Einstellungsvoraussetzungen für FH-Professur

Recht der Studenten, Hochschulprüfungsrecht, Recht der Hochschulmitarbeiter, soweit nicht Arbeits- oder Beamtenrecht

Moderator: FDR-Team

Antworten
Klaus Unruh
Topicstarter
FDR-Mitglied
Beiträge: 65
Registriert: 16.06.05, 01:09

Einstellungsvoraussetzungen für FH-Professur

Beitrag von Klaus Unruh » 21.04.09, 00:37

Hallo

In den Hochschulgesetzes der Länder, die ich kenne, ist geregelt, das Fachhochschulprofessoren i.d.R. 5 Jahre gearbeitet haben müssen, davon drei Jahre außerhalb der Universität.

Hierzu folgende Fragen:

a) Ist die Tätigkeit hauptberufliche Vollzeittätigkeit, oder gilt auch freiberufliche Tätigkeit? Gilt auch Teilzeittätigkeit?

b) Gilt eine (freiberufliche) Tätigkeit auch dann erbracht, wenn sie neben dem Studium stattgefunden hat, oder zählt eine (freiberufliche) Tätigkeit erst nach dem Studium?

edit: Ein Auszug aus dem Hamburger Hochschulgesetz:

§ 15, 4.b:

4. darüber hinaus je nach den Anforderungen der Stelle
...
b) besondere Leistungen bei der Anwendung oder Entwicklung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden in einer mindestens fünfjährigen beruflichen Praxis, von der mindestens drei Jahre außerhalb des Hochschulbereichs ausgeübt worden sein müssen.

Im online zur Verfügung gestellten Bewerbungsbogen kommt dann die Formulierung:

Berufliche Tätigkeit nach dem Diplom

Vielen Dank für Antworten

Klaus

Rembrandt
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 2636
Registriert: 06.08.05, 07:39
Wohnort: Saarbrücken

Beitrag von Rembrandt » 21.04.09, 16:43

Bei solchen Stellenausschreibungen gibt es immer einen gewissen Auswahlspielraum. Fehlende Kriterien können durch andere Leistungen ausgeglichen werden.

Es dürfte aber nicht allzu leicht sein, in die engere Wahl zu kommen.

RA Erik Günther
FDR-Moderator
Beiträge: 202
Registriert: 11.04.05, 17:23
Wohnort: Köln
Kontaktdaten:

Beitrag von RA Erik Günther » 21.04.09, 21:12

Die Berufungsvoraussetzungen sind in den Hochschulgesetzen der Länder exakt geregelt.

Inzwischen gab es eine Phase der Angleichung zwischen Universitäten und Fachhochschulen. Insbesondere Berufungen in nichtkünstlerischen Fächern (Design, Architektur o.ä.) ohne Promotion sind kaum mehr anzutreffen.

Grundsätzlich braucht es:
  • abgeschlossenes Hochschulstudium (je nach LHG auch Universitätsstudium)
    Nachweis der pädagogischen Eignung (regelmäßig auch die Probelehrveranstaltung)
    Promotion von herausragender Qualität oder gleichwertige Leistung (Promotionsadäquanz ist grundsätzlich nur durch Universitätsprof.-gutachten nachweisbar)
    zusätzliche wissenschaftliche Leistungen für Uni (i.d.R. Habilitation oder Juniorprofessur)
    oder mindestens fünfjährige berufliche wissenschaftliche Praxis, davon ein Teil (meist drei Jahre) außerhalb des Hochschulbereichs für die FH-Professur
Ausnahmen sind nur in ganz besonderen Fällen möglich, das betrifft den so genannten Genieparagrafen, bei dessen Anwendung auf bestimmte Berufungsvoraussetzungen verzichtet werden kann. Dazu muss das Fach den Verzicht auf bestimmte Berufungsvoraussetzungen zulassen und eine ganz besondere Eignung des Bewerbers für die Stelle festgestellt werden könnnen.

Hinsichtlich der Praxiszeit zählt grundsätzlich natürlich nicht die Zeit vor Erlangung einer bestimmten wissenschaftlichen Qualifikation. Deswegen tue ich mich schwer mit Zeiten parallel zum Studium. Da es sich beim Studium zumeist auch um eine Vollzeittätigkeit handelt, wäre das ohnehin nur schwer darzustellen. Zeiten parallel zu einem Zweit- oder Masterstudium sollten dagegen anerkennungsfähig sein.

Ob es sich um berufliche Zeiten als Selbständiger oder um Zeiten im Anstellungsverhältnis handelt, macht keinen Unterschied. Bei Teilzeitbeschäftigung gibt es mitunter die Praxis, dass nur eine bestimmte Quote angesetzt wird.

weitere Infos gibt es z.B. unter:

http://www.hlb.de
Erik Günther
[url]http://www.hlb.de/[/url]
[url]http://www.raeg.de/[/url]

Diese Infos sind abstrakte Ausführungen zu rechtlichen Fragen. Damit will und kann ich Rechtsberatung nicht ersetzen. Es erfolgt keine Haftung.

Klaus Unruh
Topicstarter
FDR-Mitglied
Beiträge: 65
Registriert: 16.06.05, 01:09

Beitrag von Klaus Unruh » 22.04.09, 00:48

Herzlichen Dank schon mal für die Antworten.

Herr Günther, Sie schrieben: "Hinsichtlich der Praxiszeit zählt grundsätzlich natürlich nicht die Zeit vor Erlangung einer bestimmten wissenschaftlichen Qualifikation. Deswegen tue ich mich schwer mit Zeiten parallel zum Studium. Da es sich beim Studium zumeist auch um eine Vollzeittätigkeit handelt, wäre das ohnehin nur schwer darzustellen."

Wäre die Darstellbarkeit bei vorliegendem Arbeitszeugnissen / Zeugnissen über freiberufliche Honorartätigkeit gegeben und könnte dann ggf. mit einbezogen werden? Insbesondere dann, wenn der Tätigkeit eine parallel zum Studium stattfindende umfangreiche, aber nicht staatlich unbedingt anerkannte Ausbildung (z.B. als Theaterpädagoge oder etwas anderes) vorausgehen würde? Oder auch Berufstätigkeit im Bereich des betreuten Wohnens, soziale Gruppenarbeit etc. Da ist es ja durchaus üblich (oder war es zumindest in Vor-BA/MA Zeiten), in einem späteren Abschnitt des Studiums umfangreich, und dies ggf. auch in einem Umfang von 30-40 Std. / Woche, zu arbeiten.

Es könnte ja Fälle geben, in dene auf Grund der Notwendigkeit, den Lebensunterhalt zu verdienen eine qualifizierte Berufstätigkeit über längere Zeit hinweg notwendig ist und damit das Studium länger als gewöhnlich dauert.

Des Weiteren schrieben Sie: "Inzwischen gab es eine Phase der Angleichung zwischen Universitäten und Fachhochschulen. Insbesondere Berufungen in nichtkünstlerischen Fächern (Design, Architektur o.ä.) ohne Promotion sind kaum mehr anzutreffen."

Was genau meinen Sie damit, über die Notwendigkeit der Promotion hinausgehend?

Fragt

Klaus

Antworten