Befreiung/Ermäßigung/Rückerstattung Semesterticket

Recht der Studenten, Hochschulprüfungsrecht, Recht der Hochschulmitarbeiter, soweit nicht Arbeits- oder Beamtenrecht

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mondbein
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Befreiung/Ermäßigung/Rückerstattung Semesterticket

Beitrag von mondbein » 04.09.18, 23:51

Guten Abend allerseits,

ich versuche in Erfahrung zu bringen, ob ein solcher Nachteilsausgleich bezüglich des Semestertickets möglich ist. Im konkreten Fall geht es um einen Studenten, der gleichzeitig pflegender Angehöriger ist und deshalb mit dem PKW zur nächstgelegenen Universität fährt. Das Auto wird nur zu diesem Zweck unterhalten, am Wochenende könnte er ansonsten den PKW des voll berufstätigen Vaters benutzen.
Es wurde ein formloser Antrag an die zuständige Sachbearbeiterin der Universität gestellt, der mit den Worten: "Eine solche Vergünstigung ist leider nicht vorgesehen" äußerst knapp beantwortet wurde.
Durch die unerfreuliche Situation in der Familie muss ja so quasi doppelt bezahlt werden - das Auto und das Semesterticket.

In meinem Pflegeforum habe ich erfahren, dass andere Universitäten und Hochschulen so etwas durchaus anders handhaben, es konnte mir nur niemand eine Rechtsgrundlage nennen. Gibt es eine solche? Oder läuft das unter "Kulanz", "Goodwill" bzw. besteht da ein Ermessensspielraum?

An wen kann man sich wenden, nachdem bereits eine Ablehnung von der Sachbearbeiterin ausgesprochen wurde bzw. ergibt das überhaupt noch Sinn?

Vielen Dank bereits im Voraus und beste Grüße!

Dig
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Re: Befreiung/Ermäßigung/Rückerstattung Semesterticket

Beitrag von Dig » 05.09.18, 05:54

Guten Morgen,
ich kenne es auch so, dass es in den Universitäten sehr unterschiedlich geregelt wird. Meist ist es aber ein Gesamtpaket, aus dem einzelne Teile nicht herausgelöst werden können. Der nächste Student hat seinen Hauptwohnsitz am Studienort und fährt jeden Tag mit dem Fahrrad. Auch er bekommt das Semesterticket.
Viele Grüße Dig

mondbein
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Re: Befreiung/Ermäßigung/Rückerstattung Semesterticket

Beitrag von mondbein » 06.09.18, 22:15

Dig hat geschrieben:Guten Morgen,
ich kenne es auch so, dass es in den Universitäten sehr unterschiedlich geregelt wird. Meist ist es aber ein Gesamtpaket, aus dem einzelne Teile nicht herausgelöst werden können. Der nächste Student hat seinen Hauptwohnsitz am Studienort und fährt jeden Tag mit dem Fahrrad. Auch er bekommt das Semesterticket.
Vielen Dank für die Antwort! Ich kenne mich überhaupt nicht aus, was das Semesterticket angeht. Heißt das, dass jede Uni/Hochschule ihre eigenen Richtlinien aufstellen kann? Es gibt wohl recht wenig pflegende Studenten, kann es deshalb auch sein, dass diese Gruppe einfach gar nicht bedacht wurde und deshalb kein Nachteilsausgleich für sie vorgesehen ist?

FM
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Re: Befreiung/Ermäßigung/Rückerstattung Semesterticket

Beitrag von FM » 07.09.18, 00:44

mondbein hat geschrieben: Heißt das, dass jede Uni/Hochschule ihre eigenen Richtlinien aufstellen kann? Es gibt wohl recht wenig pflegende Studenten, kann es deshalb auch sein, dass diese Gruppe einfach gar nicht bedacht wurde und deshalb kein Nachteilsausgleich für sie vorgesehen ist?
Auch pflegende Studenten fahren nicht zwangsläufig mit dem Auto statt mit dem Bus. Es wird noch ganz viele weitere Fälle geben, die nicht bedacht wurden und auch gar nicht bedacht werden sollten. Das Semesterticket beruht meist auf einem Vertrag zwischen der Hochschule (oder AStA, Studentenwerk etc.) und dem Verkehrsverbund, der typische Situationen berücksichtigt, aber nicht jeden denkbaren Einzelfall. Er soll auch nicht nur den Studenten zugute kommen, sondern gleichzeitig kommunalpolitischen Zielen (Luftreinhaltung, Parkplätze, Verkehrssituation, Ausbau des ÖPNV). Würde man jeden davon ausnehmen der Gründe dafür nennt, dann würde der zu zahlende Betrag für die anderen umso höher, und der Verwaltungsaufwand riesig. Es gibt ja auch viele Mischfälle (etwa: jemand könnte von der Wohnung aus nicht den Bus benutzen, vom nächsten Dorf aus aber schon; und wer ist dann schuld dass der so ungünstig wohnt?).

