Durchgefallen weger angeblich schlechter Examensarbeit

Recht der Studenten, Hochschulprüfungsrecht, Recht der Hochschulmitarbeiter, soweit nicht Arbeits- oder Beamtenrecht

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Celex
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Durchgefallen weger angeblich schlechter Examensarbeit

Beitrag von Celex » 19.10.12, 14:15

Hallo.

Zunächst einmal: Ich bin neu hier und muss sagen ich finde es toll das es so ein Forum gibt wo man sich einfach einmal unentgeldlich Rat zu juristischen Themen holen kann. Also großes Lob an die Macher und alle Beteiligten, weiter so!

Leider bin ich nicht nur neu sondern habe selbst auch ein Problem und hoffe das es hier jemanden gibt, der mir helfen kann. Eins vorweg, ich bin mir nicht sicher, ob ich hier im richtigen Unterforum bin, da mein Problem wie ich als Laie denke auch unter Prüfungsrecht, Verwaltungsrecht, Hochschulrecht oder ähnliches Fallen könnte. Falls ich hier also falsch bin, wäre es nett, wenn jemand kundiges mein Thema an den richtigen Ort verschieben könnte.

Aber zu meinem gegenwärtigen Situation:

Ich bin Lehrer im Vorbereitungsdienst (Referendar) in Hessen. Ich habe im August fristgerecht meine 2. Staatsexamensarbeit abgegeben und mir wurde vor wenigen Tagen vom Leiter meines Studienseminars mitgeteilt, das ich leider durch mein Examen gefallen sei, weil beide Gutachter meine Arbeit mit unter fünf Punkten bewertet hätten. Mir wurde zudem gesagt, dass es sich wohl um inhaltliche Mängel handeln würde, etwas genaues konnte man mir dazu aber bisher noch nicht sagen und ich selbst weis auch noch nichts näheres, weil die Gutachten erst nächste Woche vorliegen.

Ich bin sicher das der Inhalt meiner Arbeit falsch bewertet wurde, bzw. zu negativ. Nun mag sich der ein oder andere vielleicht Fragen warum ich so sicher bin inhaltlich flasch bewertet worden zu sein, ohne die Gutachten bisher gesehen zu haben. Dazu sei kurz folgendes gesagt:

Die Arbeit wurde im Fachmodul Geschichte geschrieben und es handelt sich somit um eine Arbeit aus dem Bereich der Geschichtsdidaktik. Ich selbst habe dementsprechend Geschichte studiert und somit selbst bisher einige Hauptseminararbeiten ähnlichen Umfangs (Hauptseminararbeiten etwa 25 Umfang, die strittige Examensarbeit gemäß der Vorgabe 30 Seiten Umfang) geschrieben, wie auch meine erste Staatsexamensarbeit ebenfalls im Bereich Geschichtsdidaktik. Alle diese Arbeiten, waren deutlich über fünf Punkten, was mich zu der Annahme verleitet, dass ich eigentlich weis wie man so etwas erfolgreich schreibt.

Daher bin ich äußerst erstaunt, das die jetzige Arbeit plötzlich soviel schlechter sein soll als all die anderen, was mich dazu bringt zu glauben, das meine Arbeit inhaltlich besser ist als die Bewertung.

Untermauert wird diese Annahme noch davon, dass ich mich beim Verfassen meiner Arbeit von einem habilitierten Geschichtsdidaktiker habe beraten lassen, also von jemandem, bei dem man davon ausgehen sollte, dass er weis wovon er spricht.

Ich würde also kurz gesagt gerne wissen, wie in meinem Fall die Rechtslage ist, kann man gegen ein falsche bzw. zu niedrige Bewertung des Inhalts einer solchen Arbeit vorgehen. Das man gegen Verfahrensfehler bei der Bewertung vorgehen kann, ist mir bereits bekannt.

Falls jemandem nicht klar sein sollte was ich mit inhaltlicher Fehlbewertung meine, kurz ein Beispiel (nein ich halte hier niemanden für dumm, ich möchte nur sicher gehen, das jeder versteht wo mein Problem liegt und will vermeiden das ich mich vielleicht unbewusst zu kompliziert ausgedrückt habe):

Wenn ich in Mathematik geschrieben hätte und Inhalt meiner Arbeit sei die Erkenntnis das 2 + 2 = 4 ergibt und der Gutachter der Meinung sei, 2 und 2 ergäbe nicht 4 sondern 5, dann denke ich mir müsste es eine Möglichkeit geben, gegen dieses Urteil vorzugehen und mir geht es hier konkret darum wie in diesem Fall die Rechtslage ist.

