine Erstattung

Beitrag von PetrOs » 08.08.16, 08:38

Hallo,

Ich bin ein Kleinunternehmer und betreibe einen Online-Shop. Vor ca. 1 Monat habe ich in einem stabilen "Großbriefkarton" - also speziellem robustem Karton, der für Dokumentenversand entwickelt ist, ein Paket (versichert bis 500 Euro) an einem Kunden versendet. Drin waren 3 DIN A4 Bögen mit Aufklebern/Abziehbildern. Einige Tage danach bekam ich die Überreste des Pakets, umverpackt, mit Hinweis - wir haben Ihr Paket beschädigt. Es wurde anscheinend komplett zerdruckt, dabei sind die Aufkleberboegen alle kaputtgegangen. Vom Karton haben die die Reste bis auf den Ausschnitt mit Addressenaufkleber entsorgt. Vom schaden her wurde das Paket evtl irgendwo eingeklemmt - Fahrzeugschiebetür oder so ähnliches.

Ich habe daraufhin den Versandunternehmen kontaktiert, und um eine Erstattung des Beitrags in der Hohe von ca 65 Euro gebeten, was die Ersatzbeschaffungskosten wären.

Die Antwort darauf war, dass ich etwa selber schuld bin, dass ich es nicht stabil verpackt habe.

Ich habe mich dann Einspruch eingelegt, und gefragt, was stabil sei. Mit link auf den Pakethersteller, usw.

Soeben habe ich die Antwort bekommen:
Sehr geehrter Herr XXX,
vielen Dank für Ihre erneute Nachricht.
Sie sind mit unserer Entscheidung nicht einverstanden - das tut uns leid. Natürlich haben wir
uns alle Unterlagen zu Ihrem Anliegen nochmals genau angeschaut. Leider können wir Ihnen
jedoch nichts anderes mitteilen als in unserem vorangegangenen Schreiben.
Unsere Paketzentren arbeiten mit automatischen Sortieranlagen. In einem so hoch
technisierten Produktionsablauf können vereinzelt Sendungen beschädigt werden, die nicht
durch eine entsprechend sichere Verpackung geschützt sind. Besonders für empfindliche
Gegenstände sind deshalb eine feste Innenverpackung mit ausreichender Polsterung und eine
druck- und formstabile Außenverpackung wichtig.
Die Verpackung Ihres Paketes war leider nicht stabil genug, um den Inhalt sicher zu schützen.
Deshalb können wir für den Ihnen entstandenen Schaden nicht haften. Hierfür bitten wir Sie
um Verständnis.


Also, stabiler wäre nur ein Panzerschrank. Ich finde es absolut dreist von dem Versandunternehmen, sowas bei einem versicherten Paket zu betreiben. Machen meine Ware kaputt, und stellen sich so an. Was kann man jetzt unternehmen, gibt es evtl ähnliche Gerichtsurteile, usw? - ich will es nicht locker lassen, da ich bei mir ehrlich gesagt keine Schuld sehe.

ExDevil67
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 4603
Registriert: 17.01.14, 09:25

Re: Paket kaputt - keine Erstattung

Beitrag von ExDevil67 » 08.08.16, 09:13

PetrOs hat geschrieben: Ich bin ein Kleinunternehmer
Dann haben Sie hoffentlich die Telefonnummer eines Anwaltes griffbereit. Soll Gerüchten nach öfters vorkommen das man als Unternehmer Ärger mit Kunden, Lieferanten oder Dienstleistern hat.
PetrOs hat geschrieben: Vom Karton haben die die Reste bis auf den Ausschnitt mit Addressenaufkleber entsorgt.
Damit dürfte sich das Thema erledigt haben, weil ohne corpus delicti dürfte es schwer werden vor Gericht nachzuweisen der Umschlag für ein den Inhalt geeignet war.

Charon-
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1647
Registriert: 12.07.06, 20:45

Re: Paket kaputt - keine Erstattung

Beitrag von Charon- » 08.08.16, 10:01

ExDEvil67 hat geschrieben:ürfte es schwer werden vor Gericht nachzuweisen der Umschlag für ein den Inhalt geeignet war
Wobei es schon relevant wäre, was der Versender jetzt geltend macht: Schadenersatz aus der Versicherung oder aus unerlaubter Handlung. Denn wenn das Paket gegen Beschädigung versichert war, dann müsste der Versicherer nachweisen, dass die Ware unangemessen verpackt war und dadurch die Beschädigung entstanden ist.
Um der allgemeinen Sprachverwirrung des Siezens entgegenzuwirken, biete ich jedem Nutzer das dänische Umgangsduzen an.

