Reihenhaus über Wohnungseigentumsgesetz

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iClicker
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Reihenhaus über Wohnungseigentumsgesetz

Beitrag von iClicker » 07.07.09, 19:48

Hallo

Angenommen ein Käufer A hat Interesse an einem Reiheneckhaus, welches aufgeteilt nach dem Wohnungseigentumsgesetz ist) Insgesamt sind in dieser WEG 21 Häuser.

Das Grundstück wird über die Teilungserklärung und Sondernutzungsrechte "gekauft".

Gibt es hierzu nachteile?
Ist es so, dass man das ganze Leben lang die Sondernutzungsrechte gekauft hat oder kann es passieren, dass ihm jemand Grundstück wegnimmt?

Kann man im Haus alles?

Wie sieht es mit folgenden Punkten aus:

- darf man ein großes aufbaubares Schwimmbecken (3m durchmesser) im Garten aufstellen? (kann man auh wieder abbauen, gibt es beim (Wortsperre: Firma) zu kaufen :--) )

- darf man Blumenbeete oder Gemüsebeete einfach so anbauen?

Vielen Dank, ich weiß es sind viele Fragen :-)

Thorsten D.
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Beitrag von Thorsten D. » 07.07.09, 21:46

Bei der beschriebenen Konstellation erwirbst Du kein Eigentum an dem Grundstück wo das Reihenhaus draufsteht, sondern einen Miteigentumsanteil an dem Grundstück wo alle Häuser draufstehen.
Du erwirbst allerdings das Sondernutzunsrecht an dem Teil des Grundstücks wo das Haus draufsteht.
Das Heisst, das Grundstück als solches gehört Dir nicht, Du hast nur das Recht der alleinigen Nutzung Deines Teilstückes.
Das Haus selbst gehört Dir, Sondereigentum, im Haus kannst Du tun was Du willst, solange keine tragenden Bestandteile verändert werden, ausserhalb hast Du Dich an die Regeln der Gemeinschaft zu halten

Ob und welche weiteren Regelungen zur Nutzung bestehen findest Du in der Teilungserklärung - die würde ich mir gut durchlesen, und bei Unsicherheiten mir diese von einem versierten Fachanwalt erklären lassen - das Geld ist definitiv sehr gut angelegt.

Letztendlich kaufst Du ein Haus wie wenn Du eine Wohnung kaufen würdest
Wer nicht bereit ist für sein Recht als Eigentümer einzutreten , sollte besser zur Miete wohnen

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Beitrag von iClicker » 07.07.09, 21:53

Danke für die Antwort,

gibt es denn Nachteile oder Vorteile gegenüber einem "gekauften" Grundstück?

Was meinst Du mit dem Satz "Das Haus gehört Dir, Sondereigentum,...?

Danke

Thorsten D.
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Beitrag von Thorsten D. » 07.07.09, 22:01

Sicher gibt es Nachteile gegenüber einem eigenen Grundstück.

Das von Dir beschriebene Szenario ist im Endeffekt wie wenn Du Dir eine Eigentumswohnung kaufen würdest, gleiche Rechte und gleiche Pflichten.

Der Unterschied ist nur dass Du nicht in einer Wohnung wohnst sondern in einem Haus
Wer nicht bereit ist für sein Recht als Eigentümer einzutreten , sollte besser zur Miete wohnen

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Beitrag von iClicker » 08.07.09, 07:59

kann es dabei zu Schwierigkeiten kommen

d.h. könnte mir der Eigentümer mein Grundstück nehmen?

Was heißt Miteigentümer oder Gemeinschaftseigentümer, habe ich wie eine Aktie ein "kleines" Eigentum oder wird das Grundstück immer dem Bauträger und somit dem eigentlichen Eigentümer gehören?

J_Denver
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Beitrag von J_Denver » 08.07.09, 08:22

iClicker hat geschrieben:kann es dabei zu Schwierigkeiten kommen

d.h. könnte mir der Eigentümer mein Grundstück nehmen?