So, ich hoffe ich habe soweit möglich meine Situation ausführlich genug geschildert, falls noch weitere Fragen bestehen, bitte ich diese einfach zu stellen, ich werde so gut antworten wie ich kann und werde natürlich auch über die Inhalte der Gutachten berichten, sobald ich diese habe.

In voraus besten Dank an jeden, der mir zu helfen versucht, ich bin mir bewusst, dass es ist keine Selbstverständlichkeit ist das jemand sein Zeit opfert um sich mit den Problemen anderer zu befassen. Danke.

Townspector
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Re: Durchgefallen weger angeblich schlechter Examensarbeit

Beitrag von Townspector » 19.10.12, 14:47

Zunächst einmal sollte man einen Blick in die Studien- und Prüfungsordnung werfen und sich informieren, wie das Verfahren zur Anfechtung einer schriftlichen Examensarbeit aussieht.

Danach sollte man wieder einen Blick werfen und zwar in die Gutachten. es ist relativ unwahrscheinlich dass zwei Gutachter eine arbeit inhaltlich einhellig als "im Teich" bewerten, wenn diese nicht wirklich Mängel aufweist. In dem Falle dass die Arbeit den Anforderungen entspricht wäre eher ein Ergebnisunterschied zwischen beiden Gutachern aufgetreten, der eine Drittbeurteilung erfordert.
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In dankbarer Erinnerung an all jene namenlosen, stets laut angekündigten Rechtsvertreter,
die jedoch heldenhaft nie in meinem Dienstzimmer erschienen sind oder tapfer nichts von sich hören ließen.

Stan78
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Re: Durchgefallen weger angeblich schlechter Examensarbeit

Beitrag von Stan78 » 19.10.12, 14:55

Inhaltlich gegen die Bewertung einer Examensarbeit vorzugehen ist schwierig, da müssen es schon solche Dinge sein:
Celex hat geschrieben:Wenn ich in Mathematik geschrieben hätte und Inhalt meiner Arbeit sei die Erkenntnis das 2 + 2 = 4 ergibt und der Gutachter der Meinung sei, 2 und 2 ergäbe nicht 4 sondern 5
um eine Chance zu haben, spirch die Argumentation im Gutachten muss offensichtliche Mängel beinhalten, die auch ein Laie als solcher erkennen kann. Wenn ansonsten beide Gutachter die Arbeit mit Mangelhaft bewerten hat man in der Regel keine Möglichkeit ein Drittgutachten zu fordern oder ähnliches. Mit Ihrer Argumentation, die im Wesentlichen hinaus läuft auf
a) bisher waren alle anderen Arbeiten auch besser als mangelhaft (Anforderungen steigen nun mal ium Laufe der Ausbildung) und
b) ein Geschichtsdidaktik Professor hat sie unterstützt (wie genau sah diese Unterstützung denn aus? Schließlich müssen sie in Ihrer Examensarbeit per Unterschrift versichern, dass Sie diese ohne fremde Hilfe geschrieben haben, da kann diese Argumentation ganz schnell nach hinten losgehen),
werden Sie auf jeden Fall nichts erreichen.
Warten Sie das Gutachten ab, da wird konkret genannt sein, warum die Arbeit nicht ausreichend ist, vorher wird Ihnen niemand einen qualifizierten Rat erteilen können.

Roderik
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Re: Durchgefallen weger angeblich schlechter Examensarbeit

Beitrag von Roderik » 19.10.12, 15:21

Die bisher vorgebrachten Vermutungen reichen nicht für einen erfolgreichen Widerspruch aus.

Ihr erstes vorgebrachtes Argument wäre ja, wenn man das Ganze jetzt mal auf die Schule runterbricht, folgendes:

Ein Einserkandidat im Fach X schreibt immer Einsen. Jetzt schreibt er aus welchen Gründen auch immer eine Vier oder Fünf.
Analog zu Ihrer Haltung hätte er jetzt aufgrund seiner bisherigen Leistungen Widerspruch einzulegen mit der Begründung, dass der Lehrer die Leistung nicht hinreichend gewürdigt hat, weil der Schüler ja bisher immer nur Einsen geschrieben hätte.

Dass es sich dabei um den bekannten "Ausrutscher" gehandelt haben könnte oder ggf. auch um Irrtümer, die aus welchen Gründen auch immer nicht aufgefallen sind, wird von Ihnen kategorisch ausgeschlossen.

Die Hilfe eines habilitierten Geschichtsdidaktikers ist ebenfalls keine Garantie für eine erfolgreiche Staatsexamensarbeit und schließt Fehler Ihrerseits immer noch nicht hinreichend aus.

