FH Abschluss: Bedeutung und Wirkung des Diplomgrades

Recht der Studenten, Hochschulprüfungsrecht, Recht der Hochschulmitarbeiter, soweit nicht Arbeits- oder Beamtenrecht

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curt
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FH Abschluss: Bedeutung und Wirkung des Diplomgrades

Beitrag von curt » 19.05.09, 18:31

Folgender Fall:

Ein Student beginnt sein Studium an einer Fachhochschule. Im drauffolgenden Jahr kommt der Landtag auf die Idee, die bisherige Fachhochschule in eine Akademie umzuwandeln. Die Akademie besitzt keinen Hochschulstatus und verleiht Ihre Abschlüsse als "Diplom- [...] (Akademie)". Hierbei handelt es sich nicht mehr um einen akademischen Grad.

Durch die Umwandlung kommt es nun zu folgender Problematik:
Was passiert im Zuge der Umwandlung mit den Studenten, die Ihr Studium an der alten Fachhochschule (Hochschulstatus) aufgenommen haben und nun Studierende der Akademie (kein Hochschulstatus) werden? Der Landtag hat dieses Problem durch eine Übergangsregelung im Gesetz zur Errichtung der Akademie (und Auflösung der Fachhochschule) wie folgt geregelt:
Die Studierenden an der Fakultät [...] der [...] Fachhochschule sind ab dem 1.August 2006 Studierende an der [...] Akademie. 2Ihnen wird nach bestandener Laufbahnprüfung der Grad „Diplom- [...] (FH)” verliehen.
Nach Abschluss des Studiums bekommen die Studenten Ihre Diplomurkunde ausgehändigt. In dieser Urkunde ist auch als Diplomgrad der Grad "Diplom- [...] (Fachhochschule)" eingetragen. Ausstellende Behörde ist jedoch die Akademie.

In der Diplomurkunde steht nun:
Die Akademie verleiht den Diplomgrad "Diplom- [...] (Fachhochschule)".

Nach und nach fragen sich die Studenten, ob die vom Landtag getroffene Regelung eine saubere Lösung der Problematik ist. Schließlich geht es darum, ob ein Hochschulabschluss verliehen wurde oder nicht. Konkret geht es Ihnen darum, welche Wirkung die Verleihung des Diplomgrades "Diplom- [...] (Fachhochschule)" durch eine Akademie, die ja eigentlich keine akademischen Grade verleihen darf, hat.

Handelt es sich bei diesem Abschluss um einen vollwertigen Hochschulabschluss?
Ist allein die Verleihung eines akademischen Grades Ausdruck eines abgeschlossenen Hochschulstudiums?


Bedeutung erlangt diese Frage für die fertigen Studenten beispielsweise in folgenden Fällen:
Ein weiterführendes Studium oder eine abzulegende Prüfung setzt einen Hochschulabschluss bzw. ein Hochschulstudium voraus. Das Studium an einer Akademie genügt in diesen Fällen nicht.

RA Erik Günther
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Beitrag von RA Erik Günther » 19.05.09, 23:16

Interessanter Fall. Aus Baden-Württeberg kann der nicht kommen, da wurden die (Berufs-)Akademien erst zu Fachhochschulen, nicht anders herum.

zur Frage vollwertiger Hochschulabschluss:

Der Staat hat die Hand über dem deutschen Bildungswesen. Der Gesetzgeber kann daher bestimmen, dass man an dieser oder jener Einrichtung diesen oder jenen Abschluss bekommt. Wenn man ihn dann Diplom nennen darf, reiht sich das in die übliche Bezeichnung der deutschen Hochschulgrade ein. Das geht so weit, bis das grundgesetzlich garantiert Selbstbestimmungsrecht der Hochschulen angetastet wird. Den Master (IHK) gibt es immerhin noch nicht, so dass niemand Arges vermuten würde. Der Gesetzgeber kann ohne weiteres auch bestimmen, dass hier der Zusatz "(Fachhochschule)" zur weiteren Kennzeichnung zu verwenden ist.

Einige Arbeitgeber sollen dann auch darauf schauen, welche Hochschule konkret den Hochschulgrad verliehen hat...

Der Hochschulabschluss selbst ist also ein vollwertiger.

zur Frage, ob allein aus der Verleihung des akademischen Grades folgt, dass ein Hochschulstudium absolviert wurde:

Ich kenne derzeit in der Tat nur diese legale Möglichkeit über ein Hochschulstudium, zu einem akademischen Grad zu gelangen.

Wenn es dann um die Zulassung zu weiterführenden Studiengängen geht, wird mitunter auch unmittelbar auf die Ausbildung=auf das Hochschulstudium abgestellt und nicht der daraufhin erlangte Grad genannt. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn auf bestimmte Mindestzeiten für die Ausbildung abgestellt wird oder wenn sonst die Dauer des Studiums eine Rolle spielt. Ich denke, dass hier bestimmte inhaltlich-qualitative Kriterien heranzuziehen sind, um zu bestimmen, ob die Ausbildung die Anforderungen an ein Hochschulstudium eingehalten hatte.

Innerhalb desselben Bundeslands kann es vermutlich keine Probleme geben, da dort die Hochschulen als staatliche Einrichtungen die Entscheidung des Gesetzgebers akzeptieren müssen, der für die Ausbildung an der "Akademie" einen Hochschulgrad zulässt. Wie Einrichtungne in anderen Bundesländer das anerkennen, wäre spannend.
Erik Günther
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