Ehefrau des Händlers verkauft dasselbe wie Ehemann privat

Recht der Unternehmen und Einzelfirmen, Handelsvertreterrecht, Provisionsrecht, Franchiserecht

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meremortals
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Ehefrau des Händlers verkauft dasselbe wie Ehemann privat

Beitrag von meremortals » 04.08.18, 01:34

Ungefähr ein Jahr lange waren wir nicht mehr im Restaurant X, wir kommen da nicht so oft vorbei, liegt in einer anderen Stadt. Den Inhaber kenne ich gut, er weiß, ich bin Händler, wir haben oft über Geschäfte gesprochen. Der Inhaber des Lokals ist kommt aus einem Land, wo man viele Dinge sehr locker sieht.

Großes Hallo, nachdem man sich so lange nicht mehr gesehen hat. Wie gehen Geschäfte? Na ja, einige gut, andere nicht so gut, könnte besser sein.

Der gute Mann setzt sich zu uns an den Tisch, nachdem das Essen anrollt und sagt: "Warum du nicht machen Geschäfte wie Y?" "Wer ist Y?" Ausweichende Antwort, ein Bakennter oder Freund, jedenfalls auch ein Händler, der ein Geschäft in Deutschland hat. "Und wie macht Y das?"

"Wenn Geschäft nicht so ganz gut, er verkauft an seine Frau." Ich dachte zuerst, mein alter Bekannter will mich hoch nehmen, fragte nach, was das soll und dann erklärte er mir, soweit ihm bekannt, das Geschäftsmodell von Y:

"Wenn die Geschäfte nicht so gut sind, verkauft er an seine Ehefrau, die ist privat, kein Händler. Alles amtlich mit Rechnung. Preis wie sein Einkaufspreis oder weniger. Ehefrau verkauft bei Internetauktionshaus [Name geändert] viel billiger als ihr Mann machen kann, ist ja privat ohne Steuer. Machen die auch, wenn Ehemann Retouren bekommt, Sachen gebraucht sind, Ehefrau verkauft dann bei Internetauktionshaus [Name geändert], Mann wird das in sein Onlineshop nicht mehr gut los."

Meine Fragen: ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich das als einen Witz einstufen soll, weil vielleicht jemand meinem Bekannten was vom Pferd erzählt hat.

Rechtlich gesehen Y kann natürlich als Händler auch an seine Frau verkaufen, egal zu welchem Preis. Die Frau kann aber nur kleine Mengen, wie für Privatleute üblich weiter verkaufen, sonst wird das Finnanzamt irgendwann mal gewerbliche Zwecke vermuten. Dass Y an seine eigene Frau verkauft, wird dem Finanzamt eher entgehen, kann ich gut gut nachvollziehen. Wenn jemand viele Rechnungen hat, wird es kaum auffallen, welche Kundin wann und wie oft was gekauft hat.

Kaufmännisch rechnet sich das Ganze vielleicht noch, wennY hochrpreisige Produkte anbietet.

Bleibt noch meine Hauptfrage: ist so ein "Geschäftsmodell" (falls mein Bekannter da nicht was falsch verstanden und interpretiert hat) noch legal, Grauzone oder was sonst?

ExDevil67
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Re: Ehefrau des Händlers verkauft dasselbe wie Ehemann priva

Beitrag von ExDevil67 » 04.08.18, 08:35

Ich würde das als legal mit diversen Fallstricken ansehen.
Darauf verlassen das das Finanzamt im Rahmen einer Betriebsprüfung nicht auch die Kundenstruktur sich anguckt würde ich nicht. Mit entsprechenden Folgen für die Steuerberechnung.
Und auch die Frau wäre nicht die erste Privatverkäuferin die durch Menge und Art ihrer Verkäufe eine Abmahnung kassiert.

SusanneBerlin
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Re: Ehefrau des Händlers verkauft dasselbe wie Ehemann priva

Beitrag von SusanneBerlin » 04.08.18, 08:42

Bleibt noch meine Hauptfrage: ist so ein "Geschäftsmodell" (falls mein Bekannter da nicht was falsch verstanden und interpretiert hat) noch legal, Grauzone oder was sonst?
Das Geschäftsmodell des Ehemanns ist legal, das der Frau nicht.

Das Verkaufen der vom Ehemann abgekauften Restposten und Rückläufer auf dem Internetakuktionshaus ist nicht als Privatverkauf einzuordnen, sondern gewerbliches Handeln. Die Frau betreibt ein Gewerbe, müsste sich also beim Gewerbeamt anmelden, beim Internetauktionshaus darstellen dass sie Händler ist und Gewährleistung auf die Produkte geben und ihre Einkünfte versteuern. Dass es mitunter nicht "auffliegt" ändert nichts an der dargestellten Rechtslage.
Grüße, Susanne

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