Was heißt Miteigentümer oder Gemeinschaftseigentümer, habe ich wie eine Aktie ein "kleines" Eigentum oder wird das Grundstück immer dem Bauträger und somit dem eigentlichen Eigentümer gehören?
guckst du hier

http://www.delseit.de/text/pdf/snz.pdf
Deutschland hatte 4 große Bundeskanzler. Adenauer hat den Wiederaufbau betrieben. Brandt die Aussöhnung mit dem Osten. Schmidt hat das Land durch die Wirtschaftskrise geführt. Kohl war über 1,90 Meter groß.

Wohni
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Beitrag von Wohni » 08.07.09, 10:01

Oder nochmal in einfach:

Grundstückseigentümer ist die Gemeinschaft der Eigentümer.
Du wirst also einer von denen, wenn du dich zum Kauf entschließt.

Im Haus wird dir der Innenputz gehören, die Innentüren, die Lichtschalter usw.
Alles, was gemeinschaftlich ist, darst du nutzen bzw. mitnutzen. (Hierzu könnte auch ein Garagenhof oder eine Tiefgaragenanlage gehören.)
Ebenso darfst du das Stück Land hinter bzw. vor deinem Haus allein nutzen. Andere Eigentümer dürfen dies gegen deinen Willen nicht betreten.

Besorg dir unbedingt vor dem Notartermin die Teilungserklärung, die Gemeinschaftsordnung und den Aufteilungsplan.

Im Gegensatz zum typischen Reihenhaus auf eigenen Grundstück wird es hier wahrscheinlich auch einen Hausverwalter geben, wie bei einer typischen Eigentumswohnlage.
Es kann sein, dass für die Anlage insgesamt eine Wohngebäudeversicherung abgeschlossen wird, so dass sich nicht jeder selbst drum kümmern muss. Die Gelder würden dann vom Verwalter eingesammelt und bezahlt. Genau so kann es mit anderen Kostenarten gehen, muss aber nicht (Heizung, Wasser, Entwässerung, evtl auch TV-Anschluss). Wie bei einer Eigentumsanlage üblich würde ein Wirtschaftsplan und eine Jahresabrechnung erstellt und von der Gemeinschaft beschlossen werden. Was da im Einzelnen enthalten ist, wird sich wiederum aus der Teilungserklärung und Eigentümerbeschlüssen ergeben.

Auch wegen deiner Sonderfragen (Pool, Nutzgarten) solltest du in der Teilungserklärung nachsehen.

Lass dir halt alles zeigen und erklären vom Verkäufer! (Ist das eine projektierte Baumaßnahme?)
Schau auch mal ins WEG = Wohnungseigentumsgesetz.

MfG
Wohni

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Beitrag von iClicker » 08.07.09, 10:34

Hallo

Vielen Dank an Euch, das PDF Dokument habe ich mal ausgedruckt und lese es mal durch.

zu Wohni:

es ist kein projektierte Baumaßnahme, es ist schon komplett fertig gestellt.

Ich frage mich einfach nur, was ich eigentlich kaufe! Wenn mir eigentlich "nichts" gehört.

Wenn ich das Reihenhaus kaufe und ein Grundstück von 300qm mit Sondernutzungsrecht habe, habe ich dann vom kompletten Grundstück (wenn das zb. 3000qm groß ist) 10% des kompletten gekauft und habe hlt für meine 300qm noch Sonderrechte?

habe jetzt auch die PDF Datei gelesen, da fallen mir folgende Punkte auf:

Bei der Aufhebung bzw. Entziehung eines Sondernutzungsrechts ebenso wie bei seiner Änderung ist zu
beachten, dass hierfür stets eine Vereinbarung der Eigentümergemeinschaft erforderlich ist.


D.h. mir kann das Grundstück weggenommen werden?

Das Sondernutzungsrecht berechtigt daher nicht zur Vornahme baulicher Veränderungen

D.h. ich könnte nicht einmal Pflanzen entfernen ohne zu fragen?
Laut Makler wäre das sehr offen gehalten aber rechtlich dürfte man das nicht?!?

