Kunde zahlt nicht

Recht der Unternehmen und Einzelfirmen, Handelsvertreterrecht, Provisionsrecht, Franchiserecht

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Blindflieger
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Kunde zahlt nicht

Beitrag von Blindflieger » 23.02.18, 13:13

Guten Tag,

angenommen eine Person hat ein niederländisches Ein-Personen-Unternehmen und bietet damit seine Arbeitsleistung an. Ein deutsches Unternehmen mietet seine Arbeitsleistung an. Über Monate hinweg werden wöchentlich die Abrechnungen für die Vorwoche entsprechend der geleisteten Arbeitsstunden berechnet. Der Auftraggeber zahlt anstandslos innerhalb weniger Tage nach Rechnungserhalt. Lediglich bei Zeiten, bei denen der AN Urlaub hat oder krankheitsbedingt nicht kommen kann, wird die Zahlungsfrist herausgezogen, aber noch bezahlt.
Dann erkrankt der AN und kann nicht arbeiten. Er stellt eine Rechnung über die letzten Wochen geleistete Arbeit, da er zu dem Zeitpunkt die Rechnung etwas hat links liegen lassen hat. Er berechnet also mehrere Wochen Arbeitsleistung mit einem hohen 4 stelligen Betrag.
Der Kunde zahlt nicht.
AN ruft wenige Tage nach Ablauf der Zahlungsfrist den Kunden an und fragt nach dem Geld. Er wird hingehalten und bekommt die Antwort, dass der AG noch andere Rechnungen vorher zu begleichen hat.
AN wartet weitere 2 Wochen und fährt zum Kunden, um nach dem Rechnungsausgleich zu fragen. Er erhält die Antwort, dass Firmen XY noch zu zahlen hätten und wenn diese Firmen gezahlt haben, würde er dem AN einen Teilbetrag überweisen.
Der AN wartet ein paar Tage und schreibt dann eine letzte Zahlungsaufforderung mit Androhung der Inkasso-Einschaltung. Daraufhin erhält er 1000 Euro als Teilzahlung (steht auch Teilzahlung auf der Banküberweisung) . Nach zwei Wochen ist kein weiterer Betrag eingegangen und der AN schaltet ein Inkasso ein.
Der AG schaltet daraufhin einen Anwalt ein. Dieser schreibt, es wäre nicht ersichtlich, auf welcher Rechtsgrundlage die Rechnungen gestellt wurden. Die Abrechnungspositionen würden nicht der getroffenen Vereinbarungen entsprechen, auch nicht hinsichtlich der Fälligkeit. Außerdem wären Projekte, an denen der AN beteiligt war, nicht oder nur teilweise fertiggestellt worden. AN hätte ohne Angabe von Gründen Leistungen nicht erbracht, sodass angeblich Drittunternehmen beauftragt werden mussten.

Es wurde nichts schriftlich vereinbart. Es wurde ausgemacht, Person AN soll ab Tag X kommen, und Tätigkeit entsprechend des Gewerks des AN-Unternehmens ausführen. Dies hat AN gemacht. AN sagte AG, dass er wöchentlich seine Arbeitsstunden in Rechnung stellt. AG hat dem eingewilligt, und auch immer gezahlt.

Nun wird seitens des Inkasso geraten, einen Vergleich zu schließen.
Damit hätte AN für einen hohen 4 stelligen Betrag umsonst gearbeitet.

Was kann der AN tun?
An der ganzen Angelegenheit hängt auch eine Familie dran. Der AN hat kein großes Unternehmen, sondern geht arbeiten, um davon direkt seine Unkosten zu zahlen - Wohnung, Familie, Lebenshaltungskosten. Die Situation bringt die ganze finanzielle Situation in eine absolute Schieflage.

ExDevil67
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Re: Kunde zahlt nicht

Beitrag von ExDevil67 » 27.02.18, 09:07

Blindflieger hat geschrieben: Was kann der AN tun?
Erstens sich davon lösen sich als Arbeitnehmer zu sehen. Als Selbstständiger ist man, unabhängig von der Rechtsform, gegenüber seinem Kunden kein Arbeitnehmer. Und zweitens in seine Verträge gucken was er da mit seinem Kunden vereinbart hat bezüglich eigener Krankheit.

khmlev
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Re: Kunde zahlt nicht

Beitrag von khmlev » 27.02.18, 09:16

ExDevil67 hat geschrieben:Und zweitens in seine Verträge gucken was er da mit seinem Kunden vereinbart hat bezüglich eigener Krankheit.
Wird schwierig, wenn
Blindflieger hat geschrieben:Es wurde nichts schriftlich vereinbart.
Das dürfte auch der Grund sein, weshalb der Rat kam, einen Vergleich zu schließen. Ohne schriftlichen Vertrag, steht immer Aussage gegen Aussage. Es ist halt die Frage, wieviel Geld noch verbrannt werden kann, für einen ungewissen Ausgang.
Gruß
khmlev
- out of order -

Blindflieger
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Re: Kunde zahlt nicht

Beitrag von Blindflieger » 09.03.18, 14:50

Gut, aber wenn über ein halbes Jahr lang Rechnungen gestellt wurden, die vom Auftraggeber immer innerhalb von 3 Tagen überwiesen wurden, ohne diese zu beanstanden, warum tut er es nun?
Und nun der Versuch, über Fragen, auf welcher Rechtsgrundlage sich die Forderungen beruhen, hinsichtlich Anzahl der berechneten Stunden, Höhe des Stundensatzes und Fälligkeit um die Zahlung rumzukommen?
Er hat doch vorher auch den Stundensatz, die Stunden und auch noch immer weit vor der Fälligkeit gezahlt.

Zudem hat der Auftraggeber Anfang des Jahres noch die Zahlung per Telefon bis Ende Januar zugesichert. Auch, dass die Rechnung korrekt gestellt wurde. Bei dem Gespräch hat der AN nachgefragt, wann er mit dem Geld rechnen kann. Zu dem Telefonat kam noch die Partnerin des AN in den Raum und hat das mitgehört. Der AG wirkte da noch eher eingeschnappt, dass man scheinbar Angst hat sein Geld nicht zu bekommen.

Die Zeit wurde über Stempelkarten erfasst. Die hat der AN mit nach Hause genommen, um die Stunden auszurechnen und wieder mit in die Firma genommen. Die müssten also noch bei der Firma hinterlegt sein.

Macht das Sinn, das einzuklagen?
Das Inkasso rät zu einem Vergleich, nennt aber keinen Betrag.

Celestro
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Re: Kunde zahlt nicht

Beitrag von Celestro » 09.03.18, 15:36

Ich würde dem "Ein-Personen-Unternehmen" raten, sich erst einmal zum Kunden zu begeben und ein vernünftiges Gespräch zu führen. Und je nach Ausgang des Gespräches kann man sich dann die weiteren Schritte überlegen.

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