Fristen für Nachbearbeitung von Bildern vom Fotografen

Recht der Unternehmen und Einzelfirmen, Handelsvertreterrecht, Provisionsrecht, Franchiserecht

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Hirnfreund
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Fristen für Nachbearbeitung von Bildern vom Fotografen

Beitrag von Hirnfreund » 09.10.18, 11:50

Folgender fiktiver Fall:

Firma A bucht einen freiberuflichen Fotografen für Portraitsfotos.
Vereinbart wird, dass der Fotograf die Aufnahmen anfertigt und der Kunde, also Firma A, sich aus dem gesamten Bildmaterial 10 Bilder aussuchen kann, die der Fotograf dann noch nachbearbeitet (Retouchen).

In den AGB des Fotografen steht allerdings, dass die Bildauswahl für eine Bildauswahl seitens des Kunden innerhalb von 10 Tagen getroffen werden muss, weil sonst der Anspruch auf Nachbearbeitung erlischt, der Kunde - hier Firma A - also KEINE nachbearbeiteten Bilder enthält, sondern nur das unbearbeitete Gesamtmaterial. Also vereinfacht: Die Bildauswahl für die Nachbearbeitung muss innerhalb von 10 Tagen dem Fotografen mitgeteilt sein, sonst gibt es keine nachbearbeiteten Bilder.

Der Rechnungsbetrag bliebe gleich, also zahlbar wäre die vereinbarte Summe (in der eigentlich die Nachbearbeitung enthalten ist).

Der Kunde, Firma A, hat diese AGB des Fotografen vor Auftragserteilung übersandt bekommen und diesen durch Auftragserteilung zugestimmt. Nun aber, aus welchem Grund auch immer, lässt Firma A die o.g. 10 Tage verstreichen und übermittelt dem Fotografen erst nach bspw. 14 oder 20 Tagen die Auswahl der nachzubearbeitenden Bilder. Der Fotograf weigert sich die Bilder nachzubearbeiten und verweist auf die AGB und die 10-Tage Frist. Der Fotograf senkt auch nicht den Preis, obgleich nun keine Nachbearbeitung stattfinden soll.

Hätte der Kunde in diesem fiktiven Fall also keinen Anspruch mehr auf eine Nachbearbeitung? Ist der Fotograf im Recht? Sind solche Fristen zulässig? Kann der Fotograf trotzdem den vollen Preis verlangen?

Freue mich über Hilfe, vielen Dank!

winterspaziergang
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Re: Fristen für Nachbearbeitung von Bildern vom Fotografen

Beitrag von winterspaziergang » 09.10.18, 18:50

Hirnfreund hat geschrieben:Also vereinfacht: Die Bildauswahl für die Nachbearbeitung muss innerhalb von 10 Tagen dem Fotografen mitgeteilt sein, sonst gibt es keine nachbearbeiteten Bilder.

Der Rechnungsbetrag bliebe gleich, also zahlbar wäre die vereinbarte Summe (in der eigentlich die Nachbearbeitung enthalten ist).

Der Fotograf senkt auch nicht den Preis, obgleich nun keine Nachbearbeitung stattfinden soll.
:?: wozu betont man das? das war bei o.a. Vertrag doch auch nicht zu erwarten.
Hätte der Kunde in diesem fiktiven Fall also keinen Anspruch mehr auf eine Nachbearbeitung? Ist der Fotograf im Recht? Sind solche Fristen zulässig? Kann der Fotograf trotzdem den vollen Preis verlangen?
zur Frage: M.E. ja, wenn man als zahlbare Grundleistung die Fotos sieht und die Nachbearbeitung als Bonus, der innerhalb von 10 Tagen beantragt werden muss. Es kann z.B. für die Planung von Arbeiten wichtig sein zu wissen, wann ein Auftrag abgeschlossen ist und nicht 30, 60, 90 Tage später damit rechnen zu müssen, dass der Kunde
aus welchem Grund auch immer
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FM
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Re: Fristen für Nachbearbeitung von Bildern vom Fotografen

Beitrag von FM » 09.10.18, 19:43

Was hat das mit Verbraucherrecht zu tun, wenn der Kunde eine "Firma" ist?

