B2B / Gewährleistung: Fortführung kaputter Software

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Ms.Marple
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B2B / Gewährleistung: Fortführung kaputter Software

Beitrag von Ms.Marple » 28.03.19, 07:11

Guten Tag,

ich vermute, dass beim Erstellen von Software (insb. Webseiten) ein Werkvertrag zugrunde liegt. Das ist in Ordnung für komplett neue Software.

Was ist jedoch, wenn der Auftraggeber die Software (z.B. alte Webseite) mitbringt und diese bereits Mängel enthält?

Hier fallen mir 3 Szenarien ein:

1. Der Mangel war verdeckt, die Beauftragte Leistung baut auf diesem Mangel auf und ist entsprechend wackelig.
(Beispiel: Mit der neuen Leistung erhalten alle Benutzer eine Mail; bei der Hälfte der Benutzer blockiert die bestehende Programmierung den Versandt, weil das Geschlecht fehlt)

2 Der Mangel ist durch Messungen erkennbar, jedoch nicht offenkundig, und die Leistung baut auf diesem Mangel auf.
(Beispiel: Mit der neuen Leistung kann die Software drucken, jedoch kann nun jeder mit passender URL drucken, was durch automatische Analysen aufgefallen wäre)

3. Durch die Leistung entstehen Mangel an anderer Stelle in der Software
(Beispiel: Die Startseite wird blau; wodurch ungewollt in der Verwaltung alle Knöpfe verschwinden)


Ich bin der Meinung, dass 1 nicht unter die Gewährleistung fällt.
2 ist strittig - es ist nicht Fahrlässig aber auch nicht mit Geduld gelöst worden und könnte durch Vorgänge (z.B. Gutachten bei Übernahme) vermieden werden.

Aber wird es dann Teil meiner Gewährleistung, wenn ich über den Mangel Bescheid weis und auf dem wackeligen Gerüst einen Panzer drauf baue bis es Wochen später kracht?

Das 3. ist Quasi-Verdeckt und die Abnahme oder Kontrolle müsste nicht nur die geänderte Stelle prüfen, sondern das gesamte System. Das macht die 15 Minuten Änderung zu einer unverhältnismäßigen 4 Stunden Änderung.

Wie sieht es also mit Gewährleistung aus, bei Übernahme von Software, die zuvor bereits einige Mängel hatte?
Gäbe es noch mehr Szenarien als die 3 Unterteilungen?

ktown
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Re: B2B / Gewährleistung: Fortführung kaputter Software

Beitrag von ktown » 28.03.19, 07:19

Ms.Marple hat geschrieben:as ist jedoch, wenn der Auftraggeber die Software (z.B. alte Webseite) mitbringt und diese bereits Mängel enthält?
Naja zumindestens wissen wir, dass hier kein Verbraucher im Spiel ist. :wink:
Hab deswegen mal verschoben.
Ms.Marple hat geschrieben:Ich bin der Meinung, dass 1 nicht unter die Gewährleistung fällt.
Ich bin der Meinung, dass es im B2B keine Gewährleistung wie im Verbraucherrecht gibt.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Ms.Marple
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Re: B2B / Gewährleistung: Fortführung kaputter Software

Beitrag von Ms.Marple » 28.04.19, 11:37

ktown hat geschrieben:Ich bin der Meinung, dass es im B2B keine Gewährleistung wie im Verbraucherrecht gibt.
Das ist richtig, die ist nicht wie im Verbraucherrecht. Aber sie existiert, wie Anwalt und IHK (in persönlichen Gesprächen) sagen.
Dementsprechend frage ich mich bis heute, wie die Situationen ausgelegt werden würden.

ktown
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Re: B2B / Gewährleistung: Fortführung kaputter Software

Beitrag von ktown » 28.04.19, 11:55

Ms.Marple hat geschrieben:
ktown hat geschrieben:Ich bin der Meinung, dass es im B2B keine Gewährleistung wie im Verbraucherrecht gibt.
Das ist richtig, die ist nicht wie im Verbraucherrecht. Aber sie existiert, wie Anwalt und IHK (in persönlichen Gesprächen) sagen.
Dementsprechend frage ich mich bis heute, wie die Situationen ausgelegt werden würden.
Na dann fragen sie doch den Anwalt oder/und die IHK. :wink:
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SusanneBerlin
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Re: B2B / Gewährleistung: Fortführung kaputter Software

Beitrag von SusanneBerlin » 28.04.19, 12:27

Meiner Meinung nach sind die Beispiele 1 und 2 keine Mängel der Software.

Wenn die Software auf eine Datenbank zugreift und diese vom Auftraggeber zur Verfügung gestellte Datenbank unvollständig ist, dann kann die Software nicht so funktionieren, wie sie soll.

