Chancen bei Plagiatsvorwurf das Abitur zu retten?

Recht der Studenten, Hochschulprüfungsrecht, Recht der Hochschulmitarbeiter, soweit nicht Arbeits- oder Beamtenrecht

Moderator: FDR-Team

Antworten
jörg Alexander
Topicstarter
FDR-Mitglied
Beiträge: 28
Registriert: 05.02.10, 09:15

Chancen bei Plagiatsvorwurf das Abitur zu retten?

Beitrag von jörg Alexander »

Gegen einen Schüler wurde bei dem Ministerialbeauftragten einer Fachhochschule in Bayern der Vorwurf erhoben, das seine Seminararbeit durch Plagiieren erstellt wurde.
Die Folge ist das dem Schüler nun nachträglich sein bereits verliehenes Abitur entzogen wird.

Laut Plagiatsgutachter handelte es sich so wörtlich: „selbstverständlich sehr deutlich um ein Plagiat“.
Die Seminararbeit und die Plagiatsauswertung finden sich im Internet.
Von 415 Sätzen sind über 300 plagiiert.
Erschwerend kommt hinzu, dass mit der Abgabe der Seminararbeit eine Eidesstattliche Erklärung abgegeben werden musste, dass es sich um eine selbst verfasste Arbeit handelt.

Meine Frage ist:
Nützt eine Klage gegen das Entziehen des Abiturs?
Wie groß sind die Chancen des Schülers, wenn er gegen das nachträgliche Aberkennen der Hochschulreife klagt?
webelch
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 10512
Registriert: 04.06.10, 14:19
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Chancen bei Plagiatsvorwurf das Abitur zu retten?

Beitrag von webelch »

wenn die seminararbeit voraussetzung für das abitur war, dann dürfte das - aus meiner sicht - möglich sein und die chancen dagegen vorzugehen eher gering sein. sicher hat einer der mitforenten auch noch entsprechende fundstellen parat.
kingofthehill
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 552
Registriert: 23.03.13, 18:04

Re: Chancen bei Plagiatsvorwurf das Abitur zu retten?

Beitrag von kingofthehill »

Gibt denn die Tochter zu plagiiert zu haben? Ist es ein copy und paste Plagiat oder ein Inhaltliches? Ich habe einfach schon zu viele Plagiatsjäger erlebt, die in allem ein Plagiat gesehen haben, selbst in allgemeinen Aussagen wie: Der zweite Weltkrieg begann 1939.

Aber egal, wichtiger wäre zu fragen. ob beim Verlust des Abiturs es nicht grundsätzlich klug wäre, einen Anwalt für Schulrecht (bitte nicht "nur" Verwaltungsrecht) aufzusuchen. Hier gehts ja nicht daraum, dass die Note nur eine 2,3 statt einer 2,0 ist.
jörg Alexander
Topicstarter
FDR-Mitglied
Beiträge: 28
Registriert: 05.02.10, 09:15

Re: Chancen bei Plagiatsvorwurf das Abitur zu retten?

Beitrag von jörg Alexander »

Eine Anmerkungen vorweg.

Es gibt Kriminalität.
Es gibt lichtscheues Gesindel.
Das ist zu bedauern.
Aber man kann nicht durch wegschauen so tun als gäbe es nicht Menschen die mit krimineller Energie handeln.
Tragisch ist wenn man Opfer eines Verbrechens wird.
Ich denke man kann sagen das der größere Schaden nicht in dem finanziellen Schaden liegt sondern in dem Vertrauensverlust.
Einen materiellen Schaden mag man ersetzen können – aber die Freiheit die man durch die Angst vor weiteren Verbrechen verliert – der Schaden der durch den Verlust an Sicherheit entsteht ist größer als ein materieller Schaden.

Und es kommt ein sehr erschwerender Faktor hinzu – wenn die eigenen Kinder kriminell gegen die eigenen Eltern handeln.

Ich bin nun seit dreieinhalb Jahren hier Ratsuchend in diesem Forum angemeldet.
Bis zum heutigen Tag ging es bei meinen Beiträgen immer um ein und dieselbe Sache.
Mein Dank an die vielen Antworten die mir und ich hoffe auch anderen Lesern, geholfen haben ein klein wenig leichter Luft zu holen.
Etwas klarer im Trüben eine Richtung zu halten.

Aus meiner eigenen schmerzlichen Erfahrung bin ich der Meinung dass jede Familienpolitische Maßnahme wirkungslos verpufft, solange wir uns diese Form des Unterhaltsrechts kultivieren.
In unseren europäischen Nachbarländern endet zum Beispiel Erwachsenenausbildungsunterhalt mit der Volljährigkeit.
Warum endet in Deutschland der Ausbildungsunterhalt nicht mit dem 21sten Lebensjahr?
Warum gibt es nicht ein Gleichgewicht zwischen den Pflichten des Unterhaltsschuldners und dem des Unterhaltgläubigers?
Warum bin ich als Unterhaltsschuldner der Willkür eines Unterhaltsgläubigers schutzlos ausgeliefert?