Danke

J_Denver
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Beitrag von J_Denver » 08.07.09, 12:44

iClicker hat geschrieben: D.h. ich könnte nicht einmal Pflanzen entfernen ohne zu fragen?
Laut Makler wäre das sehr offen gehalten aber rechtlich dürfte man das nicht?!?

Danke
Blumen und Sträucher schon, Bäume eher nicht,
Deutschland hatte 4 große Bundeskanzler. Adenauer hat den Wiederaufbau betrieben. Brandt die Aussöhnung mit dem Osten. Schmidt hat das Land durch die Wirtschaftskrise geführt. Kohl war über 1,90 Meter groß.

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Beitrag von iClicker » 08.07.09, 13:22

ist das rechtlich geregelt, dass man Sträucher und Blumen selbst pflanzen und entfernen darf? oder ist das deine Meinung?

J_Denver
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Beitrag von J_Denver » 08.07.09, 13:59

es gibt entsprechende Urteile. Danach ist ein Baum oder z.b. ein Jägerzaun eine bauliche Veränderung. Sowas muss von der Eigentümergemeinschaft bzw. dem Verwalter genehmigt werden.
Eine bauliche Veränderung ist anzunehmen, wenn die Bäume (oder auch ein einzelner Baum) die gärtnerische Gestaltung des gemeinschaftlichen Grundstücks so nachhaltig beeinflussen, dass sie den optischen Gesamteindruck der Wohnungseigentumsanlage maßgeblich prägen mit der Folge, dass ihre Beseitigung den Charakter der Außenanlage deutlich verändern würde.
Deutschland hatte 4 große Bundeskanzler. Adenauer hat den Wiederaufbau betrieben. Brandt die Aussöhnung mit dem Osten. Schmidt hat das Land durch die Wirtschaftskrise geführt. Kohl war über 1,90 Meter groß.

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Beitrag von iClicker » 08.07.09, 14:09

ja ist es aber nicht auch so, dass eine Pflanze geschmackssache ist und ein anderer Eigentümer müsste nur dagegen sein, dann müsste man es beseitigen?

Wie sieht es mit den anderen Punkten aus die ich noch aufgelistet habe?

Danke

Wohni
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Beitrag von Wohni » 08.07.09, 15:15

Hallo iClicker,

am besten ist es, wenn du den Verkäufer direkt fragst, wie das in der Anlage so gehandhabt wird.

Ich fände es schon einigermaßen daneben, wenn jemand, der 10 Häuser weiter wohnt über die Bepflanzung auf meinem Sondernutzungsgarten mitbestimmen will/soll.
Es kann sein, dass das so gehandhabt wird, dass das praktisch jeder selbst entscheidet.

Frag also den Verkäufer auch mal, ob es einen Verwalter und Eigentümerversammlungen gibt. Lass dir die Versammlungsprotokolle zeigen. Ebenso Jahresabrechnungen und Wirtschaftspläne.

Interessant wäre auch zu wissen, ob sich die Gemeinschaft im Grundsatz verträgt oder ob Streitigkeiten immer mal wieder vor Gericht ausgetragen werden. Bei den Versammlungen gibt es Beschlüsse, die gflls. gerichtlich angefochten werden können.

Was auch helfen kann, ist einfach mal Nachbarn aus der Anlage anzusprechen und interessierte Fragen zu stellen.

Ich habe auch mal ein paar Jahre in so einem Reiheneckhaus gewohnt. Dort war alles kein Problem. Keiner der Miteigentümer hat mir Vorschriften gemachten, wie ich meinen kleinen Garten zu bewirtschaften hätte.

MfG
Wohni

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Beitrag von iClicker » 08.07.09, 15:45

Danke für die Antwort,

wir waren schon mal vor Ort und schauten uns das ganze mal an, das Umfeld ist glaube ich sehr gut, sie machen auch Grillabende usw...

Ich frage mich halt immer noch und das beschäftigt mich sehr, dass ich sehr viel Geld ausgebe und dafür gehört mir eigentlich nichts! Oder besser gesagt mir gehört von allem etwas und vom NAchbarn gehört mir auch ein bischen...

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