Diskriminierung wegen Krankheit

Recht der Studenten, Hochschulprüfungsrecht, Recht der Hochschulmitarbeiter, soweit nicht Arbeits- oder Beamtenrecht

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Schnatterinchen
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Diskriminierung wegen Krankheit

Beitrag von Schnatterinchen » 12.10.12, 09:56

Das Kind von S. studiert Medizin im siebten Semester.
Aus gesundheitlichen Gründen (Depressionen) hat es zwei Semester aussetzen müssen und befand sich sporadisch in stat. Behandlung in der psych. Klinik der Uni.
Zum neuen Semester sollen die Fächer Neurologie und Psychiatrie gelehrt werden,die auch Stationspraktika (stundenweise) in dieser Klinik beinhalten.
Vor ca. zwei Wochen sagte der Klinikleiter dem Studenten in der Mensa im vorbei gehen,dass er an diesen Lehrverasnstaltungen nicht teilnehmen darf,da er dort Patient war.
Er solle in in eine andere Klinik und dort an den Visiten teilnehmen.
Dort werden aber keine prüfungsrelvanten Krankheitsbilder u.ä. vorgestellt.Außerdem muss er dadurch auf andere Lehrveranstaltunen,wie Vorlesungen und Seminare,auch Pflichtveranstaltungen verzichten,weil das Fahren mit dem ÖPNV sehr zeitaufwendig ist(dezentrale Lage der Klinik )
Eine Aufwandsentschädigung, Stundenplanangleichung o.ä. wurden ihr nicht angeboten,es wäre allein seineSache...
Er wird von der Lehre an ihrer Uni ausgeschlossen und diskreminiert.
Es kam bereits zu mehreren Gesprächen mit dem Dekanat und der Rechtsabteilung,aber zu keiner Einigung.
Es erfolgte auch kein schriftlicher Bescheid mit einer genauen Benennung der Gründe, sondern nur telefonische fadenscheinige Ausreden,wie Schutz der Patienten, Schutz von S ,bloß wovor ???Auch das konnte niemand sagen.
Es kann doch nicht sein,nur weil er dort stat. behandelt wurde ,er nicht an der Ausbildung in dieser Klinik teilnehmen kann.
In meinen Augen ist das eine Willkürentscheidung seitens des Klinikleiters.
Es ist für mich unvorstellbar,dass ein Mensch wegen seiner Erkrankung derart diskriminiert wird.
Und diese Entscheidung wirkt sich nicht positiv auf die Erkrankung aus.Der Student sitzt hier zu Hause und droht sich das Leben zu nehmen,weil ser für sich keine Zukunft sieht.
Ist diese Verhaltensweise gerechtfertigt und welche rechtlichen Grundlagen gibt es für diese Entscheidung???

Mit freundlichen Grüßen
Schnatterinchen

Tastenspitz
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Re: Diskriminierung wegen Krankheit

Beitrag von Tastenspitz » 12.10.12, 10:26

Schnatterinchen hat geschrieben:Der Student sitzt hier zu Hause und droht sich das Leben zu nehmen,weil ser für sich keine Zukunft sieht.
:shock:
In echt jetzt? Und dann will er Arzt werden?
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

Schnatterinchen
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Re: Diskriminierung wegen Krankheit

Beitrag von Schnatterinchen » 12.10.12, 10:44

Danke für den hilfreichen Beitrag.

Der Satz sollte symbolisch sein,natürlich ist er gerade in einer Famulatur.

Daniel27
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Re: Diskriminierung wegen Krankheit

Beitrag von Daniel27 » 12.10.12, 11:01

So oft "Diskriminierung" in einem einzigen Beitrag, das lässt schon tief blicken...