Wären den Gutachtern tatsächlich wie bei dem Mathematikbeispiel sachliche bzw. fachliche Fehler unterlaufen, müssten Sie diese schon nachweisen. Dass in der Regel kein externer Gutachter bestellt wird, können Sie in Günther Hoeggs Schulrechtsbüchern nachlesen.

Ich kann auch nur empfehlen, das Gutachten erst einmal zu lesen und dann zu reflektieren, ob die entsprechend beanstandeten Mängel nicht doch existieren.

Nur am Rande: Die beiden Gutachter können sich auch etwas besseres vorstellen, als in einem Widerspruchsverfahren eine ausführliche Stellungnahme abzugeben. Insofern können Sie im Regelfall davon ausgehen, dass die Gutachter ihr Gutachten entsprechend sorgfältig verfassen.

Gruß
Roderik

P.S. Ich würde anregen, den Thread in den Bereich "Schul- und Prüfungsrecht" zu verschieben. Dort befinden sich doch auch alle anderen Threads zu dem Thema.

Celex
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Re: Durchgefallen weger angeblich schlechter Examensarbeit

Beitrag von Celex » 22.10.12, 13:27

Danke zunächst einmal an alle die geantwortet haben. Die Gutachten habe ich leider immer noch nicht zu Gesicht bekommen, was sich aber kommenden Mittwoch ändern wird.

Das es natürlich keine Garantie gibt, um das eben genannte Beispiel hier einmal aufzugreifen, das jemand der immer Einsen schreibt, nicht auch einmal einen Ausrutscher hat, ist mir auch klar. Nur ist es natürlich aus meiner Selbstwahrnehmung äußerst überraschend das dies ausgerechnet jetzt geschehen sein soll weil mir so etwas schlicht noch nie passiert ist. Ich wollte das auch nicht als Argument anführen, warum die Arbeit meiner Ansicht nach eine andere Bewertung finden müsste, sondern lediglich als Erklärung für die Forenteilnehmer, warum ich darauf komme, dass etwas nicht stimmen kann.

Das die Anforderungen im Rahmen der Ausbildung steigen stimmt übrigens hier nur bedingt, denn zum einen wird die wissensschaftliche Ausbildung im Referendariat ja nicht fortgesetzt und die zweite Staatsexamensarbeit ist die einzige Komponente, im Referendariat die dich überhaupt an universitärer Arbeit orientiert und zum anderen ist nach meiner wenn auch natürllich subjetiven Einschätzung das Anforderungsniveau an derartige Dinge im Referendariat deutlich geringer als an der Universität.

Aber gut, also Nicht-Lehrämtler kann man das ja nicht wissen.

Davon abgesehen verfasse ich selbst eine Dissertation (wenn auch in einem anderen Bereich) und sollte daher eigentlich wissen wie man korrekt wissenschaftlich arbeitet (schließlich bin ich nicht bestrebt hier dem bedauerlichen Beispiel einiger deutsche Politiker zu folgen). (auch das schreibe ich natürlich nur als Erklärung an die Forenteilnehmer warum ich an der Bewertung der Arbeit zweifle und nicht weil ich denke das es einen Beweis in irgendeiner Sache darstellen könnte.)

Aber gut, Sie haben alle recht, natürlich handelt es sich nun zunächst einmal nur um meine Wahrnehmung und wie erwähnt gibt es keine Garantie das jemand der sonst Einsen schreibt das auch immer tut. Also gilt es zunächst eben die Gutachten abzuwarten.

Ach ja vielleicht sollte ich noch kurz darauf eingehen, inwiefern das mit der Beratung des Geschichtsdidaktikers abgelaufen ist.

Zunächst einmal sei kurz erwähnt das man nicht versichert, das man die Arbeit alleine verfasst hat, sondern selbstständig und nur mit den angegebenen Hilfsmitteln.

Fakt ist, ich war bei dem erwähnten Geschichtsdidaktiker in erster Linie um mir Zeit bei der Literatursuche zu ersparen und habe mir Literaturtipps geben lassen, also welche Zeitschriften und Bücher er sich an meiner Stelle zu diesem Thema durchlesen würde. Darauf hin fragte er mich, wie ich denn bei meiner Fragestellung vorzugehen gedenke, was ich ihm mitteilte, woraufhin er mir an ein paar Stellen noch Tipps gab auf welche Fragen ich an den entsprechenden Stellen noch eingehen könne und wo man bestimmte andere Dinge vllt noch beachten sollte. Der eigentlich Inhalt meiner Arbeit und die Idee dazu stammt natürlich dennoch von mir (abgesehn natür von den Zitaten aus anderen Texten, die aber alle angegeben wurden).

