Bei wem liegt Verantwortung für Qualitätkontrolle?

Recht der Unternehmen und Einzelfirmen, Handelsvertreterrecht, Provisionsrecht, Franchiserecht

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Christian789
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Bei wem liegt Verantwortung für Qualitätkontrolle?

Beitrag von Christian789 » 20.08.18, 14:50

Hallo,

ich habe eine Frage zu einem fiktiven Fall den ich mir überlegt habe.

Angenommen ein Kunde beauftragt Teile die zerspant werden müssen und für diesen Auftrag ist besonders Material nötig, welches der Kunde dem Fertiger zusendet. Der Kunde steht nicht direkt mit dem Fertiger in Kontakt sondern mit einem Dienstleister. Es gibt keinen direkten Kontakt zwischen dem Kunden und dem Fertiger und somit gibt es eine Verzögerung in der Kommunikation.

Der Fertiger stellt vor Beginn der Fertigung fest, dass das Material eine sehr große Geradheitsabweichung hat. Daraufhin macht der Fertiger über den Umweg Dienstleister den Kunden darauf aufmerksam, dass er es sich vorbehält den Auftrag abzubrechen, falls es zu Schwierigkeiten bei der Fertigung kommt.

Nun teilt der Kunde telefonisch dem Dienstleister mit, dass der Auftrag angehalten werden soll bis neues, gerades Material eintrifft. In der Zwischenzeit hat der Fertiger aber den ganzen Auftrag abgearbeitet und die Teile bereits an den Kunden verschickt.

Wer trägt in diesem Fall die Verantwortung dafür, dass aus ungeradem Material Teile mit schlechter Qualität hergestellt wurden? Hätte der Fertiger die Pflicht gehabt eigenständig den Auftrag anzuhalten? Ist der Kunde verantwortlich dafür sicherzustellen, dass sich das Ausgangsmaterial innerhalb einer Toleranz befindet, obwohl der Kunde es möglicherweise vom Materiallieferanten nur weitergeleitet hat? Möglicherweise hatte der Kunde ein Angebot vorliegen in dem keine maximale Geradheitsabweichung gefordert wurde.


Wie ist die Rechtslage in diesem fiktiven Fall?


Mit freundlichen Grüßen

Christian

SusanneBerlin
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Re: Bei wem liegt Verantwortung für Qualitätkontrolle?

Beitrag von SusanneBerlin » 20.08.18, 14:59

Was hat das mit Verbraucherrecht zu tun? Hier geht es offensichtlich um Geschäfte zwischen Gewerbetreibenden.
Wie ist die Rechtslage in diesem fiktiven Fall?
So wie vertraglich vereinbart.Erteilt man ohne nähere Vereinbarungen (zu Abweichungen Toleranzen und ohne Beauftragung einer Qualitätskontrolle) telefonisch einen Auftrag, kann man jetzt wunderbar mit dem Dienstleiter diskutieren, wer für den Schlammassel verantwortlich ist.
Grüße, Susanne

ktown
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Re: Bei wem liegt Verantwortung für Qualitätkontrolle?

Beitrag von ktown » 20.08.18, 15:16

Da stellen sie für mich zwei Fragen:
1. Wieso wartet der Fertiger nicht die Antwort ab?
2. Woher weiß der Kunde, dass das nun erstellte Produkt eine schlechte Qualität hat?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

lottchen
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Re: Bei wem liegt Verantwortung für Qualitätkontrolle?

Beitrag von lottchen » 20.08.18, 15:46

Christian789 hat geschrieben: Wer trägt in diesem Fall die Verantwortung dafür, dass aus ungeradem Material Teile mit schlechter Qualität hergestellt wurden?
Der Kunde, der vorgegeben hatte, genau dieses Material zu verwenden? Wieso ist dem Kunden nicht vor dem Versenden aufgefallen, dass er minderwertiges Material rausschickt? Gerade wenn ich aus eigenem Material was fertigen lasse schaue ich doch doppelt und dreifach hin was da auf meine Verantwortung rausgeht?
Ansonsten stimme ich zu, dass die beiden Fragen von ktown beantwortet werden sollten.

karli
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Re: Bei wem liegt Verantwortung für Qualitätkontrolle?