Froggel
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 2856
Registriert: 19.05.05, 15:17
Wohnort: Niedersachsen

Re: Paket kaputt - keine Erstattung

Beitrag von Froggel » 08.08.16, 10:11

ExDevil67 hat geschrieben:Damit dürfte sich das Thema erledigt haben, weil ohne corpus delicti dürfte es schwer werden vor Gericht nachzuweisen der Umschlag für ein den Inhalt geeignet war.
Das wäre fraglich, denn wenn es von diesem Versender die übliche Verpackung für dieses Produkt ist, wofür sich sicherlich jemand finden würde, der das bestätigt, könnte auch ein Gericht davon ausgehen, dass das fragliche Versandgut so verpackt war.
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -

PetrOs
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 110
Registriert: 02.06.09, 09:55

Re: Paket kaputt - keine Erstattung

Beitrag von PetrOs » 08.08.16, 11:00

Hallo,

Von der Verpackung haben diese die Oberseite, mit dem Aufkleber, ausgeschnitten, und dieser liegt mir vor. Mit einem durchgestochenem Loch und voll deformiert. Dazu natürlich die Aufkleber, an denen man die Schäden sieht.

Auch ein Karton aus dem gleichen 100er Pack habe ich aufgehoben.

Froggel
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 2856
Registriert: 19.05.05, 15:17
Wohnort: Niedersachsen

Re: Paket kaputt - keine Erstattung

Beitrag von Froggel » 08.08.16, 17:29

Charon- hat geschrieben:dann müsste der Versicherer nachweisen, dass die Ware unangemessen verpackt war und dadurch die Beschädigung entstanden ist.
PetrOs hat geschrieben:Von der Verpackung haben diese die Oberseite, mit dem Aufkleber, ausgeschnitten, und dieser liegt mir vor. Mit einem durchgestochenem Loch und voll deformiert. Dazu natürlich die Aufkleber, an denen man die Schäden sieht.
Mit anderen Worten: Der Versanddienstleister sieht den Beweis, dass eine falsche Verpackung genutzt wurde, bereits in der Tatsache, dass die Verpackung die Behandlung nicht ausgehalten hat. Das wäre dann wohl eine Frage, die ein Richter zu klären hätte.
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -

windalf
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 14569
Registriert: 27.01.05, 02:00
Wohnort: Internet

Re: Paket kaputt - keine Erstattung

Beitrag von windalf » 09.08.16, 08:03

ExDevil67 hat geschrieben:
PetrOs hat geschrieben: Ich bin ein Kleinunternehmer
Dann haben Sie hoffentlich die Telefonnummer eines Anwaltes griffbereit. Soll Gerüchten nach öfters vorkommen das man als Unternehmer Ärger mit Kunden, Lieferanten oder Dienstleistern hat.
Klar bei einem 65 EUR-Streit scharrt der schon die ganze Zeit mit den Hufen um endlich was zu tun zu bekommen :devil:
...fleißig wie zwei Weißbrote
0x2B | ~0x2B
Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

ExDevil67
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 4603
Registriert: 17.01.14, 09:25

Re: Paket kaputt - keine Erstattung

Beitrag von ExDevil67 » 09.08.16, 08:26

windalf hat geschrieben:Klar bei einem 65 EUR-Streit scharrt der schon die ganze Zeit mit den Hufen um endlich was zu tun zu bekommen :devil:
Kommt darauf an. Wenn man nur nach Gebührenordnung zahlen will stimme ich zu, um solche Mandate wird sich kein Anwalt reißen. Zahl ich nach Stundensatz wird der sicher auch bei solchen kleinen Streitwerten aktiv.

topspin
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 122
Registriert: 24.05.07, 16:42

Re: Paket kaputt - keine Erstattung

Beitrag von topspin » 13.08.16, 12:38

ExDevil67 hat geschrieben:
windalf hat geschrieben:Klar bei einem 65 EUR-Streit scharrt der schon die ganze Zeit mit den Hufen um endlich was zu tun zu bekommen :devil:
Kommt darauf an. Wenn man nur nach Gebührenordnung zahlen will stimme ich zu, um solche Mandate wird sich kein Anwalt reißen. Zahl ich nach Stundensatz wird der sicher auch bei solchen kleinen Streitwerten aktiv.
Hallo,
gleich noch eine Frage von mir dazu.
Wenn ich nicht nach Gebührenordnung sondern nach Stunden den Anwalt bezahle, bekomme ich dann meine Anwaltskosten bei einem Sieg vor Gericht auch komplett erstattet?

Gruß Alex

ExDevil67
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 4603
Registriert: 17.01.14, 09:25

Re: Paket kaputt - keine Erstattung

Beitrag von ExDevil67 » 18.08.16, 07:15

topspin hat geschrieben:Wenn ich nicht nach Gebührenordnung sondern nach Stunden den Anwalt bezahle, bekomme ich dann meine Anwaltskosten bei einem Sieg vor Gericht auch komplett erstattet?
AFAIK nein, erstattungsfähig ist nur die Gebührenordnung.

Antworten