Ich denke daraus wird man mir (wobei das natürlich meine Einschätzung als Laie ist) schwerlich einen Strick drehen können, zumal eine deratige Beratung zur Fragestellung und verschiedenen zu berücksichtigenden Aspekten beim Verfassen solcher Arbeiten in den Oberseminaren und Doktorandenkolloquien an deutschen Universitäten nicht ungewöhnlich sind. Es kann einem wie ich denke schließlich keiner verwehren sich Anregungen zu holen.

Im übrigen habe ich die Beratung seinerseits am Ende meiner Arbeit in eine Danksagung erwähnt, also kann man mir auch hier sicherlich nicht vorwerfen das verschwiegen zu haben und täuschen zu wollen.

An der Stelle fällt mir gerade noch ein das eine meiner Vorredner erwähnte, das in der Regel kein Drittgutachten eingeholt wird. Müsste den ein Drittgutachten, wenn es eines eines externe Gutachters gäbe, denn Berücksichtigung finden, oder würde so etwas einfach ignoriert. Wie ist denn in diesem Fall die Rechtslage?

Und wieso müssen die Gutachten eigentlich argumentative Mängel aufweisen, die auch ein Laie erkennen können muss um erfolgreich dagegen vorgehen zu können? Es handelt sich doch schließlich auch um ein Arbeit die für Fachleute geschrieben wurde und nicht für den Otto Normal Verbraucher.

Auch hier schon einmal meinen besten Dank an alle die antworten.

PS: Ich habe diesen Beitrag nun mehrfach editiert und hier und dort noch etwas hinzugefügt, ich hoffe das Ganze wirkt dadurch nicht zu sprunghaft und wenig stimmig. Falls ich jemanden verwirrt haben sollte, bitte einfach nachfragen.

moro
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Re: Durchgefallen weger angeblich schlechter Examensarbeit

Beitrag von moro » 22.10.12, 14:37

Celex hat geschrieben:Davon abgesehen verfasse ich selbst eine Dissertation (wenn auch in einem anderen Bereich) und sollte daher eigentlich wissen wie man korrekt wissenschaftlich arbeitet

[...]

Ich habe diesen Beitrag nun mehrfach editiert
Nur so am Rande: Wie stand es denn mit der formalen Qualität der in Frage stehenden Arbeit? Wenn ich hier lese, dass Sie - trotz mehrfachen Editierens - fast durchgängig (die Einzelfehler wie etwa "unentgeldlich" will ich außer Acht lassen, weil es sich da auch um Tippfehler handeln könnte) beispielsweise "ich weis" schreiben statt "ich weiß" und die Konjunktion 'dass' als "das", ganz zu schweigen von der Interpunktion, dann frage ich mich, ob ein Notenabzug bei einem Lehramtskandidaten nicht auch darin begründet liegen könnte.

Gruß,
moro

Stan78
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Re: Durchgefallen weger angeblich schlechter Examensarbeit

Beitrag von Stan78 » 22.10.12, 16:27

Celex hat geschrieben: An der Stelle fällt mir gerade noch ein das eine meiner Vorredner erwähnte, das in der Regel kein Drittgutachten eingeholt wird. Müsste den ein Drittgutachten, wenn es eines eines externe Gutachters gäbe, denn Berücksichtigung finden, oder würde so etwas einfach ignoriert. Wie ist denn in diesem Fall die Rechtslage?
Die Rechtsgrundlage ist, dass es kein Recht darauf gibt, ein Drittgutachten zu fordern. Wenn sie selber eins anfertigen lassen gibt es auch keine Pflicht der Seminars dieses zu Berücksichtigen oder sich überhaupt damit auseinander zu setzten.
Celex hat geschrieben: Und wieso müssen die Gutachten eigentlich argumentative Mängel aufweisen, die auch ein Laie erkennen können muss um erfolgreich dagegen vorgehen zu können? Es handelt sich doch schließlich auch um ein Arbeit die für Fachleute geschrieben wurde und nicht für den Otto Normal Verbraucher.
Ein etwaiger Richter (falls sie sich entschließen gegen die Note zu klagen) wäre aber ein fachlicher Laie in Geschichtsdidaktik. Er würde die Bewertung höchstens dann in Zweifel ziehen, wenn a) in den Gutachten oder dem Verfahren formale Mängel vorliegen b) die von den Gutachtern vorgetragene Argumentation offensichtlicher Unsinn ist.
Ansonsten wird davon ausgegangen, dass die beiden Prüfer Fachleute sind, deren Fähigkeit zur sachgemäßen Beurteilung der Arbeit nicht in Frage steht, ebenso wie das in der Schule auch passieren würde - auch da haben Schüler relativ wenig Möglichkeiten gegen die Bewertung einer einzelnen Arbeit vorzugehen.
Celex hat geschrieben:Das die Anforderungen im Rahmen der Ausbildung steigen stimmt übrigens hier nur bedingt, denn zum einen wird die wissensschaftliche Ausbildung im Referendariat ja nicht fortgesetzt und die zweite Staatsexamensarbeit ist die einzige Komponente, im Referendariat die dich überhaupt an universitärer Arbeit orientiert und zum anderen ist nach meiner wenn auch natürllich subjetiven Einschätzung das Anforderungsniveau an derartige Dinge im Referendariat deutlich geringer als an der Universität.
Möglicherweise liegt das Problem darin, dass die Anforderungen auf anderen Schwerpunkten liegen. Korrektes wissenschaftliches Arbeiten garantiert noch keine zufriedenstellende Note in einer 2. StEx.
Aber hier bringt uns Spekulieren nicht weiter - Einsicht nehmen und dann kann man weitersehen.