Mit Gewährleistung hat das alles nichts zu tun, denn die neu erstellte SW funktioniert ja, es ist nur ein Kompatibilitätsproblem mit den vom Auftraggeber zur Verfügung gestellten bereits vorhandenen Komponenten. Für Fehler/Unvollständigkeit der bereits vorhandenen (von anderen erstellten) Komponenten/Datenbanken haftet der Auftragnehmer nicht.
Grüße, Susanne

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Re: B2B / Gewährleistung: Fortführung kaputter Software

Beitrag von ktown » 28.04.19, 13:36

SusanneBerlin hat geschrieben: Für Fehler/Unvollständigkeit der bereits vorhandenen (von anderen erstellten) Komponenten/Datenbanken haftet der Auftragnehmer nicht.
Grundsätzlich würde ich ihnen Recht geben, da es sich hier aber um einen B2B Vertrag handelt, können wir nicht wissen, was alles Vertragsinhalt war und ist.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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cherokee
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Re: B2B / Gewährleistung: Fortführung kaputter Software

Beitrag von cherokee » 29.04.19, 09:22

Keine Ahnung ob es kompatibel ist, aber aus dem Handwerk kenne ich es so, dass wenn ein Nachfolgendes Unternehmen eine Anlage oder einen Bau erweitert oder repariert, dann dieses Unternehmen für die Mängel die sich daraus ergeben haftet. Kleines Beispiel: Ein Handwerker errichtet einen Parkettfussboden, nach Jahren lösen sich ein paar Stäbchen. Ein anderer herbeigerufener Parkettleger lehnt den Reparaturauftrag ab, weil er ansonsten für den ganzen Boden einstehen müsste und da er nicht weiß, wie der gesamte Boden aufgebaut ist und welche Mittel und Kleber verwendet wurden, ist ihm das Risiko zu hoch da ran zu gehen.

Ms.Marple
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Re: B2B / Gewährleistung: Fortführung kaputter Software

Beitrag von Ms.Marple » 10.06.19, 08:31

Vielen Dank für die vielen Antworten. Cherokee bringt es nahezu auf den Punkt: Am liebsten garnicht erst anfangen.
SusanneBerlin hat geschrieben:
28.04.19, 12:27
Meiner Meinung nach sind die Beispiele 1 und 2 keine Mängel der Software.
Doch, sagen wir die Software verhält sich nicht wie gewollt. Sie macht den Fehler, während alles um sie herum wunderbar vollständig und stabil ist.
SusanneBerlin hat geschrieben:
28.04.19, 12:27
Mit Gewährleistung hat das alles nichts zu tun, denn die neu erstellte SW funktioniert ja, es ist nur ein Kompatibilitätsproblem mit den vom Auftraggeber zur Verfügung gestellten bereits vorhandenen Komponenten. Für Fehler/Unvollständigkeit der bereits vorhandenen (von anderen erstellten) Komponenten/Datenbanken haftet der Auftragnehmer nicht.
Wer kann mir sagen:
a) Warum ein Mangel, in der (vom neuen Dienstleister) ausgelieferten Software, nichts mit Gewährleistung zu tun hat?
b) Welche Rechtsprechung gesagt hat, dass der Auftagnehmer nicht für Fehler/Unvollständigkeit der bereits vorhandenen Komponenten (also auch der Software selbst) haftet?

Schlussendlich suche ich nach einer soliden Antwort auf letztere Frage und ziehe ebenso ein Beispiel wie Cherokee:

Auf dieser Webseite wird ein Kontaktformular hinzugefügt (vom neuen Dienstleister). Plötzlich stockt der Mail-Versandt, weil die Komponente für Mailing einen Mangel aufweist (vom vorherigen Dienstleister verursacht). Der Server versucht die Mail im Sekundentakt zuzustellen und läuft ebenso oft vor die Wand, so dass die Seite innerhalb von 15 Minuten überlastet ist und nichts mehr geht - jeder Besucher steht vor einer leeren Seite, die ewig lädt.

Wieder nur ein Beispiel, das klarstellen soll: Irgendetwas führt unerwarteter Weise zu diesem Problem, weil zuvor schon etwas im argen war. Ein kaputtes Fundament auf dem die eigene Leistung / das eigene Werk aufbaut und zusammenbricht.

Ich bin mir sicher, dass es eine Aussage gibt, die vornehmlich für vergleichbare Szenarien getroffen wird. Damit ist nicht "im Zweifel für den angeklagten" gemeint und nehmen wir an es gibt einen Vertrag auf Serviette mit "Wir machen XYZ für 500,- €" - für alle die wissen wollen was im Vertrag steht.

SusanneBerlin
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Re: B2B / Gewährleistung: Fortführung kaputter Software

Beitrag von SusanneBerlin » 10.06.19, 08:44

Wo ist denn eigentlich das Problem, weigert sich der Dienstleister die Fehler zu beheben?
Grüße, Susanne

ktown
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Re: B2B / Gewährleistung: Fortführung kaputter Software

Beitrag von ktown » 10.06.19, 09:02

Ms.Marple hat geschrieben:
10.06.19, 08:31
Warum ein Mangel, in der (vom neuen Dienstleister) ausgelieferten Software, nichts mit Gewährleistung zu tun hat?
Weil es, wie schon erwähnt, bei B2B es das Gewährleistungsrecht wie im Verbraucherrecht so nicht gibt.
Ms.Marple hat geschrieben:
10.06.19, 08:31
Schlussendlich suche ich nach einer soliden Antwort auf letztere Frage
Ich zitiere mich mal selbst
ktown hat geschrieben:
28.04.19, 11:55
Na dann fragen sie doch den Anwalt oder/und die IHK.
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