Trinkgeld nicht ausgezahlt

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Jousen
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Trinkgeld nicht ausgezahlt

Beitrag von Jousen »

Im Folgenden schildere ich einen fiktiven Fall, der bereits einige Zeit zurückliegt.
Person A arbeitet - sagen wir, Mitte 2017 - ein paar Mal auf eigene Rechnung in einer Diskothek. Es gib einen festen Stundenlohn und über das Trinkgeld heißt es, es komme in einen gemeinschaftlichen Pott und würde jeweils am Monatsende ausgezahlt. Die Rechnung über die geleistete Arbeit wird nach Zahlungsaufforderung beglichen, nicht hingegen das Trinkgeld. Die Betreiber (B) der Diskothek halten A lange hin, geben Zuständigkeiten ab, sind krank etc. Es geht um eine nicht unerhebliche Summe (v.a. im Vergleich zum Stundenlohn), die A jedoch nur schätzen kann. Statt des fiktiven Schätz-Betrages von 1000.- könnte seitens B jederzeit willkürlich behauptet werden, es wären z.B. nur 50.- gewesen. A hat viel Erfahrung in der Gastronomie und hat die gegebenen Gelder die Abende über für sich grob im Blick behalten. Zudem kann A die Situation einigermaßen "nachstellen", da der Laden jeweils übervoll war und A sehr flott und pausenlos ein Getränk nach dem anderen herausgegeben hat.
Nun die Fragen: Unterschlagung verjährt, wenn ich richtig gelesen haben, nach 3 Jahren, veruntreuende U. erst nach 5 Jahren. Könnte einer der beiden Straftatbestände überhaupt zutreffen? Ist es ohnehin zu spät (im Mai 2020), v.a., da es quasi keinerlei Beweise und keine konkrete Angabe über die Höhe gibt? Was könnte A alternativ oder zusätzlich unternehmen, da im Raum steht, dass das Geld regelmäßig nicht - zumindest keinesfalls in voller Höhe - ausbezahlt wird? Das wären doch Schwarzeinnahmen seitens B!? Vorab noch: A hat keinen Kontakt zu anderen, die dort seinerzeit arbeiteten; das Personal wechselt hier ständig.
Danke für jeden hilfreichen Tipp.

ExDevil67
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Re: Trinkgeld nicht ausgezahlt

Beitrag von ExDevil67 »

Was wurde denn zwischen A und der Disko zur Bezahlung nachweisbar vereinbart? "Auf Rechnung" klingt für mich eher danach das A als Selbstständiger für die Disko tätig war, dann müsste im Vertrag auch der Anteil von A geregelt worden sein.

Und wenn das Trinkgeld erst am Monatsende aufgeteilt werden soll, war A jeden Abend die komplette Zeit anwesend und hatte jederzeit den kompletten Überblick was an Trinkgeld eingenommen wurde? Das wäre in meinen Augen Voraussetzung wenn A die Abrechnung anzweifeln will.

winterspaziergang
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Re: Trinkgeld nicht ausgezahlt

Beitrag von winterspaziergang »

Jousen hat geschrieben:
01.05.20, 23:36
Im Folgenden schildere ich einen fiktiven Fall, der bereits einige Zeit zurückliegt.
Person A arbeitet - sagen wir, Mitte 2017 - ein paar Mal auf eigene Rechnung in einer Diskothek. Es gib einen festen Stundenlohn und über das Trinkgeld heißt es, es komme in einen gemeinschaftlichen Pott und würde jeweils am Monatsende ausgezahlt.

Widersprüchlich: Wenn A auf eigene Rechnung arbeitet, kann er keinen "Lohn" erhalten.

