zusätzliche Zulassungsvoraussetzungen für eine Prüfung

Recht der Studenten, Hochschulprüfungsrecht, Recht der Hochschulmitarbeiter, soweit nicht Arbeits- oder Beamtenrecht

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Slider79
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zusätzliche Zulassungsvoraussetzungen für eine Prüfung

Beitrag von Slider79 » 22.04.09, 11:32

Hallo zusammen.

Der folgende Sachverhalt beschäftigt mich schon länger.
Ich denke es handelt sich dabei um einen Verstoß gegen die Studienordnung.
Allerdings könnte es auch unter "Freiheit der Lehre" fallen.

Also nehmen wir an ich besuche eine Lehrveranstaltung, für die in der Studienordnung gewisse Zulassungsvoraussetzungen für einen Teilnahme an der Prüfung formuliert sind. Soweit kein Problem.
Nun führt der Professor allerdings weitere Zulassungsvoraussetzungen ein d.h. er verlangt 2 Präsentationen und ein Testat. Nur unter der Bedingung, dass das Testat bestanden wird und die beiden Präsentationen erfolgreich durchgeführt werden, erlaubt er dem Studenten an der Prüfung teilzunehmen. Andernfalls hat der Student keinen Prüfungsanspruch.

Nun ist die Frage: Ist sowas legal?? Hab ich nicht definitiv einen Prüfungsanspruch sobald ich die Zulassungsbedingungen der Studienordnung erfüllt habe?

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Beitrag von Slider79 » 27.04.09, 18:10

Hi

Hat denn niemand eine Antwort auf meine Fragestellung.
Ich dachte eigentlich nicht, dass das für einen Juristen schwierig ist.

Freundlicher Gruß
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dangermouse
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Beitrag von dangermouse » 27.04.09, 18:29

Hallo!

Jede FH und Uni hat schriftlich festgelegt welche vorraussetzungen erfüllt werden müssen.

Bitte direkt an der Fakultät oder beim zuständigen Prof. des Lehramtes nachfragen.
Dieser Prof muss Ihnen alles Fragen dazu beantworten.

katmai
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Beitrag von katmai » 28.04.09, 02:22

Der SV ist nicht ganz klar - handelt es sich um eine Abschlussprüfungszulassung (nach StuPO) oder eine Prüfung im Rahmen einer Lehrveranstaltung zum Scheinerwerb?

Gruß,

katmai.
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Beitrag von Slider79 » 03.05.09, 13:46

Hallo Katmai,

es handelt sich um eine Prüfung im Rahmen einer Lehrveranstaltung zum Scheinerwerb.

Was ergibt sich denn deiner Meinung nach daraus?

Freundlicher Gruß
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Questor

Beitrag von Questor » 03.05.09, 14:07

Die Lehre ist frei. Der Prof setzt fest, dass jemand "über bestimmte Kenntnisse" verfügen muss, bevor er ihn zur Prüfung zulässt. Und diese Kenntnisse muss er gegebenenfalls nachweisen. Das hat nichst mit der Prüfungsordnung zu tun. Das darf er.

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Beitrag von Slider79 » 03.05.09, 14:48

Hallo Questor,

die "Freiheit der Lehre" ist natürlich ein beliebtes Argument, dass auch sicher der Dozent anführen wird.
Ich würde ihn jedoch sofort fragen, ob er eigentlich weiß was die "Freiheit der Lehre" eigentlich bedeutet.
Da geht es um die Freiheit bezüglich Inhalt und Methodik im Zusammenhang mit der Durchführung des Lehrauftrages.
Daher ist dieses Gesetz überhaupt nicht für die von mir geschilderte Problematik relevant!

Freundlicher Gruß
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katmai
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Beitrag von katmai » 03.05.09, 16:13

Ich stimme mit Questor überein - die Freiheit der Forschung und Lehre deckt ebendies nach meinem Dafürhalten ab: Didaktisch ist nunmal für den Lehrenden dies Bestandteil seiner Vorbereitung auf die Prüfung und damit meines Erachtens nicht zu bemängeln. Problematisch würde es allenfalls, wenn das Ganze in keinem Verhältnis mehr stände oder keinerlei Fachbezug mehr aufweisen würde.