Besondere Schutzrechte für Verbraucher gelten eben gerade dann nicht.

ktown
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Re: Fristen für Nachbearbeitung von Bildern vom Fotografen

Beitrag von ktown » 09.10.18, 19:48

FM hat geschrieben:Was hat das mit Verbraucherrecht zu tun, wenn der Kunde eine "Firma" ist?

Besondere Schutzrechte für Verbraucher gelten eben gerade dann nicht.
Das stimmt. :wink: Daher verschieb ich mal.
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Re: Fristen für Nachbearbeitung von Bildern vom Fotografen

Beitrag von Hirnfreund » 10.10.18, 09:51

mmh ... also eine Antwort hab ich bislang nicht aus den Beiträgen erkennen können.

Kann mir jemand nicht mehr sagen? Wie siehts in diesem fiktiven Fall aus?

SusanneBerlin
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Re: Fristen für Nachbearbeitung von Bildern vom Fotografen

Beitrag von SusanneBerlin » 10.10.18, 10:29

Meine unverbindliche Meinung als Laie:

Hätte der Kunde in diesem fiktiven Fall also keinen Anspruch mehr auf eine Nachbearbeitung? Er hat keinen Anspruch mehr.

Ist der Fotograf im Recht? Ja.

Sind solche Fristen zulässig? Ja, es herrscht Vertragsfreiheit.

Kann der Fotograf trotzdem den vollen Preis verlangen? Was heißt "trotzdem"? Der Fotograph hat den Vertrag erfüllt, also steht ihm das vereinbarte Honorar zu.
Grüße, Susanne

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Re: Fristen für Nachbearbeitung von Bildern vom Fotografen

Beitrag von ktown » 10.10.18, 10:41

In dem formulierten steht ja auch nicht drin, dass die Nachbearbeitung Geld kostet. So wie ich das verstehe, ist das eine kostenlose Serviceleistung, die zeitlich begrenzt angeboten wird.
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Re: Fristen für Nachbearbeitung von Bildern vom Fotografen

Beitrag von Hirnfreund » 10.10.18, 15:56

Also ... hier noch ein paar Hintergrundinfos zu meiner Frage.

In dem fiktiven Angebot des Fotografen an den Kunden standen die Leistungen:

Fotografieren von 10 - 15 Uhr
Übermittlung der Bilder via Server
Nachbearbeitung von 10 Bildern
Übertragung der Nutzungsrechte
An- und Abfahrten

Dann stand da: Für diese genannten Leistungen ergibt sich folgender Preis: XY,00 Euro.

Aufgrund dieses fiktiven Angebots wurde der Auftrag erteilt. Bei den Angebot waren aber eben auch besagte AGB beigefügt mit dem Hinweis, dass die AGB für das Angebot bzw. die Auftragserteilung und Auftragsabwicklung gelten.

Also "Bonus" sehe ich die Nachbearbeitung daher nicht, sondern als vereinbarte Leistungen. Oder???
Diese fiktiv vereinbarte Leistung (also die Nachbearbeitung der 10 Bilder) soll nun aber durch die 10-Tage-Frist (vgl. Anfangsthread) aufgehoben bzw. eingeschränkt werden.