Beitrag von karli » 20.08.18, 17:11

Wurde überhaupt eine Qualität definiert und wurde diese Qualität Vertragsbestandteil?
Wenn du kritisiert wirst, dann mußt du irgend etwas richtig machen, denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat. (Bruce Lee)
Achtung: Meine Beiträge können Meinungsäusserungen, Denkanstösse, sowie Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten.

freemont
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Re: Bei wem liegt Verantwortung für Qualitätkontrolle?

Beitrag von freemont » 20.08.18, 18:31

Christian789 hat geschrieben:...
Wie ist die Rechtslage in diesem fiktiven Fall?


Mit freundlichen Grüßen

Christian
Unklar,

vermutlich handelt es sich um einen Werklieferungsvertrag, siehe § 650 BGB:
1Auf einen Vertrag, der die Lieferung herzustellender oder zu erzeugender beweglicher Sachen zum Gegenstand hat, finden die Vorschriften über den Kauf Anwendung. 2§ 442 Abs. 1 Satz 1 findet bei diesen Verträgen auch Anwendung, wenn der Mangel auf den vom Besteller gelieferten Stoff zurückzuführen ist.
Der Verweis auf § 442 bedeutet, dass Mangelrechte des Bestellers ausgeschlossen sind, wenn die Mangelhaftigkeit des Endprodukts auf das von ihm zugelieferte Material zurückzuführen ist.

So scheint das hier gewesen zu sein. Grundsätzlich hat der Besteller das also selbst zu verantworten.

Eine eher schwache Hoffnung wäre ein denkbarer Schadensersatzanspruch. Der "Fertiger" scheint Erfüllungsgehilfe des "Dienstleisters" zu sein. Der hatte rechtzeitig, bevor der Auftrag ausgeführt wurde, auf den drohenden Schaden hingewiesen. Der Vertrag ist wohl vom Besteller mit dem "Dienstleister" geschlossen. Wenn der nun verbummelt hat, den Besteller auf den drohenden Schaden unverzüglch hinzuweisen, der Auftrag deshalb erst zu spät abgebrochen werden konnte, könnte man daraus eine vertragliche Nebenpflichtverletzung, eine Haftung und letztendlich einen Schadensersatzanspruch ableiten.

Wie lange hat es gedauert, bis der Dienstleister den Besteller informiert hat, obwohl er Kenntnis vom drohenden Unheil hatte. Man müsste überlegen, was in dem Fall "unverzüglich" bedeutet. Unklar:
Der Fertiger stellt vor Beginn der Fertigung fest, dass das Material eine sehr große Geradheitsabweichung hat. Daraufhin macht der Fertiger über den Umweg Dienstleister den Kunden darauf aufmerksam, dass er es sich vorbehält den Auftrag abzubrechen, falls es zu Schwierigkeiten bei der Fertigung kommt.

Nun teilt der Kunde telefonisch dem Dienstleister mit, dass der Auftrag angehalten werden soll ...
Unklar auch wie lange es dann gedauert hat, bis der Besteller den Auftrag anhalten wollte. Wenn der zu lange gebraucht hat, ginge das sowieso allein auf seine Kappe. Um welche Zeiträume geht es bei den jeweiligen Meldungen, Minuten, Stunden, Tage?

Zafilutsche
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Re: Bei wem liegt Verantwortung für Qualitätkontrolle?

Beitrag von Zafilutsche » 23.08.18, 08:58

Ich stelle mir das so vor, dass vor dem Fertigungsbeginn, alle Freigaben auf "grün" stehen.
Der unterwiesen und aktuell geschulte Mitarbeiter darf an der "Freigegebenen" Maschine mit dem "Freigegebenen" Arbeits- und Prüf- und Meßeinrichtungen" das Freigegebene "Rohmaterial" nach der "Freigegebenen" Fertigungszeichnung und dem "Freigegebenen" Fertigungsprogramm den "Freigegebenen" Auftrag starten. :oops:
Die Thematik "Sperrung" zusammenhängend mit der Frage wer Sonderfreigaben machen darf ist vermutlich nicht ausreichend abgefrühstückt worden.
Vielleicht ein Organisationsverschulden? Da wäre m.E. Chefe verantwortlich der wiederum vielleicht einen QM beauftragt haben könnte/aber nicht muß.

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