Was genau gilt, muss man in den vor Ort geltenden Regelungen nachschauen. Die können auch deshalb verschieden sein, weil die Situation in Berlin eine andere ist als in Konstanz.

Für aufgrund der Pflegesituation entstehende Zusatzkosten wären die Pflegeversicherung oder die Sozialhilfe (Leistungsbereich "Hilfe zur Pflege") zuständig.

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Re: Befreiung/Ermäßigung/Rückerstattung Semesterticket

Beitrag von SusanneBerlin » 07.09.18, 07:02

Hallo,

es stellt sich auch die Frage des Zusammenhangs von Pflege eines Angehörigen und der Notwendigkeit, das eigene Auto zu benutzen. Ein Zusammenhang ist für mich nicht erkennbar. Wahrscheinlich soll mit Zeitersparnis argumentiert werden, aber Zeit sparen wüden viele andere Studenten sicherlich auch gerne, die beispielsweise einem Nebenjob nachgehen müssen um ihr Studium zu finanzieren.

Es gibt es doch auch bei keiner anderen Stelle die nicht mit der Pflege zu tun hat, einen "Nachteilsausgleich" oder Vergünstigungen für pflegende Abgehörige, wieso sollten die Unis eine Ausnahme machen.

Der Preis des Semestertickets ist um einiges niedriger als ein normales ÖPNV-Abo, damit wird erreicht dass die Studierenden öffentliche Verkehrsmittel vergünstigt benutzen können. Der Preis des Semesterticktets ist über die Anzahl der in der jeweiligen Stadt eingeschriebenen Studierenden finanziert und diese Kalkulation geht nur auf, wenn jeder Student per Immakulationsordnung verpflichtet wird, das Ticket abzunehmen und nicht bei jedem eine Ausnahme gemacht wird der aus privaten Gründen lieber das Auto benutzt.
Grüße, Susanne

mondbein
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Re: Befreiung/Ermäßigung/Rückerstattung Semesterticket

Beitrag von mondbein » 07.09.18, 09:37

Guten Morgen,
im konkreten Fall ist es so, dass überhaupt kein Auto notwendig wäre, wenn die Pflegesituation nicht bestehen würde. Dann könnte der Student einzig und alleine mit öffentlichen Verkehrsmitteln hin- und zurückfahren und während der Woche das Semesterticket nutzen (WG-Zimmer ist vorhanden). Am Wochenende könnte er das Auto des während der Woche voll berufstätigen Vaters benutzen.
Es wurde wegen der Situation die Universität in größter Heimatnähe gewählt, die mit dem Auto in einer knappen Stunde zu erreichen ist - mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus und Bahn) dauert die Bewältigung einer Strecke weit über 2 Stunden.
Es gibt immer wieder Situationen, in denen zeitnahe Hilfe nötig ist und auf die Schnelle kommt auch nicht der Pflegedienst. Außerdem ist Begleitung zum Arzt und Therapien notwendig. Diese sind oft planbar, aber längst nicht immer - mit Auto würde nur ein halber Tag an der Uni verloren gehen . Die Unterhaltung dieses Autos ist nur aufgrund der schwierigen Situation notwendig.
Es gibt keine Geschwister oder andere Familienangehörige (mehr), die helfen könnten, Freunde und Bekannte sind selbst noch voll berufstätig.
Ich habe keine Idee, wie die Situation ohne dieses speziell dafür angeschaffte Auto (2018 gekauft) zu bewältigen wäre (wenn sie es überhaupt ist), Tatsache ist, dass deshalb doppelt gezahlt werden muss. In "meinem" Pflegeforum habe ich erfahren, dass so etwas an anderen Universitäten durchaus anerkannt und berücksichtigt wird - ansonsten hätte ich gar nicht gefragt.
Die Argumente dagegen kann ich ebenfalls nachvollziehen, ich möchte das Thema dann gerne innerlich abhaken, wenn tatsächlich kein Anspruch besteht.
Vielen Dank für eure Beiträge und beste Grüße!