Frage: Es gibt eine Vereinbarung über eine freie Tätigkeit als was auch immer. Hier sind die Einzelheiten festgehalten. Wenn "es heißt" dass Trinkgelder am Monatsende ausgezahlt würden, stellt sich die Frage, ob dies auch für die freien Kräfte gilt.
Die Rechnung über die geleistete Arbeit wird nach Zahlungsaufforderung beglichen, nicht hingegen das Trinkgeld. Die Betreiber (B) der Diskothek halten A lange hin, geben Zuständigkeiten ab, sind krank etc. Es geht um eine nicht unerhebliche Summe (v.a. im Vergleich zum Stundenlohn), die A jedoch nur schätzen kann.
s.o. zum Thema "Lohn"
Nun die Fragen: Unterschlagung verjährt, wenn ich richtig gelesen haben, nach 3 Jahren, veruntreuende U. erst nach 5 Jahren. Könnte einer der beiden Straftatbestände überhaupt zutreffen?

nicht erkennbar, da unklar ist, welche Vereinbarung A (schriftlich) getroffen hat.
...Was könnte A alternativ oder zusätzlich unternehmen, da im Raum steht, dass das Geld regelmäßig nicht - zumindest keinesfalls in voller Höhe - ausbezahlt wird? Das wären doch Schwarzeinnahmen seitens B!?

wer sagt denn, dass die anderen Mitarbeiter, die Lohn erhalten, nicht auch das Trinkgeld ausbezahlt bekommen haben? oder dass es nicht ordnungsgemäß verbucht wurde?
Vorab noch: A hat keinen Kontakt zu anderen, die dort seinerzeit arbeiteten; das Personal wechselt hier ständig.
auch zu wechselndem Personal kann man Kontakt haben, was gut wäre, um etwa zu erfahren, ob die anderen das Trinkgeld zum Monatsende ausbezahlt bekommen haben

Jousen
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Re: Trinkgeld nicht ausgezahlt

Beitrag von Jousen »

@ ExDevil67:
Es gibt nur einen mündlichen Vertrag.
A hatte, wie geschrieben, die Höhe des TG nur grob im Auge. A hat wie im Akkord einen Kunden nach dem anderen mit Getränken ausgestattet und geht von ca. 1 EUR pro Minute aus.
Es könnte auch sein, dass A jeweils nach etwa 10 EUR 1 EUR in ein extra Fach seines Kellner-Geldbeutels gelegt hat...Unterm Strich kann A nur einen Schätzwert angeben.
Es gibt keine Abrechnung, welche anzuzweifeln wäre. Es gibt gar keine Abrechnung, kein Geld, keine sich zuständig fühlende Kontaktperson. Diejenige, mit welcher der mündl. Vertrag geschlossen wurde, ist nicht mehr erreichbar und arbeitet in dem Laden offenbar nicht mehr.

@ winterspaziergang:
Honorar, Verzeihung!
Dem auf Rg. arbeitenden A teilte man vorab mit, dass das TG am Monatsende aufgeteilt würde.

A hat keine Beweise; zieht nur in Erwägung, dass das TG grds. nicht (vollumfänglich) ausbezahlt wird. A würde das gerne prüfen lassen. Aber hier gibt es wohl keine Möglichkeiten.

Kurz gesagt: keine Beweise für irgendwas. A möchte dennoch nichts unversucht lassen.
A hat bisher keine Rechnung (bezüglich des Trinkgeldes) geschrieben, nur eine Aufforderung, das TG auszuzahlen. Was könnte ein nächster Schritt sein? Eine Zahlungserinnerung ist ohne Betrag und ohne vorausgegangene Rechnung wohl kaum möglich. Alternativ etwa eine Rechnung nach nun fast 3 Jahren mit einem Betrag (den A nur geschätzt hat)?
Und zudem Strafantrag wegen Unterschlagung?

Dass übrigens in dem Laden das Personal mittels vieler Kameras genau beobachtet wird - über dieses Gebaren müsste wohl ein eigener Beitrag eröffnet werden, richtig?

Jousen
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Re: Trinkgeld nicht ausgezahlt

Beitrag von Jousen »

@ ExDevil67:
Es gibt nur einen mündlichen Vertrag.
A hatte, wie geschrieben, die Höhe des TG nur grob im Auge. A hat wie im Akkord einen Kunden nach dem anderen mit Getränken ausgestattet und geht von ca. 1 EUR pro Minute aus.
Es könnte auch sein, dass A jeweils nach etwa 10 EUR 1 EUR in ein extra Fach seines Kellner-Geldbeutels gelegt hat...Unterm Strich kann A nur einen Schätzwert angeben.
Es gibt keine Abrechnung, welche anzuzweifeln wäre. Es gibt gar keine Abrechnung, kein Geld, keine sich zuständig fühlende Kontaktperson. Diejenige, mit welcher der mündl. Vertrag geschlossen wurde, ist nicht mehr erreichbar und arbeitet in dem Laden offenbar nicht mehr.