Schnatterinchen
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Re: Diskriminierung wegen Krankheit

Beitrag von Schnatterinchen » 12.10.12, 11:09

Bitte um eine Alternative zu diesem Wort, aber es handelt sich ja um selbige.
Eigentlich wären mir aussagekräftige Antworten lieber,als das psychologische Zerplücken meines Beitrages durch ....
Anscheinend waren Sie noch nie in so einer Ausnahmesituation!!
Danke

hoai
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Re: Diskriminierung wegen Krankheit

Beitrag von hoai » 15.10.12, 02:31

So hilfreich fände ich es jetzt auch nicht, wenn ein Patient vor versammelter Mannschaft rufen würde: "dich kenne ich doch, du warst hier doch auch Patient". Womöglich noch mit unschönen Ergänzungen, die die Behandelnden als die eigentlichen Psychos im Gegensatz zu den Patienten darstellt oder dergleichen. Vielleicht könnte es auch Patienten geben, die es als unangenehm empfinden, was das Kind von S über sie erfahren könnte, wo er doch zuvor "einer von ihnen" war. Vielleicht möchten die Ärzte nicht, dass es seine eigenen Befunde allzu ausführlich kennenlernt. Egal ob fadenscheinig oder nicht: das Kind kann ja das Praktikum in einer anderen Klinik machen, auch wenn es ungünstiger ist. Es wird also nicht von der Ausbildung ausgeschlossen. Gründe, die gegen einen Einsatz in genau dieser Klinik sprechen, kann es durchaus geben. So ein "Seitenwechsel" vom Patienten in den Behandlungsstab (auch wenn es nur ein Praktikum ist), sind nicht immer unproblematisch. Und dann war es das eben schon mit der "Diskriminierung". Schließlich werden die Kommilitonen nicht allesamt auch dort in Behandlung gewesen sein und trotzdem ihr Praktikum dort machen dürfen. Bei ungleichen Umständen kann aber eine ungleiche Behandlung durchaus angezeigt und nicht diskriminierend sein.
Ich vertrete hier nur meine herrschende Mindermeinung!

Schnatterinchen
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Re: Diskriminierung wegen Krankheit

Beitrag von Schnatterinchen » 16.10.12, 10:45

Hallo Hoai,

Das sind alles richtige und nachvollziehbare Argumente und ich gebe Ihnen diesbezüglich auch Recht.
Aber diese Klinik verfügt über zwölf Stationen, so dass ein Einsatz auf einer der anderen Stat. kein Problem wäre.
Desweiteren waren Kommilitonen seiner Seminargruppe zum Zeitpunkt der stat. Behandlung im Praktikum, ja eh ich kenn dich doch.... :oops:
Seitenwechsel ist doch Quatsch,es gibt doch eine Schweigepflicht,an die sich auch Studenten halten müssen.
Und außerdem hatte er kaum Kontakt zu anderen Patienten und diese sind mittlerweile genauso entlassen wie er.

Daniel27
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Re: Diskriminierung wegen Krankheit

Beitrag von Daniel27 » 16.10.12, 13:16

Warum wollen Sie uns eigentlich überzeugen? Ist das Forum nicht der falsche Adressat?

Übrigens, zu Ihrer Frage: Nein, mir ist bisher nicht verboten worden, an einem Praktikum in der Psychiatrie teilzunehmen. Ist Ihnen damit geholfen?

hoai
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Re: Diskriminierung wegen Krankheit

Beitrag von hoai » 18.10.12, 00:19

Ich würde sagen, dem Studenten (m/w) kann von hier aus nicht geholfen werden. Er sollte sich an den Studiendekan wenden und nachfragen, ob der Klinikleiter in diesem konkreten Fall berechtigt ist, im das Praktikum zu verweigern. Ich bin sicher, dass der Studiendekan diesbezüglich Auskunft geben kann. Der Student müsste in diesem Falle natürlich seine Krankheits- und Behandlungsgeschichte offenbaren. Ob ihm das lieber ist als die Umstände für ein Praktikum in einer anderen Klinik, muss der Student selbst entscheiden.
Ich vertrete hier nur meine herrschende Mindermeinung!

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