Gerichte geben dem Unterhaltsgläubiger mit einem unbefristeten Titel ein Sanktionswerkzeug in die Hand ohne dem Unterhaltsgläubigen im Gegenzug Pflichten zu benennen und bei deren Verletzung der Pflichten konkrete Sanktionen zu benennen.

Ja – ich weiß – es ist mein Kind.
Und ja es ist tragisch das ich gezwungen bin gegen mein Kind gerichtlich vorzugehen.
Aber wenn ich mich nicht wehrlos der kriminellen Gier eines Menschen der gegen mich einen Amtsgerichtstitel besitzt ausliefern will, muss ich mich doch wehren.
Nur weil es das eigene Kind ist heißt dass doch nicht das man nicht gegen eben jenes Opfer eines Verbrechens werden kann.

Warum werden die Rechte der Unterhaltsgläubiger klar zementiert aber im Gegenzug dessen Pflichten a.) nicht klar benannt und b.) sanktionslos belassen.
Bin ich als Unterhaltsschuldner nicht genauso ein Individuum mit dem Recht auf ein Leben in Sicherheit wie ein volljähriger Unterhaltsgläubiger?

Ich frage mich, Anbetracht der vielen gleichgearteten Fälle die man in den vielen Beiträgen im Internet finden kann, warum es niemanden gibt der gegen unser Unterhaltsrecht aufbegehrt.
Dass bei diesem Unterhaltsrecht jede familienpolitische Milliarde wirkungslos im Sande versickert wundert mich nicht.

Dies nur als Anmerkung vorweg.
kingofthehill hat geschrieben: Ist es ein copy und paste Plagiat oder ein Inhaltliches? Ich habe einfach schon zu viele Plagiatsjäger erlebt, die in allem ein Plagiat gesehen haben, selbst in allgemeinen Aussagen wie: Der zweite Weltkrieg begann 1939.

Aber egal, wichtiger wäre zu fragen. ob beim Verlust des Abiturs es nicht grundsätzlich klug wäre, einen Anwalt für Schulrecht (bitte nicht "nur" Verwaltungsrecht) aufzusuchen. Hier gehts ja nicht daraum, dass die Note nur eine 2,3 statt einer 2,0 ist.
Die Tochter verlangte durch ihren Anwalt von mir unter Androhung einer einstweiligen Anordnung und dem Haftbar machen für eventuelle höhere Mietkosten wenn sie die Wohnung nicht bekäme, eine Mietkaution in Höhe von 1100,- € für eine in Aussicht stehende Münchner Wohnung.
Die Tochter hatte aber bereits seit zwei Monaten eine Wohnung mit ihren Lebensgefährten in Landshut gemietet.
Einen Sonderbedarf gab es nicht da der voll berufstätige Lebensgefährte die Kaution für die gemeinsame Wohnung bereits mit der Unterschrift des Mietvertrages bei dem Vermieter als Sicherheit hinterlegt hatte.

Davon abgesehen gab es auch keine Universität die ihr bis dahin einen Studienplatz zugesagt hätte.

Bei der Geltendmachung des Sonderbedarfs wurde weder ein Nachweis für einen Studienplatz noch ein Nachweis für eine angebliche Münchner Wohnung vorgelegt.
Auch verschwieg die Tochter – wie schon die Adresse davor – ihren wahren Wohnsitz.

Mit der Geltendmachung des Sonderbedarfs verlangte sie eine Erhöhung des Unterhalts auf 670,- € abzüglich Kindergeld.
Verschwieg aber – wie schon in der Verhandlung 2010 – das Einkommen der Kindsmutter.

Hierbei sei angemerkt das der Arbeitgeber der Kindsmutter 2012 rechtskräftig wegen der Zahlung von Schwarzgeldern an seine Arbeitnehmer verurteilt wurde.
Ich hatte also recht wenn ich mich schon 2010 darüber beschwerte dass die Tochter bezüglich der Einkünfte der Mutter falsche Angaben machte.

Im Zuge der Geltendmachung des Sonderbedarfs legte die Tochter mir zum ersten Mal seit drei Jahren ein Zeugnis vor.
Aus diesem Zeugnis geht hervor das sie ein Skurriles Seminararbeitsthema wählte über das schon seit geraumer Zeit im Internet wegen Plagiatsjagt diskutiert wurde.

Ich beauftragte also meinen Anwalt bei der Schule der Tochter nachzufragen ob ein Plagiatsvorwurf gegen die Seminararbeit vorliege.

Die Antwort der Schule war das gegen die Seminararbeit eine Anzeige vorliegt.