@ winterspaziergang:
Honorar, Verzeihung!
Dem auf Rg. arbeitenden A teilte man vorab mit, dass das TG am Monatsende aufgeteilt würde.

A hat keine Beweise; zieht nur in Erwägung, dass das TG grds. nicht (vollumfänglich) ausbezahlt wird. A würde das gerne prüfen lassen. Aber hier gibt es wohl keine Möglichkeiten.

Kurz gesagt: keine Beweise für irgendwas. A möchte dennoch nichts unversucht lassen.
A hat bisher keine Rechnung (bezüglich des Trinkgeldes) geschrieben, nur eine Aufforderung, das TG auszuzahlen. Was könnte ein nächster Schritt sein? Eine Zahlungserinnerung ist ohne Betrag und ohne vorausgegangene Rechnung wohl kaum möglich. Alternativ etwa eine Rechnung nach nun fast 3 Jahren mit einem Betrag (den A nur geschätzt hat)?
Und zudem Strafantrag wegen Unterschlagung?

Dass übrigens in dem Laden das Personal mittels vieler Kameras genau beobachtet wird - über dieses Gebaren müsste wohl ein eigener Beitrag eröffnet werden, richtig?

FM
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Re: Trinkgeld nicht ausgezahlt

Beitrag von FM »

Ein Honorarvertrag als Kellner ist nicht möglich - es sei denn, der Kellner würde selbst die Verträge mit den Gästen abschließen und hätte dabei auch Entscheidungsfreiheit (z.B. über die Preise und das Warenangebot, so dass er z.B. auch andere Biersorten verkaufen kann).

Zum Vertrag über das Trinkgeld muss er aber auch als Angestellter schon sagen, wie die Verteilung vereinbart war (denkbar wäre nach Umsatz, nach Stunden, ggf. unterschiedlich bei den Stunden je nach Anzahl der Gäste, wie sind die Kollegen aus der Küche und vom Reinigungspersonal beteiligt usw.). Wenn das alles mündlich vereinbart war, wären eben die Kollegen als Zeugen zu benennen. Diese können vielleicht auch eine Mindestsumme nennen, von der auszugehen wäre. Aber beweispflichtig ist erst mal derjenige, der etwas haben will.

winterspaziergang
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Re: Trinkgeld nicht ausgezahlt

Beitrag von winterspaziergang »

Jousen hat geschrieben:
04.05.20, 00:01
...
Dem auf Rg. arbeitenden A teilte man vorab mit, dass das TG am Monatsende aufgeteilt würde.

A hat keine Beweise; zieht nur in Erwägung, dass das TG grds. nicht (vollumfänglich) ausbezahlt wird. A würde das gerne prüfen lassen. Aber hier gibt es wohl keine Möglichkeiten.

Kurz gesagt: keine Beweise für irgendwas. A möchte dennoch nichts unversucht lassen.
A hat einen mündlichen Vertrag als "freier Mitarbeiter" - als Kellner- und hat sein vereinbartes "Honorar" (Vergütung) erhalten. Wobei sich hier schon eine Reihe weiterer Rechtsfragen anschließen würden, u.a. steuerlicher Art.