Gruß,

katmai.
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Beitrag von Slider79 » 03.05.09, 16:59

Hallo Katmai,

ich bin noch nicht überzeugt. Für mich beinhaltet deine Auslegung der Lehrfreiheit die Möglichkeit der Willkür.
Dazu habe ich noch einen sehr interessanten Link gefunden.
Scheinbar hat sich das Bundesverwaltungsgericht schon 1990 mit einem solchen Sachverhalt beschäftigt (einfach bis zum Seitenende scrollen):
http://www.danisch.de/Uni/Pruefrecht/Fo ... Lehre.html

Weißt du ob ich irgendwie online das gesamte Urteil bzw. die Klageschrift einsehen kann?

Freundlicher Gruß
Formula

katmai
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Beitrag von katmai » 04.05.09, 09:55

Slider79 hat geschrieben:Hallo Katmai,

ich bin noch nicht überzeugt. Für mich beinhaltet deine Auslegung der Lehrfreiheit die Möglichkeit der Willkür.
Dazu habe ich noch einen sehr interessanten Link gefunden.
Scheinbar hat sich das Bundesverwaltungsgericht schon 1990 mit einem solchen Sachverhalt beschäftigt (einfach bis zum Seitenende scrollen):
http://www.danisch.de/Uni/Pruefrecht/Fo ... Lehre.html

Weißt du ob ich irgendwie online das gesamte Urteil bzw. die Klageschrift einsehen kann?
Online wohl nur mit einem kostenpflichtigen Zugang zu einer Urteilsdatenbank, gegen Gebühr hier auch beim BVerwG selbst. Ich persönlich halte das Urteil nach Lektüre des kleinen Ausschnittes nicht für einschlägig, aber ich bin kein Volljurist und kann es daher nicht beurteilen.

Meines Erachtens wird Willkür durch das Gebot der Fachbezogenheit und der Angemessenheit verhindert. Es wird aber niemand daran gehindert, das Thema beim Dekan oder im Fakultätsrat ansprechen zu lassen - ggf. wären auch die Studiendekane/der Studiendekan Ansprechpartner, um die Fragestellung einer Überprüfung unterziehen zu lassen. Dann hat man Klarheit bezüglich der Position der Universität. Sollte man nicht mit dieser übereinstimmen, bliebe die Möglichkeit einer Klage vor dem Verwaltungsgerichtshof.

Nur das Beste wünscht,

der katmai.
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Questor

Beitrag von Questor » 04.05.09, 10:01

Die Ausbildung der Akademiker in Deutschland ist zwischenzeitlich so grottenschlecht, dass meines Erachtens Zusatzleistungen dringend erforderlich sind.

RA Erik Günther
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Beitrag von RA Erik Günther » 19.05.09, 23:34

Jede Prüfung, mit der der Berufszugang eingeschränkt werden soll, braucht eine rechtliche Grundlage. Die Beschränkung der Berufsfreiheit ist nur durch oder aufgrund Gesetzes zulässig. Üblich ist daher, die Zulassungsvoraussetzungen für Prüfungen (oft werden die studienbegleitende Leistungsnachweise genannt, Scheine eben), in die Prüfungsordnung aufzunehmen. Der Prüfungsanspruch lässt sich sonst nicht rechtmäßig beschränken.

Da kann sich der Dozent nach meiner Ansicht auch nicht auf die Wissenschaftsfreiheit (=Freiheit von Forschung und Lehre) berufen:

Prüfung ist nicht gleich Lehre. Klassisch ist die Lehre die Vermittlung der in der Forschung gewonnenen Erkenntnisse. Die Prüfung zielt dann jedoch auf die Bewertung der Leistungen des Studierenden, hat also mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen des Forschenden nichts mehr zu tun (es sei denn, er erforscht Prüfungssoziologie :wink: ). Es wird allenfalls der Wirkungsgrad der Lehre ermittelt.
Erik Günther
[url]http://www.hlb.de/[/url]
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