unsachgemäßes Verhalten einer Prüfungskomission

Recht der Studenten, Hochschulprüfungsrecht, Recht der Hochschulmitarbeiter, soweit nicht Arbeits- oder Beamtenrecht

Moderator: FDR-Team

Antworten
brioche
Topicstarter
noch neu hier
Beiträge: 2
Registriert: 02.06.09, 18:59

unsachgemäßes Verhalten einer Prüfungskomission

Beitrag von brioche » 02.06.09, 19:22

Hallo!

Nehmen wir an, Student A musste zur Erreichung seines Diploms mehrere schriftliche und mündliche Prüfungen ablegen.
In der letzten Prüfung sah A sich einer Prüfungskomission gegenüber, deren Verhalten keine "vernünftige" Prüfung zugelassen hat.
Das bedeutet:
- A wurde bereits ab dem zweiten Satz ständig unterbrochen (die Prüfer fielen A konsequent und durchgehend ins Wort)
- A durfte keines der vorbereiteten Themen vortragen.
- bei Unterbrechungen wurde teilweise von den Prüfern das gesagt, was A ohnehin gerade vortragen wollte (durch Unterbrechung aber daran gehindert wurde)

A hat versäumt, in der Prüfung darauf zu bestehen, ausreden zu dürfen.
Am Ende der Prüfung wird A vorgeworfen, nichts gewußt zu haben. Der Hinweis darauf, dass die regelmäßigen Unterbrechungen einen außerordentlichen psychischen Druck ausgeübt haben, was dazu führte dass A gegen Ende der Prüfung die Antworten auf einfache Fragen nicht mehr geben konnte, blieben unberücksichtigt.

A bekommt als Note eine 4. Dadurch verschlechtert sich As Notendurchschnitt im Diplom von 2,0 auf 2,5. Da die Prüfungsordnung nur "glatte" Noten vorsieht, gilt das Diplom als befriedigend bestanden.

Selbst die Leiterin des Prüfungsamtes, mit der A noch sprach, empfand das Vorgehen der Prüfer als unfair, beruft sich aber auf eine Prüfungsordnung, nach der die Prüfungskomission die Note festlegt.
Es wäre nicht möglich, daran zu rütteln.

A empfindet sich als ungerecht behandelt, möchte allerdings die Prüfung nicht wiederholen, da er sich des Bewertungsspielraumes der Prüfer bewußt ist. Eine erneute Prüfung würde also wahrscheinlich zu keinem besseren Ergebnis führen.

Allerdings besteht für den Prüfungsverlauf (die Antworten des Studenten) ein offizielles Protokoll. Nicht aufgeführt sind die Unterbrechungen seitens der Prüfer, hierüber wäre A aber bereit, eine eidesstattliche Erklärung abzugeben.

Welche Möglichkeiten innerhalb welcher Fristen hat A? Wie ist die Rechtslage?

Lg

katmai
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 431
Registriert: 28.01.07, 04:49
Wohnort: Down Under

Beitrag von katmai » 03.06.09, 09:59

Grundsätzlich - was soll denn rauskommen: Eine Wiederholung der Prüfung wird nicht angestrebt, die eigentliche Bewertung anhand der gegebenen Antworten wird nicht angezweifelt. Es geht also nur darum, die Prüfungsatmosphäre zu kritisieren, richtig?
A hat versäumt, in der Prüfung darauf zu bestehen, ausreden zu dürfen.
Und dann ist genau das problematisch: Wenn es um den Prüfungsablauf geht, müsste sowas so zeitnah wie möglich gerügt werden, insbesondere vor Verkündigung der Note. Und aus Prüfersicht kann sicherlich argumentiert werden, dass in einer Prüfung auch gerade die rhetorische Stresssicherheit mit abgeprüft werden soll, etc.:
Der Hinweis darauf, dass die regelmäßigen Unterbrechungen einen außerordentlichen psychischen Druck ausgeübt haben, was dazu führte dass A gegen Ende der Prüfung die Antworten auf einfache Fragen nicht mehr geben konnte, blieben unberücksichtigt.
Das gehört wohl einfach zu einer Prüfungssituation dazu, so schmerzlich das klingen mag. Falls etwas bei A vorher bei Prüfungen schonmal aufgefallen ist, hätte man es im Vorfeld abklären lassen können, nachträglich glaube ich nicht daran.

Ich persönlich sehe keine Chance, insbesondere weiß ich nicht, was eigentlich rauskommen soll - schlechtes Gewissen bei den Prüfern? Eine besser Note unter Annahme, dass A ja eigentlich mehr gewusst hätte, es nur nicht gesagt hat?

Gruß,

kat.
Achtung: Gefährliches Halbwissen! - Vier-Sterne-General a.D. ;)

brioche
Topicstarter
noch neu hier
Beiträge: 2
Registriert: 02.06.09, 18:59

Beitrag von brioche » 03.06.09, 19:27

Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob (Bezugnahme auf gefällte Urteile) eine Neubewertung anhand des Protokolls unter Berücksichtigung des unsachgemäßen Verhaltens der Prüfer möglich ist. Und wie die Rechtslage hinsichtlich Fristen und Formulierungen aussieht, bzw. was sonst möglich wäre.

Lg

katmai
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 431
Registriert: 28.01.07, 04:49
Wohnort: Down Under

Beitrag von katmai » 07.06.09, 04:49

Eine abweichende Notengebung aufgrund von Prüfungsprotokollen, die eine "erschwerte Prüfung" nicht nachweisen ist mir nicht bekannt. Daher kann ich mit keinerlei Referenzen dienen. Prüfungen bewerten meiner Erfahrung nach die gegebenen Antworten, nicht das möglicherweise vorhandene Wissen. Erfolgreiche Prüfungseinsprüche beziehen sich daher meistens auf die Verletzung von Prüfungsvorschriften und nicht auf den Inhalt.

Man kann beim Studiendekan, beim Vorsitzenden der Prüfungskommission oder beim Verwaltungsgericht Einspruch bzw. Klage erheben. Für genaue Formulierungen sollte man sich an einen Rechtsanwalt seines Vertrauens wenden, der individuelle Rechtsberatung im Fall geben kann.

Ich wünsche in jedem Fall nur das Beste!

Gruß,

kat.
Achtung: Gefährliches Halbwissen! - Vier-Sterne-General a.D. ;)

Sandarium
FDR-Mitglied
Beiträge: 28
Registriert: 29.05.09, 12:24

Beitrag von Sandarium » 21.06.09, 01:40

Vielleicht vorher ein vertrauliches Gespräch anstreben?
Sollte die Note um 0,1 verbessert werden, erhieltest du eine 2?
Ansonsten hat katmai schon alles erwähnt.

Antworten