Ausschreibung verloren durch verschlampten Postbrief

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Hirnfreund
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Ausschreibung verloren durch verschlampten Postbrief

Beitrag von Hirnfreund » 26.01.19, 14:03

Hallo,

folgender fiktiver Fall: Ein Grafiker wird von der Behörde einer großen Stadt aufgefordert, ein Angebot für eine Plakatgestaltung abgezugeben. Die Ausschreibung ist nicht öffentlich, der Grafiker wurde neben 3 weiteren Grafikern explizit von der Behöre eingeladen, an der Ausschreibung teilzunehmen. Somit hat der Grafiker 3 Konkurenten. Es gibt eine Abgabefrist, in der das Angebot eingegangen sein muss, bei einer verspäteten Abgabe des Angebots, scheidet man aus. Soweit so gut.

Der Grafiker in diesem fiktiven Fall schreibt sein Angebot und schickt es rechtzeitig über ein sehr bekanntes Postzustellungsunternehmen per Einschreiben ab, in der festen Annahme, das Angebot würde mehr als rechzeitig eintreffen. Nun aber passiert es: Das Einschreiben mit dem Angebot kommt nicht rechtzeitig an, sondern kommt extrem verspätet an. Die Zustellzeit wird von dem Postunernehmen mit 3-5 Werktagen angeben, das Einschreiben trifft aber erst nach bspw. 14 Tagen ein, die Abgabefrist für das Angebot somit längst vorbei ist und der Grafiker den Auftrag nicht erhält. Oder sagen wir einmal, der Brief würde überhaupt nicht zugestellt und geht verloren.

Hat der Grafiker irgendwelche Möglichkeiten, das Postzustellungsunternehmen zu belangen, bzw. Schadensansprüche zu stellen. Es ging bei der Ausschreibung um viel Geld - und hätte das Postzustellunternehmen nicht "geschlampt" hätte der Grafiker die Ausschreibung gewonnen und den Auftrag erhalten.

Ich hoffe auf Hilfe bei diesem fiktiven Fall.

Sollte der Thread in einem falschen Unterforum sein (???) bitte ich um Entschuldigung und Verschiebung in das korrekte Forum!

DANKE ! :kopfstreichel:

Tastenspitz
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Re: Ausschreibung verloren durch verschlampten Postbrief

Beitrag von Tastenspitz » 26.01.19, 14:25

Für gewöhnlich haften Zustelle nur bis zu einem Betrag x für verlorene Zustellungen. Folgeschäden sind idR. ausgeschlossen. Hier muss man sich aber die AGB des Zustellers ansehen. Afaik ist die Haftungssumme bei Einschreiben bei dem Gelben Zusteller zB. bei < 100 €.
Letztlich ist aber nmE. das da
Hirnfreund hat geschrieben:hätte das Postzustellunternehmen nicht "geschlampt" hätte der Grafiker die Ausschreibung gewonnen und den Auftrag erhalten.
dann im Klagefall nachzuweisen.
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Re: Ausschreibung verloren durch verschlampten Postbrief

Beitrag von FM » 26.01.19, 15:05

Tastenspitz hat geschrieben:Afaik ist die Haftungssumme bei Einschreiben bei dem Gelben Zusteller zB. bei < 100 €.
Deutlich unter 100 Euro, nämlich 25 (bei Einwurf 20).

Finanziell hat das also fast keine Bedeutung, es geht nur um die Nachweisbarkeit der Sendung und um die Sendungsverfolgung. Mit letzterer hätte der Absender bemerkt, dass es knapp wird und er die Unterlagen besser selbst hinbringt.

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Re: Ausschreibung verloren durch verschlampten Postbrief

Beitrag von webelch » 26.01.19, 15:16

Gerade bei solchen Ausschreibungen ist es eigentlich üblich, dass das Angebot nachweisbar beim Ausschreibenden abgegeben wird. Entweder persönlich oder durch einen direkt beauftragten Boten.

Die rechtliche Frage ist mit der dargestellten Haftungsregel des Postunternehmens ja bereits erläutert.

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Re: Ausschreibung verloren durch verschlampten Postbrief

Beitrag von ktown » 26.01.19, 16:21

Hirnfreund hat geschrieben:hätte der Grafiker die Ausschreibung gewonnen und den Auftrag erhalten.
und das weiß der Grafiker woher? Haben die Mitkonkurenten ihre Angebotssumme öffentlich preis gegeben?
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Re: Ausschreibung verloren durch verschlampten Postbrief

Beitrag von FM » 26.01.19, 18:28

Die Angebotssumme wäre nur aussagekräftig, wenn alle Plakate identisch waren.

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Re: Ausschreibung verloren durch verschlampten Postbrief

Beitrag von Tastenspitz » 28.01.19, 09:03

Die Angebotssumme wäre auch nur ein Anhalt. Der Schaden ist nmE. der entgangene Gewinn und der ist regelmäßig nicht dem Umsatz/Angebot gleichzusetzen.
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