Die Beteiligung am Trinkgeld ist komplett offen, wie FM schon schrieb.
A hat bisher keine Rechnung (bezüglich des Trinkgeldes) geschrieben, nur eine Aufforderung, das TG auszuzahlen. Was könnte ein nächster Schritt sein? Eine Zahlungserinnerung ist ohne Betrag und ohne vorausgegangene Rechnung wohl kaum möglich. Alternativ etwa eine Rechnung nach nun fast 3 Jahren mit einem Betrag (den A nur geschätzt hat)?
welchen Sinn sollte das machen? Kennt man den Umsatz des Monats? weiß man, welche Regelung zum TK gegeben ist? Nebenbei: Um welche fiktive Summe würde es denn gehen?
Und zudem Strafantrag wegen Unterschlagung?
damit sollte man in diesem fiktiven Fall eher vorsichtig sein. Im fiktiven Fall hat man vor 3 Jahren in einem Lokal gekellnert. Als "freier Mitarbeiter", wobei Kellner kein freier Beruf ist.
Damit gingen eine Reihe von Bestimmungen einher, etwa die Anmeldung des Gewerbes (wenn es denn eins wäre), steuerlich usw.
Schwierig hier auch überhaupt eine "Selbstständigkeit" zu konstruieren, da es an so ziemlich allem fehlt, was eine solche ausmacht.

Mit welcher Begründung würde man Unterschlagung anzeigen wollen?
Dass übrigens in dem Laden das Personal mittels vieler Kameras genau beobachtet wird - über dieses Gebaren müsste wohl ein eigener Beitrag eröffnet werden, richtig?
wozu?

ExDevil67
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Re: Trinkgeld nicht ausgezahlt

Beitrag von ExDevil67 »

FM hat geschrieben:
04.05.20, 02:00
Wenn das alles mündlich vereinbart war, wären eben die Kollegen als Zeugen zu benennen. Diese können vielleicht auch eine Mindestsumme nennen, von der auszugehen wäre.
Könnten da (ehemalige) Kollegen wirklich helfen? Der AG muss ja nicht mit jedem Mitarbeiter gleiche Konditionen vereinbaren.
Zumal, Zeugen müssen ja afaik im Vorfel benannt und geladen werden. Sprich der AG könnte ja auch den Zeugen im Vorfeld daran "erinnern" das er noch bei ihm arbeitet und das doch sicher noch länger will.....

winterspaziergang
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Re: Trinkgeld nicht ausgezahlt

Beitrag von winterspaziergang »

ExDevil67 hat geschrieben:
04.05.20, 08:52
...
Könnten da (ehemalige) Kollegen wirklich helfen? Der AG muss ja nicht mit jedem Mitarbeiter gleiche Konditionen vereinbaren.
Zumal, Zeugen müssen ja afaik im Vorfel benannt und geladen werden. Sprich der AG könnte ja auch den Zeugen im Vorfeld daran "erinnern" das er noch bei ihm arbeitet und das doch sicher noch länger will.....
"Zeugen" sind eventuell auch jene, die mehr Trinkgeld bekommen haben, weil es unter einer kleineren Zahl von Mitarbeitern aufgeteilt wurde

Tastenspitz
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Re: Trinkgeld nicht ausgezahlt

Beitrag von Tastenspitz »

winterspaziergang hat geschrieben:
04.05.20, 09:21
weil es unter einer kleineren Zahl von Mitarbeitern aufgeteilt wurde
Diese Anzahl könnte "1" sein und die widerum ist der Inhaber selber. Von daher bekommen die anderen eben doch den angepeilten Anteil, gemessen an dem, wass "1" noch übrig lässt.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

FM
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Re: Trinkgeld nicht ausgezahlt

Beitrag von FM »

ExDevil67 hat geschrieben:
04.05.20, 08:52
Könnten da (ehemalige) Kollegen wirklich helfen? Der AG muss ja nicht mit jedem Mitarbeiter gleiche Konditionen vereinbaren.
Zumal, Zeugen müssen ja afaik im Vorfel benannt und geladen werden. Sprich der AG könnte ja auch den Zeugen im Vorfeld daran "erinnern" das er noch bei ihm arbeitet und das doch sicher noch länger will.....
Eine Vereinbarung zur Verteilung des Trinkgeldes kann nur mit allen dieselbe sein (wenn auch nicht unbedingt dieselben Anteile), am Ende müssen ja 100 % herauskommen und nicht 80 oder 120 %.

Zeugen sind kraft Gesetzes zur wahrheitsgemäßen Aussage verpflichtet. Darauf werden sie vom Richter auch hingewiesen.

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