Roderik
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Re: Durchgefallen weger angeblich schlechter Examensarbeit

Beitrag von Roderik » 23.10.12, 19:24

Celex hat geschrieben: An der Stelle fällt mir gerade noch ein das eine meiner Vorredner erwähnte, das in der Regel kein Drittgutachten eingeholt wird. Müsste den ein Drittgutachten, wenn es eines eines externe Gutachters gäbe, denn Berücksichtigung finden, oder würde so etwas einfach ignoriert. Wie ist denn in diesem Fall die Rechtslage?
Die Erst- und Zweitgutachter begutachten eine Staatsarbeit nicht nach eigenem Gutdünken sondern nach den Maßgaben der gültigen Prüfungsordnung und ggf. den Konkretisierungen des Seminars.

Die Problematik bei dem Drittgutachten ist folgende:

a) Es gibt bislang Ihrerseits noch keine stichhaltigen Gründe, wieso ein externes Gutachten überhaupt erforderlich sein sollte.
b) Ein solcher Gutachter muss nicht notwendigerweise zu Ihren Gunsten entscheiden

ABER:
vgl. hierzu die Entscheidung des BVerfG vom 17.04.1991
"Macht ein Prüfling nachvollziehbar geltend, dass seine Antwort nicht falsch, sondern richtig oder vertretbar ist, so muss dies notfalls durch einen Sachverständigen geklärt werden."

Hintergrund war der Widerspruch eines Jura-Studenten, dessen fachwissenschaftlich vertretbare Thesen von den Prüfern nicht anerkannt wurden und er abermals (endgültig) durchfiel. Trotz des erfolgreichen Widerspruchs haben die Prüfer die Endnote nicht geändert. Der junge Mann hat sich dann erfolgreich bis vors Bundesverfassungsgericht geklagt.
Es muss sich um eine berufsentscheidende Prüfung handeln, und der Kandidat [...] muss nachweisen, dass seine Ansicht ebenfalls vertretbar ist und auch von qualifizierten Autoren geteilt wird, z.B. anhand von Fachliteratur. Schlichte Behauptungen oder umstrittene Thesen von Laien aus dem Internet genügen dafür nicht.
vgl. Günther Hoegg, "Schulrecht: kurz und bündig - die 50 wichtigsten Urteile" S. 113f. (Hervorhebungen durch Hoegg)

Gruß
Roderik

Celex
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Re: Durchgefallen weger angeblich schlechter Examensarbeit

Beitrag von Celex » 24.10.12, 11:02

@moro: Abzüge wegen schlecher Orthographie sind auszuschließen. Zum einen geben ich mir weniger Mühe wenn ich hier schreibe, als in meiner Examensarbeit und zum anderen bin ich Moment wegen der ganzen Situation auch ein wenig nervös und unkonzentriert.

Zudem habe ich wie andere auch für Abschlussarbeiten natürlich ein paar Leute, die mir die Arbeit auf solche Fehler einmal gegengelesen haben.

Weiterhin habe ich den Beitrag nicht so oft wegen der Rechtschreibung editiert, sondern weil mir noch Dinge eingefallen sind, die ich hinzufügen wollte.

Zu allem anderen werde ich mich äußern wenn ich die Gutachten endlich habe und Zeit hatte sie genau zu studieren.

PS: Entschuldigung ddas ich zur besseren Übersichtlichkeit nicht moros Zitat angeben konnte, aber mir wurde immer wenn ich zitieren wollte "internal server error" gemeldet.

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