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Re: Fristen für Nachbearbeitung von Bildern vom Fotografen

Beitrag von ktown » 10.10.18, 16:03

Hirnfreund hat geschrieben:Also "Bonus" sehe ich die Nachbearbeitung daher nicht, sondern als vereinbarte Leistungen.
Das sagt aber immer noch nichts darüber aus, ob dieses Leistung einem Honorar zugrunde liegt und die AGB wurden ja auch akzeptiert.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Re: Fristen für Nachbearbeitung von Bildern vom Fotografen

Beitrag von Hirnfreund » 10.10.18, 16:14

Ich habe doch geschrieben, das als LEISTUNG (!!!) die Bildbearbeitung angeboten. Sie war "Paketinhalt".
Ferner stand im Angebot der Satz: "Für o.a. LEISTUNGEN (wo eben auch die Bildbearbeitung aufgeführt war) ergibt sich ein Preis von XY Euro."

Somit ist doch davon auszugehen, dass die Bildbearbeitung eine Leistung ist, die im Gesamtpreis mitkalkuliert wurde.
Eine Leistung die der Kunde aber nur dann bekommt, wenn er - salopp gesagt - schnell genug ist und die Frist aus den AGB nicht verpasst.

Das ist doch so wie ein Drei-Gänge-Menü im Restaurant. Ich bezahle drei Gänge insgesamt. Ich bekomme alle drei Gänge. Aber was ist,
wenn ich zugestimmt habe, das ich das Dessert nur dann bekomme, wenn ich die Hauptspeise in maximal 10 Minuten aufgegessen habe.

???

FM
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Re: Fristen für Nachbearbeitung von Bildern vom Fotografen

Beitrag von FM » 10.10.18, 16:51

Das ist eben Annahmeverzug. Der Kunde hat die Dienstleistung bestellt und bezahlt, aber nicht innerhalb der vereinbarten Zeit abgerufen. Bezahlen muss er sie trotzdem.

Da wohl ein Werkvertrag vorliegt: https://dejure.org/gesetze/BGB/642.html Anzurechnende Ersparnis kommt kaum infrage, falls es Digitalfotos sind, der weniger verbrauchte Strom dürfte kaum meßbar sein.

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Re: Fristen für Nachbearbeitung von Bildern vom Fotografen

Beitrag von winterspaziergang » 10.10.18, 17:11

Hirnfreund hat geschrieben: Das ist doch so wie ein Drei-Gänge-Menü im Restaurant. Ich bezahle drei Gänge insgesamt. Ich bekomme alle drei Gänge. Aber was ist,
wenn ich zugestimmt habe, das ich das Dessert nur dann bekomme, wenn ich die Hauptspeise in maximal 10 Minuten aufgegessen habe.
???
Der Vergleich hinkt, denn die Zeit ist viel zu knapp bemessen. Das ist im Fall der Bildbearbeitung mit 10 Tagen Zeit die Bilder zu nennen, die man gern bearbeitet hätte, nicht zu sehen.

Um beim Restaurant zu bleiben: Man bestellt einen Tisch um 19 Uhr und ein Drei-Gänge-Menü. Man kann sich zwischen den Gängen Zeit lassen, aber der letzte Gang muss um 22 Uhr bestellt sein, denn danach schließt die Küche. Aus irgendeinem Grund fällt dem Gast erst um 23 Uhr ein, dass er noch das Dessert bestellten möchte. Dann wird er leer ausgehen und dennoch das Menu zahlen müssen.
Also "Bonus" sehe ich die Nachbearbeitung daher nicht, sondern als vereinbarte Leistungen. Oder???
Der Begriff Bonus wurde gewählt, ehe die fiktiven Vertragsinhalte genannt wurden.
Diese fiktiv vereinbarte Leistung (also die Nachbearbeitung der 10 Bilder) soll nun aber durch die 10-Tage-Frist (vgl. Anfangsthread) aufgehoben bzw. eingeschränkt werden.
nein, nicht "nun"- das stand von Anfang an fest.

Hirnfreund
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Re: Fristen für Nachbearbeitung von Bildern vom Fotografen

Beitrag von Hirnfreund » 10.10.18, 19:40

Ok. Alles klar! Vielen Dank! Mit dem Begriff "Annahmeverzug" ist mir sehr geholfen!

:D

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