Hausübernahme

Moderator: FDR-Team

Antworten
NellyOne
Topicstarter
noch neu hier
Beiträge: 1
Registriert: 09.07.09, 13:07

Hausübernahme

Beitrag von NellyOne » 09.07.09, 13:32

Guten Tag,

ich hoffe, ihr könnt mir folgende Frage beantworten: Eine Person A wohnt schon seit über 10 Jahren kostenlos in einem Haus, was ihm nicht gehört, d.h. er musste keine Miete an den Besitzer bezahlen, aber die Person A hat sich währende den Jahren um das Haus gekümmert, d.h. er hat selber die Kosten für Reparaturen und Renovierungen getragen. Der Besitzer hat sich während den Jahren nie gemeldet, man weis auch nicht, wo er sich befindet. Kann die Person A das Haus in dem Fall kostenlos übernehmen?

Gruß
NellyOne

Franz Königs
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 5099
Registriert: 07.10.07, 14:42
Wohnort: Bad Honnef

Re: Hausübernahme

Beitrag von Franz Königs » 09.07.09, 14:26

Der Eigenbesitzer eines Hausgrundstück kann das Eigentum an dem Grundstück im Wege eines Aufgebotsverfahrens erwerben (§ 927 BGB).

cobold64
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 607
Registriert: 20.09.06, 19:06

Beitrag von cobold64 » 09.07.09, 14:27

Nein, das kann Person A nicht, denn die Übertragung einer Immobilie muss notariell erfolgen und dazu bedarf es des derzeitigen Eigentümers. A könnte versuchen, den Eigentümer über das Einwohnermeldeamt ausfindig zu machen. Wer bezahlt eigentlich die Grundsteuern, wenn der Eigentümer nicht auffindbar ist?

khmlev
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 6016
Registriert: 02.05.09, 18:01
Wohnort: Leverkusen

Beitrag von khmlev » 09.07.09, 15:47

Nein, das kann Person A nicht, denn die Übertragung einer Immobilie muss notariell erfolgen und dazu bedarf es des derzeitigen Eigentümers.
Im Wege des Aufgebotes geht das schon. Allerdings reichen 10 Jahre Eigennutzung nicht aus. Der von Franz Koenigs zitierte § 927 BGB nennt die Fristen. Ist das Aufgebotsverfahren abgeschlossen, geht der "neue" Eigentümer mit dem Beschluß des Amtsgerichtes zum Notar und erklärt die Auflassung des ihm nach Abschluß des Aufgebotsverfahrens zugesprochenen Grundstücks auf sich. Aufgrund dieser Urkunde erfolgt dann die Umschreibung im Grundbuch. Die Verfahrensdauer beträgt mindestens 6 bis 10 Monate nach Eröffnung des Aufgebotsverfahrens.
Gruß
khmlev
- out of order -

Lucky
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 6108
Registriert: 31.12.04, 16:27

Beitrag von Lucky » 09.07.09, 17:20

Nach englischem Recht würde es gehen. Da kann man herrenlose Grundstücke in Besitz nehmen und wird dadurch rechtmäßiger Eigentümer. So hat z.B. John Davis am 14.August 1592 die Falkland-Inseln durch Betreten die herrenlosen Inseln für Englang in Besitz und Eigentum übernommen.

Es würde auch gehen, wenn man Navajo-Indianer ist, denn ein Vertrag, der in Fort Sumner, im Gebiet von New Mexico, am ersten Tag des Juni, im Jahre des Herrn eintausendachthundertachtundsechzig von und zwischen Generalleutnant W.T. Sherman und Samuel F. Tappan, den Vertretern der Vereinigten Staaten, und Barboncito, Arivijo und anderen Häuptlingen und Führern des Stammes der Navajo auf seiten der besagten Indianer abgefaßt, beschlossen und unterzeichnet wurde, besagt u.a.:
Zitat: Sollte ein Mitglied des erwähnten Stammes oder jemand, der legal in diesen aufgenommen wurde, Haupt einer Familie sein und mit Ackerbau beginnen wollen, soll er das Recht haben, in Anwesenheit und unter Beratung des diensthabenden Agenten ein Stück Land innerhalb des erwähnten Reservates, das nicht mehr als 160 Morgen umfaßt, auszuwählen; dieses Stück Land soll, nachdem es gewählt, bestätigt und in das "Grundbuch", wie es im weiteren beschrieben wird, eingetragen worden ist, nicht mehr Gemeinbesitz sein, sondern kann in den allgemeinen Besitz dessen, der es gewählt hat und auch in den Besitz seiner Familie übergehen, solange er oder sie es bebauen. Jede Person über 18 Jahre, die kein Familienoberhaupt ist, kann auf dieselbe Weise vorgehen und veranlassen, daß im oder ihr ein Stück Land von höchstens 80 Morgen zum Zweck der Bebauung zugesprochen wird und er damit in den allgemeinen Besitz des festgelegten Landes kommt. Zitatende.

Wirklich schade, daß wir keine Navajo-Indianer sind.
MfG
Lucky
Meine Beiträge stellen lediglich meine private Meinung sowie ggf. Transparenzinformationenen dar.
Ich gebe grundsätzlich weder Steuer- noch Rechtsberatung.

RM
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 5343
Registriert: 31.12.04, 10:20
Wohnort: Halle (Saale)

Beitrag von RM » 10.07.09, 06:58

khmcologne hat geschrieben: ... Allerdings reichen 10 Jahre Eigennutzung nicht aus...
Eigennutzung wird nach § 927 Abs. 1 BGB auch nach Ablauf der 30-jährigen Frist nicht für einen Eigentumsübergang im Aufgebotsverfahren ausreichen können. Voraussetzung für das Aufgebotsverfahren ist Eigenbesitz (§ 872 BGB). Ob diese Voraussetzung beim hier in Rede stehenden Sachverhalt gegeben sind, scheint mir doch sehr zweifelhaft.

Antworten