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Re: Befreiung/Ermäßigung/Rückerstattung Semesterticket

Beitrag von FM » 07.09.18, 10:23

mondbein hat geschrieben: ich möchte das Thema dann gerne innerlich abhaken, wenn tatsächlich kein Anspruch besteht.
Das wird sich hier eben nicht klären lassen. Und die Info eines Betroffenen, dass es in Hamburg so wäre, nützt dem anderen aus Köln gar nichts.

mondbein
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Re: Befreiung/Ermäßigung/Rückerstattung Semesterticket

Beitrag von mondbein » 07.09.18, 12:08

FM hat geschrieben:
mondbein hat geschrieben: ich möchte das Thema dann gerne innerlich abhaken, wenn tatsächlich kein Anspruch besteht.
Das wird sich hier eben nicht klären lassen. Und die Info eines Betroffenen, dass es in Hamburg so wäre, nützt dem anderen aus Köln gar nichts.
Danke, das habe ich jetzt verstanden.
Ich bin gerade dabei die gesamte neue Situation, die uns nun bevorsteht, etwas zu strukturieren und unter Kontrolle zu bekommen - soweit das überhaupt möglich ist. Die Kosten für das nicht benötigte Semesterticket sind zwar etwas ärgerlich, aber tatsächlich eins meiner kleineren Probleme.

SusanneBerlin
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Re: Befreiung/Ermäßigung/Rückerstattung Semesterticket

Beitrag von SusanneBerlin » 07.09.18, 12:34

Es gibt keine Geschwister oder andere Familienangehörige (mehr), die helfen könnten, Freunde und Bekannte sind selbst noch voll berufstätig.
Man sollte bei der Zeitplanung eventuell noch im Blick haben, dass der Zeitaufwand eines Studiums ebenfalls mindestens einem Vollzeitjob entspricht, mit der reinen Anwesenheit in den Vorlesungen ist es nicht getan. Die Inhalte müssen auch vor- und nachbearbeitet werden, Referate und Hausarbeiten müssen erstellt werden etc. Klausurtermine sind je nach Klausurplan nur 1 - 2 mal pro Semester oder nur im Winter- bzw. Sommersemester, wird der Termin versäumt oder muss wegen eines Notfalls abgebrochen werden, ist der Wiederholungstermirm ein bzw. zwei Semester später erst angesetzt.
Grüße, Susanne

mondbein
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Re: Befreiung/Ermäßigung/Rückerstattung Semesterticket

Beitrag von mondbein » 07.09.18, 13:20

SusanneBerlin hat geschrieben:
Es gibt keine Geschwister oder andere Familienangehörige (mehr), die helfen könnten, Freunde und Bekannte sind selbst noch voll berufstätig.
Man sollte bei der Zeitplanung eventuell noch im Blick haben, dass der Zeitaufwand eines Studiums ebenfalls mindestens einem Vollzeitjob entspricht, mit der reinen Anwesenheit in den Vorlesungen ist es nicht getan. Die Inhalte müssen auch vor- und nachbearbeitet werden, Referate und Hausarbeiten müssen erstellt werden etc. Klausurtermine sind je nach Klausurplan nur 1 - 2 mal pro Semester oder nur im Winter- bzw. Sommersemester, wird der Termin versäumt oder muss wegen eines Notfalls abgebrochen werden, ist der Wiederholungstermirm ein bzw. zwei Semester später erst angesetzt.
Danke für die Hinweise. Ich habe jeden Tag und permanent ein schlechtes Gewissen wegen dieser schweren Situation. Der einzige Grund, warum das SO überhaupt in Frage kommt ist, dass wir einen sehr leistungsstarken Schüler haben, der genau in dieser Situation ein Einser-Abi geschafft hat (eine Facharbeit oder ähnliche Extras waren natürlich nicht möglich). Ich möchte noch so lange es geht in meinem Zuhause bleiben und natürlich denke ich auch daran, was in 5 Jahren sein könnte: da käme für meinen Mann Altersteilzeit in Frage und unser Sohn könnte gehen, wohin er möchte.
Wir haben hier im Haushalt eine polnische Frau fest angemeldet, sie hat natürlich auch ein eigenes Leben (Familie und andere Jobs). Es ist halt nicht leicht und eine progrediente Erkrankung wird auch nicht besser...
Ich versuche wirklich unseren Sohn nicht zu sehr auszunutzen und haben den Eindruck, dass er trotz allem ein glücklicher Mensch ist.

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