Nun bin ich kein Fachmann in Sachen Plagiat oder nicht Plagiat.
Ich sehe das genauso wie kingofthehill: nicht jede Aussage... „Der zweite Weltkrieg begann 1939.“ ...ist gleich ein Plagiat.

Also beauftragte ich einen Plagiatsgutachter die Seminararbeit zu begutachten.
Die Antwort des Gutachters war das es sich selbstverständlich sehr deutlich um ein Plagiat handelt.

Nun bin ich als dritten Schritt zu einem renommierten Anwalt für Schul und Prüfungsrecht gegangen und fragte ihn ob jetzt die Tochter ihr Abitur behalten kann oder nicht.
Seine Aussage war eindeutig.
Die Rechtslage ist hier eindeutig – die Schülerin kann ihr Abitur nicht retten.
Die Schule kann da nicht aus.
Es ist jetzt unerheblich ob diese Sache in drei Monaten oder in 30 Jahren entzogen wird (er nannte dabei als Beispiel den Fall einer bekannten Politikerin die ihren Titel nach 30 Jahren verloren hat).

Im Grunde habe ich ja nun seit Jahren eben dieses Abitur bezahlt.
Mit diesem Abitur bekommt sie einen Ausbildungsberuf bei dem das Lehrlingsgehalt vom ersten Lehrjahr an die Unterhaltsgrenze übersteigt.
Einen Studienplatz hat sie nicht bekommen und sie behauptet zumindest momentan (jetzt erst Mitte September!) sich um eine Lehrstelle als Handelsfachwirtin zu bewerben.
Ausbildungsplätze dafür gibt es wie Sand am Meer um Landshut und München (wenn auch natürlich mit dem Vermerk "beginnend August 2014").
Inwieweit sie sich wirklich um einen Ausbildungsplatz bemüht weiß ich natürlich nicht.

Aber im Grunde habe ich natürlich Interesse daran das die von mir bezahlte Ausbildung sich jetzt bezahlt macht.

Meine Frage ist jetzt – gibt es eine Erfolgschance gegen den Entzug eines Abiturs zu klagen?
CDS
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1543
Registriert: 16.01.05, 23:59

Re: Chancen bei Plagiatsvorwurf das Abitur zu retten?

Beitrag von CDS »

Was wollen Sie denn hören?
Alle sagen Ihnen das es keine Chance gibt.
Was anderes wird auch niemand seriöserweise erzählen.
jörg Alexander
Topicstarter
FDR-Mitglied
Beiträge: 28
Registriert: 05.02.10, 09:15

Re: Chancen bei Plagiatsvorwurf das Abitur zu retten?

Beitrag von jörg Alexander »

CDS hat geschrieben: Was wollen Sie denn hören?
Alle sagen Ihnen das es keine Chance gibt.
Was anderes wird auch niemand seriöserweise erzählen.
„wollen“

Nun –
Behält sie ihr Abitur verdient sie in einer Lehre als Handelswirtin im ersten Lehrjahr, auch abzüglich der 90 €uro, schon mehr als Unterhaltstechnisch noch forderbar wäre.
Verliert sie ihr Abitur, bestrebe ich eine Abänderungsklage weil sie nun zum zweiten Mal durchgefallen ist.

Was ich will?
Ich denke eher ich fürchte die Aussage dass vor Gericht und auf hoher See alles möglich ist.

Bei Gutenberg konnte man es mit einem Plagiatswert von 20% nachweisen.
Hier sprechen wir von einem nachgewiesenen Plagiatsvorwurf in Höhe von 75%.

Plagiat heißt hier aber vor allem, dass eine Ausbildung nicht ernsthaft betrieben wird.

In der vor Gericht eingereichten Abänderungsklage wurde momentan das Plagiat noch nicht erwähnt.
Was aber nicht heißt dass es im Fall einer Gerichtsverhandlung nicht doch auf den Tisch kommt.
Und da würde ich schon gerne wissen was die Gegenpartei als Ass aus dem Ärmel holen könnte, um dem Plagiatsvorwurf bzw. dem offensichtlich gewordenen Desinteresse an der Ausbildung, zu begegnen.
Wenn die Gegenpartei dagegen nichts vortragen kann, wäre das eine gute Nachricht.

Der gegnerische Anwalt hat die Angewohnheit dass er lautstark dazwischenredet, wenn er dem Vorwurf eigentlich nichts entgegen zu setzen hat.
Wenn ich Pech habe und einen Richter als Vorsitz habe, der sich gegen das lautstarke Dazwischenreden nicht zur wehrsetzen weiß, dann braucht die Gegenpartei keine Argumente.

Momentan ist das Thema Plagiat und ob sie das Abitur nun halten kann oder nicht, in der eigentlichen Unterhaltsfrage, zur Nebensache geworden.
Antworten